Rudolf Slatin

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Rudolf Slatin
Rudolf Slatin (1910)
Villa Mathilde in Obermais (Wohnsitz 1923-1932)
Grab Slatin Paschas auf dem Ober Sankt Veiter Friedhof

Sir Rudolf Carl Freiherr von Slatin GCVO KCMG CB, auch bekannt als Slatin Pascha (* 7. Juni 1857 in Ober St. Veit bei Wien; † 4. Oktober 1932 in Wien) war ein österreichischer Offizier, Forschungsreisender und ägyptischer Gouverneur im Türkisch-Ägyptischen Sudan.

Leben[Bearbeiten]

Slatin brach mit 17 Jahren seine Ausbildung an der Handelsakademie ab und ging als Buchhandelsgehilfe nach Kairo. Er bereiste von 1874 bis 1876 Sudan, wo er Eduard Schnitzer (später: Emin Pascha) kennenlernte. 1877 erhielt er seine Einberufung zur k.u.k. Armee. Hier diente er als Leutnant im 19. Infanterieregiment. Auf Empfehlung Schnitzers wurde Slatin 1879 von Gordon Pascha als ägyptischer Offizier nach Sudan gerufen. Sudan war ab 1821 durch die osmanischen Vizekönige von Ägypten erobert worden. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden in Sudan mehrere Europäer eingesetzt, um die Verwaltung in den besetzten Gebieten zu organisieren und dem Sklavenhandel ein Ende zu setzen. Slatin wurde zunächst Finanzinspektor, ehe er noch 1879 zum Murdir von Dara, zum Provinzgouverneur einer Region westlich von Darfur aufstieg. Dort konnte er den Aufstand Haruns, des Sohns des Fur-Sultans, in der Nähe der Marra-Berge zerschlagen. Im April 1881 wurde Slatin durch den Khediven Tawfiq zum Gouverneur der gesamten Provinz Darfur, im Rang eines Bey, berufen.

1881 war in Sudan der Mahdi-Aufstand ausgebrochen und die Mahdisten begannen das Land zu erobern. Am 23. Dezember 1883 geriet auch Slatin in Gefangenschaft des Mahdis Mohammed Ahmed. Er wurde jedoch nicht ermordet, da er den Mahdi überzeugen konnte, vom Christentum zum Islam übergetreten zu sein. Slatin lebte die nächsten zwölf Jahre als Sklave des Nachfolgers des Mahdi, des Kalifen Abdallahi ibn Muhammad, und erlangte allmählich das Vertrauen der Mahdisten.

1895 gelang Slatin unter abenteuerlichen Umständen die Flucht. Slatin schlug sich bis zu den anglo-ägyptischen Truppen durch. Diese Flucht war unterstützt worden durch den Chef des ägyptischen Nachrichtendienstes Francis Reginald Wingate. Sein Werk über das Leben am Hof des Kalifen und seine Flucht Fire and Sword in the Sudan, das 1896 zuerst auf Englisch erschien, hatten wesentlichen Anteil daran, dass sich die britische Regierung entschloss, Sudan von den Mahdisten zu befreien. Die öffentliche Meinung in der britischen Bevölkerung war durch diesen Bericht und das Werk des Missionars Josef Ohrwalder Zehn Jahre Gefangener des Mahdi gegen die Schreckensherrschaft der islamischen Fanatiker von Omdurman eingestellt. Am 21. März 1895 wurde Slatin in Kairo durch den Khediven von Ägypten zum Pascha erhoben. Entsprechend dem Wunsch des Khediven sollte er gleichzeitig zum Generalmajor ernannt werden. Aufgrund britischen Widerstandes wurde er aber nur zum Oberst der ägyptischen Armee befördert, da er sonst den gleichen Dienstgrad wie der britische Sirdar (Oberbefehlshaber) Horatio Herbert Kitchener gehabt hätte. Slatin hatte damit trotzdem den höchsten Rang eines Nichtbriten in der anglo-ägyptischen Armee inne. [1]

Rudolf Slatin beteiligte sich als Oberst im Nachrichtendienst Wingates 1896 am Dongola-Feldzug Kitcheners gegen die Mahdisten. Am 22. März 1896 reisten Kitchener, Wingate und Slatin an die Front nach Wadi Halfa. Für seine Leistungen im Feldzug wurde er zum Companion of the Order of the Bath ernannt. Von 1897 bis 1898 nahm er am Nil-Feldzug zur Rückeroberung Khartums teil. Nach der Schlacht von Omdurman führte er ein Kommando zur Verfolgung des Kalifen.

Nach der Rückeroberung des Sudan wurde Slatin von Königin Victoria zum Kommandeur des Order of St. Michael and St. George ernannt und damit in den britischen Adelsstand erhoben; gleichzeitig erfolgte seine Ernennung zum Colonel. Im folgenden Jahr versuchte sich Slatin als Schatzsucher in Sudan. Nachdem sein Freund Wingate Generalgouverneur des Anglo-Ägyptischen Sudan und Sirdar wurde, ernannte er Slatin am 25. September 1900 zum britischen Generalinspektor in Sudan. Dies blieb er bis 1914. [2] 1899 wurde er von Kaiser Franz Joseph I. in den österreichischen Ritterstand erhoben, bereits 7 Jahre später (1906) in den Freiherrnstand. Im Ersten Weltkrieg war er als österreichischer Leutnant Leiter der Kriegsgefangenenhilfe des österreichischen Roten Kreuzes.

Slatin hatte am 21. Juni 1914 in der Wiener Votivkirche die 16 Jahre jüngere Baronesse Alice von Ramberg geheiratet, die schon im Juni 1921 an Krebs verstarb und ihn mit der 1916 geborenen Tochter Anna Marie[3] alleine zurückließ. Mit einer Pension der ägyptischen Regierung, den Tantiemen aus seinen Memoiren und einer ansehnlichen US-amerikanischen Erbschaft bezog er 1923 seinen Alterswohnsitz, die Villa Mathilde im Meraner Ortsteil Obermais. Eine Krebsoperation im Cottage-Sanatorium für Nerven- und Stoffwechselkranke endete mit dem Tod Slatins. Slatin wurde am 6. Oktober 1932 auf dem Ober Sankt Veiter Friedhof beigesetzt. Das Begräbnis glich einem Staatsbegräbnis.

1951 wurde die Slatingasse in Wien-Hietzing nach ihm benannt.

Gedenkstätte in Österreich[Bearbeiten]

Eine besondere Gedenkstätte an Slatin Pascha ist die Spitzvilla nahe Traunkirchen. Slatin hatte dieses Haus 1897 erworben und dort bedeutende Persönlichkeiten seiner Epoche empfangen. Seit 1976 ist die Spitzvilla im Besitz des Landes Oberösterreich und öffentliche Freizeitanlage mit einem Park und einem Café-Restaurant in der Villa selbst. Die Spitzvilla wird vor allem im Sommer auch als Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum genutzt.

Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Österreichische Akademie der Wissenschaften: Slatin Rudolf (Anton Carl) Pascha

Werke[Bearbeiten]

Sein abenteuerliches Leben hat er in der Autobiographie Feuer und Schwert in Sudan niedergeschrieben, mit dem der Leipziger Brockhausverlag einen Bestseller landete:

  • Rudolf Slatin und Francis Reginald Wingate: Fire and Sword in the Sudan. A Personal narrative of Fighting and Serving the Dervishes. London 1896 (Internet Archive, 17. Ausgabe 1914). Nachdruck 2003
  • Feuer und Schwert im Sudan. Meine Kämpfe mit den Derwischen, meine Gefangenschaft und Flucht. 1879–1895. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig 1896 (Internet Archive). 13. Auflage zweibändig 1921; gekürzte Ausgabe, bearbeitet von Heinrich Pleticha: Erdmann, Stuttgart 1997, ISBN 3-522-60920-4.
  • Rudolph Slatin, Auf der Flucht, Reichswehr, Wien 1895, ist die erste Ausgabe, Fire and Sword wurde für das Publikum „gekürzt“. Fundstelle: Österreichische Nationalbibliothek

Literatur[Bearbeiten]

  • Henry Alford: The Egyptian Soudan. London 1898.
  • Arthur Berger: Der heilige Nil. Mit 16 Bildern nach eigenen Aufnahmen des Verfassers. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag, Berlin 1924.
  • Gordon Brook-Shepherd: Slatin Pascha - Ein abenteuerliches Leben. Molden, Wien / München / Zürch 1982, ISBN 3-217-00317-9.
  • Armand Duchâteau: Slatin, Sir Rudolf Anton Carl Freiherr von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 495 f. (Digitalisat).
  • Richard Leslie Hill: Slatin Pasha. Oxford 1965.
  • Thomas Pakenham: Der kauernde Löwe – Die Kolonisierung Afrikas 1876–1912 (Originaltitel: Scramble for Africa, übersetzt von Katharina Förs). Econ, Düsseldorf / Wien / New York / Moskau 1993, ISBN 3-430-17416-3.
  • Hartwig A. Vogelsberger: Slatin Pascha. Zwischen Wüstensand und Königskronen Styria, Graz / Wien / Köln 1992, ISBN 3-222-12113-3.

Film[Bearbeiten]

  • Thomas Macho: Slatin Pascha - Im Auftrag Ihrer Majestät. Österreich 2012. (Dokumentation)
  • Wolfgang Schleif: Slatin Pascha. Deutschland 1967. (Zweiteilige Spielfilmserie)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolf Slatin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. A. Vogelsberger: Slatin Pascha, S. 156
  2. H. A. Vogelsberger: Slatin Pascha, S. 205ff
  3. Anne Marie Baronin von Slatin,* 12. November 1916,† 27. November 2007, verheiratet Galitzine und Ponsonby, http://www.thepeerage.com/p6322.htm#i63217