Zico

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Fußballspieler und -trainer. Zum brasilianischen Ordensgeistlichen und Alterzbischof siehe Vicente Joaquim Zico.
Zico

Zico, 2009

Spielerinformationen
Voller Name Arthur Antunes Coimbra
Geburtstag 3. März 1953
Geburtsort Rio de JaneiroBrasilien
Größe 172 cm
Position Mittelfeld
Vereine in der Jugend
1967–1971 Flamengo
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1971–1983
1983–1985
1985–1989
1991–1994
Flamengo
Udinese Calcio
Flamengo
Kashima Antlers
635 (477)
79 0(57)
98 0(32)
88 0(54)
Nationalmannschaft
1976–1986 Brasilien 88 0(66)
Stationen als Trainer
2002–2006
2006–2008
2008–2009
2009
2009–2010
2011–2012
2013-
Japan
Fenerbahçe Istanbul
Bunjodkor Taschkent
PFK ZSKA Moskau
Olympiakos Piräus
Irak
al-Gharafa Sports Club
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Zico (* 3. März 1953 in Rio de Janeiro; eigentlich Arthur Antunes Coimbra) ist ein ehemaliger brasilianischer Fußballspieler und derzeitiger -trainer.

Zico wurde der „weiße Pelé“ genannt und war einer der populärsten Spieler Brasiliens der 1970er- und 1980er-Jahre. In 88 Länderspielen schoss der beidfüßig spielende Zico 66 Tore. Er spielte von 1971 bis 1983 und 1985 bis 1989 bei Flamengo in Rio de Janeiro. Zwischenzeitlich war er in Italien bei Udinese Calcio unter Vertrag. Wie Pelé trug er im Verein wie in der Nationalmannschaft die legendäre Nummer 10.

Seine Spezialität waren Freistöße aus 18 bis 30 Metern. Er gilt noch heute als einer der besten Freistoß-Schützen überhaupt. Von Pelé wurde er in die FIFA 100 aufgenommen, einer Liste mit den 125 besten noch lebenden Fußballspielern.

Karriere als Spieler[Bearbeiten]

Nationalmannschaft, Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

Sein internationaler Stern ging bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien auf, jedoch stand er hier noch im Schatten seines Vorgängers in der zentralen Mittelfeldposition, Roberto Rivelino. Das Turnier verlief für Brasilien insgesamt glücklos. Im Gruppenspiel gegen Schweden bekam Brasilien kurz vor Schluss eine Ecke. Der Ball wurde in den Strafraum geflankt und Zico köpfte den Ball ins Tor, der Treffer zählte jedoch nicht, denn der Schiedsrichter hatte abgepfiffen, als sich der Ball in der Luft befand.[1]. Brasilien belegte in der Gruppe nur den zweiten Platz und kam in die zweite Finalrundengruppe mit Gastgeber Argentinien. Im ersten Spiel der Zwischenrunde gegen Peru erzielte Zico kurz nach seiner Einwechslung ein Elfmetertor. Nach einem Unentschieden gegen Argentinien entschied das Torverhältnis, wer ins Finale einziehen sollte. Argentinien besiegte Peru mit 6:0. Den Peruanern, deren Torhüter aus Argentinien stammte, wurde vorgeworfen, das Spiel verschoben zu haben. Jahre später erwähnte ein peruanischer Senator, dass man absichtlich in der Höhe verloren habe[2][3]. Brasilien wurde unter Trainer Claudio Coutinho – der Zico später auch erfolgreich bei Flamengo trainieren sollte – WM-Dritter, doch Zico saß im Spiel um den dritten Platz nur auf der Ersatzbank.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 1982 in Spanien fuhr er dann als weltbester Mittelfeldregisseur der damaligen Zeit und Brasilien galt als klarer WM-Favorit, obwohl die eigentlich vorgesehenen Stürmer Careca und Reinaldo verletzt waren. Zico war neben Sócrates, Falcão und Toninho Cerezo einer der „Fantastischen Vier“, die das vielleicht beste brasilianische Mittelfeld aller Zeiten stellten und den Ausfall der etatmäßigen Stürmer durch viele Tore aus dem Mittelfeld kompensierten. Zico selbst erzielte im Turnierverlauf vier der 15 brasilianischen Tore. Brasilien erreichte erwartungsgemäß souverän die zweite Finalrunde. Dort bezwang die Seleção den Titelverteidiger Argentinien um den jungen Diego Maradona klar mit 3:1, doch im entscheidenden Spiel der zweiten Finalrunde war Brasilien mit 2:3 sensationell dem späteren Weltmeister Italien unterlegen, der bis dahin eher enttäuschend aufgetreten war und sich nur durch drei Unentschieden für die Finalrunde qualifiziert hatte. Diese Niederlage gilt in Brasilien seitdem als Tragödie von Sarria. Das Auftreten Brasiliens in diesem klassischen Spiel sorgte danach für heftige Diskussionen: ein Unentschieden hätte bereits genügt, um weiterzukommen und das Halbfinale zu erreichen; beim Stand von 2:2 spielte die brasilianische Nationalmannschaft, auch ermuntert von der offensiven Philosophie ihres Trainers Telê Santana, jedoch weiterhin auf Sieg. Trotz der Niederlage wird das Team von 1982 neben der Mannschaft von Fußball-Weltmeisterschaft 1970, die in Mexiko den dritten WM-Titel für Brasilien gewann, immer noch als die beste brasilianische Nationalmannschaft aller Zeiten angesehen. Zico selbst äußerte sich mehrfach bedauernd über das Scheitern gegen Italien, „dem Tag, an dem der Fußball starb“[4] und die nachfolgende Entwicklung hin zum taktisch orientierten Kraftfußball: „Das Dream Team war die beste brasilianische Seleção aller Zeiten. Unser Scheitern war schlecht für den Weltfußball, weil der sich in die falsche Richtung entwickelt hat. ... Wenn Brasilien 1982 gewonnen hätte, hätte sich der Fußball verändert“.[5]

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko war Zico zwar immer noch einer der besten Spieler der Welt, hatte seinen Zenit jedoch überschritten. Nach einer Knieoperation noch nicht wieder völlig fit und konditionell zurückgeworfen, fehlte er in den meisten Spielen und wurde nur in der zweiten Hälfte eingewechselt. Doch konnte er im dramatischen Viertelfinalspiel gegen Frankreich auch keine Wende herbeiführen. In der 72. Minute für Müller eingewechselt, scheiterte er in der 82. Minute per Elfmeter am französischen Torhüter Joël Bats und schied mit der Seleção erneut vorzeitig aus – wenn auch erst im Elfmeterschießen, in dem er seinen Elfmeter dann doch noch verwandelte. Frankreich siegte 5:4 n.E. in einem Spiel, das ebenfalls als eines der besten der WM-Geschichte gilt.

Flamengo[Bearbeiten]

Zico spielte fast seine gesamte Karriere bei Flamengo Rio de Janeiro. Er schoss dabei 568 Tore in 765 Spielen, was einem Durchschnitt von 0,74 Toren pro Spiel entspricht. Er trug seit Beginn seiner aktiven Zeit die legendäre Nummer 10. Mit Flamengo wurde er vier Mal Brasilianischer Fußballmeister (1980, 1982, 1983 und 1987). Zudem gewann er 1981 den ersten und bisher einzigen Weltpokal für Flamengo; bei diesem Spiel wurde er auch zum besten Spieler gewählt. Die Prämie dafür teilte er in der Mannschaft auf. 1974 und 1982 wurde er mit der Bola de Ouro ausgezeichnet, der jährlichen Ehrung für den besten brasilianischen Spieler.

Udinese Calcio[Bearbeiten]

Als Zico 1983 nach Italien zu Udinese Calcio wechselte, brachte er dem Verein viel Qualität. Die Stadt und der Verein bekamen mit seiner Ankunft einen Riesenschub. Zeuge dieser Veränderung war der italienische Journalist Luigi Maffei, der für den „Il Gazzettino de Veneza“ arbeitete: „Für uns Friauler ist Zico ein Ferrari-Motor in einem VW Käfer. Wir sind die einzigen auf der Welt, die ein so tolles und fast schon unmögliches Auto besitzen“.

Fans forderten Zico vehement und drohten sogar, lieber unter österreichische Herrschaft zu kommen (das Friaul war bis 1866 unter österreichischer Herrschaft), als ohne Zico zu spielen. Bei seiner Ankunft in Udine warteten ca. 2.000 Menschen am Flughafen. Michel Platini kritisierte später Zicos Wechsel dorthin, da der Verein Zico keine ausreichenden Möglichkeiten für Titelgewinne bot.

Zico war bei Udinese Calcio als Torjäger aktiv. In einer Saison blieb er nur ein Tor hinter dem Torschützenkönig Italiens, der aber zehn Partien mehr gespielt hatte.

Statistiken[Bearbeiten]

Mannschaft Tore Spiele Durchschnitt
Flamengo Rio de Janeiro (BRA) 568 765 0,74
Udinese Calcio (ITA) 57 79 0,72
Kashima Antlers (JAP) 54 88 0,61
Brasilianische Fußballnationalmannschaft 66 88 0,75
Brasilianische Nationalmannschaft Masters 8 16 0,50
Andere 44 49 0,90
Total 800 1091 0,73

Karriere als Trainer[Bearbeiten]

Der neben Michel Platini, Falcão und Diego Maradona weltbeste Mittelfeldspieler seiner Zeit beendete seine Karriere ohne Weltmeistertitel 1990 zum ersten Mal und arbeitete für kurze Zeit im brasilianischen Sportministerium, um kurz darauf als Aktiver zu den Kashima Antlers in die japanische J. League zu gehen.

Kashima Antlers[Bearbeiten]

1994 wechselte er auf die Trainerbank und wurde Technischer Direktor von Kashima. Mit Zico schaffte Kashima dauerhaft den Aufstieg von der zweiten in die erste japanische Liga, weshalb diese kleine Stadt schließlich auch ein Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 wurde.

Brasilien[Bearbeiten]

1998 war Zico Assistent und sportlicher Direktor bei der brasilianischen Nationalmannschaft.

Japan[Bearbeiten]

Nach der WM 2002 übernahm Zico den Trainerposten der japanischen Nationalmannschaft vom Franzosen Philippe Troussier, der das vorher drittklassige Team bis ins Achtelfinale geführt hatte. Zico, der kein Japanisch spricht, konnte den hohen Erwartungen der japanischen Öffentlichkeit zunächst dennoch gerecht werden, unter anderem mit mehreren Kantersiegen in der asiatischen Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Das Turnier selbst verlief jedoch für Japan enttäuschend.

Fenerbahçe Istanbul[Bearbeiten]

Am 4. Juli 2006 wurde Zico Trainer von Fenerbahçe Istanbul. In der Saison 2006/07 wurde er mit Fenerbahçe Meister und erreichte in der Saison 2007/08 mit dem Verein das Viertelfinale der europäischen Champions League. Der brasilianische Ex-Nationalspieler gab seinen Posten nach gescheiterten Verhandlungen mit Fenerbahçe am 10. Juni 2008 wieder auf.

Bunjodkor Taschkent[Bearbeiten]

Von September 2008 bis Januar 2009 war Zico Trainer von Bunjodkor Taschkent.

ZSKA Moskau[Bearbeiten]

Im Januar 2009 wurde Zico Trainer des russischen Vereins, blieb aber nur bis September 2009.

Olympiakos Piräus[Bearbeiten]

Ab September 2009 war Zico Trainer der griechischen Fußballmannschaft Olympiakos Piräus. Neben der Meisterschaft spielt Olympiakos 2009/2010 auch in der Champions League. Am 19. Januar 2010 wurde er jedoch von Olympiakos entlassen.

Irak[Bearbeiten]

Im August 2011 übernahm er die irakische Fußballnationalmannschaft, er schloss einen Ein-Jahres-Vertrag mit dem Fußballverband des Landes ab. Am 27. November 2012 erklärte Zico seinen Rücktritt als irakischer Nationaltrainer.[6]

Qatar, Al-Gharafa[Bearbeiten]

Seit August 2013 ist Zico Trainer des al-Gharafa Sports Club, einem katarischen Club.

Erfolge/Titel[Bearbeiten]

Mit Brasilien[Bearbeiten]

  • WM-Dritter 1978

Mit seinen Vereinen[Bearbeiten]

  • 1980 Brasilianischer Meister mit Flamengo Rio de Janeiro
  • 1981 Copa Libertadores mit Flamengo Rio de Janeiro
  • 1981 Weltpokal in Tokio mit Flamengo Rio de Janeiro,
  • 1982 Brasilianischer Meister mit Flamengo Rio de Janeiro
  • 1983 Brasilianischer Meister mit Flamengo Rio de Janeiro
  • 1987 Brasilianischer Meister mit Flamengo Rio de Janeiro

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Erfolge als Trainer[Bearbeiten]

Auszeichnungen als Trainer[Bearbeiten]

  • 2007 Bester Türkischer Trainer des Jahrhunderts mit Fenerbahçe Istanbul

Politik[Bearbeiten]

Von 1990 bis 1991, während der Präsidentschaft von Fernando Collor, war Zico Sportminister.

Zitate[Bearbeiten]

Muricy Ramalho, Trainer des FC São Paulo 2006: Zico war der beste und kompletteste Spieler, den ich jemals auf einem Fußballfeld gesehen habe. Quelle: www.terra.com.br, Interview vom 3. März 2006

Zico: Ein schöner Freistoß ist wie ein schönes Bild von einem großartigen Maler.[7]

Trivia[Bearbeiten]

Der aktuelle Tischtennis-Olympiasieger und Weltmeister Zhang Jike sollte nach dem Willen seines Vater Zhang Chuanming ursprünglich Fußballprofi werden, weshalb dieser seinen Sohn nach Zico benannte.

Vorgänger Amt Nachfolger

Roberto César mit César
Nunes
Torschützenkönig der Série A
1980
1982

Nunes
Serginho Chulapa

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zico – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] Ereignis wird im Kapitel "Referee Thomas sorgt für Verwirrung " erwähnt
  2. http://www.11freunde.de/artikel/1978-wm-argentinien
  3. http://www.dailymail.co.uk/sport/football/article-2098970/Argentina-cheated-World-Cup-1978-says-Peru-senator.html
  4. http://sportsillustrated.cnn.com/2010/soccer/world-cup-2010/writers/jonathan_wilson/06/04/brazil.pressing/index.html
  5. Süddeutsche Zeitung WM-Bibliothek: 1982, München: Süddeutschte Zeitung, 2006 ISBN 978-3-86615-162-8
  6. Zico tritt als Irak-Teamchef zurück
  7. [2]