Rampenlicht

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Das aus einer Reihe von Petroleumlampen bestehende Rampenlicht des Pariser Théâtre du Gymnase-Dramatique um 1856.

Das Rampenlicht (auch Fußlicht) ist ein Bestandteil der historischen Theaterbeleuchtung. Es besteht aus einer Anordnung von Leuchtmitteln am vorderen Bühnenrand, der sogenannten Rampe. Heute hat es auch im Theater nur noch geringe Bedeutung, im übertragenen Sinne der „öffentlichen Aufmerksamkeit“ ist der Ausdruck aber nach wie vor gebräuchlich.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Von der Kerze zum Gaslicht

Ein kostümierter Lichtputzer kürzt die Dochte des Rampenlichts, Ende des 18. Jahrhunderts.

Die Architekten Joseph Furttenbach (Architectura recreationis, 1640) oder Nicola Sabbatini (Pratica di fabricar scene e macchine ne’ teatri, 1638) diskutieren das Rampenlicht als Bühnenbeleuchtung bereits im 17. Jahrhundert. Es kann sich gegenüber der allgemeinen Beleuchtung mit Kronleuchtern jedoch noch nicht durchsetzen. Erst im 18. Jahrhundert wird die gleichmäßige Beleuchtung von Bühne und Zuschauerraum während der Vorstellung mittels großer Kronleuchter aufgegeben und macht einer differenzierteren Bühnenbeleuchtung Platz, die aus einer Beleuchtung der Hinterbühne von den Gassen aus und dem Rampenlicht am vorderen Bühnenrand besteht. Dadurch wurde das Bühnengeschehen besser sichtbar als der Zuschauerraum.

Das Rampenlicht bestand zunächst aus einer Reihe von Kerzen am vorderen Bühnenrand auf der ganzen Breite der Bühne, die während der Aufführung von Lichtputzern gewartet werden mussten (die oft zum Drama passende Kostüme trugen). Die Kerzen wurden manchmal durch eine erhöhte Begrenzung der Rampe gegenüber dem Publikum verborgen, und in der Regel befanden sich zylinder- oder muschelförmige Reflektoren vor den Lichtern. Darstellerinnen mit langen Kleidern mussten sich in Acht nehmen, dem Feuer nicht zu nahe zu kommen. Die Comédie-Française ersetzte die 48 Kerzen des Rampenlichts bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch 32 Öllampen.[1] Die kaum mehr flackernde und wesentlich hellere Argand-Lampe seit etwa 1800, die späterhin mit Petroleum betrieben wurde, stellte eine deutliche Verbesserung dar. Erstmals wurde sie bereits 1784, kurz nach ihrer Erfindung, im Pariser Théâtre de l’Odéon eingesetzt.[2]

Die Beleuchtung der Theater mit Stadtgas setzte sich seit den 1810er-Jahren zunehmend durch. Das Londoner Dury Lane Theatre hatte in den 1820er-Jahren bereits gasbetriebenes Rampenlicht. Da die Gasbeleuchtung noch auf offenen Flammen beruhte, hatte sie einen geringen Wirkungsgrad, war also nicht besonders hell und trug erheblich zur Heizung bei, was für die Bühnendarsteller nicht immer angenehm war. Weil dem Gas Kohlenstoffpartikel beigemischt wurden, um die Flamme heller zu machen, beeinträchtigte der Ruß (zusammen mit dem Kohlenstoffmonoxid) die Luftqualität im Theater. Gas war allerdings ökonomischer als Öl, und seine Lichtqualität für die Bühnenbeleuchtung wurde geschätzt. Im deutschen Sprachgebiet ließ die Einführung des Gases auf sich warten: Das Theater-Lexikon schreibt noch 1841: „Selbst in Deutschland finden sich schon Mehrere [Bühnen], die ganz oder zum Teil durch Gas beleuchtet sind.“[3]

[Bearbeiten] Kalk- und Bogenlicht als Höhepunkt und Ende

Das gleißend helle Rampenlicht der Pariser Oper um 1874.

Im 19. Jahrhundert wurden die Öl-, Petroleum- und Gaslampen des Rampenlichts durch Drummondsches Licht („Kalklicht“) ersetzt, das gleißend hell war. Seine englische Bezeichnung Limelight wurde daher zum Synonym von Rampenlicht. Als erstes Theater setzte Covent Garden in London 1837 diese Beleuchtungstechnik ein. In den 1860er- und 70er-Jahren galt sie als hochmodern.[4] Eine weitere, wegen ihrer noch grelleren Lichtqualität nicht von allen Theatern geschätzte Verstärkung ermöglichte die Kohlebogenlampe. Auch die moderne Gasbeleuchtung wurde seit der Erfindung des Glühstrumpfes 1885 als Rampenlicht eingesetzt.

Die Brandgefahr blieb allerdings bestehen. Die Ballerina Emma Livry starb 1863, nachdem sie sich am Rampenlicht in der Salle Le Peletier der Pariser Oper entzündet hatte, und auch etwa die Augsburger Postzeitung berichtete am 11. Dezember 1865: „Frl. Ehlers, eine der Schönheiten der deutschen Truppe, nahte sich an einem der letzten Abende der Rampe zu sehr, während sie in Zehn Mädchen und kein Mann tanzte; ihr leichtes Kleid fing Feuer und im Nu stand sie in Flammen. Ihr Auskommen ist kaum mehr zu erwarten.“[5] Das Kalklicht barg zudem die Gefahr einer Knallgasexplosion auf der Bühne.

Dass mit dem Rampenlicht des 19. Jahrhunderts stets die hellste Lichttechnologie der Gegenwart gezeigt werden sollte, hatte man bald satt. Die fehlende „Natürlichkeit“ des Rampenlichts wird schon während des ganzen Jahrhunderts beklagt,[6] und es war ein Ärgernis, dass der untere Teil des geschlossenen Vorhangs durch das kaum veränderliche Rampenlicht hell beleuchtet wurde. Noch älter sind Klagen über die Sichtbehinderung durch Luftflimmern, Rauch und Dampf.[7]

Eine Ablösung des monoton-intensiven Rampenlichts durch andere Beleuchtungsmethoden der Bühne setzte Ende des 19. Jahrhunderts ein, so durch die amerikanische Tänzerin Loïe Fuller oder den europäischen Bühnenbildner Adolphe Appia. Im Unterhaltungstheater zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieb das Rampenlicht dagegen noch weit verbreitet. Gemälde aus dem Umkreis der Ashcan School zeigen, wie Tänzerinnen mit Hilfe des Rampenlichts ihre Beine in Szene setzen, zum Beispiel Dancer in White Before the Footlights (1910) oder Footlight Flirtation (1912) von Everett Shinn.

Spätestens seit der Einführung des elektrischen Theaterlichts mit Scheinwerfern von etwa 1920 an, das eine stärkere und differenziertere Beleuchtung aus größerer Entfernung erlaubt, hat das Rampenlicht nur noch untergeordnete Bedeutung. Das Rampenlicht des Londoner Strand Theatre konnte seit den 1920er Jahren in der Versenkung verschwinden,[8] wenn es nicht benötigt wurde. Viele neuere Theatergebäude haben kein fest eingebautes Rampenlicht mehr und müssen es bei Bedarf durch Lichtbänder oder Lichterketten auf dem Bühnenboden ersetzen.

[Bearbeiten] Heutige Bedeutung als Redewendung

Eine aktuelle Variante des Fußlichts mit LED-Lampen.

Heute heißt „im Rampenlicht stehen“ etwa dasselbe wie im Blickfeld der Öffentlichkeit sein, nicht anders als die Schauspieler damals im Theater. Darsteller, die sich ungebührlich in den Vordergrund, also ins Rampenlicht drängen, bezeichnet man im Theaterjargon despektierlich als „Rampensau“.

Folgende historische Eigenschaften des Rampenlichts haben vermutlich den Grund für die heutige Bedeutung gelegt: 1. Die geringe Strahlungsleistung, die zunächst nur den vordersten Streifen der Bühne erhellen konnte und die Darsteller nötigte, an die Rampe zu treten, wenn sie sichtbar sein sollten. 2. Die unnatürliche Beleuchtung von unten, die den Schein von Größe vermittelte. 3. Die gleißende Helligkeit vor allem des Kalklichts und des Lichtbogen-Lichts im 19. Jahrhundert. 4. Die Brandgefahr, die von diesen Beleuchtungstechniken ausging und Darsteller, die sich zu weit in den Vordergrund begaben, gefährdete.

Charlie Chaplins mit „Rampenlicht“ übersetzter Filmtitel Limelight (1952) spielt an auf das zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon altmodische Rampenlicht in den einfachen Vaudeville-Theatern, in denen er seine Karriere begann – und wahrscheinlich auch auf den Sachverhalt, dass das Kalklicht ebenfalls in den frühen Kinematographen Verwendung fand.

[Bearbeiten] Literatur

  • Frederick Penzel: Theatre Lighting Before Electricity, Middletown: Wesleyan Univ. Press 1978. ISBN 0819550213
  • Carl Friedrich Baumann: Licht im Theater. Von der Argand-Lampe bis zum Glühlampen-Scheinwerfer, Wiesbaden: Steiner 1988. ISBN 978-3-515-05248-1

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Rampenlicht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Herbert A. Frenzel: Geschichte des Theaters. Daten und Dokumente 1470–1840, München: Kiepenheuer & Witsch 1979, S. 191
  2. http://www.compulite.com/stagelight/html/history-3/history-3-text.html
  3. Theater-Lexikon: Theoretisch-practisches Handbuch, Leipzig: Wiegand 1841, S. 501
  4. Ebbe Almqvist: History of Industrial Gases, New York: Kluwer 2003, S. 72. ISBN 0-306-47277-5
  5. Augsburger Postzeitung, Nr. 292 1865, S. 1996
  6. So schon bei Ludwig Catel: Vorschläge zur Verbesserung der Schauspielhäuser, Berlin 1802, S. 18
  7. etwa bei Alfred Anger: On the Illumination of theatres, in: The Journal of the Royal Institution of Great Britain, Febr. 1831, S. 46.
  8. http://www.strandarchive.co.uk/lanterns/sunraydis.html
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