Poserna

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51.21305555555612.083055555556115Koordinaten: 51° 12′ 47″ N, 12° 4′ 59″ O

Poserna
Stadt Lützen
Höhe: 115 m ü. NN
Fläche: 5,06 km²
Einwohner: 384 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06686
Vorwahl: 03443
Zorbau Sössen Starsiedel Röcken Rippach Poserna Muschwitz Großgörschen Dehlitz Lützen BurgenlandkreisKarte
Über dieses Bild

Lage von Poserna in Lützen

Poserna ist ein Ortsteil der Stadt Lützen im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort liegt östlich der Stadt Weißenfels nahe an deren Ortsausgang unweit der B 87.

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche

1161 wurde der Ort als Posidrin erstmals urkundlich erwähnt.

1897 wurde die neogotische Hallenkirche errichtet.

Am 1. Januar 2010 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Poserna, Muschwitz, Großgörschen, Rippach und Starsiedel mit der Stadt Lützen zur neuen Stadt Lützen zusammen.[1]

Saline Poserna[Bearbeiten]

Östlich von Poserna befinden sich in der Talaue der Rippach einige Solequellen, die bereits seit dem Mittelalter bekannt waren. Allerdings verhinderten starke Süßwasserzuflüse die geregelte Nutzung der Sole. So wurde ein ab 1517 unter Herzog Georg dem Bärtigen unternommener Versuch zur Anlage eines Solebrunnens 1521 erfolglos eingestellt, da es nicht gelang, die Sole rein zu fördern.

Der Salzbedarf Kursachsens belief sich im 16. Jahrhundert auf etwa 4.000 Tonnen pro Jahr[2], die mangels eigener Solquellen in Sachsen hauptsächlich aus der Saline Halle bezogen wurden. Kurfürst August strebte ab der Mitte des 16. Jahrhunderts die Anlage einer sächsischen Saline an, um sein Land autark mit Salz zu versorgen. Derartige Versuche hatte es in den vergangenen Jahrhunderten u.a. mit der Saline Altensalz bereits mehrfach gegeben.

1569 wurde eine Nürnberger Gesellschaft wieder in Poserna aktiv, an deren Brunnen sich Kurfürst August 1573 beteiligte. Ab 1577 trieb der Landesherr dann mit großen Aufwand den Ausbau des Salzwerkes Poserna voran. Die Leitung der bergmännischen Arbeiten übernahm der Oberbergmeister Martin Planer. Mit der Anlage der Schächte und dem Bau der Saline waren 20 ständige Tagelöhner und zeitweise 350 Hilfskräfte aus den umliegenden Dörfern beschäftigt. Gleichzeitig begann u.a. die Gießhütte von Georg Schwarz in Hütten mit der Herstellung der Salinenausstattung (Siedepfannen etc.).

Zur Sicherung der Holzzufuhr wurde ab 1578 der Elsterfloßgraben angelegt, der mit Wasser der Weißen Elster gespeist zur Rippach führen und so das Holzflößen bis nach Poserna ermöglichen sollte.

Nach von Kurfürst August selbst angestellten Berechnungen erwartete der Landesherr durch den Salinenbetrieb künftig einen jährlichen Gewinn von reichlich 91.000 Gulden. Bis 1585 wurden in die Saline Poserna über 160.000 Gulden investiert, ohne dass es jedoch zu einer Salzherstellung kam. Dafür erwies sich die Konzentration der Solquelle mit ca. 1,3% letztlich als zu gering. Die Arbeiten am Salzwerk wurden Anfang 1585 eingestellt und die bereits installierte Ausstattung abtransportiert.[3]

Die Solquelle selbst trat noch bis etwa 1975/1980 an der Oberfläche zu Tage und versiegte dann vermutlich infolge der Grundwasserabseknungen durch den Braunkohlenbergbau in der Umgebung.[4] Aufgrund des Soleaustritts siedelten sich auf der Wiese im Umfeld seltene salzliebende Pflanzen an, deshalb ist das Areal als Flächennaturdenkmal geschützt.[5]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Poserna liegt im Gebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes. Einige Buslinien der Regionalverkehrsgesellschaft Weißenfels verbinden den Ort vor allem mit der etwa sechs Kilometer entfernten Kreisstadt Weißenfels, wo sich auch der nächste Bahnhof (mit Intercityanschluss und Nahverkehrslinien in mehrere Richtungen) befindet.

Nordöstlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 87 Weißenfels–Leipzig. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Weißenfels an der Bundesautobahn 9, etwa sechs Kilometer westlich gelegen.

Die Bahnstrecke GroßkorbethaPörstenHohenmölsenDeuben mit der Haltestelle in Poserna wird seit 1999 nur noch mit Kohlezügen von Großkorbetha bis Wählitz (kurz vor Hohenmölsen) befahren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Seume-Gedenktafel am Nachfolgebau des Geburtshauses

Der wohl berühmteste Einwohner dieses Ortes war der spätere Schriftsteller und Dichter Johann Gottfried Seume (* 29. Januar 1763 in Poserna; † 13. Juni 1810 in Teplitz), der hier geboren wurde und seine Kindheit bis zu seinem achten Lebensjahr hier verbrachte. Das Geburtshaus Seumes wurde im Jahre 1813 in den Befreiungskriegen gegen Napoleon zerstört. Am Nachfolgebau des Geburtshauses von Seume befindet sich eine steinerne Gedenktafel mit Reliefbild (Tondo) des Dichters. Nähere Informationen zu Leben und Wirken von Seume erhält man in einer ständigen Ausstellung im Schlossmuseum in Lützen.

In Poserna war zudem Johann Georg Tinius (1764–1846) als Pfarrer tätig, der als „Buchtrinker“ in einer modernen literarischen Verarbeitung von Klaas Huizing Eingang gefunden hat. Interessanter noch und vor allem authentischer ist der Roman „Der Büchermörder" von Detlef Opitz. Opitz schildert mit Kennerschaft und außerordentlichem Sprachreichtum u. a. die Hausdurchsuchung im Pfarrhaus von Poserna und die Verhaftung des Magisters im Jahre 1813. Nicht nur haben Opitz' Forschungen über Tinius ihn bis in die USA geführt, auch die kleinsten Einträge in den Kirchenbüchern von Poserna zieht der Autor in seine manischen Recherchen ein.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Poserna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  2. Caroline Schulz: Der Elsterfloßgraben. Ein lineares Denkmal im Dschungel der Zuständigkeiten
  3. zur Geschichte der Saline Poserna siehe Otto Fürsen: Geschichte des kursächsischen Salzwesens bis 1586. Leipzig 1897
  4. Dornröschenschlaf in Bad Poserna, Mitteldeutsche Zeitung Weißenfels vom 23. August 2011
  5. Naturdenkmale Burgenlandkreis