Rampenlicht (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Rampenlicht
Originaltitel Limelight
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1952
Länge 132 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Charles Chaplin
Drehbuch Charles Chaplin
Produktion Charles Chaplin
Musik Charles Chaplin
Kamera Karl Struss
Schnitt Joe Inge
Besetzung

Rampenlicht (Originaltitel: Limelight, nach dem in den Vaudeville-Theatern bzw. Music Halls noch üblichen Rampenlicht, bzw. dem frühen Scheinwerferlicht aus Knallgas und Kalk) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Charles Chaplin aus dem Jahr 1952. Das Melodram, mehr Drama als Komödie, gestaltete er zu einer Hommage an das Londoner Varieté-Milieu, in dem er seine Karriere begann.

Handlung[Bearbeiten]

Im London der Vorkriegszeit 1914 rettet ein älterer betrunkener Mann der jungen Thereza, genannt Terry, nach einem Selbstmordversuch das Leben und nimmt sie bei sich auf, um sie vor der Obdachlosigkeit zu bewahren. Nach und nach offenbaren sie sich ihre Lebensgeschichten. Der ältere Mann ist der einst gefeierte Clown Calvero. Seit einem Jahr hatte er keinen Auftritt mehr, das erste Engagement darf er nur unter Verwendung eines Pseudonyms antreten. Er glaubt, nur noch betrunken lustig sein zu können. Terry ist eine talentierte Tänzerin, die Schuldgefühle und Trauer um ihre Schwester hat, seitdem sie diese als Straßenmädchen gesehen hatte und erkannte, dass sie deswegen von ihrer älteren Schwester heimlich Geld bekam. Sie erkrankte daraufhin an einer eingebildeten, psychosomatischen Beinlähmung, die ihr das Tanzen unmöglich machte und glaubt, seit dem Selbstmordversuch gelähmt zu sein. Durch die Fürsorge von Calvero lebt sie wieder auf. Er selbst scheint an seinen aufmunternden und aufrüttelnden Worten zu zweifeln, lässt dies ihr gegenüber aber nicht erkennen. An dem Tag, als Calvero von einem Engagement wieder entlassen wird, weil er anscheinend wegen seiner Nüchternheit das Publikum langweilt, erhält sie ein Tanzengagement in der Royal Albert Hall.

Sechs Monate später ist Terry der Solostar im großen Empire-Ballett und kann Calvero eine Nebenrolle in einem Ballettstück verschaffen. Kurz bevor sie als Balletttänzerin ihren Auftritt hat, erleidet sie aus Angst einen erneuten Schwächeanfall und glaubt, plötzlich nicht mehr tanzen zu können. Calvero spricht zunächst Mut zu und gibt ihr schließlich eine Ohrfeige, welche sie zur Besinnung kommen lässt und sie dadurch wieder erfolgreich auftreten kann. Sie ist ihm dankbar für seine Hilfe und offenbart sich ihm, ihn zu lieben und macht ihm einen Heiratsantrag. Dann trifft sie den ehedem geliebten Komponisten wieder, der ihr seine Liebe offenbart. Sie aber erklärt ihm, dass sie Calvero heiraten werde, und dass ihre Gefühle zu ihm „vielleicht sogar mehr als Liebe“ seien, weil sie sich unverbrüchlich ihrem Erwecker und Lebensretter Calvero verbunden fühlt. Als der betrunkene und wieder aufwachende Calvero hinter der Wohnungstür Zeuge dieses Liebesantrags von Neville an Terry wird, glaubt er, dass ihre Gefühle für ihn (Calvero) nicht auf Liebe, sondern mehr auf Mitleid beruhen. Sie dagegen beteuert gegenüber Calvero, dass sie Neville nur wegen seiner Musik geliebt habe, ihn jedoch als Menschen. Doch Calvero wehrt ab, er sei ja nur ein alter Mann. Später verlässt er sie heimlich, damit sie sich von ihm lösen könne, und führt als Straßenmusiker ein genügsames Leben. Durch einen Zufall trifft er den Komponisten und auch den Impresario Postant wieder, wodurch er wieder in ihren Bannkreis gerät.

Terry organisiert mit Postant eine Benefizveranstaltung für Calvero. Sein Auftritt, in der Zugabe gemeinsam mit seinem alten Partner (Buster Keaton), wird ein großer Erfolg, doch am Ende erleidet Calvero einen Herzanfall. Postant lässt ihn an den Kulisseneingang zur Bühne hintragen, von wo er als letzten Eindruck Terrys Auftritt als gefeierte Primadonna erleben kann.

Hintergründe[Bearbeiten]

Chaplin beschrieb den Abstieg von Künstlern, wie er ihn selbst als junger Mann miterlebte. Deshalb siedelte er ihn auch in London unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg an. Gedreht wurde freilich in Amerika. In die Figur von Calvero, den er selber spielte, legte er Erinnerungen an den eigenen Vater, bei Terry bezog er sich häufig auf seine Mutter bzw. eine seiner Jugendfreundinnen. Das ging soweit, dass Claire Bloom dieselbe Kleidung wie letztere tragen sollte. Als Calvero von einem zuvor lang ersehnten Engagement von Middlesex niedergeschlagen, erfolglos und entlassen nach Hause zurückkehrt, fordert ihn nun Terry auf dramatische Weise auf, den Kopf nicht hängen zu lassen und an sich selbst zu glauben, so wie er dies bei ihr zuvor getan hatte. Während dieses Appells kann sie wieder ohne Hilfe stehen und gehen. In einem Dokumentarfilm äußerte Bloom, dass Chaplin sie für diese dramatische Szene dadurch vorbereitet hatte, indem er sie in einem vorherigen Probengespräch durch Vorwürfe und Missbilligung zum Weinen brachte, was er sonst nie getan hätte.[1] Noch heute wäre sie erstaunt über die Ausdruckskraft, die ihr in dieser Szene als junger Schauspielerin mit nur 19 Jahren gelang.

Rampenlicht ist vom Ton her weit von Chaplins Tramp-Filmen entfernt. Obwohl auch diese stets tiefe Melancholie aufwiesen, war der Humor von Der große Diktator und Monsieur Verdoux ungleich bitterer und pessimistischer. Rampenlicht durchzieht zwar ein leiser Humor, dieser bezieht sich aber auf den Charme und die Altersweisheit von Calvero, der erkennt, dass seine Karriere und sein Leben zu Ende gehen. Chaplins Slapstick-Einlagen beschränken sich auf wenige Szenen wie beim Flohzirkus mit den imaginären Flöhen Phyllis und Henry sowie bei der Schlussnummer mit Buster Keaton als Pianisten-Violinisten-Duo im Kampf gegen die Tücken der Objekte. Vor der Grundstimmung von Melancholie, Ängsten und Sorgen scheinen keine Szenen mehr mit ungetrübtem Humor und naiver Lebensfreude auf.

Chaplins Beziehung zu seinem Publikum wird in diesem Film ebenfalls angesprochen. Der alte Clown erwacht nach den ersten Filmszenen aus einem Alptraum, in dem er nach dem rauschenden Beifall für eine humoristische Bühnenszene erkennen muss, dass er nur vor leeren Stuhlreihen aufgetreten war und gespielt hat. Calvero meint später gegenüber Terry, dass er zwar den Beifall des Publikums liebe, es aber dennoch fürchte, da es „wie ein Ungeheuer ohne Kopf“ sei und es daher leicht in die eine oder andere Richtung zu lenken wäre.[1]

Romanentwurf[Bearbeiten]

Nach 66 Jahren in der Cineteca di Bologna tauchten Romanfragmente mit dem Titel "Footlights" von Chaplin wieder auf. Die Story um eine Tänzerin und einen Clown bildete zunächst auch eine Grundlage für das Drehbuch von "Limelight".

Der in eine arme Familie Geborene, war bereits als Kind mit Gesangsdarbietungen im Londoner Viertel Soho (London) aufgetreten, bevor er als noch jugendlicher Schauspieler auf Bühnen mit noch nicht elektrischer Bühnenbeleuchtung stand. Seit dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden die Petroleum- und Gaslampen des Rampenlichts vielerorts durch Drummondsches Licht ergänzt oder ersetzt (englische Bezeichnung Limelight- häufig mit „Rampenlicht“ übersetzt). Chaplin nannte seinen Roman im Entwurf "Footlight", für althergebrachte, gleißend helle „Kalklichter“, Fußlichter die unten und an einer Bühne zur Beleuchtung stehen. Nach Angaben des Filmhistorikers David Robinson ließ sich der Filmschaffende für die Handlung durch eine "kurze, aber entscheidende Begegnung mit (dem russischen Choreografen) Vaslav Nijinsky im Jahr 1916" inspirieren. Laut der Kinemathek Bologna erinnert der Schreibstil des Skripts an den Romanschreiber Charles Dickens, vor allem aufgrund der ausgefeilten Herausarbeitung der Roman-Charaktere. Die Kinemathek zählt zu den führenden Institutionen für Film-Rekonstruktionen weltweit. Ihr übergab die Familie des Verstorbenen seinen Nachlass. Darin fanden sich mehrere getippte Manuskriptversionen.[2] Das nun in Druck gegannene Werk ist mit Dokumenten und Fotos aus dem Nachlass des Künstlers illustriert.[3]

Produktion[Bearbeiten]

Der junge Komponist, Calveros Nebenbuhler, wurde von Chaplins Sohn Sydney gespielt, seine Kinder Geraldine und die noch jüngeren Kinder treten kurz auf und seine Frau Oona ist in einigen Szenen Claire Blooms Licht-Double. Gegen Ende des Films tritt Chaplin in einer Slapstick-Nummer mit Buster Keaton auf, ihrem einzigen gemeinsamen Auftritt.

Der amerikanische Schauspieler Adolphe Menjou, mit dem Chaplin bereits im Jahr 1923 das Drama Die Nächte einer schönen Frau gedreht hatte, hat einen Cameo-Auftritt in der Minute 1:52:44 als lachender Mann im Publikum. Zu erkennen ist er in der linken unteren Ecke des Bildes an seinem nach ihm benannten Menjou-Bärtchen.

Chaplin verfasste vor dem Drehbuch eine (unveröffentlichte) Romanversion namens „Footlights“, in die er die Biographien der Hauptpersonen zum Zeitpunkt vor dem Filmbeginn beschrieb. Hierbei griff er insbesondere auf das Leben seiner Eltern zurück, so seinem Vater, der wie Calvero Alkoholiker war und mit 37 Jahren starb.

Als Regieassistent war Robert Aldrich tätig. Bühnenbildner war Eugene Lourie. Die Tanzchoreografie schufen Andre Eglevsky, Melissa Hayden und Charles Chaplin.

Der Film ist mit einer Laufzeit von zwei Stunden und 12 Minuten der längste Film Chaplins. Trotzdem fehlen in der endgültigen Version einige von Chaplin gedrehte Szenen, wie zum Beispiel das Aufeinandertreffen Calveros mit dem erfolgreichen Claudius, der als „das armlose Wunder“ bekannt ist. Wahrscheinlich ist, dass Chaplin die Ironie dieser Szene, dass ausgerechnet ein physisch eingeschränkter Mann Calvero hilft, gefallen hat, Chaplin aber befürchtete, dass einige Zuschauer auf das Thema körperliche Behinderung ablehnend reagieren könnten.

Der tragisch, anrührend sentimental inszenierte Film ist auch eine Anspielung auf die eigene Karriere und ist vielleicht Chaplins persönlichster Film – die Parallelen zwischen Calveros und Chaplins Werdegang sind offenkundig. Um so ironischer ist es, dass es Chaplin, während der Promotion-Tour nach England, wo dieser Film am 16. Oktober 1952 seine Weltpremiere erleben sollte, verweigert wird, wieder nach Amerika zurückzukehren. Auslöser waren Kritik an seiner Weigerung, die US-amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen sowie seine „kommunistischen Umtriebe“ (ein Auftritt in Bulgarien, seine Freundschaft zu Hanns Eisler).

Die USA-Premiere war am 23. Oktober 1952 in New York. In den Vereinigten Staaten konnte der Film aus politischen Gründen aber erst 20 Jahre später einem breiteren Publikum in den Kinos gezeigt werden. In Deutschland fand die Premiere am 24. September 1954 statt.

Kritiken[Bearbeiten]

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Die Kritiken zu Rampenlicht waren gemischt bis ablehnend. Zum einen wurde der Film teils als „nicht komisch“ kritisiert, andererseits sprach man ihm eine „Berauschung des Herzens und weithin planende[n] Verstand“ zu.[4]

Musik[Bearbeiten]

Aufgrund einer inzwischen geänderten Regel der Academy of Motion Picture Arts and Sciences war Rampenlicht für die Oscars im Jahr 1972 wählbar. Gemäß dieser Regel konnte ein Film nominiert werden, wenn er im fraglichen Auswahljahr erstmals im Stadtgebiet von Los Angeles einem zahlenden Publikum gezeigt wurde. Dies war bei Rampenlicht der Fall. In der Kategorie Beste Filmmusik wurde das Werk nominiert und gewann 1973. So erhielt Chaplin ein Jahr nach dem Ehrenoscar erstmals auch im Rahmen des eigentlichen Wettbewerbs die goldene Statue.

Die Auszeichnung teilte er mit den beiden Musikern Raymond Rasch und Larry Russell, obwohl deren Mitwirkung bei Rampenlicht bis heute umstritten ist. So hat Russell Garcia in mehreren Interviews detailliert dargelegt, dass er basierend auf Chaplins Melodien nicht nur die Musik arrangierte, sondern auch die dramatische Partitur komponierte.[5][6] Rasch habe für Chaplin lediglich Klavier gespielt und Russell sei, so Garcia weiter, gar nicht beteiligt gewesen.[6] Die Beiden seien später aus Versehen nominiert worden, vermutet Garcia.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Charles Chaplin, David Robinson: Footlights with the world of limelight. (Pappbilderbuch), Cineteca di Bologna, 2014, ISBN 978-88-95862-82-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rampenlicht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Charlie – Leben und Werk von Charles Chaplin. (OT: Charlie: The Life and Art of Charles Chaplin.) Dokumentarfilm, USA, 2003–2007, 127 Min., Buch und Regie: Richard Schickel
  2. spiegel.de
  3. derstandard.at
  4. Vincent Bmn: Charlie Chaplin im Rampenlicht. In: Die Zeit. Nr. 43/1952.
  5. Randall D. Larson: Past, Present and Future. The Film Music of Russell Garcia. Interview, erstmals in Soundtrack! erschienen (englisch)
  6. a b c Marc Myers: The Case of the Misplaced Oscar. In: Jazz Wax, 19. September 2008 (englisch)