Alcatel-Lucent Deutschland

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Alcatel-Lucent Deutschland AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1958
Sitz Stuttgart, Deutschland
Leitung Wilhelm Dresselhaus, Vorstandsvorsitzender
Michael Oppenhoff, Aufsichtsratsvorsitzender
Mitarbeiter 2.528 (2011)[1]
Umsatz 604,7 Mio. Euro (2011)[1]
Branche Telekommunikation
Website www.alcatel-lucent.com

Die Alcatel-Lucent Deutschland AG (vormals Alcatel SEL AG, vormals Standard Elektrik Lorenz AG, vormals C. Lorenz AG) ist ein Telekommunikationsunternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart. Es gehört zum börsennotierten Alcatel-Lucent-Konzern.

Geschichte[Bearbeiten]

Fernseher Illustraphon 743 von 1957
„Goldsuper Stereo 20“ (1961)
1/2 GUm 53 von 1969
Das Flaggschiff der erfolgreichen Schaub-Lorenz Kofferradios der sechziger Jahre: Touring 70 Universal
Erster Digitalfernseher der Welt (1983)

Gründerjahre[Bearbeiten]

Die beiden Stammfirmen des Unternehmens, die Mix & Genest AG und die Telegraphenbauanstalt von C. Lorenz, wurden 1879 bzw. 1880 gegründet. Das erste Patent von Mix & Genest datiert von 1883, das erste Patent von C. Lorenz ist aus dem Jahr 1902.

Das Unternehmen Mix & Genest war wesentlicher Teil der Standard Elektrizitäts-Gesellschaft (SEG), in die auch die Süddeutsche Apparatefabrik (SAF) integriert wurde, die 1875 von F. Heller als "Friedrich Heller, Fabrik Elektrotechnischer Apparate" gegründet worden war. Der technische Schwerpunkt von Mix & Genest bzw. SEG sowie der C. Lorenz AG war der klassischen Fernmelde- bzw. Funktechnik zuzuordnen. Die C. Lorenz AG baute in den 1920er und 1930er Jahren Großsender für den neu gegründeten Rundfunk.

Teil der ITT[Bearbeiten]

1930 übernahm die International Telephone and Telegraph Company (ITT) die Aktienmehrheit der Mix & Genest AG und der C. Lorenz AG. [2]

Die C. Lorenz AG positionierte sich mit der Übernahme der G. Schaub Apparatebau-Gesellschaft mbH im Jahr 1940 in der Entwicklung und Herstellung von Rundfunkempfängern. Ab dem Jahr 1950 wurden alle Geräte bei Schaub in Pforzheim gefertigt. 1952 wurde das Typenprogramm beider Unternehmen verschmolzen und der Lorenz-Radio-Vertrieb in die Firma Schaub integriert. Ab 1955 wurden die Geräte unter dem Namen Schaub-Lorenz vertrieben.

1956 wurde das Unternehmen SEG in Standard Elektrik AG umbenannt und ein Kabelwerk gegründet. Wesentlicher Motor für das 1957 gegründete Informatikwerk war Karl Steinbuch, der von 1948–1958 dem Unternehmen, zuletzt als Technischer Direktor und Leiter der Zentralen Forschung, angehörte.

Standard Elektrik Lorenz AG (SEL)[Bearbeiten]

1958 vereinigten sich Standard Elektrik AG und die C. Lorenz AG zur Standard Elektrik Lorenz AG (SEL).

Die Standard Elektrik Lorenz übernahm 1961 die Graetz KG. Die Firmenteile Schaub-Lorenz und Graetz bildeten zusammen mit einem Bildröhrenwerk die Unternehmensgruppe Audio Video der SEL, die 1979 als Audio-Video-Elektronik in die ITT ausgegliedert wurde. Die Produkte, die unter anderem Fernsehgeräte, Radios, Autoradios, Kassettenrecorder, Weltempfänger und Lautsprecherboxen umfassen, wurden fortan unter dem Namen ITT Schaub-Lorenz vertrieben.[2]

Um auf dem neuen Gebiet der Raumfahrt-Elektronik Fuß zu fassen, wurden die Produkte AZUR (Telemetrie/Telekommandogeräte) und Spacelab (Datenerfassung/Kommandoterminal) entwickelt. Zu Beginn der 1970er Jahre entwickelte SEL das Präzisionsanflugverfahren SETAC. Unter seinem Geschäftsführer, Dipl.-Ing. Kurt Jekelius, wuchs dieser Geschäftsbereich V zum einzigen Geschäftsbereich der SEL, der unter seiner Führung nie "rote Zahlen" schrieb. Er war auch Mitbegründer der EUROCONTROL. Dieser Unternehmensbereich wurde im Jahre 1987 von der finnischen Firma Nokia übernommen.

1976 hatte SEL ein Grundkapital von 357 Mio. DM bei 33.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 12,6 Mrd. DM. Sie war damit eines der "Big-10"-Unternehmen in Deutschland. Diese Größe wurde unter anderem unter den Vorständen v. Hauteville und Dieter Möhring erreicht. Unter deren Nachfolger Helmut Lohr verlor das Unternehmen kontinuierlich an Marktanteilen und -Akzeptanz.

1983 stellte SEL auf der Internationalen Funkausstellung Berlin 1983 mit dem ITT Digivision den weltweit ersten Fernseher mit digitaler Signalverarbeitung vor.[3]

2003 wurden die Markenrechte am Namen Schaub Lorenz an die italienische General Trading SpA verkauft. Die neugegründete Schaub Lorenz International GmbH vertreibt seitdem unter dem alten Markennamen Schaub-Lorenz importierte Konsumelektronik aus dem unteren Preisbereich.

Kauf durch Alcatel[Bearbeiten]

Bis 1987 gehörte SEL zusammen mit anderen auf dem Sektor Telekommunikation in anderen Ländern tätigen Schwesterfirmen zum US-amerikanischen Mischkonzern International Telephone and Telegraph (ITT). ITT verkaufte die Aktienmehrheit an den ITT-Telekommunikationsfirmen an die französische Compagnie Générale d’Electricité (CGE), die nach der Zusammenfassung mit den eigenen Telekommunikationsaktivitäten daraus Alcatel bildete. Im Dezember 1987 wurde zwischen Nokia und Alcatel ein Vertrag geschlossen und bekanntgegeben, dass Nokia zum 1. Januar 1988 den Bereich Konsumgüterelektronik von SEL komplett sowie einen Teil des Bereiches Electronic Components Engineering erwarb; somit übernahm Nokia die Unternehmensgruppe Audio/Video und die durch Erwerb der 1961 gegründeten Graetz GmbH integrierten Werke in Esslingen und Straubing. Am 2. Februar 1988 wurde diese Firma in Nokia-Graetz GmbH umbenannt.

Standard Elektrik Lorenz erhielt 1993 den Namen Alcatel SEL.[4] Die Aktienmehrheit lag mit über 99 % bei der Alcatel.[5] Die ausgelagerten SEL Verteidigungsysteme und Alcatel Air Navigation Systems wurden 1998 an Thomson CSF, dem Vorgänger-Konzern von Thales, verkauft.[4] Mit der Fusion von Alcatel und Lucent zu Alcatel-Lucent am 1. Dezember 2006 und der Neu-Firmierung beider Unternehmen in Deutschland zur Alcatel-Lucent Deutschland entfiel der Zusatz SEL. Die Transportsparte, die ab den 1950er Jahren auf Basis selbstentwickelter Signalrelais neben Siemens für die Deutsche Bundesbahn Relaisstellwerke Sp Dr L lieferte und seit den 1970er-Jahren die elektronische Stell- und Sicherungstechnik (LZB, ESTW, ETCS) der Eisenbahnen in Deutschland vorantrieb, ging 2007 ebenfalls an Thales.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bundesanzeiger.de: Jahresabschluss zum 31. Dezember 2011.
  2. a b ITT Geschichte. ITT Deutschland, abgerufen am 27. Januar 2011.
  3.  Vorteil im Verborgenen. In: Der Spiegel. Nr. 41, 1983 (10. Oktober 1983, online).
  4. a b Historie Thales Deutschland. Thales, abgerufen am 25. Oktober 2012.
  5. Alcatel: Erst abkassiert, dann geschlossen. In: vsp-vernetzt.de. SoZ, 30. September 1999, abgerufen am 25. Oktober 2012.