Savognin

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Savognin
Wappen von Savognin
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Albulaw
Kreis: Surses
BFS-Nr.: 3539i1f3f4
Postleitzahl: 7460
Koordinaten: 765597 / 16300446.5977729.5999921207Koordinaten: 46° 35′ 52″ N, 9° 36′ 0″ O; CH1903: 765597 / 163004
Höhe: 1'207 m ü. M.
Fläche: 22.24 km²
Einwohner: 1011 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 45 Einw. pro km²
Website: www.savognin-gr.ch
Savognin im Winter

Savognin im Winter

Karte
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Savognin (deutsch, veraltet und bis 1890 offiziell Schweiningen, rätoromanisch Savognin, im örtlichen Dialekt Suagnign, italienisch, selten gebraucht, Savognino) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Albula des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Das Dorf ist Hauptort des Kreises Surses und im Sommer wie im Winter ein beliebter Fremdenverkehrsort. Amtssprache ist das rätoromanische Idiom Surmiran.

Name[Bearbeiten]

Die Bedeutung des Namens ist unklar. 1154 wird der Ort als Swainingen erwähnt, 1156 als Suanneng, 1379 Schweining. Als Ausgangsform muss Suanin angenommen werden, das mit dem nicht lokalisierten rätischen Stammesnamen Suanetes in Verbindung gebracht werden kann. [2][3]. Der Name Sevgein ist gleicher Herkunft.

Geographie[Bearbeiten]

Savognin liegt inmitten der weiten Mulde Sotgôt, des unteren Teils der Talschaft Surses (dt. Oberhalbstein).

Das Gemeindegebiet umfasst einen Ausschnitt des Haupttales zwischen dem Piz Arblatsch (3203 m, höchster Punkt der Gemeinde) im Südwesten und dem Piz Mitgel (3159 m) im Nordosten. Wie die drei alten Kirchen bezeugen, entstand das Dorf aus mehreren Kernen: am Fluss Julia, am flach ansteigenden linksseitigen Hang und entlang der rechtsseitig erhöht verlaufenden Hauptstrasse. Die starke Bautätigkeit zwischen 1965 und 1975 schloss die Lücken zwischen den Dorfteilen und weitete auch die Siedlungsfläche auf der rechten Talseite erheblich aus.

Im Jahr 1997 wurden 32.7 % der Gemeindefläche landwirtschaftlich genutzt, der Wald nahm 36.2 % ein, die Siedlungen 3.0 %. Als unproduktiv galten 28.2 %.

Nachbargemeinden sind Cunter, Tiefencastel, Filisur, Tinizong-Rona, Mulegns und Riom-Parsonz.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf dem Hügel Padnal südlich des Ortes lag eine bedeutende Siedlung der Bronzezeit. In mehreren Grabungen geborgene Fundstücke belegen Dorfanlagen aus verschiedenen Epochen, etwa zwischen 1800 und 1000 v. Chr. Etwas höher als Padnal liegt die Fundstätte Rudnal, bei der man ein prähistorisches Refugium vermutet.

Mindestens seit der Römerzeit führten über die Pässe Julier und Septimer wichtige Transitrouten. Savognin kam im 13. Jahrhundert in den Besitz des Bischofs. Als Teil des Gerichts Oberhalbstein, zu dessen Hauptort und Landsgemeindeplatz sich Savognin entwickelte, wurde der Ort Mitglied des Gotteshausbundes. Mit dem Loskauf von 1552 erlangte die Talschaft die volle Souveränität innerhalb des Freistaats der Drei Bünde.

Viehwirtschaft und Passverkehr bildeten seit dem Mittelalter die wirtschaftliche Grundlage. Nach Zeiten des Aufschwungs – beispielsweise nachdem der Crap Ses 1777 gesprengt und die Julierstrasse zwischen 1820 und 1840 ausgebaut worden waren – folgten immer wieder Rückschläge, zuletzt durch die übermächtige Konkurrenz der 1882 eröffneten Gotthardbahn. Savognin wurde auf die Stufe eines Bauerndorfes zurückgeworfen und verpasste zunächst den Anschluss an die touristische Entwicklung. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auf Grund des 'Gesetzes zur Bekämpfung der Heimatlosigkeit' jenische Familien eingebürgert. Erst ab 1960 begann der Aufstieg zum Fremdenverkehrsort, wobei der Bau von Hotels, Ferienwohnungen und Seilbahnen das Ortsbild nachhaltig veränderte.

Savognin rechts der Julia mit Kirche Son Mitgel und Juliabrücke Sot Curt von 1682
Savognin links der Julia mit Kirchen Nossadonna und Son Martegn

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Rot, geteilt durch silberbordiertes blaues Flussband, oben zwei, unten eine silberne Glocke.

Das Wappen symbolisiert die Lage am Fluss und die drei Kirchen des Dorfes.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1643 1802 1850 1900 1930 1950 1980 1990 2000 2005 2010
Einwohnerzahl 430 365 469 444 516 766 852 877 882 982 960

Sprachen[Bearbeiten]

Ursprüngliche Sprache der Einheimischen ist das Surmeirisch , eine regionale Mundart des Rätoromanischen. Die Gemeinde war sowohl 1880 mit 96,2 % wie auch 1910 mit 91,61 % Romanischsprachigen beinahe einsprachig. Dieser Wert sank danach bis 1941 auf 81,1 %. Seither verliert das Romanische durch Zuwanderung und seit 1980 durch Sprachwechsel massiv an Boden. 1970 waren noch 66,59 % Rätoromanen, heute rund die Hälfte der Bevölkerung. Die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in Savognin
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 212 24,88 % 274 31,24 % 323 36,62 %
Rätoromanisch 562 65,96 % 546 62,26 % 468 53,06 %
Italienisch 42 4,93 % 25 2,85 % 32 3,63 %
Einwohner 852 100 % 877 100 % 882 100 %

Rätoromanisch wird noch von 70,1 % der Einwohnerschaft verstanden und ist einzige Behördensprache.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten]

Von den 982 Bewohnern am Ende des Jahres 2005 waren 854 (= 86,97 %) Schweizer Staatsangehörige.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Als Sitz von Kreisverwaltung, Kreisspital und Sekundarschule bildet Savognin das Zentrum des Tales. In der Landwirtschaft waren 71 Personen tätig, im produzierenden Gewerbe 122 und im Dienstleistungssektor 423.

Wichtigster Erwerbszweig ist der Tourismus mit jährlich etwa 200'000 Logiernächten. Mehrere Seilbahnen erschliessen die Skigebiete am Piz Martegnas und im Val Nandro. Der Lai Barnagn wird im Sommer als Badesee auf dem Parkplatz der Seilbahn aufgestaut und erwärmt sich deshalb schnell auf angenehme Badetemperaturen, er gilt deshalb als einer der wärmsten Badeseen der Alpen.

Verkehr[Bearbeiten]

Savognin liegt an der Hauptstrasse 3 von Chur über Lenzerheide und Julierpass ins Engadin. Auf dieser Route verkehrt auch eine Postautolinie. Die meisten Kurse enden in Bivio, einzelne fahren bis nach St. Moritz. Eine weitere Postautoverbindung besteht zu den umliegenden Dörfern Riom, Parsonz und Salouf.

Kirche Son Martegn

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Savognin besitzt drei katholische Kirchen aus der Barockzeit.

  • Die Pfarrkirche Nossadonna (Maria Empfängnis) wurde 1643 geweiht, die äussere Erscheinung ist an gotische Vorbilder angelehnt, die Ausmalung stammt von 1663[4].
  • Die Kirche Son Martegn ist ein Neubau aus dem Jahr 1677; der Zentralbau mit kreuzförmigem Grundriss enthält ein monumentales Deckengemälde von 1681 des Malers Carlo Nuvolone aus Mailand[5].
  • Die Kirche Son Mitgel wurde 1663 neu erbaut; der achteckige Zentralbau mit älterem Turm enthält im Innern Altäre von 1693/94[6].
  • Ein moderner Sakralbau ist die reformierte Kirche Savognin.
  • Weiterhin sind einige stattliche Bürgerhäuser sehenswert, wie das Haus Peterelli an der Hauptstrasse,
  • das nahe der Pfarrkirche gelegene Haus Amilcar mit süddeutsch beeinflusstem Fachwerk[7].
  • Das Wohnhaus (Museum)[8]; in diesem Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert wurde 1982 ein Regionalmuseum eingerichtet.
  • Hotel Cube, Architekten: Carlo Baumschlager, Dietmar Eberle[9]
  • Die Juliabrücke im Dorfteil Sot Curt stammt aus dem Jahr 1682.
Segantinis Wohnhaus in Savognin

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Der Maler Giovanni Segantini lebte von 1886 bis 1894 in Savognin und entwickelte dort seinen eigenen Stil. Berühmt wurden seine Landschaftsbilder mit den Bergen Piz Curvér und Piz Toissa im Hintergrund. Die mehrtägige Wanderung «Senda Segantini» verbindet Stationen aus dem Leben des Malers [10].

Barbara Uffer (1873–1935), das Kindermädchen der Familie des Malers, war auch dessen Modell und eine der wichtigsten Personen in seinem Leben und Schaffen. Sie wurde in Savognin geboren.

Swiss Irontrail[Bearbeiten]

Savognin ist Durchgangsort des Gebirgslaufs Swiss Irontrail.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Savognin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Andrea Schorta: Wie der Berg zu seinem Namen kam Terra Grischuna Verlag, Chur 1999
  3. Andrea Schorta: Rätisches Namenbuch , Band II Etymologien (1985), S. 829
  4. Katholische Pfarrkirche Mariä Empfängnis
  5. Alte katholische Pfarrkirche St. Martin
  6. Katholische Kirche St. Michae
  7. Haus Amilcar
  8. Wohnhaus (Museum)
  9. Hotel Cube
  10. Wandern in der Schweiz auf den Spuren von Giovanni Segantini durch Savognin, Graubünden