Rundfunk- und Fernmelde-Technik

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RFT-Logo
Clivia II FER858A (VEB Rafena, Radeberg) aus dem Jahr 1956
RFT-Fernseher auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1968
Farbfernsehgerät „Color 20
VEB Fernsehgerätewerk Staßfurt, DDR 1969

Rundfunk- und Fernmelde-Technik (kurz RFT) war der Name eines Herstellerverbundes von verschiedenen Unternehmen der Nachrichtentechnik in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

RFT Radio- und Fernmelde-Technik ist somit keine Firmenbezeichnung, sondern ein Warenzeichen-Signet bzw. Logo eines Warenzeichenverbandes in der DDR für «Radioverwandte Produkte», dem Betriebe des Industriezweiges Rundfunk- und Fernsehtechnik und des Industriezweiges Nachrichten- und Messtechnik angehörten. Es entstand bereits 1946, also lange vor der Gründung der DDR, und wurde von der VVB (Vereinigung Volkseigener Betriebe) Radio und Fernmeldetechnik und später von den Kombinaten übernommen. Später sagte man auch, RFT sei die Abkürzung für „Repräsentant Fortschrittlicher Technik“.

Unter dem einheitlichen Namen RFT firmierten in den 1980er Jahren das Kombinat Rundfunk- und Fernsehtechnik, das Kombinat Nachrichtenelektronik und der VEB Industrievertrieb Rundfunk und Fernsehen, mit seinem Handelsbetrieb, den Werkstätten und dem Antennenbau. Aber auch einzelne Betriebe der Kombinate Robotron Dresden, Meßelektronik Dresden, Mikroelektronik Erfurt und des Kombinates Geräte- und Reglerwerk Teltow gehörten zum Warenzeichenverband.

Letztendlich aber war RFT die Einheitsmarke, unter der von der Elektronenröhre, über Transistor, Mikrochip, Kondensator, Antennenanlage bis hin zum kompletten Kurzwellensender im 250-Kilowatt-Bereich alles vertrieben wurde, was die DDR-Nachrichtentechnik zu bieten hatte.

Geschichte[Bearbeiten]

Der legendäre Stern-Recorder R160 vom VEB RFT Sternradio Berlin
Radio-Recorder Babett, DDR Museum

Eine große Anzahl ursprünglich selbstständiger kleinerer und größerer Geräte- und Apparatehersteller wurden im Laufe der Geschichte der DDR verstaatlicht. Dazu gehörten auch Teile der ehemaligen Unternehmen Siemens, AEG und anderer Großbetriebe; einige kleinere Privatbetriebe jedoch erst in den 1970er Jahren. Aus einigen dieser Unternehmen wurde die VVB RFT Radio und Fernmeldetechnik Leipzig gebildet, aus dem später das VEB RFT Kombinat Nachrichtenelektronik hervorging. Die Produkte wurden unter der einheitlichen Marke RFT hergestellt. Mit dieser Bezeichnung wurde daher in der DDR quasi alles versehen, was mit Nachrichtentechnik zu tun hatte, auch, aber nicht nur, im Privatkonsumentenbereich. Daher ist die Firmengeschichte außerordentlich vielfältig und kompliziert. Die Kombinate in der DDR wuchsen mit den Jahren durch Integration weiterer Unternehmen und sogar kleinerer Kombinate beständig an. So wurde z. B. 1979 das Dresdner Kombinat RFT Meßelektronik, welches mittlerweile nahezu die gesamte Produktion von Messgeräten vereinte, in das Kombinat Robotron überführt. Die Messgeräte wurden trotzdem teilweise weiter unter der Marke RFT gefertigt und nicht unter der Marke Robotron.

Durch Zusammenlegung mehrerer Kombinate wurde 1980 schließlich das RFT-Kombinat Rundfunk- und Fernsehtechnik gegründet. Es beschäftigte 1990 insgesamt 23.000 Mitarbeiter. Ebenso wurde die Produktion der Nachrichtentechnik im Kombinat Nachrichtenelektronik zusammengefasst.

Forschung[Bearbeiten]

Für die Hersteller von RFT-Erzeugnissen arbeiteten mehrere Zentrallaboratorien für die Forschung zur Entwicklung neuer Technologien und neuer Produkte. Zu erwähnen sind zwei dieser Laboratorien, ein Berliner zuständig für Fernmeldetechnik in Treptow-Köpenick und eines für Rundfunk- und Fernsehempfangstechnik in Dresden. Anfänglich arbeiteten in diesen Berhard Vinzelberg und Kurt Freitag. Vinzelberg richtete zusammen mit Friedrich Knochenhauer, einem Ingenieur, der 1961 die DDR verließ und zu SEL wechselte, ein Labor für Magnetspeichertechnik ein, das die Grundlage für die frühe Produktion von Spulentonbandgeräten in der DDR war.[1][2]

Heimelektronik[Bearbeiten]

Die Radiowerke in Leipzig[Bearbeiten]

Stern Radio HMK 100 Berlin 1986
Autoradio A345 „Blankenburg“
RFT Kompaktboxen B 9251, hergestellt von VEB Statron

Der Ursprung aller Betriebe, die in Leipzig Radios produzierten, war das 1925 aus Teilen der „Körting & Mathiesen AG“ gegründete Werk „Dr. Dietz und Ritter AG, Körting-Radio“, die die legendären Körting-Radios herstellten. Daraus wurden 1939 die Firmen „Oswald Ritter AG, Körting Radio“ und als zwangsweise Ausgliederung eines Betriebsteiles die „Leipziger Funkgerätebau GmbH“ als reichseigener Betrieb. Sie unterstand direkt dem Reichsluftfahrtministerium speziell für die Fertigung funktechnischer Geräte für die Luftwaffe. 1941 erfolgte die Unterstellung unter die Leitung des Leipziger Betriebsteiles der „Loewe AG“. 1942 wurde aus „Loewe-Radio“ dann „Opta-Radio AG, Leipziger Werke“, da der Firmengründer und Namensgeber Jude war. Nach 1945 firmierte der Betrieb als „Opta-Radio AG, Werk Stötteritz“ im Status einer SAG (sowjetische staatliche AG) und wurde danach 1948 zum „VEB Stern-Radio Leipzig“. 1952 erfolgte nach innerer Profiländerung eine Umbenennung in „VEB Fernmeldewerk Leipzig“, der sich nun hauptsächlich der Produktion von Fernmeldeanlagen widmete, aber auch z. B. Mikrofone herstellte.

Oswald Ritter war nicht Mitglied der NSDAP und wurde wegen Widersetzung (auch gegen die o. g. Ausgliederung des Betriebsteiles „Funkgerätebau“) 1939 zeitweise inhaftiert. Trotzdem wurde die Firma „Oswald Ritter AG, Körting Radio“ am 16. März 1948 enteignet. Ritter ging daraufhin nach Bayern und gründete die „Körting Radio Werke GmbH“ mit Stammsitz in Grassau im Chiemgau. Das Werk in Leipzig wurde in „VEB Funkwerk Leipzig“ umbenannt. Diesen Betrieb gliederte man 1964 dem „VEB Fernmeldewerk Leipzig“ an. 1970 profilierte man diesen Betrieb zum Stammbetrieb des „VEB RFT Kombinat Fernmeldewerk Leipzig“. Diesem Stammbetrieb wurden weitere Leipziger Betriebe zugeordnet:

  • der 1967 gebildete „VEB Gerätewerk Leipzig“, welcher wiederum hervorging aus
VEB Funkmechanik Leipzig (1951) – ehemals Stöcker & Co. (1945) und
VEB Gerätewerk Leipzig (1954) – ehemals VEB Meßgerätewerk Leipzig (1948), ehemals Dr. Th. Horn (1945).
  • 1949–1952 „VEB Entwicklungs- und Konstruktionsbüro Leipzig“, das aus dem VEB Fernmeldewerk Leipzig hervorging und dann in den VEB Funkmechanik Leipzig überführt wurde.

Unabhängig von dieser bereits komplizierten Unternehmensentwicklung gab es mehrere Kleinbetriebe:

  • 1948 entstand aus solchen der VEB (K) Elektrogerätebau Leipzig,
  • 1954 kamen weitere Kleinbetriebe dazu und
  • 1965 entstand daraus der „VEB Elektroakustik Leipzig“, der u. a. später im Kombinat Sternradio Berlin Plattenspieler unter der Markenbezeichnung RFT herstellte
  • 1980 gliederte man dann den 1971 entstandenen „VEB Elektrotechnische Werkstätte Rötha“ an und schließlich verschmolzen
  • 1980 die beiden Betriebe VEB Kombinat Fernmeldewerk Leipzig und VEB Elektroakustik Leipzig zum „VEB Fernmeldewerk Leipzig, Stammbetrieb des VEB Kombinat Nachrichtenelektronik“.
  • 1984 erfolgte eine Umbenennung in VEB RFT Nachrichtenelektronik Leipzig „Albert Norden, Betrieb des VEB Kombinat Nachrichtenelektronik.

Das Radiowerk in Staßfurt[Bearbeiten]

RFT in Staßfurt

Die Stadt Staßfurt hat eine traditionsreiche Geschichte in der Produktion von Unterhaltungselektronik. 1928 wurde das Werk „Staßfurter Licht- und Kraftwerke AG, Abteilung Radiobau“ mit dem Markennamen „Imperial“ gegründet. Hier wurden der erste Superhet Deutschlands in Serie und in den 30er Jahren die Empfänger „Staßfurt Imperial“ der Spitzenklasse produziert. Nach dem Krieg konnte der Firmengründer 1948 im westlichen Harzvorland in Osterode ein neues Unternehmen unter dem Namen Continental-Rundfunk GmbH eröffnen, das 1957 in Konkurs ging und von der Firma Kuba aufgekauft wurde. Kuba ging später in General Electric auf. Das Staßfurter Werk wurde enteignet und in „VEB Stern-Radio Stassfurt“ umbenannt. Es firmierte damals schon als Bestandteil der VVB RFT Radio und Fernmeldetechnik Leipzig. Neben dem Staßfurter Betrieb gab es noch drei weitere Stern-Radio-Werke in der DDR, unter anderem in Berlin, die in einem eigenen Kombinat organisiert waren. Beliebtestes Produkt war das Transistorradio Sternchen, das seit 1959 im VEB Sternradio Sonneberg in Thüringen und später auch in Berlin produziert wurde. Im Staßfurter Werk werden ab 1957 bis heute auch Fernsehgeräte hergestellt. 1962 wurde die Rundfunkgeräteproduktion eingestellt und die Firma umbenannt in „VEB Fernsehgerätewerk Staßfurt“. Sie hatte jetzt 2.500 Beschäftigte. Staßfurt hatte 1988 eine Jahresproduktion von 500.000 Geräten. Es bestand unter anderem ein Zweigwerk in Halle (Saale).

Der VEB Fernsehgerätewerk Staßfurt blieb der größte Fernsehempfängerproduzent in der DDR und Stammwerk des VEB Kombinat Rundfunk- und Fernsehtechnik neben dem VEB Robotron-Elektronik Radeberg (vormals VEB Rafena), der in den 1970er Jahren wieder die Produktion von Fernsehgeräten aufnahm, nachdem bereits von 1950 bis 1968 insgesamt 2,7 Millionen gefertigt wurden. Hier verlegte man sich auf Kleingeräte, so wurden ab 1975 Koffergeräte mit Bildschirmdiagonale von 31 cm, ab 1982 portable Geräte mit 42-cm-Bildröhren und 1990 auch wieder Tischgeräte mit einer Bilddiagonale von 55 cm hergestellt.

VEB Kombinat Rundfunk- und Fernsehtechnik[Bearbeiten]

Das Kombinat Rundfunk- und Fernsehtechnik, mit dessen Stammbetrieb „VEB Fernsehgerätewerk Staßfurt“, war seit 1980 Alleinhersteller von Heimelektronik in der DDR, u. a. Radiogeräte, Fernsehgeräte, Stereoanlagen und Tonbandgeräte.

1960 wurde das Zentrallaboratorium für Rundfunk und Fernsehempfangstechnik (ZRF) als zentrale Forschungs- und Entwicklungsstelle in Dresden gegründet. Es firmierte ab 1981 als VEB Zentrum Wissenschaft und Technik (ZWT).[3] Zeitweilig befanden sich Labors auch im Turm des Schloss Eckberg, wo zuweilen der Empfang westdeutscher UKW-Rundfunksender (siehe auch Westfernsehen) möglich war.

Aus dem Staßfurter Werk ging 1990 die Rundfunk—Fernsehen—Telekommunikation AG Staßfurt hervor. Sie wurde bis 1996 fast vollständig abgewickelt. 1997/98 wurde die RFT-Digital GmbH mit 100 Mitarbeitern gegründet.

Nachrichtentechnik[Bearbeiten]

Professionelle Industrieempfänger, Sende- und Amateurfunkanlagen wurden im RFT VEB Funkwerk Köpenick in Berlin produziert. Dieser war allerdings nicht Mitglied des VEB Kombinates RFT Rundfunk und Fernsehen, sondern im VEB Kombinat Nachrichtenelektronik organisiert. Dort wurden z. B. auch die Laborschaltuhren RFT Exakt hergestellt. In Berlin-Oberschöneweide befanden sich weitere Institute, die hauptsächlich Laborgeräte produzierten, ausschließlich unter der Marke RFT Nachrichtenelektronik. Weitere Werke befassten sich mit Antennenanlagetechnik, z. B. das Werk Blankenburg, oder der VEB Rafena Werke Radeberg.

Auch unter RFT produzierte der VEB Fernmelde-Anlagenbau Rostock Schiffselektronische Ausrüstungen.

VEB Kombinat Nachrichtenelektronik[Bearbeiten]

Das Kombinat entstand 1980 aus dem VEB Kombinat Fernmeldewerk Leipzig. Sitz des Kombinates Nachrichtenelektronik war bis 1986 Leipzig. Stammbetrieb war der VEB Nachrichtenelektronik Albert Norden Leipzig, das ehemalige Fernmeldewerk in Leipzig-Stötteritz. Auf Beschluss des DDR-Ministerrates wurde die Kombinatsleitung per 1. Juli 1986 nach Berlin verlagert. Neuer Stammbetrieb wurde der VEB Funkwerk Köpenick. Betriebsteil des Stammbetriebes war das Funkwerk Dabendorf bei Zossen. 1987 wurde aus dem Institut für Nachrichtentechnik in Berlin-Oberschöneweide das Zentrum für Forschung und Technologie der Nachrichtentechnik (ZFTN) gebildet und als weiterer Betriebsteil in den Stammbetrieb eingegliedert.

Das Kombinat war in den 1980er Jahren Alleinhersteller von u. a. Nachrichtenanlagen, Telefonen, Funkgeräten und Antennen in der DDR. Bis zur Auflösung des Kombinates 1990 gehörten ihm folgende Betriebe an:

Taschenrechner MR201
  • VEB Nachrichtenelektronik „Albert Norden“ Leipzig (Stammbetrieb bis 1986),
  • VEB Nachrichtenanlagenbau Leipzig,
  • VEB Funkwerk Köpenick (Stammbetrieb ab 1986),
  • VEB Funk- und Fernmeldeanlagenbau Berlin (mit dem Betriebsteil Funk- und Fernmeldeanlagenbau Rostock),
  • VEB Meßelektronik Berlin,
  • VEB Studiotechnik Berlin,
  • Institut für Nachrichtentechnik Berlin (ab 1987 ZFTN),
  • VEB Nachrichtenelektronik Greifswald,
  • VEB Fernmeldewerk Neustadt-Glewe,
  • VEB Fernmeldeschrank- und Gehäusebau Calau,
  • VEB Fernmeldewerk Nordhausen,
  • VEB Fernmeldewerk Arnstadt,
  • VEB Fernmeldewerk Bautzen,
  • VEB Meßgerätewerk Zwönitz und der
  • VEB Funkwerk Kölleda.

Röhrenproduktion[Bearbeiten]

Von RFT hergestellte EF80-Elektronenröhre

Ein umfangreiches Kapitel ist die ehemalige RFT-Elektronenröhrenproduktion in der DDR in den RFT-Röhrenwerken, die eigentliche Keimzelle der RFT-Radioproduktion. Radioröhren wurden traditionell in Berlin (WF), in Berlin-Weißensee (Loewe-Opta/Phonetica) und später in Mühlhausen und Neuhaus sowie im Funkwerk Erfurt in Thüringen, aber auch an weiteren Standorten hergestellt. In Mühlhausen gab es viele ausgebildete Facharbeiter der C. Lorenz AG, die während des Krieges in dieser Region ein Röhrenwerk betrieb. So wurden die beruflichen Erfahrungen aus früherer Zeit für den Neubeginn der Röhrenproduktion in Mühlhausen genutzt. Als die Produktion von Elektronik- und Spezialröhren in Westeuropa heruntergefahren werden musste – zuletzt baute nur noch Telefunken die Röhren selbst – ließen fast alle Elektronikkonzerne die noch benötigten Röhren in Werken der DDR herstellen. Das OSW (Oberspreewerk) Berlin (das spätere Werk für Fernsehelektronik (WF) in der Ostendstraße in Berlin-Oberschöneweide), bis zur endgültigen Schließung 2005 zu Samsung gehörig, stellte die EL 34 (dimple top) her, eine Nachkriegsentwicklung aus der Philips-Linie. Später wurde die Produktion nach Mühlhausen verlagert und mit Philips-Expertise in den Westen verkauft. (China, Sowjetunion, Jugoslawien waren Wettbewerber, die auch heute noch diese und andere Röhren herstellen.)

RFT-Electronic: MB 111; Optokoppler aus Infrarot-Emitterdiode als Sender und Silizium-Fotodiode mit nachfolgender integrierter Verstärkerstufe als Empfänger

Halbleitertechnik und Elektronikhandel[Bearbeiten]

Produktion und Handel mit Elektronik-Bauteilen firmierte unter dem Namen RFT-Electronic, die Halbleiterproduktion, z. B. im VEB Kombinat Halbleitertechnik Frankfurt/O., firmierte unter RFT-Transistoren.[4]

Messtechnik war eigentlich eine Angelegenheit des Kombinates VEB Meßelektronik in Dresden. Dennoch finden sich aus der Anfangszeit der DDR z. B. Widerstandsmessbrücken mit der Bezeichnung VEB RFT Gerätewerk Chemnitz.

Computertechnik[Bearbeiten]

Vom VEB Elektronik Gera hergestellter Kassettenrekorder zur Datenspeicherung

Die Computertechnik war in der DDR eigentlich eine Domäne des VEB Kombinates Robotron. Daneben stellte aber auch der VEB RFT Mikroelektronik Wilhelm Pieck in Mühlhausen, Thüringen, Heimcomputer und der VEB Elektronik Gera Kassettenrekorder zur Datenspeicherung her. Außerdem wurde in Gera der MC-80 hauptsächlich für Industriesteuerungen produziert.

Vertrieb und Dienstleistungen[Bearbeiten]

Ware mit dem RFT-Logo war in allen Geschäften (soweit natürlich bestimmte Artikel verfügbar waren ↑Bückware) erhältlich, deren Sortiment sich jeweils von Radios über Fernseher, Plattenspieler, Kassettengeräte, Funktechnik bis hin zu Bauelementen usw. erstreckte. Das konnten sowohl Kaufhäuser HO-Filialen, Konsum-Läden als auch Privatgeschäfte sein. Zum Hauptvertriebsweg entwickelte sich allerdings immer mehr der VEB Industrievertrieb Rundfunk und Fernsehen. Der Sinn dieses Handelsbetriebes sollte der Direktverkauf vom Hersteller an den Kunden nach dem Industrie-Ladenprinzip sein.

Zuerst gehörte der Industrievertrieb lediglich dem Warenzeichenverband RFT an. Anfang der 1980er wurde er als ein Kombinatsbetrieb in das o. g. Kombinat RuF eingegliedert. Anfänglich gehörten die Servicewerkstätten einem eigenständiger Betrieb an, dem VEB Garantie- und Kundenservice. (Siehe Photo unten: Schnellreparaturwagen in Dresden) Hier schon mit dem RFT-Logo. Reparaturzweig und Antennenbauzweig wurden dann als Betriebsteile dem Handelsbetrieb zugeordnet. Die erste Filiale des Handelsbetriebes des VEB Industrievertrieb RuF befand sich seit 1964 in Berlin-Friedrichshain in der Karl-Marx-Allee. Mit dessen Schließung eröffnete in Berlin-Karlshorst der Industrievertrieb im Flamingo-Geschäft in der Dönhoffstraße 47 eine neue Hauptfiliale. Im Zuge der Umgestaltung des Alexanderplatzes wurde dort das Haus der Elektroindustrie (HdE) als Neubau errichtet. Im Erdgeschoss wurde die nun größte Filiale des Industrievertriebes eröffnet. Inzwischen gab es ebenfalls weitere Filialen in den Bezirkshauptstädten der DDR-Bezirke (später auch in anderen größeren Städten). Eine Besonderheit waren die 2 Amateurfunkfilialen in der Bln.-Friedrichshainer Kopernikusstraße 35 und im Berliner Prenzlauer Berg, in der Kastanienallee 87. Wie der Name sagt, wurde hier das Sortiment Funktechnik sowie Messtechnik und elektronische Bauteile vertrieben.

Der Industrievertrieb hatte auch die Aufgabe, für die RuF-Branche als Genex-Auslieferer zu fungieren, da die Geschenkdienst GmbH ja keine eigenen Geschäfte besaß. In extra Räumlichkeiten wurde den „Beschenkten“ die bestellten Rundfunk- und Fernsehgeräte aus dem westlichen Ausland vorgeführt und anschließend geliefert. Werkstätten gab es in fast jeder Filiale, aber auch als einzelne Objekte. Die Hauptverwaltung des VEB Industrievertrieb befand sich in den Blöcken des ehemaligen Quartier Hugenotte, Berlin-Mitte, Friedrichstraße 129.

Der Betrieb wurde nach der Wende aufgelöst.

RFT heute[Bearbeiten]

RFT Uhrenradio „Radio Clock 2002“

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Kombinate aufgelöst und ein neuer Markenverband unter der Marke RFT gegründet. Heute heißt dieser „RFT Warenzeichenverband Radio & Fernmeldetechnik e. V.“ mit Sitz in Brandenburg an der Havel. Diesem gehörten eine Reihe von Produzenten, Dienstleistern und Händlern an, die zum Teil noch bestehen:

  • Die TechniSat GmbH, ein Unternehmen aus der Eifel, lässt im Staßfurter Werk wieder Fernsehgeräte produzieren, hauptsächlich 100-Hz-Geräte mit Digitaltunern und Multimedia-TV-Geräte. Bekannt sind die Geräte im futuristischen Design von Luigi Colani. Die Multimediageräte sind für Breitbandkabelanschluss ausgelegt, so dass sie auch als Computer, mit DVD-Spieler und IP-Telefon genutzt werden können. Ab Ende 2005 werden auch Geräte mit LC-Display gefertigt. Die Firma setzt auf einheimische Produktion, produziert also nicht im Ausland unter Nutzung eines niedrigeren Lohnniveaus. Sie produziert in zwei weiteren Werken im Vogtland und in Thüringen und betreibt eine Entwicklungsabteilung mit 150 Mitarbeitern in Dresden.
  • RFT Staßfurt global GmbH. Firmensitz Staßfurt
  • RFT 2000 GmbH. Firmensitz Staßfurt. Die Firma wurde bereits 1999 ausgegliedert, sie hat sich auf HFC-Netzwerktechnik, Kommunikationstechnik und Informationstechnik im Service-Bereich spezialisiert und hat auch ein Schulungsangebot. Enge Zusammenarbeit mit der Universität Magdeburg
  • RFT radio-television Brandenburg GmbH. Firmensitz Brandenburg an der Havel. Die Firma betreibt ein Breitbandkabelnetz und ist Anbieter von Fernsehprogrammen und Internetprovider
  • RFT-Multimedia Hausmann & Partner GbR. Firmensitz Magdeburg. Onlineversender von Netzwerk- und Computertechnik, Sicherheitstechnik und Antennenanlagen.
  • Das Institut für Nachrichtentechnik in Berlin-Oberschöneweide wurde 1992 durch die RFT SEL Nachrichtenelektronik GmbH übernommen, die Ende 1992 in Alcatel SEL RFT GmbH umbenannt wurde.
  • VEB Statron, Firmensitz Fürstenwalde/Spree wurde zur Statron elektronik GmbH und 1995 als Statron Gerätetechnik GmbH neu gegründet. Die Firma produziert Stromversorgungstechnik.

Es existierten weiterhin kleinere Firmen, die selbst nicht Mitglied des Warenzeichenverbandes waren, aber Entwicklungen an Kombinate und andere Betriebe verkauften. Diese konnten damit wiederum der Konsumgüterquote gerecht werden. Ein Beispiel ist

  • Musikelectronic Geithain GmbH, Sachsen, mit Chefentwickler und Geschäftsführer Joachim Kiesler. Er war und ist ein Entwickler und Hersteller von Regielautsprechern, Spitzentechnik für Tonstudios und Sendeanstalten, und produzierte seinerzeit für RFT auch Stereo-Heimlautsprecher.[5] Allerdings wurde aus Kapazitätsmangel die Produktion bald zu Statron Fürstenwalde ausgelagert, siehe BR 25.

Liste der RFT-Werke[Bearbeiten]

Schnellreparaturwagen für Rundfunk und Fernsehen (1960)

(Auswahl)

  • Arnstadt in Thüringen, VEB Fernmeldewerk Arnstadt
  • Bad Blankenburg in Thüringen, VEB Fernmeldewerk Bad Blankenburg
  • Bautzen, VEB RFT Fernmeldewerk
  • Berlin-Oberschöneweide, Institut für Nachrichtentechnik des VVB RFT Nachrichten- und Meßtechnik Leipzig
  • Berlin-Oberschöneweide, VEB Werk für Fernsehelektronik, früher WF – VEB Werk für Fernmeldewesen
  • Berlin, RFT Kombinat VEB Funk- und Fernmelde-Anlagenbau
  • Berlin, VEB Applikationszentrum Elektronik
  • Berlin, VEB Meßelektronik
  • Berlin, VEB Sternradio Berlin
  • Berlin, VEB Werk für Fernmeldewesen
  • Berlin, VVB RFT Bauelemente und Vakuumtechnik
  • Dresden, VEB RFT Meßelektronik „Otto Schön“
  • Dresden, Zentrallaboratorium für Rundfunk und Fernsehempfangstechnik
  • Eisenach, VEB Elektrotechnik Eisenach
  • Erfurt, VEB Funkwerk Erfurt
  • Erfurt, VEB Kombinat Mikroelektronik
  • Frankfurt (Oder), VEB Halbleiterwerk (RFT electronic)
  • Fürstenwalde/Spree, VEB Statron
  • Gefell, VEB Mikrofontechnik
  • Gera, RFT VEB Kondensatorenwerk später VEB Elektronik Gera
  • Gornsdorf im Erzgebirge/Sachsen, RFT VEB Kontaktbauelemente und Spezialmaschinenbau
  • Gornsdorf im Erzgebirge/Sachsen, VEB Elektrogerätewerk
  • Großbreitenbach in Thüringen, VEB Werk für Bauelemente der Nachrichtentechnik
  • Halle (Saale), VEB RFT Musikelektronik Halle, früher PGH Unterhaltungselektronik Halle
  • Kölleda in Thüringen, VEB Funkwerk Kölleda
  • Karl-Marx-Stadt, Kombinat VEB Messgerätewerk Zwönitz, Gerätewerk Karl-Marx-Stadt, Waldenburger Str. 63, DDR-9090 Karl-Marx-Stadt
  • Leipzig, Kombinat VEB RFT Fernmeldewerk, früher VVB Rundfunk und Fernmeldetechnik Leipzig
  • Leipzig, VEB Elektroakustik
  • Leipzig, VEB Funkwerk Leipzig
  • Leipzig, VEB Kombinat Nachrichtenelektronik
  • Leipzig, VEB RFT Industrievertrieb Rundfunk und Fernsehen
  • Leipzig, VVB RFT Nachrichten- und Meßtechnik
  • Leipzig, VVB RFT Rundfunk und Fernsehen
  • Limbach-Oberfrohna, VEB Gerätebau Limbach, früher HELI Gerätebau Hempel Limbach-Oberfrohna
  • Mühlhausen in Thüringen, VEB RFT Mikroelektronik
  • Radeberg, VEB Rafena Werk
  • Radeberg, VEB Robotron-Elektronik Radeberg
  • Rochlitz in Sachsen, VEB Stern-Radio Rochlitz
  • Rostock, VEB Fernmelde-Anlagenbau
  • Sonneberg in Thüringen, VEB Stern-Radio Sonneberg
  • Stassfurt, Kombinat Rundfunk und Fernsehen
  • Teltow, VEB Werk für Bauelemente der Nachrichtentechnik
  • Zittau, VEB Funkwerk Zittau

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Ingo Pötschke Die Geschichte der Rundfunkindustrie der DDR, Funkverlag. Dessau-Roßlau, 2006. Seite 83 f und 145 f.ISBN 9-78393-612419-4.
  2. Joachim Beckh Blitz & Anker Informationstechnik, Geschichte & Hintergründe, Band 2. Books on Demand. Norderstedt, 2006. Seite 64. ISBN 9-78383342997-2
  3. Nachfolgebetrieb DKI GmbH
  4. Aktive elektronische Bauelemente. Teil 1-3. RFT Mikroelektronik. VEB Kombinat Mikroelektronik, Erfurt 1988.
  5. musikelectronic Geithain. Interview aus Studio Magazin. Studio Press, Oberhausen 2002, 4. ISSN 0932-3929

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rundfunk- und Fernmelde-Technik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien