S-300PMU-1/2

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SA-20 Gargoyle

S-300PMU2 complex.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Boden-Luft-Lenkwaffensystem
Hersteller: Almas-Antei
Entwicklung: 1980er
Technische Daten
Länge: 7,50 m
Durchmesser: 519 mm
Gefechtsgewicht: 1.800 kg
Spannweite: 1.134 mm
Antrieb: Feststoffrakete
Geschwindigkeit: 2.100 m/s
Reichweite: 200 km
Ausstattung
Zielortung: halbaktive Radarzielsuche (SARH) mit TVM
Gefechtskopf: 180-kg-Splittergefechtskopf
Zünder: Näherungs- und Aufschlagzünder
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Das russische S-300PMU-1/2, NATO-Codename SA-20 Gargoyle, ist ein mobiles, allwetterfähiges Langstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensystem zur Bekämpfung von Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern in allen Flughöhen. Ebenso können ballistische Kurz- und Mittelstreckenraketen abgefangen werden. Es handelt sich um eine Variante des S-300 (Flugabwehrraketensystem)s. Es ist Nachfolger des S-300PMU (SA-10F Grumble) und soll vom S-400 Triumf abgelöst werden.

System[Bearbeiten]

Während der 1980er-Jahre entstanden verschiedene Ausführungen des S-300P-Flugabwehrsystems. Die ersten Systeme bekamen von der NATO die Bezeichnung SA-10 Grumble. Die beiden letzten Systeme der S-300PMU-Serie, die S-300PMU-1 und S-300PMU-2, unterscheiden sich wesentlich von ihren Vorgängermodellen und bekamen im Jahr 2003 von der NATO die Bezeichnung SA-20 Gargoyle. Beide Systeme basieren auf den Vorgängermodellen S-300PMS und S-300PMU. Die Fahrzeuge stammen von MAZ und basieren im Wesentlichen auf den MAZ-543.

Das System besteht aus den folgenden Komponenten:

  • dem TOMBSTONE (36N85), Feuerleitradar
  • dem BIG BIRD (64N6E2), Zielerfassungs- und Überwachungsradar
  • dem CLAM SHELL (76N6), Tieffliegererfassungs-Radar
  • der 83M6E2 (C³), Kommandostation
  • den 5P58SU2 und 5P85DU2, Start-und Transportfahrzeugen für die Lenkwaffen
  • folgende Lenkwaffen kommen zum Einsatz:
    • SA-20A: 48N6 (Reichweite 150 km)
    • SA-20B: 48N6M (Reichweite 200 km)

Varianten[Bearbeiten]

  • SA-20A Gargoyle: (S-300PMU-1) 1. Serienversion, eingeführt 1989.
  • SA-20B Gargoyle: (S-300PMU-2) 2. Serienversion, eingeführt 1993.
  • SA-N-20 Gargoyle: (S-300FM) Marineversion, auf dem letzten Kreuzer der Kirow-Klasse installiert.

Leistung / Kapazität[Bearbeiten]

Hochfliegende Flugziele können auf eine Distanz von 200 km bekämpft werden. Ein Flugziel in einer Flughöhe von 100 m kann auf eine Maximaldistanz von 38 km bekämpft werden. Bei einem Flugziel in einer Flughöhe von 50 m liegt die maximale Bekämpfungsdistanz bei 28 km. Mit dem S-300PM-2-System können ballistische Mittelstreckenraketen mit einer Maximalreichweite von 1000 km abgefangen werden. Diese können bis zu einer maximalen Fluggeschwindigkeit von 2800 m/s auf eine Distanz von 40 km bekämpft werden.

Technische Daten Flugkörper[Bearbeiten]

S-300PMU-2 Favorite auf Trägerfahrzeug mit Raketenstartrampe Almas 5P85TE
Startfahrzeug S-300PMU2 Favorite auf Basis eines KrAZ-260
System S-300PMU-1 S-300PMU-2 Favorite
Lenkwaffe 48N6 / 48N6E 48N6M / 48N6E2
Einführungsjahr 1989 1993
Länge 7,50 m 7,50 m
Rumpfdurchmesser 515 mm 519 mm
Flügelspannweite 1.036 mm 1.134 mm
Gewicht 1.900 kg 1.800 kg
Antrieb 1 Stufe, Feststoff 1 Stufe, Feststoff
Sprengkopf 143 kg, FRAG-HE 180 kg, FRAG-HE
Zünder Aufschlag- und Radar-Näherungszünder Aufschlag- und Radar-Näherungszünder
Fluggeschwindigkeit 2.000 m/s 2.100 m/s
Einsatzreichweite 5–150 km 3–200 km
Einsatzhöhe 10–27.000 m 10–25.000 m
Lenksystem Trägheitsnavigation + TVM Trägheitsnavigation + TVM

Nutzerstaaten[Bearbeiten]

Exportiert in mindestens 14 Länder[1], darunter:

  • AlgerienAlgerien Algerien – zwei Batterien S-300PMU-2 mit je vier Startfahrzeugen.[2]
  • ArmenienArmenien Armenien
  • AserbaidschanAserbaidschan Aserbaidschan – zwei Batterien S-300PMU-2 im Jahr 2010 bestellt.[3]
  • WeissrusslandWeißrussland Weißrussland
  • BulgarienBulgarien Bulgarien
  • China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China – 4 Batterien S-300PMU-1 und 8 Batterien S-300PMU-2.[3]
  • GriechenlandGriechenland Griechenland – zwei Batterien S-300PMU-1 mit je vier Startfahrzeugen.[4]
  • UngarnUngarn Ungarn
  • IranIran Iran - fünf Batterien S-300PMU-1 für etwa 800 Millionen US-Dollar 2007 bestellt, 2010 aufgrund von Sanktionen gegen den Iran auf Eis gelegt, nach Abschluß des „Atomdeals“ 2015 zum Export freigegeben. Aufgrund der großen Zeitspanne zwischen Abschluß des Vertrags und der Auslieferung hat Russland dem Iran angeboten, anstelle der inzwischen veralteten S-300 PMU-1 S-300WM-Systeme zu kaufen.[5]
  • KasachstanKasachstan Kasachstan
  • RusslandRussland Russland – 768 S-300PMU-1/2 Startfahrzeuge[6]
  • SlowakeiSlowakei Slowakei
  • SyrienSyrien Syrien - sechs Batterien S-300PMU-2 mit 144 Raketen bestellt[7], aber aufgrund der Syrienkrise nicht ausgeliefert.[8]
  • UkraineUkraine Ukraine
  • VietnamVietnam Vietnam – zwei Batterien S-300PMU-1 mit je sechs Startfahrzeugen.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: S-300PMU2 (SA-20 Gargoyle) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. S-300P (SA-10 Grumble/SA-20 Gargoyle). Missile Threat, 25. April 2013, abgerufen am 13. Mai 2015.
  2. Algeria - Air Force - Modernization. GlobalSecurity.org, abgerufen am 13. Mai 2015.
  3. a b Trade Register. SIPRI, abgerufen am 13. Mai 2015.
  4. S-300 PMU1. Hellenic Air Force, abgerufen am 13. Mai 2015.
  5. Moskau hebt Lieferstopp gegen Iran auf. Frankfurter Allgemeine, 13. April 2015, abgerufen am 13. Mai 2015.
  6. The Military Balance 2010. p.222,223
  7. Verfügt Assad jetzt über Russlands neueste Rakete? Die Welt, 30. Mai 2013, abgerufen am 13. Mai 2015.
  8. Russland stoppt brisante Waffenlieferungen an Syrien. Spiegel Online, 31. August 2013, abgerufen am 31. August 2013: „Die geplanten Lieferungen von zwölf MiG-29M/M2, sechs Raketenabwehrsystem S-300 PMU-2 und 36 Trainingsflugzeugen Jak-130 seien auf Eis gelegt worden.“
  9. Russian missiles to guard skies over Vietnam. Asia Times, 5. September 2003, abgerufen am 13. Mai 2015.