Fußball-Weltmeisterschaft 1990

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FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 1990
Italia 90 - Campionato Mondiale Di Calcio
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Anzahl Nationen 24 (von 112 Bewerbern)
Weltmeister Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland (3. Titel)
Austragungsort Italien
Eröffnungsspiel 8. Juni 1990
Endspiel 8. Juli 1990
Spiele 52
Tore 115  (∅: 2,21 pro Spiel)
Zuschauer 2.500.000  (∅: 48.077 pro Spiel)
Torschützenkönig ItalienItalien Salvatore Schillaci (6 Tore)
Bester Spieler ItalienItalien Salvatore Schillaci
Gelbe Karten 163 (∅: 3,13 pro Spiel)
Rote Karten 16 (∅: 0,31 pro Spiel)

Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 (italienisch Campionato Mondiale Di Calcio, englisch FIFA World Cup) war die 14. Ausspielung dieses bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften und fand vom 8. Juni bis zum 8. Juli 1990 zum zweiten Mal nach 1934 in Italien statt. Die Entscheidung über den Austragungsort der WM 1990 fällte die FIFA am 19. Mai 1984 auf ihrem Kongress in Zürich. Italien setzte sich mit 11:5 Stimmen gegen Mitbewerber Sowjetunion durch. England und Griechenland zogen ihre Bewerbungen zurück.

Die WM-Favoriten Brasilien und Argentinien sowie Deutschland und die Niederlande trafen bereits im Achtelfinale aufeinander. Bei der WM 1990 stand Deutschland zum dritten Mal in Folge in einem WM-Finale und konnte nach den Niederlagen von 1982 und 1986 den insgesamt dritten Weltmeister-Titel feiern. Zudem gelang es damit erstmals einer europäischen Mannschaft, ein WM-Finale gegen eine südamerikanische Mannschaft zu gewinnen. Deutschland war durch diesen Erfolg mit drei WM-Titeln sowie drei zweiten Plätzen die erfolgreichste Fußballnation vor Brasilien und Italien, die beide bis dahin ebenfalls drei WM-Titel gewonnen hatten.

Franz Beckenbauer gelang es als zweitem Nationaltrainer nach Mário Zagallo (Brasilien), sowohl als Spieler (bei der WM 1974) als auch als Teamchef (1990) Weltmeister zu werden.

Spielorte[Bearbeiten]

Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in zwölf Stadien in zwölf verschiedenen italienischen Städten ausgetragen.

Stadt Stadion Spiele Kapazität*
Rom Stadio Olimpico 6 73.603
Neapel Stadio San Paolo 5 74.090
Turin Stadio delle Alpi 5 71.000
Bari Stadio San Nicola 5 56.875
Florenz Stadio Artemio Franchi 4 41.300
Mailand Giuseppe-Meazza-Stadion 6 76.398
Genua Stadio Luigi Ferraris 4 35.921
Bologna Stadio Renato Dall’Ara 4 37.825
Verona Stadio Marcantonio Bentegodi 4 40.976
Udine Stadio Friuli 3 38.685
Cagliari Stadio Sant’Elia 3 40.117
Palermo Stadio La Favorita 3 36.982
* zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaft 1990

Qualifikation[Bearbeiten]

112 Nationen meldeten ihre Teilnahme an der Qualifikation zur WM 1990. Italien als Gastgeber und Argentinien als Titelverteidiger waren bereits automatisch qualifiziert, wodurch 110 Nationen um die 22 freien Plätze spielten. Neulinge bei dieser Weltmeisterschaft waren die Mannschaften aus Irland, Costa Rica und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Erwähnenswert ist außerdem das Fehlen des Gastgebers von 1986, Mexiko. Dem mexikanischen Fußballverband wurde nachgewiesen, die Geburtsdaten von einigen Spielern für die Qualifikation zur U20-WM 1989 manipuliert zu haben. Deshalb wurde das Land von der FIFA von 1988 bis 1990 für alle internationalen Spiele gesperrt.

14 aus Europa BelgienBelgien Belgien Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland EnglandEngland England IrlandIrland Irland ItalienItalien Italien
Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien NiederlandeNiederlande Niederlande OsterreichÖsterreich Österreich RumänienRumänien Rumänien SchottlandSchottland Schottland
SchwedenSchweden Schweden SowjetunionSowjetunion Sowjetunion SpanienSpanien Spanien TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei
4 aus Südamerika ArgentinienArgentinien Argentinien Brasilien 1968Brasilien Brasilien KolumbienKolumbien Kolumbien UruguayUruguay Uruguay
2 aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik Costa RicaCosta Rica Costa Rica Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA
2 aus Afrika AgyptenÄgypten Ägypten KamerunKamerun Kamerun
2 aus Asien Korea SudSüdkorea Südkorea Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate V.A. Emirate
Weltkarte der Teilnehmer mit deren Platzierungen


Auslosung[Bearbeiten]

Die Auslosung fand am 9. Dezember 1989 in Rom statt.

  • Die gesetzten Gruppenköpfe:   Italien (A) • Argentinien (B) • Brasilien (C) • BR Deutschland (D) • Belgien (E) • England (F)
  • Topf 1: Ägypten • Kamerun • Südkorea • V.A. Emirate • Costa Rica • USA
  • Topf 2: Kolumbien • Uruguay • Irland • Rumänien • Schweden • Tschechoslowakei
  • Topf 3: Jugoslawien • Niederlande • Österreich • Schottland • Spanien • Sowjetunion

Zuerst wurden in allen sechs Gruppen die Gruppenköpfe an erster Position gesetzt.
Die Mannschaften aus den Töpfen 1 und 3 wurden zu allen Gruppenköpfen frei zugelost.
Aus Topf 2 wurden Kolumbien und Uruguay gezielt europäischen Gruppenköpfen zugelost.

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D Gruppe E Gruppe F
ItalienItalien Italien ArgentinienArgentinien Argentinien Brasilien 1968Brasilien Brasilien Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland BelgienBelgien Belgien EnglandEngland England
OsterreichÖsterreich Österreich KamerunKamerun Kamerun SchwedenSchweden Schweden Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien Korea SudSüdkorea Südkorea IrlandIrland Irland
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Costa RicaCosta Rica Costa Rica Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate V.A. Emirate UruguayUruguay Uruguay NiederlandeNiederlande Niederlande
TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei RumänienRumänien Rumänien SchottlandSchottland Schottland KolumbienKolumbien Kolumbien SpanienSpanien Spanien AgyptenÄgypten Ägypten

Für Infos zu den einzelnen WM-Gruppen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.

Modus[Bearbeiten]

Der Spielmodus der WM-Endrunde war der gleiche wie vier Jahre zuvor: Die 24 qualifizierten Mannschaften wurden in sechs Gruppen mit je vier Mannschaften eingeteilt. 16 Mannschaften qualifizierten sich für die K.-o.-Runde: Die sechs Gewinner der Gruppen, die sechs Zweitplatzierten und die vier besten Drittplatzierten erreichten das Achtelfinale. Ab dem Achtelfinale wurde das Turnier im K.-o.-System ausgetragen. Nur acht Mannschaften schieden nach der Vorrunde aus.

Vorrunde[Bearbeiten]

Die Weltmeisterschaft begann mit einer Überraschung. Der Favorit Argentinien verlor sein Auftaktspiel gegen Kamerun mit 0:1. Kamerun erreichte mit attraktivem Fußball als erste afrikanische Nation ein WM-Viertelfinale. Dort scheiterten sie erst in der Verlängerung mit 2:3 an England. Kameruns Stürmer Roger Milla, damals bereits 38 Jahre alt, wurde durch attraktiven Offensivfußball berühmt.

Gruppe A[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 ItalienItalien Italien 3 3 0 0 4:0 +4 6:0
2 TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 3 2 0 1 6:3 +3 4:2
3 OsterreichÖsterreich Österreich 3 1 0 2 2:3 -1 2:4
4 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA 3 0 0 3 2:8 -6 0:6
9. Juni 1990 in Rom
Italien Österreich 1:0 (0:0)
10. Juni 1990 in Florenz
USA ČSFR 1:5 (0:2)
14. Juni 1990 in Rom
Italien USA 1:0 (1:0)
15. Juni 1990 in Florenz
Österreich ČSFR 0:1 (0:1)
19. Juni 1990 in Rom
Italien ČSFR 2:0 (1:0)
19. Juni 1990 in Florenz
Österreich USA 2:1 (0:0)

Die große Entdeckung der Vorrunde war der fast unbekannte sizilianische Stürmer Salvatore Schillaci, der gegen Österreich wenige Minuten nach seiner Einwechslung den Siegtreffer erzielte und auch gegen die ČSFR traf. Österreich und die USA schafften es nicht, gegen die in dieser Gruppe dominierenden Italiener zu gewinnen, während sich die ČSFR gegen Italien im letzten Gruppenspiel einige Chancen herausarbeitete und ein regelgerechtes Tor nicht anerkannt wurde. Ein Tor nach gelungenem Solo des jungen italienischen Stürmers Roberto Baggio brachte in diesem Spiel die Entscheidung zugunsten der Gastgeber. Österreich kam trotz des Sieges über die USA nicht mehr unter die vier besten Gruppendritten, die US-Amerikaner, die erstmals seit 40 Jahren wieder an einer Weltmeisterschaft teilnahmen, verloren alle drei Spiele und wurden Gruppenletzter.

Gruppe B[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 KamerunKamerun Kamerun 3 2 0 1 3:5 -2 4:2
2 RumänienRumänien Rumänien 3 1 1 1 4:3 +1 3:3
3 ArgentinienArgentinien Argentinien 3 1 1 1 3:2 +1 3:3
4 SowjetunionSowjetunion Sowjetunion 3 1 0 2 4:4 +0 2:4
8. Juni 1990 in Mailand
Argentinien Kamerun 0:1 (0:0)
9. Juni 1990 in Bari
Sowjetunion Rumänien 0:2 (0:1)
13. Juni 1990 in Neapel
Argentinien Sowjetunion 2:0 (1:0)
14. Juni 1990 in Bari
Kamerun Rumänien 2:1 (0:0)
18. Juni 1990 in Neapel
Argentinien Rumänien 1:1 (0:0)
18. Juni 1990 in Bari
Kamerun Sowjetunion 0:4 (0:2)

Diese Gruppe verlief ziemlich unerwartet, denn Favoriten waren eigentlich Titelverteidiger Argentinien und Vize-Europameister UdSSR, stattdessen belegten Kamerun und Rumänien die ersten beiden Plätze. Kamerun besiegte Argentinien bereits im Eröffnungsspiel, so dass Argentinien nach 1982 zum zweiten Mal das Eröffnungsspiel als Titelverteidiger verlor. Sie schafften den Sprung ins Achtelfinale aber ebenfalls noch, da der 4:0-Sieg der Sowjetunion gegen Kamerun zu spät kam.

Gruppe C[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 Brasilien 1968Brasilien Brasilien 3 3 0 0 4:1 +3 6:0
2 Costa RicaCosta Rica Costa Rica 3 2 0 1 3:2 +1 4:2
3 SchottlandSchottland Schottland 3 1 0 2 2:3 -1 2:4
4 SchwedenSchweden Schweden 3 0 0 3 3:6 -3 0:6
10. Juni 1990 in Turin
Brasilien Schweden 2:1 (1:0)
11. Juni 1990 in Genua
Costa Rica Schottland 1:0 (0:0)
16. Juni 1990 in Turin
Brasilien Costa Rica 1:0 (1:0)
16. Juni 1990 in Genua
Schweden Schottland 1:2 (0:1)
20. Juni 1990 in Turin
Brasilien Schottland 1:0 (0:0)
20. Juni 1990 in Genua
Schweden Costa Rica 1:2 (1:0)

Die Brasilianer schafften es mit einer für sie ungewöhnlich defensiven Spielweise, die Vorrunde schadlos zu überstehen. Die Überraschungsmannschaft Costa Rica besiegte beide favorisierten europäischen Mannschaften und erreichte das Achtelfinale. Schottland schied nach 1974, 1978, 1982 und 1986 zum fünften Mal in Folge in der Vorrunde aus. Zehn Minuten vor Schluss sorgte ein Tor des Brasilianers Müller für das vorzeitige Aus der Schotten.

Gruppe D[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland 3 2 1 0 10:03 +7 5:1
2 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien 3 2 0 1 06:05 +1 4:2
3 KolumbienKolumbien Kolumbien 3 1 1 1 03:02 +1 3:3
4 Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate V.A. Emirate 3 0 0 3 02:11 -9 0:6
9. Juni 1990 in Bologna
V.A. Emirate Kolumbien 0:2 (0:0)
10. Juni 1990 in Mailand
BR Deutschland Jugoslawien 4:1 (2:0)
14. Juni 1990 in Bologna
Jugoslawien Kolumbien 1:0 (0:0)
15. Juni 1990 in Mailand
BR Deutschland V.A. Emirate 5:1 (2:0)
19. Juni 1990 in Mailand
BR Deutschland Kolumbien 1:1 (0:0)
19. Juni 1990 in Bologna
Jugoslawien V.A. Emirate 4:1 (2:1)

Die deutsche Auswahl erwischte einen grandiosen Start beim 4:1-Erfolg gegen den hoch eingeschätzten Gruppengegner Jugoslawien. Vor allem Lothar Matthäus, der später als Weltfußballer des Jahres 1990 ausgezeichnet wurde, brillierte in dieser Partie. Kolumbien mit seinen beiden Kultfiguren Carlos Valderrama und René Higuita löste durch einen späten Treffer im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland das Achtelfinal-Ticket, die Emirate besaßen nur eine Statistenrolle in dieser Gruppe.

Gruppe E[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 SpanienSpanien Spanien 3 2 1 0 5:2 +3 5:1
2 BelgienBelgien Belgien 3 2 0 1 6:3 +3 4:2
3 UruguayUruguay Uruguay 3 1 1 1 2:3 -1 3:3
4 Korea SudSüdkorea Südkorea 3 0 0 3 1:6 -5 0:6
12. Juni 1990 in Verona
Belgien Südkorea 2:0 (0:0)
13. Juni 1990 in Udine
Uruguay Spanien 0:0
17. Juni 1990 in Verona
Belgien Uruguay 3:1 (2:0)
17. Juni 1990 in Udine
Südkorea Spanien 1:3 (1:1)
21. Juni 1990 in Verona
Belgien Spanien 1:2 (1:2)
21. Juni 1990 in Udine
Südkorea Uruguay 0:1 (0:0)

Die Partie Belgien-Uruguay gilt als eines der besten Spiele dieses Turniers. Vor allem die Belgier um ihr Mittelfeld-Ass Enzo Scifo spielten eine Klassepartie, obwohl Routinier Eric Gerets vom Platz gestellt wurde. Spanien hatte einen holprigen Start, kam aber dann besser ins Turnier und schlug sogar Belgien, den damals amtierenden WM-Vierten. Im Spiel gegen Südkorea traf Michel von Real Madrid dreimal ins Netz. Der zweifache Weltmeister Uruguay erreichte durch ein Tor in der Nachspielzeit gegen Südkorea doch noch das Achtelfinale.

Gruppe F[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 EnglandEngland England 3 1 2 0 2:1 +1 4:2
2 IrlandIrland Irland* 3 0 3 0 2:2 +0 3:3
3 NiederlandeNiederlande Niederlande 3 0 3 0 2:2 +0 3:3
4 AgyptenÄgypten Ägypten 3 0 2 1 1:2 -1 2:4
* Irland durch Losentscheid Gruppenzweiter
11. Juni 1990 in Cagliari
England Irland 1:1 (1:0)
12. Juni 1990 in Palermo
Niederlande Ägypten 1:1 (0:0)
16. Juni 1990 in Cagliari
England Niederlande 0:0
17. Juni 1990 in Palermo
Irland Ägypten 0:0
21. Juni 1990 in Cagliari
England Ägypten 1:0 (0:0)
21. Juni 1990 in Palermo
Irland Niederlande 1:1 (0:1)

Europameister Niederlande war die Enttäuschung der Vorrundengruppe F. Nur im letzten Gruppenspiel gegen Irland blitzte die Klasse der Mannschaft zeitweise auf, ein Torwartfehler von Hans van Breukelen bescherte den Iren aber doch noch das wichtige Unentschieden, so dass erstmals in der WM-Geschichte das Los über den 2. und 3. Gruppenplatz entscheiden musste. Außenseiter Ägypten schlug sich überraschend gut, war im entscheidenden Gruppenspiel gegen England aber doch knapp unterlegen.

Rangliste der Gruppendritten[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 KolumbienKolumbien Kolumbien 3 1 1 1 3:2 +1 3:3
ArgentinienArgentinien Argentinien 3 1 1 1 3:2 +1 3:3
3 NiederlandeNiederlande Niederlande 3 0 3 0 2:2 +0 3:3
4 UruguayUruguay Uruguay 3 1 1 1 2:3 -1 3:3
5 OsterreichÖsterreich Österreich 3 1 0 2 2:3 -1 2:4
SchottlandSchottland Schottland 3 1 0 2 2:3 -1 2:4

Finalrunde[Bearbeiten]

Spielplan[Bearbeiten]

Achtelfinale Viertelfinale Halbfinale Finale
                           
           
  ItalienItalien Italien  2
 UruguayUruguay Uruguay   0  
  ItalienItalien Italien  1
   IrlandIrland Irland  0  
  RumänienRumänien Rumänien  0 (4)
 IrlandIrland Irland  20 (5)2  
  ItalienItalien Italien  1 (3)
   ArgentinienArgentinien Argentinien  21 (4)2  
  SpanienSpanien Spanien  1
 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien  121  
  Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien  0 (2)
   ArgentinienArgentinien Argentinien  20 (3)2  
  Brasilien 1968Brasilien Brasilien  0
 ArgentinienArgentinien Argentinien  1  
  ArgentinienArgentinien Argentinien  0
   Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland  1
  Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland  2
 NiederlandeNiederlande Niederlande  1  
  Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland  1
   TschechoslowakeiTschechoslowakei CSFR  0  
  TschechoslowakeiTschechoslowakei CSFR  4
 Costa RicaCosta Rica Costa Rica  1  
  Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland  21 (4)2
   EnglandEngland England  1 (3)   Spiel um Platz drei
  EnglandEngland England  111
 BelgienBelgien Belgien  0  
  EnglandEngland England  131   ItalienItalien Italien  2
   KamerunKamerun Kamerun  2    EnglandEngland England  1
  KamerunKamerun Kamerun  121
 KolumbienKolumbien Kolumbien  1  

1 Sieg nach Verlängerung
2 Sieg im Elfmeterschießen

Achtelfinale[Bearbeiten]

Kamerun und Kolumbien waren absolute Exoten im Achtelfinale und lange war auch nicht abzusehen, welche Mannschaft hier die Oberhand behalten würde. Erst in der Verlängerung entschied der eingewechselte Roger Milla die Partie, begünstigt u. a. durch einen Fehler des kolumbianischen Torhüters René Higuita, der bei einem seiner Ausflüge den Ball an Milla verlor und so das 0:2 verschuldete. Für die costa-ricanische Nationalmannschaft, eine weitere große Überraschung, endete das Turnier gegen die CSFR. Costa Rica konnte wie schon im Spiel gegen Schweden einen Rückstand egalisieren, wurde aber in der letzten halben Stunde von der CSFR überrannt.

Brasilien zeigte im Achtelfinale seine beste Turnierleistung, vergab aber zu viele Chancen und musste sich so dem Erzrivalen Argentinien geschlagen geben. Eine Kombination von Maradona und Caniggia neun Minuten vor dem Ende sorgte für den knappen Sieg der Blau-Weißen.

Im Spiel der Bundesrepublik Deutschland gegen die Niederlande gelang der deutschen Mannschaft die Revanche für die Halbfinal-Niederlage bei der EM 1988. Die Niederländer konnten nicht an die Leistung der Vorjahre anknüpfen und Marco van Basten konnte sich gegen Jürgen Kohler im Spiel nicht durchsetzen. Größter Skandal und ein prägender Moment der niederländisch-deutschen Rivalität waren die Platzverweise für Frank Rijkaard und Rudi Völler, der von Rijkaard angespuckt wurde, aber ebenfalls die rote Karte erhielt. Jürgen Klinsmann, der sein bestes Spiel im Verlauf des Turnieres absolvierte, und Andreas Brehme sorgten für die deutschen Siegtore, ein Elfmeter für die Niederlande brachte nur noch den Anschlusstreffer.

Das Spiel Rumänien gegen Irland erlebte recht ausgeglichene 120 Minuten, mit leichten Feldvorteilen für die Iren, die vor allem in der Zuschauergunst weit vorne lagen. Auch im Elfmeterschießen war lange keine Entscheidung abzusehen. Erst der neunte Schütze Daniel Timofte vergab den entscheidenden Elfmeter. Die Republik Irland erreichte also bei ihrer ersten WM-Endrunden-Teilnahme das Viertelfinale. Die italienischen Fans mussten sich über eine Stunde gedulden, bis Salvatore Schillaci im Spiel des Gastgebers gegen Uruguay erneut traf. Danach hatte der Außenseiter Uruguay im Duell der ersten beiden Weltmeister der Geschichte keine Chance mehr, ins Spiel zurückzukommen, und schied aus.

Das Spiel Spanien gegen Jugoslawien war ein weiteres hart umkämpftes Match dieser Spielrunde, mit dem besseren Ende für Jugoslawien. Mittelfeld-Star Dragan Stojković war mit zwei Treffern, darunter ein sehenswertes Freistoßtor, der spielentscheidende Mann. In der abschließenden Achtelfinal-Partie der belgischen Mannschaft gegen England erzielte der Engländer David Platt in der letzten Minute der Verlängerung das entscheidende Tor zum Viertelfinale.

23. Juni 1990 in Neapel
KamerunKamerun Kamerun KolumbienKolumbien Kolumbien 2:1 n.V. (0:0, 0:0)
23. Juni 1990 in Bari
TschechoslowakeiTschechoslowakei CSFR Costa RicaCosta Rica Costa Rica 4:1 (1:0)
24. Juni 1990 in Turin
Brasilien 1968Brasilien Brasilien ArgentinienArgentinien Argentinien 0:1 (0:0)
24. Juni 1990 in Mailand
Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland NiederlandeNiederlande Niederlande 2:1 (0:0)
25. Juni 1990 in Genua
IrlandIrland Irland RumänienRumänien Rumänien 0:0 n.V., 5:4 i.E.
25. Juni 1990 in Rom
ItalienItalien Italien UruguayUruguay Uruguay 2:0 (0:0)
26. Juni 1990 in Verona
SpanienSpanien Spanien Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien 1:2 n.V. (1:1, 0:0)
26. Juni 1990 in Bologna
EnglandEngland England BelgienBelgien Belgien 1:0 n.V.

Viertelfinale[Bearbeiten]

Argentinien konnte sich gegen Jugoslawien erst im Elfmeterschießen durchsetzen. Es war ein Elfmeterschießen mit vielen Fehlschüssen, unter anderem verschossen mit Maradona und Stojkovic auch die jeweiligen Stars der beiden Mannschaften. Der Mythos des „Elfmeterkillers“ Sergio Goycochea wurde in diesem Spiel geboren. Die Iren erreichten das Viertelfinale, ohne ein Spiel nach regulärer Spielzeit gewonnen zu haben. Wieder war es Schillaci, der den entscheidenden Treffer für Italien erzielte.

Die deutsche Mannschaft gewann durch ein Elfmetertor von Lothar Matthäus mit 1:0 gegen die ČSFR. Dieses Spiel ist vor allem dadurch in Erinnerung geblieben, dass Teamchef Franz Beckenbauer an der Seitenlinie fluchte, weil er nicht mit der Art und Weise einverstanden war, wie seine Elf nach dem Platzverweis von Lubomír Moravčík durch Schiedsrichter Helmut Kohl mit der Führung gegen die dezimierten Tschechoslowaken umging. Die Überraschungsmannschaft Kamerun führte auch gegen England zwischenzeitlich mit 2:1, ein Elfmeter von Gary Lineker rettete die Engländer in die Verlängerung. In dieser bekamen die Briten einen weiteren Elfmeter zugesprochen, den erneut Gary Lineker zum ersten Halbfinaleinzug Englands seit 1966 verwandelte.

30. Juni 1990 in Florenz
ArgentinienArgentinien Argentinien Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien 0:0 n.V., 3:2 i.E.
30. Juni 1990 in Rom
IrlandIrland Irland ItalienItalien Italien 0:1 (0:1)
1. Juli 1990 in Mailand
TschechoslowakeiTschechoslowakei ČSFR Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland 0:1 (0:1)
1. Juli 1990 in Neapel
KamerunKamerun Kamerun EnglandEngland England 2:3 n.V. (2:2, 0:1)

Halbfinale[Bearbeiten]

Erstmals nach 1970 standen wieder vier Mannschaften im Halbfinale, die zuvor schon mindestens einmal Weltmeister geworden waren. Beide Halbfinals hatten, nach dem Turnierverlauf zu urteilen, einen klaren Favoriten. Im ersten Halbfinale aber kassierte Gastgeber und Favorit Italien seinen ersten Gegentreffer im Turnier, was eine Entscheidung im Elfmeterschießen zur Folge hatte. Dort blieb erneut Argentinien siegreich.

3. Juli 1990 in Neapel
ArgentinienArgentinien Argentinien ItalienItalien Italien 1:1 n.V. (1:1, 0:0), 4:3 i.E.
4. Juli 1990 in Turin
Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland EnglandEngland England 1:1 n.V. (1:1, 0:0), 4:3 i.E.

Nachdem Pearce in der 60. Minute einen Freistoß verursacht hatte, trat Brehme zum Schuss an. Der Ball wurde von Parker abgefälscht und senkte sich hinter Shilton ins Tor. Zehn Minuten vor Schluss schoss Lineker aus kurzer Distanz den Ball an Illgner vorbei ins Tor. In der Verlängerung sah Gascoigne die gelbe Karte. Hätte England gewonnen, hätte er im Finale gefehlt. Seine emotionale Reaktion darauf steigerte seine Popularität in der Heimat enorm. Die Verlängerung blieb torlos, doch trafen Waddle und Buchwald immerhin den Pfosten. Letztendlich ging das Spiel ins Elfmeterschießen. Bis zu Pearce, dem vierten Schützen für England, waren alle Schützen erfolgreich. Dieser scheiterte jedoch dann an Illgner. Thon traf daraufhin wieder für Deutschland und Waddle schoss den letzten Elfmeter über die Latte, woraufhin Deutschland zum dritten Mal in Folge nach 1982 und 1986 im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft stand.

Spiel um Platz drei[Bearbeiten]

Im Spiel um Platz drei sicherte sich „Toto“ Schillaci den Titel des WM-Torschützenkönigs.

7. Juli 1990 in Bari
ItalienItalien Italien EnglandEngland England 2:1 (0:0)

Finale[Bearbeiten]

Erstmals in der Geschichte der Weltmeisterschaften kam es zu einer Finalrevanche, denn schon vier Jahre zuvor standen sich beide Mannschaften im Finale gegenüber. Wie im Viertel- und Halbfinale verließen sich die Argentinier auf ihren Elfmeterkiller Sergio Goycochea. Die ersatzgeschwächte Mannschaft - vier Spieler waren gesperrt - hatte im ganzen Spiel keine einzige Torchance. Insbesondere Maradona konnte nicht an die Leistungen bei der WM in Mexiko anknüpfen, da er von Guido Buchwald in Manndeckung genommen wurde. Aber da die deutsche Mannschaft ihre Torchancen lange Zeit nicht nutzen konnte, musste ausgerechnet ein Elfmeter die Entscheidung bringen. Dieser wurde aber nicht nach einem klaren Foul an Klaus Augenthaler gepfiffen, sondern nach einer umstrittenen Attacke gegen Rudi Völler, was viele Beobachter als Konzessionsentscheidung auffassten. Hatte im Viertelfinale noch Lothar Matthäus den entscheidenden Strafstoß verwandelt, so war es diesmal Andreas Brehme, der die Verantwortung übernahm. Matthäus musste in der Halbzeit seine Schuhe wechseln und fühlte sich in ganz neuen Schuhen nicht sicher.[1] Es war das erste WM-Finale, das durch einen Elfmeter entschieden wurde. Unrühmliches Ende des Spiels war die zweite Rote Karte der Partie, die der argentinische Spieler Gustavo Dezotti nach einer Tätlichkeit an Jürgen Kohler erhielt. Mit dem dritten Titel konnte Deutschland in der Zahl der Titel mit Brasilien und Italien gleichziehen.

In Deutschland sahen das WM-Endspiel Argentinien-Deutschland in der ARD rund 24,67 Millionen Zuschauer und die anschließende Siegerehrung 25,52 Millionen Zuschauer.

8. Juli 1990 in Rom
ArgentinienArgentinien Argentinien Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland 0:1 (0:0)

Ehrungen der Platzierten[Bearbeiten]

Die Deutsche Nationalmannschaft wurde in Deutschland zur ersten Mannschaft des Jahres des wiedervereinigten Deutschlands, Lothar Matthäus zum Fußballer des Jahres in Deutschland und Europa sowie zum letzten inoffiziellen Weltfußballer des Jahres gewählt. Diego Maradona wurde bei der von El Mundo veranstalteten Wahl als Südamerikas Fußballer des Jahres gewählt. Sergio Goycochea wurde als Argentiniens Fußballer des Jahres, Franco Baresi als Italiens Fußballer des Jahres und John Barnes bei der Journalisten-Wahl sowie David Platt bei der Spielerwahl als Englands Fußballer des Jahres und Paul Gascoigne zum Sportler des Jahres in Großbritannien gewählt.

Beste Torschützen[Bearbeiten]

Rang Spieler Tore
1 ItalienerItaliener Salvatore Schillaci 6
2 TschechoslowakeTschechoslowake Tomáš Skuhravý 5
3 EngländerEngländer Gary Lineker 4
DeutscherDeutscher Lothar Matthäus
KamerunerKameruner Roger Milla
SpanierSpanier Míchel
7 DeutscherDeutscher Andreas Brehme 3
DeutscherDeutscher Jürgen Klinsmann
EngländerEngländer David Platt
DeutscherDeutscher Rudi Völler
11 ItalienerItaliener Roberto Baggio 2
Rang Spieler Tore
11 RumäneRumäne Gavril Balint 2
TschechoslowakeTschechoslowake Michal Bílek
ArgentinierArgentinier Claudio Caniggia
BrasilianerBrasilianer Careca
JugoslaweJugoslawe Davor Jozić
RumäneRumäne Marius Lăcătuș
BrasilianerBrasilianer Muller
JugoslaweJugoslawe Darko Pančev
KolumbianerKolumbianer Bernardo Redín
JugoslaweJugoslawe Dragan Stojković

Darüber hinaus gab es 54 Spieler mit einem Treffer.

Statistik[Bearbeiten]

Der offizielle Spielball: Etrusco Unico

Der italienische Stürmer Salvatore Schillaci gewann den goldenen Schuh für den besten Torschützen. Er erzielte in sieben Partien sechs Treffer für die Gastgeber.

Die Weltmeisterschaft 1990 war letztlich wenig spektakulär und doch rekordverdächtig. Es fielen die wenigsten Tore pro Spiel bei einer WM, dafür gab es 16 rote Karten. Die meisten Spiele waren hart umkämpft und endeten oft erst nach Elfmeterschießen. Die Defensive und harte Attacken prägten die Spiele der WM. So schoss Finalist Argentinien in sieben Spielen lediglich fünf Tore in der regulären Spielzeit. Dagegen war Deutschland noch eine der attraktiven Mannschaften mit einem offensiven Fußballspiel. Auch im Finale spielte Argentinien von Anfang an auf Elfmeterschießen, in der Hoffnung, dass ihnen ‚Elfmetertöter‘ Goycochea, der im Viertel- und Halbfinale für das Weiterkommen gesorgt hatte, den Titel bescherte. So hatten die Argentinier im Endspiel nicht eine Torchance, während sich die deutsche Mannschaft gut ein Dutzend Chancen erarbeitete. Vom Glanz der argentinischen Mannschaft, der diese vier Jahre zuvor zum verdienten Weltmeister gemacht hatte, war im gesamten Turnier nichts mehr zu erkennen.

Kultur[Bearbeiten]

Erstmals gab es bei einer FIFA-WM 1990 einen offiziellen WM-Song. Un’estate italiana („Ein italienischer Sommer“) von Gianna Nannini und Edoardo Bennato (Melodie von Giorgio Moroder) wurde in vielen Ländern ein Hit.[2]

Der deutsche Spielfilm Goodbye Lenin nimmt immer wieder Bezug auf die Fußball-WM 1990. In der britischen Filmkomödie Fisch & Chips wird das gute Abschneiden der irischen Mannschaft bei der Fußball-WM 1990 thematisiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bedürftig, Friedemann (Hrsg.): WM Italien 1990 (Fußball Weltmeisterschaft), Verlag Carlsen, 1991 Hamburg, (ISBN 3-551-45304-7)
  • Valérien, Harry: Fußball WM'90 Italien, 1990, Verlag Südwest, (ISBN 3-517-01191-6)
  • Unbekannt: Internationaler Trainer-Kongress 1990. Analyse der WM Italia '90, 1991, 112 Seiten (ISBN 3-89001-033-4)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatInterview Lothar Matthäus. In: FIFA.com. Abgerufen am 17. Juli 2009.
  2. http://www.br-online.de/bayern3/musik-center/fussballsongs-DID1211958229262/fussballsong-1990-un-estate-italiana-ID1195403088.xml

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fußball-Weltmeisterschaft 1990 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien