Bundesautobahn 38

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Bundesautobahn 38 in Deutschland
Bundesautobahn 38
Karte
Verlauf der A 38
Basisdaten
Betreiber: Bundesrepublik Deutschland
Straßenbeginn: Rosdorf
(51° 27′ N, 9° 52′ O51.45792459.86707449)
Straßenende: Brandis
(51° 19′ N, 12° 33′ O51.3121058312.54544258)
Gesamtlänge: 219 km

Bundesland:

Ausbauzustand: vierstreifig

Die Bundesautobahn 38 (Abkürzung: BAB 38) – Kurzform: Autobahn 38 (Abkürzung: A 38) – ist eine Autobahn, die von der A 7 südlich von Göttingen abzweigt und als so genannte Südharzautobahn (Südharztangente) über Heiligenstadt, Leinefelde-Worbis, Nordhausen, Sangerhausen, Lutherstadt Eisleben in den Raum Halle (Saale) und Leipzig führt. Dort kreuzt sie die A 9 und mündet am Dreieck Parthenaue bei Naunhof in die A 14 und ist somit ein Teil der Mitteldeutschen Schleife. Die A 38 ist das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 13. Sie erschließt die Region und soll zusammen mit der A 7 (DrammetalKassel) und der A 44 (südöstlich Kassel) eine weitere Verbindung Leipzig/Halle–Ruhrgebiet bilden und damit die A 2 teilweise entlasten. Seit dem 22. Dezember 2009 ist die Autobahn vollständig befahrbar.

Planungsgeschichte und Bau[Bearbeiten]

Bereits in den 1930er Jahren existierten Pläne einer Reichsautobahn Dessau - westlich Halle - Nordhausen - Göttingen (mit Weiterführung nördlich Kassel nach Hamm).[1] Auch der Netzplan des Jahres 1940 enthielt diese Verbindung, die von der heutigen Bundesautobahn 9 bei Dessau-Süd abzweigen und südlich Köthen (Anhalt) über Gerbstedt nach Nordhausen und Göttingen verlaufen sollte.[2] Ein Bruchstück dieser Planung tauchte noch bis in die 1980er Jahre in den Karten von Mairs Geographischen Verlag Stuttgart auf, die eine Teilstrecke von Gerbstedt über Ihlewitz (mit Abzweig nach Magdeburg), Könnern-Nelben (Saalequerung), Könnern, Hohenedlau (mit Abzweig nach Halle) - Gröbzig enthielten.[3] Der Netzplan der Deutschen Demokratischen Republik aus dem Jahre 1958 sah eine Autobahnverbindung auch vor, allerdings nördlich Halle von der Strecke Magdeburg - Halle abzweigend und weiter über Eilsleben und Nordhausen zur innerdeutschen Grenze bei Mackenrode verlaufend.[4] Dies stand im Einklang zu den Planungen in der Bundesrepublik Deutschland: Nach dem Bedarfsplan des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 vom 30. Juni 1971[5] war eine Autobahn aus dem Raum Willebadessen über BeverungenUslarNörten-HardenbergHerzberg zur ehem. innerdeutschen Grenze bei Mackenrode unter der internen Bezeichnung "Autobahn 105" in Planung.[6] Ab 1. Januar 1975 wurde diese Verbindung in den Streckenzug der A 46 aufgenommen. Zu einer Realisierung kam es jedoch nicht.[7] [8] Mit dem Zweiten Gesetz vom 25. August 1980 zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985 wurde die Strecke ersatzlos gestrichen.[9] Dabei blieb es auch mit dem Dritten Gesetz vom 21. April 1986 zur Änderung des Gesetzes über den Ausbau der Bundesfernstraßen. [10] Auch die DDR setzte ihr Vorhaben nicht um, so dass 1989 zwischen Göttingen, Nordhausen und Halle keine leistungsfähige Verkehrsverbindung bestand.

Mit dem Fall der Mauer und der Deutschen Wiedervereinigung stellte sich die Frage nach einer Verkehrslösung erneut. Bereits am 9. April 1991 beschloss die Bundesregierung das Programm "Verkehrsprojekte Deutsche Einheit" (VDE) im Vorgriff auf den Bundesverkehrswegeplan 1992. Es enthielt die Verbindung Göttingen - Halle (Westtangente) - A 14 nördlich Halle sowie einen Abzweig südlich von Halle zur Bundesautobahn 9 bei Weißenfels. Die Fortführung südlich von Leipzig war zunächst nicht vorgesehen. Die Strecke Göttingen - Halle - A 14 erhielt die Bezeichnung "Bundesautobahn 82", der südliche Abzweig zur A 9 den Namen "Bundesautobahn 140". Diese Vorhaben wurden bei Aufstellung des Bundesverkehrswegeplans 1992 nicht noch einmal geprüft. So enthielt der Bedarfsplan des Vierten Gesetzes zur Änderung des Fernstraßenausbaugesetzes vom 15. November 1993[11] beide Autobahnen, auch unter ihrer Bezeichnung als A 82 und A 140. Für die A 140 war zusätzlich nunmehr auch die Südumfahrung Leipzig vorgesehen.

Im Bundesverkehrswegeplan 2003 wurden die Kosten für den Bau der Autobahn mit 1,0 Milliarden Euro angegeben. Umgerechnet auf die gebauten Kilometer bedeutet dies 4,8 Millionen Euro pro Kilometer; die Gesamtlänge beläuft sich auf rund 219 Kilometer. Für das Bundesland Sachsen-Anhalt sollten die Baukosten 279 Millionen, für Sachsen 257 Millionen, für Thüringen 373 Millionen und für Niedersachsen 93 Millionen Euro betragen.

Die A 38 unterlag als „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit“ einem besonderen Gesetz zur Beschleunigung der Planung. Die Planung und der Bau wurden hauptsächlich im niedersächsischen Abschnitt von Bürgerprotesten begleitet. Die Lärmbelastung von Ortsteilen der Gemeinde Friedland im Landkreis Göttingen führt in dieser Region zu einer erkennbaren Ablehnung der Autobahn. Demgegenüber wird die Autobahn in Nordthüringen und Sachsen-Anhalt und Sachsen mit hohen Erwartungen hinsichtlich Verkehrsleistung, Erreichbarkeit sowie neuen Industrieansiedlungen verknüpft.

Weitgehend parallel verläuft die Halle-Kasseler Eisenbahn, die ebenfalls als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit ausgebaut wurde. Außerdem ersetzt die A 38 ab Arenshausen die B 80.

Liste der Verkehrsfreigaben[Bearbeiten]

Die einzelnen Teilstrecken der A 38 wurden wie folgt dem Verkehr übergeben:

  • 1970er: AD Drammetal (damals AS Friedland) - südwestlich Friedland (B 27) (4,4 km) als B 524
  • 1997: AS Leuna – Lützen (B 87) (10,8 km)
  • 1998: AS Werther – AS Heringen (7,5 km)
  • 2000: Lützen – AS Leipzig-Südwest (15,1 km)
  • 2000: westlich Wallhausen (B 80) – AS Sangerhausen-Süd (8,5 km)
  • 2001: AS Leinefelde – AS Breitenworbis (7,5 km)
  • 2002: AS Sangerhausen-Süd – AS Lutherstadt Eisleben (17,3 km)
  • 2002: Wipperdorf – Werther (9,6 km)
  • 2003: AD Drammetal – südwestlich Friedland (B 27) (7,9 km)
  • 2003: AD Halle-Süd – AS Merseburg-Nord (5,9 km)
  • 2003: AS Merseburg-Nord – AS Merseburg-Süd (9,3 km)
  • 2003: AS Merseburg-Süd – AS Leuna (4,3 km)
  • 2004: AS Roßla – westlich Wallhausen (6,9 km)
  • 2005: AS Heringen – AS Roßla (15,7 km)
  • 2006: südwestlich Friedland – AS Heilbad Heiligenstadt (18,9 km)
  • 2006: AS Leipzig-Südwest – AS Leipzig-Süd (9,5 km)
  • 2006: AS Leipzig-Süd – AS Leipzig-Südost (7,0 km)
  • 2006: AS Leipzig-Südost – AD Pathenaue (7,7 km)
  • 2006: AS Heilbad Heiligenstadt – AS Leinefelde-Worbis (15,7 km)
  • 2006: AS Bleicherode – AS Werther (4,6 km)
  • 2008: AS Lutherstadt Eisleben – AS Schafstädt (16,3 km)
  • 2008: AS Schafstädt – AD Halle-Süd (5,9 km)
  • 2009: AS Breitenworbis – AS Bleicherode (11,9 km)
  • 2012: AS Großwechsungen

Besonderheiten[Bearbeiten]

Der 1724 Meter lange Heidkopftunnel (mit dem Namen „Tunnel der Deutschen Einheit“) ist der längste Tunnel dieser Strecke und unterquert die Grenze zwischen den Bundesländern Thüringen und Niedersachsen. Die BAB 38 verläuft südlich von Leipzig etwa zehn Kilometer über Abraumgelände zweier ehemaliger Braunkohletagebauen, was besondere Sicherungsmaßnahmen ihres Baugrundes erforderte.

AS Leipzig-Süd

Die BAB 38 bildet bei Leipzig die Südumfahrung der Stadt. Damit stellt sie nicht nur eine Ost-West-Verbindung dar, sondern auch eine Zufahrt in die Leipziger Innenstadt. Der Vergnügungspark „Belantis“ erhielt eine eigene Autobahnabfahrt („Leipzig-Neue Harth“).

Weitere Einzelprojekte entlang der A 38[Bearbeiten]

2011 eröffnete Tank- und Rastanlage „Rohnetal“

Entlang der A 38 befinden sich noch Nebenanlagen und Anschlussstellen in Planung, in Bau oder wurden bereits fertiggestellt. Die Tank- und Rastanlage Rohnetal wurde im ersten Quartal 2011 fertiggestellt.[12] Der Bau für die Tank- und Rastanlage Eichsfeld hat dagegen noch nicht begonnen. Seit dem 29. April 2013 ist die A 71 über das neu gebaute Autobahndreieck Südharz an die A 38 angebunden. Am 5. Dezember 2012 wurde die Autobahnanschlussstelle Großwechsungen (Anschlussstelle Nr. 9) eröffnet. Damit wurde die Anbindung des Neubaus der B 243 wie geplant abgeschlossen. Die derzeitige Anschlussstelle Leipzig-Süd wird nach Anbindung der A 72 Leipzig - Chemnitz die Funktion eines Autobahnkreuzes übernehmen.

Umweltbelastung und Abhilfe[Bearbeiten]

Absetzbecken für verschmutztes Fahrbahnwasser an der A 38 bei Knauthain

Durch den laufenden Verkehr sammeln sich auf den Fahrbahnen Schadstoffe, u.a. verursacht durch Abrieb von Reifen, Abgasen von Verbrennungsmotoren und Lecks hydraulischer Systeme. Bei feuchtem Wetter, bzw. Regenfall lösen sich die Schadstoffpartikel der Fahrbahnen, binden sich mit dem Wasser und fließen in den umliegenden Naturraum. Insbesondere auf Brücken wird Oberflächenwasser kontrolliert an die Brückenköpfe geleitet, wodurch die Schadstoffkonzentration am Ort der Entwässerung verhältnismäßig hoch ist. Um die dadurch entstehende Umweltbelastung zu mildern, werden Absetzbecken gebaut, in denen die Schadstoffpartikel absinken und verbleiben sollen, bevor das Wasser weiterfließt. Diese passive Art der Abwasserklärung ist u.a. dann besonders wichtig, wenn es sich um gewässerquerende Brücken handelt und die Abwässer nicht ungefiltert in Flüsse oder Seen eingeleitet werden sollen. Im Bereich des Leipziger Neuseenlands finden sich für die A 38 zahlreiche Umsetzungen dieser Maßnahmen.

Literatur[Bearbeiten]

Der Germanist Frank Fischer beschreibt in seinem Buch Die Südharzreise - Abstrakter Tourismus zwischen Leipzig und Göttingen eine Fahrt auf der Bundesautobahn 38 von Leipzig nach Göttingen am 3. Oktober 2008, wobei er immer wieder auch Abstecher zu (literatur)historisch interessanten Orten entlang der Strecke unternahm.[13]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bundesautobahn 38 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Netzkarte der Reichsautobahnen 1938. Abgerufen am 31. März 2013 (Karte).
  2. Autobahn-Übersichtskarte, Stand 1940. Abgerufen am 31. März 2013 (Karte).
  3. Der Große Shell-Atlas, Mairs Geographischer Verlag, Stuttgart 1979/80, Bl. 36
  4. Autobahnen und Fernverkehrsstraßen. Regierung der Deutschen Demokratischen Republik, Ministerium für Verkehrswesen, Hauptverwaltung des Straßenwesens, abgerufen am 31. März 2013 (Karte).
  5. Bundesgesetzblatt Jg. 1971, Teil I, S. 873
  6. Bauleistungen auf Bundesfernstraßen im Jahre 1972. Ausbau der Bundesfernstraßen in den Jahren 1971 bis 1985. Anlage zum Straßenbaubericht 1972. Bundesminister für Verkehr Abt. Straßenbau, abgerufen am 31. März 2013 (Kartenausschnitt).
  7. Netz der Bundesautobahnen und Bundesstraßen. Stand 1. Januar 1976. Bundesminister für Verkehr Abt. Straßenbau, abgerufen am 31. März 2013 (Kartenausschnitt).
  8. Netz der Bundesautobahnen und Bundesstraßen. Stand 1. Januar 1976. Bundesminister für Verkehr Abt. Straßenbau, abgerufen am 31. März 2013 (Kartenausschnitt).
  9. BGBl. 1980, Teil I, S. 1614
  10. BGBl. 1986, Teil I, S. 557
  11. Bundesgesetzblatt Jg. 1993, Teil I, S. 1877
  12. bebilderter Eintrag eines Benutzers im Forum von Autobahn-online vom 14. März 2011, zuletzt aufgerufen am 28. Mai 2011
  13. Frank Fischer: Die Südharzreise. SuKuLTuR, Berlin 2009, ISBN 978-3-941592-12-4. (Online)

51.44944444444411.283055555556Koordinaten: 51° 26′ 58″ N, 11° 16′ 59″ O