Andorra

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Andorra (Begriffsklärung) aufgeführt.
Principat d’Andorra
Fürstentum Andorra
Flagge Andorras
Wappen Andorras
Flagge Wappen
Wahlspruch: Virtus Unita Fortior
(lateinisch für Vereinigte Tapferkeit ist stärker)
Amtssprache Katalanisch
Hauptstadt Andorra la Vella
Staatsform parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt Kofürsten
Bischof Joan Enric Vives i Sicília
Frz. Präsident François Hollande

vertreten durch
Josep Maria Mauri[1]
Sylvie Hubac[2]

Regierungschef Antoni Martí Petit
Fläche 468 km²
Einwohnerzahl 76.098 (2013)[3]
Bevölkerungsdichte 162 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt nominal (2009) 3,8 Mrd. US$ (148.)[4]
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 45.498 US$ (12.)[4]
Human Development Index 0,830 (37.)[5]
Währung Euro (EUR) (unilateral eingeführt, seit 2014 an der Europäischen Währungsunion beteiligt)
Unabhängigkeit 8. September 1278
(als Lehnsstaat)

14. März 1993
(als souveräner Staat[6], Verfassung)

Nationalhymne El Gran Carlemany
Zeitzone UTC+1 MEZ
UTC+2 MESZ (März bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen AND
Internet-TLD .ad
Telefonvorwahl +376
Andorra Atlantik Mittelmeer Spanien Frankreich Österreich Belgien Bulgarien Republik Zypern Tschechien Deutschland Dänemark Dänemark Estland Spanien Finnland Frankreich Frankreich Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Griechenland Griechenland Ungarn Irland Italien Italien Italien Litauen Luxemburg Lettland Niederlande Polen Portugal Rumänien Schweden Slowenien Slowakei Island Montenegro Mazedonien Kroatien Türkei Türkei Malta Serbien Dänemark Dänemark Norwegen Norwegen Isle of Man Guernsey Jersey Andorra Monaco Schweiz Liechtenstein Vatikanstadt San Marino Albanien Kosovo Bosnien und Herzegowina Moldawien Weissrussland Russland Ukraine Kasachstan Abchasien Südossetien Georgien Aserbaidschan Aserbaidschan Armenien Iran Libanon Syrien Israel Jordanien Saudi-Arabien Irak Russland Tunesien Algerien MarokkoAndorra in Europe (zoomed).svg
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Administrative Gliederung Andorras: die sieben Pfarreien
Andorra topographic map-de.svg

Andorra (amtlich: Principat d’Andorra, deutsch: Fürstentum Andorra) ist ein Kleinstaat in den östlichen Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich.

Andorra wurde am 8. September 1278 gegründet und ist heute der Fläche nach der größte unter den sechs europäischen Zwergstaaten. Es ist das einzige Land der Welt, in dem zwei ausländische Amtsträger zusammen die Funktion des Staatsoberhauptes wahrnehmen. Das sind der Bischof von Urgell und der Präsident von Frankreich. Somit handelt es sich um eine Doppelherrschaft. Andorra gehört zu den sogenannten Steueroasen. Eine beachtliche Anzahl von Tagesbesuchern kommt der billigen Alkoholika und des Tabaks wegen. In der Region war der Name Andorra wegen der beiden konkurrierenden Rundfunkstationen mit Sitz in Andorra, Radio Andorra und Sud Radio, berühmt, die bis 1981 von ausländischen Lizenzinhabern betrieben wurden und werbefinanzierte überwiegend französischsprachige Unterhaltungsprogramme sendeten. Der Tourismus, insbesondere durch den Wintersport, ist heute der wichtigste Wirtschaftsfaktor.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Die Herkunft des Namens Andorra ist unbekannt. Es gibt jedoch verschiedene Erklärungsversuche:

  • Eine Theorie lautet, dass sich der Name vom arabischen Wort al-darra ableitet, was „Wald“ bedeutet. Als die Mauren die iberische Halbinsel eroberten, waren die Täler der Pyrenäen bewaldet. Wie in anderen Regionen und Städten, wo die Mauren herrschten, wurden arabische Namen für diese vergeben.
  • Eine andere Theorie folgt der Erklärung, dass sich der Landesname vom Wort andurrial aus dem Navarra-Dialekt des Baskischen herleitet, das „mit Büschen bedecktes Land“ bedeutet.[7]
  • Einige verbinden es mit dem alten Wort anorra, das das baskische Wort ur für „Wasser“ beinhaltet.[8]
  • Darüber hinaus wird erzählt, dass Karl der Große die Region im Hinblick auf das biblische Tal En Dor oder Andor in Kanaan benannt hat, wo die Midianiter besiegt wurden.[9]

Geografie[Bearbeiten]

Satellitenbild von Andorra

Andorra liegt in einem Hochtal der Pyrenäen. Die Entstehung des Tales geht auf die Eiszeit zurück, in der Gletscher die ursprünglich engen Täler verbreiterten und das mitgeführte Schuttmaterial als Moränen ablagerten. Mehr als ein Drittel Andorras liegt oberhalb der Waldgrenze. In den Lagen darunter wechseln sich überwiegend Kiefernwälder mit Wiesen und Weiden ab. Das Land ist sehr gebirgig. 65 Berggipfel übersteigen die 2.000-Meter-Grenze. Der höchste Berg ist der Coma Pedrosa mit 2942 Metern. Der niedrigste Punkt ist 840 Meter hoch und liegt bei Sant Julià de Lòria an der spanischen Grenze. Die Grenze zu Frankreich hat eine Länge von 56,6 km, die zu Spanien 63,7 km.

Zwei Arme des Flusses Valira, die Valira del Nord und die Valira d’Orient, vereinigen sich etwa in der Mitte des Landes zur Valira, die nach Spanien weiterfließt. Die Valira liefert durch Wasserkraftwerke am Fluss einen Teil der Energie des Landes. Weitere wichtige Flüsse sind der Arinsal und der Riu Madríu.

Klima[Bearbeiten]

In Andorra herrscht ein Hochgebirgsklima mit mediterranen Einflüssen.[10] Die mittleren monatlichen Durchschnittstemperaturen reichen von 0,7 °C im Januar bis 16,6 °C im Juli. Die mittlere monatliche Niederschlagshöhe liegt zwischen 41,6 Millimeter im Februar und 97,4 Millimeter im Mai.


Klimadaten von Andorra
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 0,7 1,6 3,8 5,4 9,3 13,1 16,6 16,4 13,0 8,7 4,1 1,4 Ø 7,9
Niederschlag (mm) 63,3 41,6 49,7 80,4 97,4 91,6 68,9 88,0 82,7 83,9 74,2 70,0 Σ 891,7
T
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Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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a
g
63,3
41,6
49,7
80,4
97,4
91,6
68,9
88,0
82,7
83,9
74,2
70,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Departament d’Estadística[11]

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Gämse

Die untersten Lagen sind mediterran beeinflusst, sie sind von immergrünen Eichenbeständen und wechselndem Öd- und Heideland gekennzeichnet. Danach folgt eine Zone der Eichen- und Pinienwälder, in Schattenlagen gedeihen Tannen. In der subalpinen Zone zwischen 1.600 und 2.000 Metern herrschen Wälder mit Kiefern und Fichten vor, vereinzelt wachsen dort auch Birken, Eschen, Buchsbäume, Wacholder, Rhododendron und Heidekraut. Oberhalb der Baumgrenze breiten sich alpine Matten aus. Andorra verfügt über eine reiche Flora mit über 1150 nachgewiesenen Arten. Früher wurde die Vegetation meist durch grasende Tiere niedrig gehalten und die nach Süden ausgerichteten Talseiten wurden für Terrassen-Landwirtschaft genutzt.

Die Tierwelt gleicht im Wesentlichen der mitteleuropäischen Fauna – Igel, Maulwürfe, Eichhörnchen sowie zahlreiche Vogelarten, Füchse, Dachse, Baummarder, Wildschweine und Hasen sind hier zu Hause und werden bejagt. Ein Verwandter des Maulwurfs, der Pyrenäen-Desman, ist an Bachufern zu finden, wo er im klaren Wasser auf Nahrungssuche geht. In höheren Gebirgslagen findet man Gämse, Mufflons, Murmeltiere sowie Auerhühner, aber auch der Steinadler, Gänse-, Schmutz- und Bartgeier haben hier ihren Lebensraum.

Landschafts- und Naturschutz[Bearbeiten]

Das Vall del Madriu-Perafita-Claror wurde 2004 als Kulturlandschaft in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Es gibt laut der UNESCO einen Eindruck, wie die Menschen die knappen Ressourcen der Hochpyrenäen während der letzten Jahrtausende genutzt haben, um eine nachhaltige Lebensumgebung zu erschaffen, die im Einklang mit der Gebirgslandschaft steht.[12] Das Schutzgebiet erstreckt sich auf einer Fläche von 4247 Hektar über die Gemeinden Encamp, Escaldes-Engordany, Andorra la Vella und Sant Julià de Lòria.[13]

Es gibt zwei Naturparks in Andorra. Der Parc Natural de la Vall de Sorteny hat eine Fläche von 1080 Hektar und liegt in der Gemeinde Ordino. Der Parc Natural Comunal de les Valls del Comapedrosa, der zur Gemeinde La Massana gehört, umfasst den Gebirgszug Comapedrosa und ist 1542 Hektar groß.[14]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung des Landes konzentriert sich im größten Tal des Fürstentums, durch das der Fluss Grand Valira fließt und in dem sich zwei Gemeinden befinden, darunter die Hauptstadt Andorra la Vella.

Struktur[Bearbeiten]

Bevölkerungspyramide von Andorra

Die Bevölkerungszahl von Andorra war lange niedrig und wurde von dem begrenzten landwirtschaftlichen Potential niedrig gehalten. Bevölkerungswachstum regelte sich selbstständig durch Auswanderung. Lange lag die Bevölkerungszahl bei rund 3000 Menschen, stieg aber im 19. Jahrhundert auf 5000 bis 6000 an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts näherte sich die Einwohnerzahl der 6000er Markierung, fiel aber wieder im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Zwischen 1860 bis in die 1930er Jahre waren die Auswanderungszahlen beträchtlich. Zuerst suchten Andorraner Saisonarbeit in Spanien und Frankreich, ließen sich später auch dort nieder. Während des Spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkrieges blieb Andorra neutral und wurde dadurch Ziel zahlreicher Flüchtlinge.[15] Im Jahr 1950 hatte die Bevölkerungszahl 6000 erreicht. In den folgenden Jahrzehnten erlebte Andorra einen starken Bevölkerungszuwachs. Zwischen 1950 und 2013 hat sich die Einwohnerzahl wie folgt entwickelt:[16]

1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2011 2012 2013
6.176 8.392 19.545 35.460 54.507 65.844 85.015 78.115 76.246 76.098

Das Bevölkerungswachstum ist vor allem auf Einwanderung, insbesondere aus Spanien und später auch aus Portugal und teilweise Frankreich zurückzuführen. Es gibt auch Arbeitsmigranten aus Ländern wie Argentinien, Marokko, den Philippinen und anderen Staaten. Eine weitere Gruppe Einwanderer besteht aus wohlhabenden Leuten aus europäischen Ländern wie unter anderem Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, die durch die niedrigen Steuern in Andorra angelockt werden.[15]

Von den 76.098 Einwohnern des Landes (Stand 31. Dezember 2013) sind nur 34.989 andorranischer Herkunft. [17] Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt 0,33 % (2011 est.). Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 82,4 Jahre und ist damit weltweit eine der höchsten. Die Säuglingssterblichkeit beträgt 0,6 %, die Kindersterblichkeit 0,4 %. 88 % der Bevölkerung leben in Städten. Ein Viertel der Bevölkerung lebt in Andorra la Vella und ein weiteres knappes Viertel in der Nachbargemeinde Escaldes-Engordany, mit der die Hauptstadt zusammengewachsen ist.

  • 15,6 % der Einwohner sind unter 15 Jahre alt (davon männlich: 6799, weiblich: 6440 ),
  • 71,4 % sind 15 bis 64 Jahre alt (davon männlich: 31.545, weiblich: 29.037) und
  • 13,0 % sind 65 und älter (davon männlich: 5502, weiblich: 5502)

Das Durchschnittsalter beträgt 40,5 Jahre (2011 est.).[18]

Sprachen[Bearbeiten]

Sant Marti de la Cortinada, Ordino, Andorra

Die Amtssprache Andorras ist Katalanisch. Laut einer Umfrage des andorranischen Zentrums für Sozialforschung (Centre de Recerca Sociològica) aus dem Jahr 2005 sprechen 38,8 % der Einwohner Andorras als Muttersprache Katalanisch, 35,4 % Kastilisch, 15,0 % Portugiesisch und 5,4 % Französisch. Auf die Frage, welche Sprache sie am häufigsten zur Kommunikation nutzen, gaben 58,3 % der Befragten Katalanisch, 37,3 % Kastilisch, 3,5 % Portugiesisch und 2,2 % Französisch an. Bei der letzteren Frage waren mehrere Antworten möglich. Es wurden 902 Personen befragt.[19]

  2005
Muttersprache Alltagssprache
AndorraAndorra Katalanisch 38,8% 58,3%
SpanienSpanien Spanisch 35,4% 37,3%
PortugalPortugal Portugiesisch 15% 3,5%
FrankreichFrankreich Französisch 5,4% 2,2%
Andere 8,7% 6,0%
Quelle: Encuesta de usos lingüísticos en Andorra[20]

Obwohl Katalanisch offiziell die Amtssprache Andorras ist, geriet die Landessprache durch das spanische und französische Schulwesen, die Zuwanderung aus Spanien und Frankreich sowie die Medien unter Druck. Die Gründung eines offiziellen Sprachrates Servei de Política Lingüística und die Stärkung des Katalanischen an den andorranischen Schulen und der Erwachsenenbildung soll der Verdrängung entgegenwirken.[21] Unterricht in Katalanisch wird auch im spanischen und französischen Schulsystem in Andorra angeboten.

Religion[Bearbeiten]

Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Andorra hat keine offizielle Religion oder Staatskirche, aber die katholische Kirche ist speziell in der Verfassung erwähnt und ihre Tätigkeit, ihre traditionelle Rolle und Beziehung zum Staat in der Verfassung Artikel 11 verankert.[22] Die katholische Kirche in Andorra ist Teil der Diözese Urgell. Der Bischof, der auch Kofürst von Andorra ist, hat in der Stadt La Seu d’Urgell, im nordwestlichen Teil von Katalonien, seinen Sitz.

Der überwiegende Teil der Andorraner (ca. 90 %) bekennt sich zur Römisch-katholischen Kirche, daneben sind 1 % der Bevölkerung Zeugen Jehovas, außerdem gibt es einige protestantische Gemeinden und eine jüdische Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünge und das Mittelalter[Bearbeiten]

Die frühesten Funde menschlichen Lebens in Andorra gehen bis auf die erste Eiszeit zurück. Erste neolithische Bauern lassen sich an der Fundstätte Balma Margineda fassen.[23] Keramikstücke, Ketten und andere Gegenstände zeugen von einer Besiedlung vor der Bronzezeit. Weitere archäologische Fundstücke sind die Steingravierungen von Ordino, Höhlenzeichnungen von La Roca de les Bruixes.

Die Bewohner der Täler wurden zum ersten Mal in einem Text des griechischen Historikers Polybios (2. Jahrhundert v. Chr.) erwähnt. Polybios beschreibt, wie Hannibal die Pyrenäen überquerte, und erwähnt in diesem Zusammenhang die Stämme der Andosiner. Unter Augustus wurden die Pyrenäen und der Norden der Iberischen Halbinsel endgültig Teil des Imperium Romanum: Es gilt als gesichert, dass sich in den andorranischen Tälern in der Spätantike Reste verdrängter Basken mit Römern, westgotischen Eroberern sowie der keltoiberischen Urbevölkerung vermischten. Die Täler Andorras unterlagen nacheinander und teils indirekt dem Einfluss des Römischen Reiches, der Westgoten, Mauren und Franken. Unter der fränkischen Herrschaft wurde die hispanische Grenze festgelegt, die „Ularea“, die das andorranische Gebiet begrenzte.

Es gibt die unhistorische Legende, wonach Karl der Große Andorra als Dank für die Hilfe seiner Einwohner bei seinem Kampf gegen die Mauren im Jahr 788 gegründet hat. Dabei soll er auch dem Volk von Andorra seine Unabhängigkeit gewährt haben. Tatsächlich aber gehörte das Land der von Karl dem Großen gegründeten Spanischen Mark an, die dieser den Mauren abgenommen hatte. Die Gemeinden Andorras werden im Jahr 839 zum ersten Mal in der Urkunde der Sanktionierung von Urgell als Lehen des Grafen von Urgell erwähnt. In einem Schreiben Karls des Kahlen an Sunifred I. von Barcelona von 843 wird das andorranische Gebiet als Besitz des Grafen von Urgell definiert, und in der Einweihungsakte der Kathedrale von La Seu d’Urgell, die 860 unterzeichnet wurde, wird erwähnt, dass das Gebiet in kirchlicher Hinsicht dem Einfluss der Diözese von Urgell unterliege.

Am 27. Januar 1133 verzichtete Graf Ermengol VI. von Urgell nach einer Zahlung von 1200 Sous (Solidi) auf seine Herrschaftsrechte in den Tälern Andorras zugunsten des Bischofs von Urgell. Die Bischöfe von Urgell vertrauten die Verteidigung und die Rechtsprechung Andorras daraufhin der Adelsfamilie Caboet an, die aus dem südlich von Urgell gelegenen Cabó stammte. Die Caboet erhielten vom Bischof dafür eigene Lehen im Tal von Andorra und Sant Joan, die sie als Vasallen der Bischöfe verwalteten. Die letzte Erbin der Caboet, Arnaua, heiratete im Jahr 1185 den Vizegrafen von Castelbon, Arnau. Dieser war ein bekennender Katharer und versuchte im Bunde mit dem am Nordhang der Pyrenäen ansässigen Grafen Raimund Roger von Foix seine Vasallität gegenüber dem Bischof von Urgell zu beenden. Dafür verheiratete Arnau von Castelbon seine Erbtochter, Ermesende, im Jahr 1202 mit dem künftigen Grafen Roger Bernard II. von Foix, wodurch die Besitzungen der Caboet in Andorra an diese mächtige Familie fielen. Da die Grafen von Foix es ablehnten, in ein Vasallenverhältnis gegenüber den Bischöfen von Urgell zu treten, schwelte im 13. Jahrhundert ein dauerhafter Konflikt zwischen beiden Parteien, der oft kriegerisch ausgetragen wurde.

Der Konflikt konnte erst 1278 beigelegt werden. Bei einer Zusammenkunft am 8. September in Lleida vereinbarten Bischof Pere d’Urtx und Graf Roger Bernard III. den sogenannten Pareatges-Vertrag, der eine Teilung der Herrschaft über das umstrittene Gebiet vorsah. Die beiden Parteien erkannten einander als gleichberechtigte Herren über Andorra an. Dieser Vertrag markiert den Beginn des bis 1993 bestehenden Kondominiums und damit auch die faktische Gründung des Kofürstentums Andorra; 1288 wurde er um mehrere Artikel erweitert. Während der Bischof von Urgell weiterhin in seinen Vertragsrechten verblieb, gingen diese auf Seiten der Grafen von Foix im Jahr 1594 durch die Thronbesteigung des letzten Grafen Heinrich von Bourbon auf die französische Krone über, in deren Rechtsnachfolge bis heute der Präsident von Frankreich steht.

Entwicklung seit dem 15. Jahrhundert[Bearbeiten]

1419 wurde der Consell de la Terra geschaffen, eine Art Ur-Parlament und wichtigstes Repräsentativorgan Andorras. Er war der Vorreiter des heutigen Consell General de les Valls (Generalrat der Täler) und versammelte die Oberhäupter der wichtigsten andorranischen Familien. Die politische Struktur, die im Mittelalter entstand, stabilisierte sich im 16., 17. und 18. Jahrhundert. Auch die politische und wirtschaftliche Macht der wichtigsten andorranischen Familien festigte sich.

Anfang des 18. Jahrhunderts befand sich Andorra in einer wirtschaftlich und institutionell schwierigen Lage, die unter anderem auf die internen Konflikte in Spanien zurückzuführen war. Im Zuge einer forcierten Zentralisierungspolitik zerstörte Spanien, das im 15. Jahrhundert aus einer Union der Königreiche Kastilien und Aragón entstanden war, alle katalanischen Institutionen und drohte mit der Anwendung des Nova-planta-Erlasses von 1714 auf alle Drittstaaten, die Waren nach Spanien einführten. Der Erlass sah vor, eine Abgabe auf alle Produkte zu erheben, die nach Spanien eingeführt wurden; sie entsprach 10 % des Produktwertes. Die Andorraner mussten jahrelang verhandeln, bis sie ein Sonderabkommen unterzeichnen konnten, die Sentència Manutenció von 1738. Dieser Text legte eine Abgabenbefreiung für andorranische Produkte fest. Ende des 18. und im 19. Jahrhundert herrschten in Andorra Konflikte und Streitigkeiten, die Lage war sowohl wirtschaftlich-sozial als auch auf institutioneller Ebene instabil.

Die Französische Revolution führte in Frankreich zur Nichtanerkennung des Status des Kofürstentums durch die revolutionären Kräfte, was Andorra in den folgenden Jahre lähmte. Das Land verlor von französischer Seite aus alle Privilegien, unter anderem die Steuerfreiheit, die Neutralität seiner Justiz und die Kontrolle über die inneren Angelegenheiten und den Handel. Auf Antrag der Andorraner stellte Napoleon 1806 den Status quo ante wieder her und erneuerte alle Vorrechte und Institutionen, die Andorra mit dem französischen König verbunden hatten. Das Amt des französischen Co-Prinzeps wird seither von der höchsten Autorität Frankreichs übernommen. Derzeit ist dies François Hollande.

Die Einrichtung von Verkehrs- und Kommunikationswegen im 20. Jahrhundert veränderte das altertümliche Gesicht Andorras grundlegend. Der Bau einer Straße 1913, die Andorra mit Spanien verbindet, der Bau einer weiteren Straße nach Frankreich und ins Innere der andorranischen Täler 1933, die Anlage eines Stromnetzes, die Eröffnung einer spanischen und einer französischen Post, die Einführung des Hörfunks ab 1935 und die Eröffnung einer Skistation 1934 waren entscheidende Faktoren. Vom institutionellen Standpunkt aus machte die Demokratie 1933 dank der Einführung des Wahlrechts für alle volljährigen Männer einen bedeutenden Schritt voran. Die Volljährigkeit wurde jedoch erst mit 27 Jahren erreicht. Das Frauenwahlrecht wurde 1971 eingeführt, als Wirtschaftswachstum und Wohlstand in Andorra gefestigt waren (Wirtschaftsboom ab den 1960er Jahren).

Im Jahr 1934 erlangte der russische Adelige Boris Skossyrew Macht und Einfluss in Andorra und ließ sich am 7. Juli vom Generalrat als Boris I. zum König ausrufen. Seine Herrschaft dauerte bis zum 21. Juli, als er auf Intervention des Bischofs von Urgell verhaftet und des Landes verwiesen wurde.

Am 25. September 1939 schloss Andorra einen Friedensvertrag mit Deutschland, mit dem es sich aufgrund der Nichtunterzeichnung des Versailler Vertrags seit dem Ersten Weltkrieg völkerrechtlich noch im Kriegszustand befand. Dies hat dazu beigetragen, dass Andorra im Zweiten Weltkrieg seine Neutralität bewahren konnte.

Am 25. August 1973 trafen sich im französischen Cahors der Bischof von Urgell, Joan Martí Alanís, und der französische Staatspräsident, Georges Pompidou. Seit 1278 war dies das erste Treffen der Kofürsten von Andorra.[24][25]

Größere Mitbestimmungsrechte blieben der Bevölkerung über lange Zeit versagt. Zwar erhielt Andorra mit dem so genannten Generalrat der Täler eine Volksvertretung, doch verfügte diese nicht über direkte legislative Gewalt. Erst in den 1990er Jahren änderte sich das institutionelle Arrangement. Ende der 1970er Jahre war die Planung einer Reform der andorranischen Institutionen eingeleitet worden, die 1981 in die Schaffung eines Exekutivorgans, der Regierung, mündete. Parallel dazu wurde der Generalrat als Legislativorgan geschaffen. Die Rechte der beiden Kofürsten wurden im frühen 20. Jahrhundert von zwei nicht in Andorra residierenden Delegierten ausgeübt. Diese entsandten einen Vogt nach Andorra, der die Aufsicht über die Gesetzgebung und Verwaltung hatte und jährlich einen symbolischen Tribut, überwiegend aus Naturalien bestehend, für die Kofürsten einnahm. Am 25. Januar 1981 wurde vom Generalrat der Täler nach 703 Jahren der Eigenständigkeit die erste Verfassung verabschiedet. Diese sah die Bildung eines Exekutivrates sowie eine Verwaltungsreform vor.

Seit Einführung der Verfassung[Bearbeiten]

Bis zum Jahr 1993 gab es in Andorra keine klare Trennung von legislativer, exekutiver und judikativer Gewalt. Erst die Verfassung vom 14. März 1993 etablierte Andorra als einen souveränen Staat mit einem parlamentarisch-demokratischen System im modernen Sinne. Die beiden ausländischen Schutzherren und Kofürsten blieben Staatsoberhaupt, mit jedoch nur noch rein repräsentativer Funktion. Die exekutive Gewalt wurde einem dem Parlament verantwortlichen Ministerpräsidenten übertragen.

Heute ist Andorra Mitglied der Vereinten Nationen (UN), der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), des Europarats und der Europäischen Währungsunion, nicht aber der Europäischen Union. Das Parlament, das für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt wird, hat 28 Mitglieder.

Politik[Bearbeiten]

Verfassung[Bearbeiten]

Nach der Verfassung von 1993 ist Andorra ein parlamentarisches Co-Fürstentum (Artikel 1 der Verfassung).

Exekutive[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kofürst von Andorra
Hauptartikel: Regierungschef von Andorra

Gemeinsames Staatsoberhaupt sind der spanische Bischof von La Seu d’Urgell, Monseigneur Joan Enric Vives i Sicília, und der französische Staatspräsident François Hollande. Ihr Amt ist rein repräsentativer Natur, sie besitzen allerdings ein Vetorecht in auswärtigen Angelegenheiten. Das Einkammerparlament wählt den Regierungschef (Cap de Govern), der die Exekutive leitet. Derzeitiger Regierungschef ist seit dem 12. Mai 2011 Antoni Martí Petit. Die Regierung leitet die andorranische Innen- und Außenpolitik, verwaltet den Staat und übt die Rechtssetzungsbefugnis aus.

Polizei[Bearbeiten]

Das Cos de Policia d’Andorra wurde 1931 als Servei d’Ordre mit sieben Mitarbeitern gegründet. Das Polizeikorps beschäftigt heute etwa 280 Personen.

Legislative[Bearbeiten]

Generalrat[Bearbeiten]

Der Generalrat Consell General de les Valls übt die Legislativgewalt aus, genehmigt den Staatshaushalt und fördert und kontrolliert die politischen Maßnahmen der Regierung. Er umfasst derzeit 28 Räte, die auf vier Jahre gewählt werden. 14 Räte werden auf regionaler Ebene gewählt (zwei Räte für jede Gemeinde), die übrigen auf nationaler Ebene. Die Abgeordneten wählen einen Síndic und einen Untersíndic als Präsident und Vizepräsident des Parlaments (Consell), die zusammen mit zwei Sekretären, die ebenfalls aus dem Consell gewählt werden, das Büro des Parlaments ausmachen. Präsident des Parlaments ist derzeit Vicenc Mateu Zamora, Vizepräsidentin Mònica Bonell Tuset.

Zusammensetzung
Verteilung der Mandate im Generalrat der Täler für den Zeitraum 2011–2015.

Am 26. April 2009 fanden Parlamentswahlen in Andorra statt. Dabei erreichte die Coalició Reformista (CR), die neue konservative Koalition aus PLA und CDA-S21 nur noch 32,3 % der Stimmen (Verlust von rund 20 % der Stimmen).[26] Die Partit Socialdemòcrata (PSD) erhielt dagegen 45 % und gewann somit die Hälfte der Mandate. Die Andorra pel Canvi (ApC), eine Nachfolgepartei der sozialliberalen Renovació Democràtica (RD), kam mit 18,9 % der Stimmen auf drei Sitze im Parlament. Die Grünen verfehlten mit 3,2 % zum zweiten Mal nach 2005 den Einzug in den Generalrat. Damit löste die PSD unter Führung von Jaume Bartumeu Cassany die CR erstmals an der Regierung ab – sie war jedoch auf mindestens eine weitere Stimme angewiesen oder sie musste eine Koalition mit der neuen ApC eingehen. Nach wiederholtem Boykott, einen Staatshaushalt zu verabschieden, löste Bartumeu das Parlament Anfang 2011 auf und setzte Neuwahlen für den 3. April 2011 an.

Bei der Wahl am 3. April 2011 gewannen die Demòcrates per Andorra mit 55,2 % der Stimmen und erhielten 20 Mandate.[26] Die Partit Socialdemòcrata wurde zweitstärkste Partei mit 34,8 % mit sechs Mandaten. Die übrigen zwei Sitze erhielt die Unió Laurediana, die nur im Wahlkreis Sant Julià de Lòria gelistet ist. Dort erhielt sie 61,6 % der Wählerstimmen. Auf das Verhältnis der Wahlberechtigten in ganz Andorra umgerechnet, sind dies 8,6 %. Nicht in den Generalrat eingezogen sind die Andorra pel Canvi mit 6,7 % und die Grünen mit 3,3 %, die damit das dritte Mal nach 2005 und 2009 dieses Ziel verpassten.

Die Wahlbeteiligung lag bei 74,12 %.[26] Von den 28 gewählten Volksvertretern werden 15 Mandate von Frauen in Anspruch genommen (54 % der Sitze). Damit ist Andorra das erste europäische Land, in dem Frauen die Mehrheit im Parlament haben, und nach Ruanda (seit 2008) das zweite Land weltweit. Die Demòcrates per Andorra stellen mit Antoni Martí den Regierungschef.

Parteienlandschaft[Bearbeiten]

Andorra verfügt über ein Mehrparteiensystem, das durch eine Rechts-Links-Achse dominiert wird. Traditionell wird die rechte Seite durch die Partit Liberal d’Andorra und die linke Seite durch die Partit Socialdemòcrata vertreten. Es gibt weitere Parteien, unter anderem die Umweltpartei Verds d’Andorra, die Andorra pel Canvi (ApC – Für Wandel in Andorra) und die örtlich vertretene Partei Unió Laurediana aus Sant Julià de Lòria. Die Regierungsmacht in Andorra liegt hauptsächlich in konservativen Händen, mit Ausnahme des Kabinetts von 2009 bis 2011, als die Sozialdemokraten regierten.

Im Generalrat sind derzeit drei Parteien vertreten. Dazu gehören die Demòcrates per Andorra (DA – Demokraten für Andorra), die Partit Socialdemòcrata (PS – Sozialdemokratische Partei) sowie die Unió Laurediana.

Staatsbürgerschaft und Wahlrecht[Bearbeiten]

Die andorranische Staatsbürgerschaft und damit – abhängig vom Alter – das aktive und passive Wahlrecht ist verhältnismäßig schwer zu erhalten. Das strenge Staatsbürgerschaftsgesetz stellt hohe Anforderungen an eine Einbürgerung.[27] Eine mehrfache Staatsbürgerschaft ist nicht erlaubt. Nur eine Minderheit der Bevölkerung Andorras ist auch Bürger des Landes.

Es wird in erster Linie das ius sanguinis angewandt, d. h. Kinder andorranischer Staatsbürger haben Anspruch auf die Staatsbürgerschaft. Auch in Andorra geborene Kinder von Ausländern, die entweder selbst schon in Andorra geboren wurden oder seit mindestens zehn Jahren in Andorra leben, können Staatsbürger werden. Wer in Andorra ohne Staatsbürgerschaft geboren wird, kann diese unter gewissen Voraussetzungen erlangen. Die Einbürgerung ist jedoch nur nach Aufgabe der bestehenden Staatsangehörigkeit und einer bestimmten Aufenthaltsdauer in Andorra möglich. Diese beträgt 20 Jahre und kann auf 15 Jahre reduziert werden, wenn die Großeltern aus Andorra stammten, und auf zehn Jahre, wenn man in Andorra die Schule besucht und eine Ausbildung gemacht hat.

Eine Ausnahme von diesen Regelungen gilt für die beiden Staatsoberhäupter.

Judikative[Bearbeiten]

Funktionsweise der Justiz[Bearbeiten]

Die Verfassung ist die oberste Norm der Rechtsordnung. Sie ist für alle Batlles (erstinstanzliche Richter), Richter und Gerichte verbindlich, die Recht sprechen und die Gesetze gemäß den Grundsätzen der Verfassung anwenden. Die Rechtsprechung wird von den Batlles, dem Tribunal der Batlles (erstinstanzliches Gericht), dem Tribunal de Corts (Berufungs- und Schwurgericht) und dem Obersten Gerichtshof von Andorra ausgeübt. In der Ausübung ihrer Rechtsprechungskompetenz sind Batlles und Richter aller Rechtsorgane und des Obersten Gerichtshofs unabhängig.

Rechtsorgane[Bearbeiten]

Die Aufgabe der Rechtsorgane besteht darin, die öffentliche Gewalt an die Achtung der Gesetze zu binden, die Gesetzmäßigkeit von Verwaltungstätigkeiten zu überwachen und allen Bürgern einen wirksamen Schutz in der Ausübung ihrer Rechte und der Verteidigung ihrer legitimen Interessen zu gewährleisten. Das Rechtssystem von Andorra besteht aus:

Ombudsmann[Bearbeiten]

Der Ombudsmann verteidigt und wacht seit dem Jahr 1998 über die von der Verfassung gewährleisteten Rechte und Freiheiten. Er behandelt Privatklagen und -beschwerden, welche die Verletzung der Rechte durch die öffentliche Verwaltung betreffen. Außerdem kann er Empfehlungen aussprechen, an Pflichten und gesetzliche Verpflichtungen erinnern und Vorschläge zur Umsetzung neuer Maßnahmen machen.

Außenpolitik[Bearbeiten]

Mitgliedschaft in Organisationen[Bearbeiten]

Andorra ist Mitglied in folgenden internationalen Organisationen:

Diplomatische Beziehungen[Bearbeiten]

Andorra unterhält diplomatische Beziehungen mit allen europäischen Ländern mit Ausnahme von Weißrussland. Botschaften befinden sich in Paris, Madrid, Brüssel und Lissabon. Diplomatische Missionen befinden sich in Straßburg beim Europarat, in Genf für die Organisationen der Vereinten Nationen, in New York beim Hauptquartier der Vereinten Nationen sowie in Wien für die dort ansässigen internationalen Organisationen.

Die Beziehungen zwischen Andorra und Deutschland sind traditionell freundschaftlich und frei von Problemen. Deutschland war 1994 der vierte Staat, der Andorra nach Verabschiedung der neuen Verfassung von 1993 endgültig als souverän und unabhängig anerkannte. Der deutsche Botschafter in Spanien ist auch in Andorra akkreditiert. Die konsularische Betreuung wird vom deutschen Generalkonsulat in Barcelona wahrgenommen. Die Botschafterin in Brüssel, Imma Tor Faus, ist als Botschafterin für die Bundesrepublik Deutschland akkreditiert. Des Weiteren ist sie Botschafterin Andorras für die Europäische Union, die Benelux-Staaten und Slowenien.

Die Schweiz schloss mit Andorra 1961 ein Abkommen für den Personenverkehr. Zuständig für die diplomatischen Geschäfte ist der Schweizer Botschafter in Madrid. Die konsularischen Angelegenheiten werden von Barcelona aus betreut. Seit 2001 ist die Schweiz in Andorra zudem durch einen Honorarkonsul vertreten. Die permanente diplomatische Mission bei den Vereinten Nationen in Genf ist zwar keine Botschaft, aber der für die Schweiz akkreditierte Botschafter Andorras, Lluís Viu Torres, hat dort seinen Sitz. Zudem ist er als Botschafter für Liechtenstein, Monaco und San Marino akkreditiert.

Auch mit Österreich unterhält Andorra traditionell freundschaftliche Beziehungen. Der österreichische Botschafter in Madrid ist auch in Andorra akkreditiert. Im Dezember 2009 schloss Andorra ein bilaterales Steuerinformationsabkommen mit Österreich. Die für Österreich zuständige Auslandsvertretung Andorras sitzt in Wien. Marta Salvat ist als Attachée akkreditiert und vertritt Andorra außerdem bei den internationalen Organisationen in Wien.

Außerhalb Europas unterhält Andorra diplomatische Beziehungen mit zahlreichen Ländern, doch nur wenige Länder haben Botschafter akkreditiert. In Afrika ist es Marokko, in Mittelamerika ist es Mexiko. Asien ist nur durch Russlands Anteil an diesem Kontinent vertreten. In Nordamerika sind es die Vereinigten Staaten und Kanada, doch es existiert nur eine Botschaft in New York. Der dort ansässige Botschafter, Narcís Casal de Fonsdeviela, ist akkreditierter Botschafter für die USA, Kanada und Mexiko sowie Repräsentant Andorras bei den Vereinten Nationen.

Transpyrenäische Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Das transpyrenäische regionale Kooperationsorgan Communauté de travail des Pyrénées, in der die französischen Regionen Languedoc-Roussillon, Midi-Pyrénées und Aquitaine sowie die spanischen autonomen Regionen Katalonien, Aragonien, Navarra und das Baskenland mit Andorra zusammenarbeiten, ist für die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur, Energie und zahlreichen anderen Branchen von Bedeutung. Die Zusammenarbeit begann im Jahr 1983.[28]

Menschenrechte[Bearbeiten]

Einige Verbände haben die aktuellen Vorschriften, die bei der Kontrolle von Einwanderern angewandt werden, verurteilt.[29] Sie besagt, dass eine Arbeitserlaubnis denjenigen verweigert wird, die an Alkoholismus leiden oder von anderen chemischen Stoffen abhängig sind, sowie denjenigen, die nach den Internationalen Gesundheitsvorschriften der Weltgesundheitsorganisation an Krankheiten leiden, die unter Quarantäne gestellt werden müssen. Des Weiteren wird sie Personen verweigert, die an psychomentalen Erkrankungen leiden, die eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellen, oder Trägern von Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Hepatitis oder HIV/AIDS, die eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit sind. Ebenso wird sie Personen verweigert, die aufgrund einer körperlichen und geistigen Behinderung für die Art der Arbeit, für die eine Arbeitserlaubnis beantragt wird, ungeeignet sind.[30] Die Prostitution ist illegal.[31]

Nationale Symbole und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weiße Narzisse

Die Flagge Andorras ist eine Trikolore, die aus drei senkrechten Streifen in Blau, Gelb und Rot bestehen. Der mittlere Streifen trägt das Wappen Andorras.

Das Staatswappen Andorras wurde im Jahr 1969 angenommen und 1996 bestätigt. Der Wappenschild ist einmal geteilt und einmal gespalten. Das erste Feld ist rot und zeigt eine goldene, silbern umrahmte Mitra und einen dahintergelegten goldenen Bischofsstab für den Bischof von Urgell. Das zweite Feld ist gold und zeigt drei rote Pfähle für den Grafen von Foix, das dritte Feld zeigt in Gold vier aus dem katalanischen Wappen entnommene, rote Pfähle, das vierte Feld zeigt in Gold zwei rote, blau gehörnte und behufte Kühe übereinander aus dem Wappen von Béarn.

El Gran Carlemany (katalanisch „Der große Karl der Große“) ist die Nationalhymne von Andorra. Der Text stammt von Joan Benlloch i Vivo (1864–1926), die Musik von Enric Marfany Bons (1871–1942). 1914 wurde sie zur Nationalhymne erklärt.

Die weiße Narzisse, auch Dichternarzisse genannt (botanischer Name Narcissus poeticus, katalanisch grandalla) wächst wild und wird als nationale Blume betrachtet. Die Blüten haben sechs Blütenblätter, was der Anzahl der ursprünglichen Pfarreien im Land entspricht.

2007 stiftete die Regierung den Orde de Carlemany (Karl-der-Große-Orden), zusammen mit dem Premi Carlemany die Karl-der-Große-Preise für katalanische Literatur, Literatur allgemein, Kunst, Wissenschaft und humanitäre Arbeit.

Landesverteidigung[Bearbeiten]

Andorra besitzt kein Militär, die Landesverteidigung ist Aufgabe von Spanien und Frankreich.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Andorra besteht aus sieben parròquies (Sg. parròquia, wörtlich Pfarreien, tatsächlich Gemeinden). Einige Parròquies werden noch weiter untergliedert in Viertel oder Nachbarschaften. Die Comuns sind die Organe, die die Gemeinden vertreten und verwalten, den kommunalen Haushalt genehmigen und ausführen, ihre öffentliche Politik beschließen und umsetzen und das gesamte kommunale Eigentum verwalten. Sie erhalten Finanzmittel aus dem allgemeinen Staatshaushalt, damit ihre finanzielle Unabhängigkeit gewährleistet ist.

Bildungssystem[Bearbeiten]

Das Bildungssystem Andorras ist vielschichtig. Es umfasst ein andorranisches System, ein spanisches System, ein französisches System und ein privates englisches System (Elians). Es besteht auch ein konfessionelles System, das weder finanziell noch institutionell vom spanischen System abhängt (die Finanzierung obliegt dem andorranischen Staat), aber demselben Ausbildungsprogramm folgt.

Die Schulbesuchsquote in Andorra beträgt quasi 100 %. Der Schulbesuch im andorranischen, spanischen und französischen System ist kostenfrei, bis zum Alter von 16 Jahren besteht Schulpflicht. Nur die private englische Schule ist nicht gebührenfrei. Das Schulsystem besteht aus der Vorschule, der Grundschule und den weiterführenden Schulen Kollegium und Gymnasium. Das Ausbildungssystem umfasst auch besondere Zweige für Berufsausbildung, Fachausbildung (eine Schule für Krankenschwestern, eine Schule für Informatik, eine Handelsschule für kleine und mittlere Unternehmen und die Industrie) und für Erwachsenenbildung. Die staatliche Universität Universitat d’Andorra wurde 1997 gegründet. Sie ist neben der Fernuniversität Universitat Oberta de la Salle in Massana die einzige öffentliche Hochschule des Landes und hat ihren Sitz in Sant Julià de Lòria. Sie bietet Bachelorstudiengänge in Informatik, Krankenpflege, Wirtschaft und Bildungswissenschaften an. Im Jahr 2008 wurde per Gesetz die Genehmigung für eine private Hochschule erteilt. Die Universitat de les Valls hat ihren Sitz in Andorra la Vella und ist auf Zahnmedizin spezialisiert. Sie nimmt jährlich maximal bis zu 30 Studenten auf und hat im September 2012 ihren Studienbetrieb begonnen.[32]

Der Staat vergibt bedarfsgerechte Ausbildungsbeihilfen und hat eine Ausbildungsförderung für die Hochschulbildung eingerichtet. Es werden verschiedene Formen von Stipendien für Studien im Ausland vergeben. Über den Nationalen Studienpreis (Premi nacional d’estudi) werden jährlich Stipendien an die besten Schüler der drei im Lande vertretenen Schulsysteme vergeben.[33] Der Staat verfügt auch über Studentenwohnheime in Toulouse und Paris.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Sektoren[Bearbeiten]

Innenstadt der Hauptstadt

Das kleine Fürstentum verfügt praktisch über keine Naturressourcen, allenfalls Wasser und (für den Inlandbedarf) Granitschiefer. Früher war Andorra trotz seiner Gebirgslage ein Agrarland, im Laufe der Jahre beschränkte sich die Landwirtschaft jedoch weitgehend auf Viehhaltung sowie Tabakanbau und -verarbeitung und für den Inlandbedarf Kartoffelanbau. Nur 2 % von Andorras unbebautem Land sind für landwirtschaftliche Zwecke geeignet. Das Fürstentum war lange das Schaufenster Europas für Spanien, aber als Spanien 1986 der Europäischen Gemeinschaft beitrat, musste die Wirtschaftspolitik verändert werden.

Skigebiet Grau Roig

Das Land lebt heute vor allem vom Tourismus (mehr als zwölf Millionen Besucher jährlich), zum Beispiel durch Wintersport. Rund 700 Hotels sowie Sport- und Ferienzentren stehen zur Verfügung. Außerdem ist der Verkauf von durch Wasserkraft erzeugtem Strom an die benachbarte europäische Region Katalonien eine bedeutende Einnahmequelle. Die Konzession von 1929 zur Nutzung dieser Ressource zur Stromversorgung hat zum Bau von Hauptverkehrsstraßen sowie zur Errichtung eines Stromnetzes geführt. Auch das Bankwesen ist sehr gut entwickelt. Eine weitere Einnahmequelle sind die Konzessionsgebühren der örtlichen Rundfunkanstalten. Andorra gewährt seinen Einwohnern weitgehend Steuerfreiheit.

Durch die niedrige Umsatzsteuer ist das Land für Luxusartikel attraktiv (Gold, Schmuck, Lederwaren, Bekleidung, Kosmetika). Andorra ist ein Land, das hauptsächlich von Dienstleistungen und vom Fremdenverkehr lebt. Es gibt nur wenig Industrie, aber die neue Strategie der Diversifizierung der Wirtschaft kann dazu führen, dass sich in Andorra in Zukunft leistungsstarke und spezialisierte kleine und mittlere Unternehmen, zum Beispiel im pharmazeutischen oder optischen Bereich (Glasaugen), niederlassen werden.

Außenhandel[Bearbeiten]

Die Beziehungen zur Europäischen Union sind durch ein am 28. Juni 1990 unterzeichnetes Handelsabkommen geregelt, das eine Zollunion für Industrieprodukte und besondere Regelungen für landwirtschaftliche Produkte vorsieht. Dieses zeitlich unbegrenzte Rahmenabkommen ist am 1. Januar 1991 in Kraft getreten. Die ebenfalls zeitlich unbegrenzten Zollbestimmungen gelten seit dem 1. Juli 1991. Das Abkommen wurde 1995 erweitert, als Andorra einen Antrag auf das unbegrenzte Vorrecht im Hinblick auf die direkte Rückerstattung des gemeinsamen Außenzolls gestellt hatte. Importiert werden vor allem Konsumgüter aller Art, exportiert werden elektrische Energie, Vieh, Schaffelle, Keramik, Holz. Die andorranische Wirtschaft ist in hohem Maße von Spanien abhängig. 2010 importierte Andorra hauptsächlich aus Spanien (60,4 % Anteil am Gesamtwert der Importe), gefolgt von Frankreich (17,7 %), Deutschland (4,5 %) und der Volksrepublik China (4,2 %).[34] Spanien war im selben Jahr auch der Hauptabnehmer andorranischer Produkte (63,1 % Anteil am Gesamtwert der Exporte), gefolgt von Frankreich (20,7 %) und der Schweiz (7,8 %).[35]

Andorra ist als Steueroase bekannt, es gibt keine allgemeine Einkommensteuer oder Erbschaftsteuer. Allerdings wurde 2011 eine Gewinnsteuer auf wirtschaftliche Aktivitäten eingeführt, welche 5 % beträgt.[36] Eine Steuer in gleicher Höhe wird auf Gewinne von Gesellschaften erhoben.[37] Seit dem 1. Januar 2006 wird eine Mehrwertsteuer auf die meisten Waren und Dienstleistungen erhoben; sie beträgt derzeit im Normalsatz 4.5 % und ermäßigt 1 %.[38] Die günstigen steuerlichen Bedingungen werden auch von „Briefkastenfirmen“ genutzt. Auch der Tourist erfreut sich niedriger Preise für Spirituosen, Tabak und Kosmetik, da alle Waren in Andorra zollfrei sind. Alles, was nicht dem unmittelbarem Verbrauch dient, sollte beim Kauf allerdings deklariert werden, da es bei der Ausfuhr der Produkte sonst Schwierigkeiten gibt.

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 650 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 513 Mio. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,6 % des Bruttoinlandsprodukts.[4]

Die Staatsverschuldung betrug 2009 1,189 Mrd. US-Dollar oder 31,3 % des BIP.[4]

2006 entsprachen die Staatsausgaben in den folgenden Bereichen, in % des BIP:

Energie[Bearbeiten]

Andorra erzeugt einen Teil seines Stroms selbst. Die Produktion ist jedoch nicht ausreichend, um den landeseigenen Bedarf zu decken. Daher wird neben Erdölprodukten auch Strom importiert.

Die Wasserkraft wird seit 1934 genutzt, nachdem die Forces Hidroelèctriques d’Andorra, die französisch-spanische Interessen vertrat, 1929 vom Consell General die Genehmigung erhielt, ein Wasserkraftwerk zu bauen, wenn im Gegenzug durch die Gesellschaft Straßen angelegt werden.[41] 1931 begann man das Werk in Encamp zu bauen, das drei Jahre später in Betrieb genommen wurde. Der Strom wurde nach Frankreich und Spanien exportiert. Nachdem sich nun auch der Inlandsverbrauch erhöht hat, kann die landeseigene Produktion die Nachfrage nach Strom nicht mehr decken. Während die inländische Stromerzeugung im Jahr 2009 insgesamt 101 011 MWh (85 % aus Wasserkraft) ausmachte, mussten 497 732 MWh importiert werden.[42] Andorras eigene Energieerzeugung deckt 17 % des Verbrauchs. Das Energieunternehmen wurde 1988 von der andorranischen Regierung übernommen und in Forces Elèctriques Andorra umbenannt. Es ist seitdem für die Erzeugung und Verteilung des Stroms im Lande verantwortlich.

Währung[Bearbeiten]

Andorra ist nicht Mitglied der Europäischen Union, es genießt jedoch einen Sonderstatus im Verhältnis zur EU. Andorra besitzt keine eigene Währung. Vor dem 1. Januar 2002 waren der französische Franc und die spanische Peseta alleinige offizielle Zahlungsmittel. Danach wurden diese wie in Frankreich und Spanien durch den Euro ersetzt. Andorra hatte bislang keine eigenen Euromünzen, kann aber gemäß der am 30. Juni 2011 mit der EU getroffenen Währungsvereinbarung,[43] nach Ratifizierung der Vereinbarung, ab 1. Juli 2013 nationale Euromünzen im Nennwert von zunächst 2,342 Millionen Euro pro Jahr herausgeben. Die Ausgabe der ersten Münzen ist für 2014 geplant.

Es gibt in Andorra überwiegend zu Sammlerzwecken vom Servei d’Emissions de la Vegueria Episcopal (Münzanstalt des bischöflichen Kofürsten) ausgegebene Münzen in der Kunstwährung Diner (1 Diner = 100 Cèntims) [els diners: katalanisch für „Geld“]. Diese wurden seit 1983 in Werten von 1 Cèntim bis zu 250 Diners ausgegeben. Die Umrechnungsrate ist ESP 100 (0,60 EUR) oder 5 FRF (~125 ESP oder 0,75 EUR) zu einem Diner. Gehälter, Geldbußen etc. in Andorra werden in der Regel immer doppelt ausgewiesen, in Diners und in Euro.

Tourismus[Bearbeiten]

Skigebiet in den Bergen Andorras

Der Tourismus und der am Fremdenverkehr beteiligte Handel sind die tragenden Säulen der andorranischen Wirtschaft (≈ 80 % des BNP). Von Andorras abgabenfreien Läden werden jährlich Millionen von Touristen angelockt. Die meisten Touristen sind Tagesbesucher. Die Zahl der Übernachtungen und Tagestouristen ist jedoch in den letzten Jahren rückläufig.[42]

2005 2006 2007 2008 2009
11 049 490 10 736 722 10 743 201 10 193 749 9 111 856

Die Touristen werden durch Andorras niedrige Steuersätze und die Möglichkeit des freien Handels angezogen. 2009 kamen 57 % der Besucher aus Spanien, während 40 % Franzosen waren.[42] Der Duty Free Tourismus war vor dem Beitritt Spaniens zur EU im Jahr 1986 von besonderer Bedeutung, aber immer noch können Besucher, die nach Frankreich und Spanien zurückkehren, eine freie Menge von Tabakwaren, Alkohol, Parfüm, Lebensmittel und industrieller Produkte (vor allem kleine Elektronik), mitnehmen, die größer ist, als bei vielen Ländern außerhalb der EU.[28] Dies bedeutet, dass der Handel eine große Rolle in Andorra in Bezug auf Beschäftigung und Umsatz spielt.

Die meisten Besucher (80 %) sind Tagestouristen aus Spanien und Frankreich. Das Land hat Hunderte von Hotels und andere Übernachtungsmöglichkeiten sowie Thermalquellen in Escaldes-Engordany. 2009 gab es in Andorra 720 Betriebe im Hotel- und Gastronomiegewerbe, und es übernachteten 1,8 Millionen Gäste im Land. Die Tourismusindustrie hat sowohl im Sommer als auch im Winter Hochsaison. Andorra ist die größte Wintersportdestination in den Pyrenäen.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Kennzeichnung der CG 1
Kennzeichnung der CS 240

Andorra besitzt 269 Kilometer Straßen, davon sind 198 Kilometer asphaltiert und 71 Kilometer nicht asphaltiert. Das staatliche Straßennetz besteht zum einen aus sechs Hauptstraßen (Katalanisch carreteres generals, Abkürzung CG) und zum anderen aus sekundären Straßen (Katalanisch carreteres secundàries, Abkürzung CS). Alle Grenzübergänge liegen an Hauptstraßen. Die Hauptverbindung in Richtung Spanien führt über die CG 1 durch das Valira-Tal südlich von Sant Julia de Loria, weitere Grenzübergänge liegen an der CG 4 in Richtung des spanischen Dorfes Tor und an der CG 6. Diese führt als einzige Straße ins spanische Os de Civís, eine funktionale Exklave. Der einzige Grenzübergang nach Frankreich befindet sich östlich von Pas de la Casa an der CG 2, die über den mit 2408 Metern höchsten Pyrenäenpass Port d’Envalira führt. Als Alternative zum Pass besteht seit 2002 auch der 2850 m lange Túnel d’Envalira.

In den 1980er Jahren wurde der Bau einer zweiten Straßenverbindung mit einem Tunnel (Port du Rat) nach Frankreich begonnen, die heute nordwestlich von El Serrat endet, da man auf französischer Seite die Arbeiten wegen Umweltbedenken eingestellt hat.

Das Land hat keinen Flughafen und es gibt auch keinen Schienenverkehr. Internationale Busverbindungen bestehen nach L’Hospitalet-près-l’Andorre (von dort besteht Bahnverbindung nach Toulouse), zum Flughafen Toulouse-Blagnac und nach Barcelona. Das interkommunale Busverkehrsnetz Clipol verbindet die Gemeinden mit den wichtigsten Städten Andorras. Acht Buslinien verkehren tagsüber ab Andorra la Vella. Taxistandplätze gibt es ausschließlich in Andorra la Vella und Escaldes-Engordany. Über Taxifunk kann man aus ganz Andorra Taxis bestellen.

Verkehrsregeln[Bearbeiten]

Es gilt Rechtsvorfahrt, außer auf Hauptstraßen, und in den Bergen hat der Verkehr bergauf Vorfahrt vor dem Verkehr bergab. Bei den meisten Verkehrskreiseln hat man Vorfahrt, solange man sich im Kreisverkehr befindet. Der Verkehr zum Kreisverkehr hat Vorfahrt, wenn davor ein weißes, dreieckiges Verkehrsschild mit rotem Rand und drei schwarzen Pfeilen in einem Kreis steht. Das Telefonieren im Auto per Mobiltelefon ist verboten (außer mit Freisprechanlage).

Geschwindigkeitsbegrenzung[Bearbeiten]

In Andorra gibt es keine Autobahnen. Die zugelassene Höchstgeschwindigkeit beträgt außerhalb bebauter Gemeinden 90 km/h und innerhalb bebauter Gemeinden 40 km/h.

Telekommunikation und Internet[Bearbeiten]

In Andorra gibt es zirka 35.000 Telefonanschlüsse und ca. 23.500 Mobiltelefone. Das Internet wird von zirka 24.500 Menschen genutzt.

Hauptartikel: Andorra Telecom

Postwesen[Bearbeiten]

Die Post innerhalb Andorras ist kostenlos. Briefe ins Ausland werden über die französische oder die spanische Post verschickt. Diese beiden bringen die Briefmarkenausgaben für Andorra heraus. Postleitzahlen wurden 2004 eingeführt.

Kultur[Bearbeiten]

Heiligtum von Meritxell

Der Nationalfeiertag ist der 8. September (Tag der Verge von Meritxell, der Schutzpatronin von Andorra); der Tag der Verfassung ist der 14. März. Weitere Feiertage sind der 1. Januar (Neujahr) und der 25. Dezember (Weihnachten). Die andorranische Kultur wird sehr stark vom katalanischen Kulturkreis beeinflusst; sie hat einige bedeutende Beiträge zur Kultur der Katalanen geleistet.

Literatur[Bearbeiten]

Einer der ersten Schriftsteller des Landes war Antoni Fiter i Rossell aus Ordino. Er beschrieb 1748 die Besiedelung und Feudalgeschichte des Landes und nannte das Werk Digest manual de las valls neutras de Andorra. Der Pfarrer Antoni Puig brachte 1763 eine redigierte Kurzversion heraus, die er Politar Andorrà nannte. Beide Werke werden als bedeutend bezeichnet.

Eine eigene andorranische Belletristik entwickelte sich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Darunter sind Autoren wie Antoni Morell, der neben Prosa auch Romane herausgegeben hat, Robert Pastor i Castillo, der katalanische Lyrik und Essays aber auch viele Bücher auf Kastilisch publiziert hat, sowie die Lyriker Josep Enric Dallerès und Albert Salvadó. Unter den Autoren der jüngeren Generation findet man Joan Peruga Guerrero (Romane), Albert Villaró (Romane und Essays), Manel Gibert Vallès (Lyrik), den Autor und Diplomaten Juli Minoves Triquell, sowie die Lyrikerin Teresa Colom. Der Beginn der modernen andorranischen Literatur kann mit der Unabhängigkeit 1993 angesetzt werden. Morell, Salvadó und Villaró haben den andorranischen Preis für katalanische Literatur Premi Carlemany gewonnen, und Salvadò, Guerrero und Triquell den Literaturpreis Premi Fiter i Rossell de novel·la. Beide Preise wurden von der andorranischen Regierung ins Leben gerufen.

Reiseführer auf Deutsch gibt es speziell zu Andorra nicht, doch bei DuMont sind Pyrenäenbücher erschienen, die das Land umfassend beschreiben. Auch Kurt Tucholsky thematisierte Andorra in seinem Pyrenäenbuch.

Musik und Tanz[Bearbeiten]

2004 nahm Andorra zum ersten Mal am Eurovision Song Contest teil. Der Song erregte einiges Aufsehen, vor allem bei katalanischen Medien, da es das erste Lied war, das komplett auf Katalanisch gesungen wurde. Allerdings schied das Lied im Halbfinale aus, ebenso wie die Beiträge der Jahre 2005 bis 2009. Den besten Platz belegte die Band Anonymous, die im Jahr 2007 knapp das Finale verpasste.

Bekannt ist vor allem das Internationale Jazz-Fest in Escaldes-Engordany, an dem schon Stars wie Miles Davis, Fats Domino und B. B. King teilgenommen haben. Typische Tänze sind die Marratxa und die Contrapàs, die vor allem bei Festen zelebriert werden.

Das Kammerorchester Orquestra Nacional de Cambra d’Andorra wurde 1992 gegründet und 2006 umbenannt in Orquestra Nacional Clàssica d’Andorra, ONCA.[44] Das Orchester wird geleitet vom Violinisten Gerard Claret i Serra. Sein Bruder Lluís Claret ist Cellist. Beide haben im Ausland, vor allem in Katalonien gewirkt. Ihnen wurde das Sankt Georgskreuz, die höchste Auszeichnung Kataloniens verliehen.

Andorra hat einen nationalen Knabenchor, Cor Nacional Dels Petits Cantors d’Andorra, der 1991 gegründet wurde.

Romanische Kunst[Bearbeiten]

Andorra hat in seiner tausendjährigen Geschichte reiche architektonische Schätze bewahren können, ebenso wie seine herkömmlichen Traditionen, die dazu beitragen, dem Land seine Identität zu verleihen und seine Ursprünge zu bezeugen. Der größte Teil des architektonischen Erbes besteht aus Denkmälern religiöser Natur, in Form von Gebäuden, Skulpturen und Gemälden. Bekannte Bauwerke sind:

Museen[Bearbeiten]

Andorra verfügt über zahlreiche Museen, welche die Geschichte dieses kleinen Landes dokumentieren. Das Casa de la Vall (Andorra la Vella), Sitz des Generalrates der Täler, wurde 1580 errichtet. Dort kann man den Gerichtssaal, den Sitzungssaal des Generalrates (in dem sich der Schrank mit den sieben Schlüsseln befindet, in dem dereinst die Unterlagen des Rates aufbewahrt wurden), den Vornehmen Saal und die mit traditionellen Möbeln eingerichtete Küche besichtigen. Draußen kann man neben dem Garten mehrere Monumente besichtigen, darunter eines von Josep Viladomat. Weitere Museen sind:

  • Das Museum Josep Viladomat (in Escaldes-Engordany)
  • Das Museum der Modelle romanischer Kunst (in Escaldes-Engordany)
  • Das Museum Sant Jordi (in Ordino)
  • Das Nationalmuseum des Automobils (in Encamp)
  • Das Tabak-Museum in der alten Reig-Fabrik (in St. Julià de Lòria)

Andorranische Küche[Bearbeiten]

Caragols a la llauna

Die andorranische Küche hat ihre Wurzeln in der katalanischen Kochkunst und wurde von der französischen wie spanischen beeinflusst. Andorras Küche verwendet hauptsächlich Produkte aus der Landwirtschaft der drei Täler, wie Speck, Fisch, Fleisch (vor allem Kaninchen, Lamm und Ziege), Gemüse, Getreide und Früchte.

Typische Gerichte[45]

  • Kaninchen mit Tomaten (conill amb tomàquet)
  • Gegrilltes Lamm (xai rostit)

Folgende Gerichte sind eher typisch für die Hauptstadt Andorra la Vella. Zum Teil stehen sie aber auch stellvertretend für ganz Andorra oder gar die katalanische Küche:

  • gegrillte und gekräuterte Weinbergschnecken (Caragols a la llauna)
  • Ente mit Winterbirne (ànec amb pera d’hivern)
  • Eberschweinragout (civet de porc fer)
  • Ziegenlamm im Ofen mit kleingeschnittenen getrockneten Früchten (cabrit al forn amb picada de fruits secs)
  • Flussforelle Andorranisch (truita de riu a l’andorrana)
  • warmer und flambierter Wein (vi calent e cremat)

Homosexualität[Bearbeiten]

Die Gesetze zur Homosexualität in Andorra sind liberal, das gesellschaftliche Klima in dem Land erlaubt homosexuellen Menschen die unbeeinträchtigte Entfaltung im öffentlichen Leben. Die Strafbarkeit von Homosexualität wurde 1970 aufgehoben. Das Schutzalter liegt einheitlich bei 16 Jahren. In Andorra bestehen Antidiskriminierungsgesetze zum Schutze der sexuellen Identität im Arbeits- und Zivilrecht. Andorra hat gleichgeschlechtliche Partnerschaften landesweit durch die Einführung von eingetragenen Partnerschaften seit 2005 gesetzlich anerkannt. Eine Öffnung der Ehe wie im benachbarten Spanien ist hingegen bisher nicht erfolgt. Die von 2009 bis 2011 regierende Partit Socialdemòcrata hatte in ihrem Wahlkampf 2009 angekündigt, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnen zu wollen. Andorra gehört zu den generell toleranten Staaten im Thema Homosexualität. Homosexualität ist größtenteils in der Bevölkerung respektiert und akzeptiert. Eine LGBT-Gemeinschaft findet sich aufgrund der geringen Bevölkerungszahl des Landes nur in kleinem Umfang in der Hauptstadt Andorra la Vella.

Medien[Bearbeiten]

Andorra war bis 1981 Sitz der privaten Rundfunkgesellschaften Radio Andorra[46] und Sud Radio,[47] die bis zum 7. April 1981 in Encamp und auf dem Pic Blanc leistungsfähige Sendeanlagen im Mittel- und Kurzwellenbereich betrieben, deren Empfang in ganz Europa möglich war. Später wurden die Sendeanlagen von der öffentlich-rechtlichen Rundfunkgesellschaft Ràdio i Televisió d’Andorra übernommen. Insgesamt gibt es acht Radiosender (darunter fünf private) und den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Andorra Televisió (ATV) in Andorra.[48] Ferner können spanische und französische Sender empfangen werden.

Es erscheinen außerdem drei Tageszeitungen, der Diari d’Andorra, El Periodic d’Andorra und die BonDia, die gratis angeboten wird.[48]

Sport[Bearbeiten]

Andorras Olympisches Komitee wurde 1971 gegründet und 1975 vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt. Die Athleten des Landes nahmen 1976 erstmals an den Olympischen Winterspielen in Innsbruck und den Olympischen Sommerspielen in Montreal teil. Bisher konnte aber noch kein andorranischer Teilnehmer eine olympische Medaille gewinnen.

Andorra war 1991 und 2005 Austragungsort der Europäischen Kleinstaatenspiele.

Außerdem war Soldeu Austragungsort des Alpinen Skiweltcups im Februar 2012. Es fand ein Riesenslalom und ein Slalom statt.

Der Basketballverein BC River Andorra spielt in der spanischen LEB-Liga.

Neben Wintersport, vor allem Ski Alpin und Skilanglauf, gibt es praktisch zwei Nationalsportarten. Die eine ist Rugby und die andere Rollhockey, in dem Andorra jahrelang zur Weltspitze zählte.[49]

Fußball[Bearbeiten]

Die andorranische Fußballnationalmannschaft vor einem Länderspiel gegen die Ukraine
Hauptartikel: Fußball in Andorra

Der Fußballbund in Andorra, Federació Andorrana de Futbol, wurde 1994 gegründet und ist seit 1996 Mitglied der FIFA und der UEFA.[50] Die andorranische Fußballnationalmannschaft spielt ihre Heimspiele im Estadi Comunal d’Aixoval, das sich in Sant Juliá de Lòria befindet und das größte Stadion des Landes ist. Ihr internationales Debüt machte die Nationalmannschaft im November 1996 beim Länderspiel gegen Estland, das die Andorraner 1:6 verloren. In der FIFA-Weltrangliste steht das Land derzeit mit 9 Punkten auf Platz 202[51] und damit im europäischen Vergleich auf dem vorletzten Rang vor San Marino.

Die höchste Fußballliga in Andorra ist die Primera Divisió, die 1995 gegründet wurde. In der Liga spielen derzeit acht Mannschaften um die Meisterschaft. Da das kleine Land mit dem Camp d’Esports d’Aixovall und dem Estadi Comunal d’Andorra la Vella nur zwei Stadien für den gesamten Spielbetrieb der ersten und zweiten Liga zur Verfügung hat, sind die Spieltage häufig über die Wochenenden zerstreut. Bereits 1990 wurde der Copa Constitució als nationaler Fußballpokal eingeführt. Mit sechs Titeln in der Liga und neun im Pokal ist der FC Santa Coloma Rekordmeister und -pokalsieger des Landes.

Der andorranische Meister qualifiziert sich für die erste Runde der Champions-League-Qualifikation, während der Zweitplatzierte in der ersten Runde der Europa-League-Qualifikation einsteigt. Dort tritt ebenfalls der Sieger des Copa Constitució an.

Einer der größeren Fußballclubs in Andorra ist der FC Andorra aus Andorra la Vella. Der Verein spielt im Gegensatz zu den anderen andorranischen Vereinen nicht in der eigenen Landesmeisterschaft mit, sondern ist im spanischen Ligasystem vertreten. In den 1980er- und 90er-Jahren spielte er in der Segunda División B, der dritthöchsten spanischen Spielklasse, bevor er in den folgenden Jahren um insgesamt fünf Ligastufen abstieg.

Radsport[Bearbeiten]

Andorra war mehrfach Etappenort bei der Tour de France[52] (1964, 1993, 1997 und 2009) sowie der Vuelta a España (1967, 1985, 1987, 1988, 1991, 1998, 1999, 2003, 2005, 2008 und 2010).[53]

Motorsport[Bearbeiten]

Persönlichkeiten aus Andorra[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Andorra – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Andorra

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Andorra – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Andorra – Sammlung von Bildern
 Wikibooks: Wikijunior Europa/ Andorra – Lern- und Lehrmaterialien
 Wikivoyage: Andorra – Reiseführer
 Wikisource: Andorra – Quellen und Volltexte
 Wikimedia-Atlas: Andorra – geographische und historische Karten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website des Bistums von Urgell (Spanisch), abgerufen am 7. März 2013
  2. Decret del 21.05.2012 pel qual es nomena la Sra. Sylvie Hubac, Representant Personal del Copríncep Francès. (Version vom 1. August 2012 im Webarchiv Archive.today) (Katalanisch), abgerufen am 7. März 2013
  3. Departament d’Estadística (DE)
  4. a b c d Global Credit Portal: RatingsDirect®, Andorra (Principality of) (PDF; 535 kB) Standard & Poor’s. 13. August 2010. Abgerufen am 31. Mai 2011.
  5. Human Development Report Office: 'Andorra – Country Profile: Human Development Indicators, abgerufen am 26. Oktober 2014
  6. Politisches System von Andorra. Abgerufen am 12. März 2014.
  7. «Andorra», i John Everett-Heath: Concise Dictionary of World Place-Names, Oxford: Oxford University Press, 2010.
  8. José María, Estudis sobre els drets i institucions locals en la Catalunya medieval, Edicions Universitat Barcelona,ISBN 84-7528-174-5.
  9. Images of the Medieval Peasant, ISBN 0-8047-3373-2.
  10. El clima, andorra.ad
  11. Climograma. Mitjana període 1970-2009 (PDF; 390 kB), mittlere Durchschnittswerte der Wetterstationen Central FEDA, Ransol und Engolasters für die Periode 1970–2009
  12. Beschreibung des Vall del Madriu-Perafita-Claror auf Englisch und Französisch auf der Website der UNESCO.
  13. Informationen der Tourismusbehörde Andorras zum Vall del Madriu-Perafita-Claror auf Katalanisch, Kastilisch, Französisch und Englisch
  14. Informationen der Tourismusbehörde Andorras zum Parc Natural de la Vall Sorteny auf Katalanisch, Kastilisch, Französisch und Englisch
  15. a b Raül Calvó: «The Population», Catalònia culture, nr. 25, 1991, S. 14–16.
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42.5583333333331.5552777777778Koordinaten: 43° N, 2° O