Teplice

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Dieser Artikel beschreibt die Bezirksstadt Teplice in Tschechien. Für weitere Orte dieses Namens siehe Teplice (Begriffsklärung)
Teplice
Wappen von Teplice
Teplice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Teplice
Fläche: 2377,4053[1] ha
Geographische Lage: 50° 39′ N, 13° 49′ O50.64333333333313.821944444444228Koordinaten: 50° 38′ 36″ N, 13° 49′ 19″ O
Höhe: 228 m n.m.
Einwohner: 50.024 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 415 01
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Ústí nad Labem–Chomutov
Struktur
Status: Statutarstadt
Ortsteile: 7
Verwaltung
Oberbürgermeister: Jaroslav Kubera (Stand: 2013)
Adresse: náměstí Svobody 2
415 95 Teplice
Gemeindenummer: 567442
Website: www.teplice.cz
Lageplan
Lage von Teplice im Bezirk Teplice
Karte
Flüsse und Städte in Nordböhmen – Teplice rot markiert
Ortsansicht um 1870
Rathaus
Pestsäule – im Hintergrund links: Dekanatskirche Johannes des Täufers, rechts die Schlosskirche
Schlosskirche zum Heiligen Kreuz
Schloss Teplitz
Schlosspark
Urquelle „Pravřídlo“
Erker an der Fassade des Gymnasiums

Teplice (deutsch Teplitz), 1895 bis 1948 Teplice-Šanov (deutsch Teplitz-Schönau), ist eine Bezirksstadt mit 50.384 Einwohnern (2012) in der nordböhmischen Region Ústí, Tschechien. Die Stadt ist ein Kurort, den im 18. und 19. Jahrhundert Prominente aus ganz Europa besuchten. 1812 trafen dort Ludwig van Beethoven und Johann Wolfgang von Goethe zusammen.

Geographie[Bearbeiten]

Teplice liegt in 230 m Höhe über dem Meeresspiegel am südlichen Fuß des Erzgebirges, nördlich des Böhmischen Mittelgebirges im Nordböhmischen Becken. Östlich erhebt sich der Doubravská hora (Teplitzer Schlossberg) (393 m).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Quellen von Teplitz sollen der Sage nach 762 entdeckt worden sein. Urkundlich wurde die Stadt im 12., die Bäder im 16. Jahrhundert erwähnt. Königin Judith war es, die in den Jahren 1158–1164 etwa an der Stelle des heutigen Schlosses ein Benediktinerinnenkloster „ad aquas calidas“ (bei den warmen Wassern) gründete und es reich ausstattete. Der slawische Wortstamm für „Wärme“ findet sich auch im Ortsnamen wieder; sowohl in der tschechischen, als auch in der von dieser abgeleiteten deutschen Form. Das Kloster wurde in den Hussitenkriegen zerstört.

Die Herrschaft über Teplitz übten seit dem 13. Jahrhundert die Grafen Kinsky aus. Um 1630 gehörten Stadt und Schloss Wilhelm Kinsky von Wchinitz und Tettau, der zusammen mit Wallenstein 1634 in Eger ermordet wurde. Nachfolgend konfiszierte Kaiser Ferdinand II. Kinskys Besitzungen und verlieh Teplitz im selben Jahr an den Generalfeldmarschall Graf Johann von Aldringen, der jedoch 1634 bei Landshut fiel. Der Besitz kam an seine Schwester Anna, die mit Hieronymus Freiherr von Clary verheiratet war. Nach Erbstreitigkeiten wurden die neuen Besitzer 1666 endgültig bestätigt, wobei als Familienname Clary-Aldringen festgelegt wurde. Seitdem ist die Familie Clary-Aldringen mit Teplitz verbunden.

1793 wurde etwa die Hälfte der Bebauung in einem großen Stadtbrand zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte im klassizistischen Stil, was der Stadt den Beinamen Klein Paris einbrachte.

In den napoleonischen Kriegen war Teplitz 1813 das Hauptquartier der drei alliierten Monarchen von Österreich, Preußen und Russland, die im Teplitzer Schloss ihr Bündnis gegen Napoleon abschlossen.

Im September 1835 hatten die Monarchen von Österreich, Russland und Preußen, im Herbst 1849 der Kaiser von Österreich, die Könige von Preußen und Sachsen und am 25. Juli 1860 der Kaiser von Österreich und der Prinzregent von Preußen Zusammenkünfte in Teplitz. 1862 wurde das 1100-jährige Jubelfest der Thermen gefeiert und dabei ein Denkmal enthüllt.

Durch eine Katastrophe im Kohlenwerk Döllinger bei Dux am 10. Februar 1879, die das Thermalwasser dorthin abführte, war die Existenz von Teplitz als Kur- und Badeort in Frage gestellt. Dazu kam es nicht, die Quellen konnten bis zum 3. März 1879 an ihren alten Austrittsöffnungen wieder zu Tage gefördert werden.

Um 1888 bestanden in Teplitz als Heilquellen die beiden Stadtbadquellen Urquelle und Frauenbadquelle, 48°C, die Steinbadquelle 34,6°, die Stephansquelle 36,75°, die Sandbadquelle 32,5° und die Wiesenquelle 32,7°. Hinzu kamen die Schlangenbadquelle 39° und die Neubadquelle 44,75°C. in Schönau. Diese Quellen führten meist alkalisch-salinisches Wasser, mit nur geringen festen Bestandteilen, vorzugsweise kohlensaurem Natron, vermischt. Die Quellen wurden fast ausschließlich zum Baden gebraucht, vornehmlich gegen chronischen Rheumatismus, Gicht, Lähmungen, bei skrofulösen Anschwellungen und Geschwüren, Neuralgien, beginnenden Rückenmarksleiden, aber auch bei Folgekrankheiten aus Schuss- und Hiebwunden und nach Knochenbrüchen („Bad der Krieger“). Die Urquelle diente auch zur Trinkkur. Von den Quellen wurden zehn Badehäuser gespeist. Die Frequenz von Teplitz-Schönau belief sich 1887 auf 7.351 Kurgäste nebst 19.224 Passanten. Der Badegesellschaft dienten als Versammlungs- und Vergnügungsorte der in der Mitte der Stadt gelegene Kurgarten, in welchem sich das neue Stadttheater, die Trinkhallen, der Kursalon und das palastartige Kaiserbad befinden; der Garten und Park des fürstlich Claryschen Schlosses; die 264 m hohe Königshöhe mit dem Schießhaus, der Schlackenburg und dem Denkmal König Friedrich Wilhelms III.; das Belvedere; der Seumepark mit dem Grabmal Johann Gottfried Seumes; der Kaiserpark; die Payer- und Humboldt-Anlagen; der 392 m hohe Schlossberg mit Schlossruinen; der Turner und Propstauer Park.

Im Jahr 1895 wurden Teplitz und der Badeort Schönau (Lázně Šanov) vereint und die Stadt erhielt den Doppelnamen Teplitz-Schönau.

Ab 1919 gehörte die bis zum Ende des Ersten Weltkriegs österreichische Stadt Teplitz-Schönau zur Tschechoslowakei. Sie hatte am 1. Dezember 1930 30.799 Einwohner (davon 23.100 Deutsche und 5.300 Tschechen). Teplitz war Sitz zahlreicher deutsch-böhmischer bzw. sudetendeutscher Organisationen, darunter des Sekretariats der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.[3]. Am 17. Mai 1939 waren es 26.281 Bewohner. Bis zum Zweiten Weltkrieg stand die größte Synagoge Böhmens in Teplice.

Teplitz-Schönau war von 1938 bis 1945 Sitz der Kreisverwaltung des gleichnamigen Landkreises im Reichsgau Sudetenland. Am 1. Oktober 1942 wurden die Stadt Turn und die Gemeinde Settenz nach Teplitz-Schönau eingegliedert.

Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde die deutschböhmische Bevölkerungsmehrheit 1945 entschädigungslos enteignet und vertrieben, so auch die Adelsfamilie Clary-Aldringen. In der Folgezeit zogen viele Neubürger aus dem Landesinneren, aus der Slowakei und "Repatrianten", Angehörige tschechischer und slowakischer Minderheiten im Ausland, sowie viele Roma hierher. Im Mai 1947 wurden 22.783 Einwohner registriert. 1948 erfolgte der Zusammenschluss der Stadt Teplice-Šanov mit den Orten Novosedlice, Proboštov, Řetenice, Trnovany, Sobědruhy und Malý Újezd zur Stadt Teplice[4]. 1954 wurden die Pläne für „Velké Teplice“ aufgegeben und ein Teil der Orte erhielt ihre Selbstständigkeit zurück.

Das Stadtbild des alten Teplitz wurde in der sozialistischen Zeit umgestaltet. Allein der Schloss-Platz (mit Heiligkreuzkirche, Dekanatskirche, Dreifaltigkeitssäule, Schloss und gegenüberliegender Häuserzeile) ist einigermaßen erhalten geblieben. Am ehemaligen Marktplatz (jetzt Platz der Freiheit) wurden viele Gründerzeithäuser abgerissen, um Platz für ein Einkaufszentrum und das Telekom-Gebäude zu schaffen. Seit Jahrzehnten existiert im Stadtzentrum ein leerstehendes großes Gebäude, das Teil des ehemaligen Hotels Thermia war.[5]

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Teplice besteht aus den Ortsteilen Hudcov (Hundorf), Nová Ves (Neudörfel), Prosetice (Prasseditz), Řetenice (Settenz), Sobědruhy (Soborten), Teplice (Teplitz-Schönau) und Trnovany (Turn). Grundsiedlungseinheiten sind Bílá cesta, Doubravice, Doubravka, Gagarinova, Hudcov, Hudcov-sever, Lázně Šanov (Bad Schönau), Na Bramši, Na haldách, Na hvězdě, Na Letné, Na stínadlech, Nemocnice, Nová Ves, Nové Prosetice-jih, Nové Prosetice-sever, Pod Doubravkou, Pod hvězdárnou, Pod Novou Vsí, Prosetice, Řetenice, Řetenice-sever, Sobědruhy, Šanov (Schönau), Šanov-západ, Teplice-střed, Trnovany, Třešňovka, U Angru, U Concordie, U červeného kostela, U lesní brány, U nádraží, U tří dubů, U vápenky, U vodojemu, U zámecké zahrady und Za Šanovem.[6]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Hudcov, Nová Ves u Teplic, Prosetice, Sobědruhy, Teplice, Teplice-Řetenice und Teplice-Trnovany.[7]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Mitte des 19. Jahrhunderts begann auch in der Umgebung von Teplice der Abbau von Hartbraunkohle im größeren Stil. Die Stadt hatte sich, begünstigt durch die in der Umgegend befindlichen reichen Braunkohlenlager, zu einem bedeutenden Industrie- und Handelsplatz entwickelt. Textil-, Metall-, Porzellan-, Glas-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie siedelten sich hier an. Heute ist Teplice ein Ort, in dem vor allem Glas und Keramik produziert wird.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt liegt an der wichtigen Hauptbahn von Ústí nad Labem über Chomutov nach Cheb, Nebenstrecken führen nach Děčín (Tetschen) und nach Lovosice (Lobositz).

Wie in anderen Städten Tschechiens wurde in den 1960er Jahren die alte meterspurige Straßenbahn zu Gunsten des Obus Teplice aufgegeben. Aus dem nahen Bohosudov (Mariaschein) führt ein Sessellift zum Komáří vížka (Mückentürmchen) auf dem Erzgebirgskamm.

Durch die Überlandbuslinie 398[8] ist Teplice mit der nahe gelegenen Stadt Altenberg auf deutscher Seite verbunden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Schloss Teplice: Das Schloss, dessen Teile spätgotische, barocke und klassizistische Baustile aufweisen, stand über 300 Jahre bis 1945 im Besitz der Adelsfamilie Clary-Aldringen (vorher Wressowitz bzw. Kinsky). Das Anwesen war ein Treffpunkt namhafter Personen aus Politik und Gesellschaft, z.B. Giacomo Casanova, Johann Wolfgang von Goethe, Frédéric Chopin und Franz Liszt. Das sehenswerte Gebäude beherbergt heute das Regionalmuseum Teplice. Dazu gehört ein weitläufiger Schlosspark und ein Theater.
  • Schlosskirche zum Heiligen Kreuz (Zámecký kostel Povýšení sv. Kříže): Die Kirche stammt aus dem Jahr 1586 und erhielt ihre heutige romantische Gestalt während eines Umbaus von 1798 bis 1806. Seit 1950 wird das Gotteshaus von Anhängern der Orthodoxe Kirche der tschechischen Länder und der Slowakei genutzt.
  • Dekanatskirche Johannes der Täufer (Děkanský kostel sv. Jana Křtitele): Der genaue Zeitpunkt der Errichtung der am Schlossplatz gelegenen Kirche ist unbekannt. Der Turm stammt aus dem Jahr 1594. Die heutige barocke Gestalt erhielt die Kirche bei einem Umbau zwischen 1700 und 1703. Die Innenausstattung umfasst unter anderem Gemälde von Peter Johann Brandl und Wenzel Lorenz Reiner. Die Kirche beherbergt zudem die Grabstellen der Familien Wchynsky, Aldringen und Clary-Aldringen.
  • Dreifaltigkeitssäule: Die auf dem Schlossplatz befindliche Säule stammt von Matthias Bernhard Braun.
  • Erzgebirgisches Theater: Der 1921–1924 nach Entwurf des Dresdner Architekten Rudolf Bitzan und unter Mitwirkung des Bühnentechnikers Adolf Linnebach errichtete Bau war damals das nach Prag zweitgrößte Theater der Tschechoslowakei. Seine gediegene Innenausstattung zeigte stilistische Einflüsse des Expressionismus und des Art Déco.
  • Das Mozart-Denkmal wurde nach 1945 vom Schlossplatz entfernt und erhielt einen anderen Standort.
  • Doubravská hora: Auf dem östlich der Stadt gelegenen Teplitzer Schlossberg befindet sich eine Burgruine.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen mit Bezug zur Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Delhaes: Der Badeort Teplitz-Schönau in Böhmen: seine Umgebungen, seine Thermalquellen und Moorbäder; nebst einer Anleitung zu dem beim Curgebrauche zu beobachtenden Verhalten. Junk. Teplitz 1867. (Digitalisat)
  • Georg Delhaes: Die Thermen und Moorbäder zu Teplitz-Schönau (Böhmen): in ihrer physiologischen und therapeutischen Wirkungen; eine balneologische Studie auf Grund einer 15-jährigen Erfahrung. Dominicus. Prag 1878.
  • Hermann Fischer: Bad Teplitz, wie es jetzt ist. Ein Handbuch für Kurgäste. Verlags-Comptoir. Grimma 1839.
  • Friedenthal: Der Kurort Teplitz-Schönau, topographisch und medizinisch dargestellt. Wien 1877.
  • Hermann Hallwich: Teplitz, eine deutschböhmische Stadtgeschichte. Duncker & Humblot. Leipzig 1886.
  • Rudolf Hemmerle: Teplitz-Schönau in Sudetenland-Lexikon. Adam-Kraft-Verlag Mannheim, 2.Auflage 1985. ISBN 3-8083-1163-0
  • Herold: Studien über die Bäder zu Teplitz. Wien 1886.
  • Josef von Löschner (Hrsg.): Teplitz und die benachbarten Curorte vom naturhistorischen, medicinisch-geschichtlichen u. therapeutischen Standpunkte .... Prag / Carlsbad 1867. (Digitalisat)
  • Mattheus Leder: Kurtze Beschreibung Des Heilsamen Warmen Bades Der Hoch-Gräffl. Clarischen Stadt, Töplitz, In dem Königreiche Böhmen, Leitomiritzer Kreises gelegen. Kuhfus, Freiberg 1717 (Digitalisat)
  • Lustig: Karlsbad und Teplitz, balneo-therapeutisch. (2. Aufl.) Wien 1886.
  • Franz Ambros Reuss: Die Thermen von Teplitz. Medau, Prag 1844 (Digitalisat)
  • J. Scheider: Bad Teplitz-Schönau und Umgebung. Praktischer Führer für Reisende und Ratgeber für Kurgäste. Reihe Griebens Reiseführer 44. Goldschmidt. Berlin 1907.
  • Max Türp: Die Entwicklung des Kohlenbergbaues im Braunkohlenrevier Teplitz-Brüx-Komotau. Lerche. München 1975.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Teplice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/567442/Teplice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. Rudolf Hemmerle: Sudetenland-Lexikon. Adam-Kraft-Verlag, Mannheim 1985, S.440
  4. http://www.portal.gov.cz/wps/portal/_s.155/701?l=22/1949
  5. Andreas Schlüter: Nimm Abschied und genese....Zur Geisterbeschwörung ins nordböhmische Teplice. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Dezember 2010
  6. http://www.uir.cz/zsj-obec/567442/Obec-Teplice
  7. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/567442/Obec-Teplice
  8. Infrastrukturprogramm des Verkehrsverbundes Oberelbe - 2002. Abgerufen am 23. Februar 2011. (Offizielle Website vom 14. Oktober 2010)