Saxon (Band)

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Saxon
Saxon auf dem Sonisphere Festival in Pori, Finnland (2009)
Saxon auf dem Sonisphere Festival in Pori, Finnland (2009)
Allgemeine Informationen
Genre(s) Heavy Metal, NWoBHM
Gründung 1979 (1976-78 Son Of A Bitch)
Website http://www.saxon747.com/
Gründungsmitglieder
Peter „Biff“ Byford
Steve „Doobie“ Dawson (bis 1986)
Graham Oliver (bis 1995)
Gitarre
Paul Quinn
Pete Gill (bis 1981)
Aktuelle Besetzung
Gesang
Peter „Biff“ Byford
Bass
Tim „Nibbs“ Carter (seit 1988)
Gitarre
Doug Scarratt (seit 1995)
Gitarre
Paul Quinn
Schlagzeug
Nigel Glockler (1981–1987, 1988–1998, seit 2005)
Ehemalige Mitglieder
Bass
Paul Johnson (1986–1988)
Schlagzeug
Nigel Durham (1987–1988)l
Schlagzeug, Percussion
Fritz Randow (1998–2004)
Schlagzeug, Percussion
Jörg Michael (2004–2005)

Saxon ist eine 1979 in Barnsley (Yorkshire, England) gegründete Heavy-Metal-Band. Als Vorreiter der New Wave of British Heavy Metal hatten sie Anfang der 1980er Jahre eine kurze Phase mit Top-40-Platzierungen in den Charts in Großbritannien und auch Erfolg im restlichen Europa und Japan.

Bandgeschichte[Bearbeiten]

Gitarrist Doug Scarratt beim Sofia Rocks 2011

Die Gründungsmitglieder waren Peter „Biff“ Byford (Gesang), Paul Quinn, Graham Oliver (beide Gitarre), Steve Dawson (Bass) und Pete Gill (Schlagzeug). Kurz nach der Gründung benannten sie die Band von Son of a Bitch in Saxon (EnglischSachse‘) um und unterstützten bekanntere Bands wie Motörhead auf deren Tourneen.

1979 unterschrieb die Band einen Vertrag bei Carrere und veröffentlichte im selben Jahr ihr Debütalbum unter dem Titel Saxon. 1980 folgte Wheels of Steel mit den beiden Singles Wheels of Steel und 747 (Strangers in the Night). Im September desselben Jahres folgte Strong Arm of the Law.[1] Der Chart-Erfolg setzte sich mit Singles vom nächsten Album Denim and Leather fort. Zu diesem Zeitpunkt stand Saxon an der Spitze der New Wave of British Heavy Metal (NWoBHM).

Eine lange Serie von Headliner-Touren durch Großbritannien setzte den Erfolg fort, in den US-Markt konnten sie jedoch nie vordringen. Das 1983 veröffentlichte Album Power & the Glory nahm die Band in den USA mit Jeff Glixman, dem Produzenten von unter anderem Kansas und Gary Moore auf. Mit dem Album Crusader von 1984 versuchte die Band, ihre Musik stärker auf kommerzielle Interessen auszurichten. Der kommerzielle Erfolg blieb aus, ein großer Teil der ursprünglichen Fans ging durch diese Stiländerung verloren, und statt des erhofften Durchbruchs kam der Einbruch. Die nächsten Alben erreichten zwar noch die britischen Album-Charts, jedoch mit zunehmend schlechterer Platzierung, Destiny (1988) war das letzte Album, das überhaupt noch die Charts in der Heimat von Saxon erreichte.

Im Laufe der Zeit besannen sich die Band zwar wieder auf ihre Wurzeln, jedoch traten sie aus dem Schatten anderer NWoBHM-Größen wie Iron Maiden oder Judas Priest nie mehr richtig heraus. Dennoch konnten sie eine solide Fan-Gemeinde zurückgewinnen, sodass sie heutzutage auf Festivals meistens als einer der Hauptacts genannt werden.

Musikstil und Texte[Bearbeiten]

Mit ihren Frühwerken gehörte die Band „zur Speerspitze der NWOBHM, die Anfang der Achtziger die eingerostete Hardrock-Szene aufmischte“.[2] Eduardo Rivadavia von Allmusic bezeichnete das Debüt Saxon als „Ruhe vor dem Sturm“ und „Kostümprobe“ für die späteren Erfolge; da ihre Plattenfirma Carrere nicht gewusst habe, wie sie einen Heavy-Metal-Klang auf Band festhalten könne, deute das Album Saxons wahre Persönlichkeit, Stärke und ihr kompositorisches Potential mit Liedern wie Judgement Day, Militia Guard und Stallions of the Highway, der ersten ihrer zahlreichen Rocker-Hymnen, nur an. Die Eröffnung des Albums mit dem progressive-rock-lastigen Rainbow Theme/Frozen Rainbow und die glam-rock-lastigen, an T. Rex erinnernden Stücke Big Teaser und Still Fit to Boogie lassen laut Rivadavia an der musikalischen Ausrichtung zweifeln.[3] Er bezeichnete das Debüt als enttäuschend.[4] Fenriz von der norwegischen Band Darkthrone hingegen erklärte im Magazin Rock Hard: „Wenn ich mir was wünschen könnte, würden DARKTHRONE wie die coolen Saxon-Songs vom ersten Album klingen - aber das ist ja unmöglich. Fuck!“[5] Biff Byford geht davon aus, dass „einige unserer besten Texte auf unserem ersten Album sind, weil ich früher noch die meisten Texte selbst geschrieben habe. Dann entschieden wir uns dazu, bei einigen Songs eine demokratischere Arbeitsweise einzuführen“.[6] Byfords Interesse für den Krieg entsprechend, hat die Band ihm zufolge „immer gute Songs über den Krieg geschrieben“.[6]

Frank Albrecht vom Rock Hard bezeichnet einen Teil des Materials auf Wheels of Steel als „echt brutal […]. ‚Freeway Mad‘, ‚Street Fighting Gang‘ oder das alles zermalmende ‚Machine Gun‘ mit seinem Dauer-Doublebass-Sperrfeuer waren im Prinzip nichts anderes als roher Speed Metal. Den Gegenpol dazu bildeten einfühlsame, melodiöse Hymnen wie ‚Suzie Hold On‘ und ‚747 (Strangers In The Night)‘.“[2] Letzteres handelt von einer Notlandung. Rivadavia bezeichnete Motorcycle Man als eine der Signaturhymnen der New Wave of British Heavy Metal und als Proto-Speed-Metal-Klassiker, der ebenso wie Freeway Mad und das Titellied erneut Rocker-Themen behandelt.[4] Quorthon von der schwedischen Band Bathory gab an, die Grundlage des Lieds Woman of Dark Desires vom Album Under the Sign of the Black Mark aus Saxons Machine Gun gestohlen zu haben. Er bezeichnete die Alben Wheels of Steel und Strong Arm of the Law als stark unterbewertet.[7] Wenngleich das auf letzterem enthaltene Heavy Metal Thunder einer der ersten Liedtitel mit den Worten Heavy Metal ist, kam ihr die Band Holocaust mit dem bereits im Januar 1980 veröffentlichten Heavy Metal Mania zuvor, da Strong Arm of the Law im September 1980 veröffentlicht wurde.[1] Im Titellied behandelte die Band ihre Erfahrungen mit der Verkehrspolizei auf ihrer ersten US-Tournee und in Dallas 1 PM die Ermordung von John F. Kennedy. Rivadavia bezeichnet Hungry Years als ausdruckslos, und das Album habe weniger Höhepunkte als der Vorgänger; allerdings sei es für viele Anhänger und Kritiker das definitive Saxon-Album, das wie der Vorgänger in kaum einer Liste der zehn besten NWoBHM-Alben fehlen dürfte.[8]

Als unverzichtbar bezeichnete Albrecht auch die folgenden Alben Denim and Leather und Power & the Glory; bei ersterem stimme „nun wirklich alles: Alleine der Opener ‚Princess Of The Night‘ (vielleicht der größte Band-Hit aller Zeiten) raubt einem den Atem - genau wie ‚Never Surrender‘, ‚And The Bands Played On‘ und die unsterbliche Hymne an die eigenen Fans, das Titelstück, unersetzliche Bestandteile eines SAXON-Konzerts sind.“ Er hob auch Midnight Rider hervor, in dessen Text Byford die Erinnerung an die erste US-Tournee textlich verarbeitete. Bei Power & the Glory hob Albrecht den „fast schon thrashigen“ Titel This Town Rocks hervor.[2]

Die Band entwickelte sich „eine Weile in Richtung Mainstream“[2]; mit Crusader und Innocence Is No Excuse näherte die Band sich optisch wie musikalisch dem in Europa ankommenden Glam-Metal-Trend aus den USA an[9]. Crusader enthielt laut Albrecht außer dem Titellied viel mittelmäßiges Material.[10] Innocence Is No Excuse hingegen bezeichnete er als empfehlenswert; die Produktion sei „etwas arg amerikanisch ausgefallen. Vor allem der Drumsound erinnert stark an diese beschissenen, künstlichen und aufgeblasenen Produktionen, die damals vor allem Def Leppard fuhren.“ Ansonsten handle es sich um eine „formidable Platte“, auf der die Band „melodiöser als jemals zuvor“ spiele und mit Rock ‘n’ Roll Gypsy, Back on the Streets und Call of the Wild „ganz großartiges Radiofutter“ liefere.[10] Während die frühen Alben mit einem schnelleren Stück endeten, tendierte die Band später dazu, „gegen Ende etwas mit der Geschwindigkeit herunterzugehen“.[6]

Für Destiny schrieb Byford wieder eigene Texte. „Die Gefühle sind tiefer, viel persönlicher. Wenn die ganze Band ihren Teil dazu beiträgt, ist es weitaus schwieriger, einen Song zusammenzustellen, versteht Du?“[6] Destiny enthält neben dem Cover Ride Like the Wind mit Where the Lightning Strikes ein Lied über „eine Reise durch das Leben. […] Es geht um das Schicksal eines jeden einzelnen, egal ob Du nun Journalist oder Bergbauarbeiter bist.“[6] Mit Can’t Wait Anymore ist ein Liebeslied enthalten, das von einem Partner handelt, „der/die Dir eine ganze Reihe von Schwierigkeiten bereitet“, wohingegen das Byford Vater gewidmete Calm Before the Storm von den Kohleminen in Yorkshire, den Fischerei-Flotten und Ökologie handelt. S.O.S. handelt vom Untergang der Titanic und spielt auf die Menschheit an, die an die Stabilität des Schiffes glaubte, womit die Band die Botschaft übermitteln will, „daß wir nichts als selbstverständlich hinnehmen sollen“. Song for Emma bezieht sich auf ein Mädchen, das die Band in den USA kennenlernte und das Suizid verübte. For Whom the Bell Tolls handelt von der Berliner Mauer, die damals noch stand und deren Einsturz Byford begrüßt hätte. Der Titel We Are Strong soll laut Byford „nicht protzig klingen, wir wollen damit nur ausdrücken, daß wir als eine Gruppe stark sind. […] Viele Leute haben geglaubt, daß wir nichts mehr machen würden, weil man so lange nichts von uns gehört hatte. Dabei haben wir die ganze Zeit über gearbeitet, wir waren nur nicht in den Medien.“ Jericho Siren handelt von den Bombenangriffen auf Polen im Zweiten Weltkrieg. Red Alert handelt von Tschernobyl; zum Zeitpunkt des GAU befand die Band sich in Polen nahe der russischen Grenze, wurde jedoch von niemandem über den Vorfall informiert, bis sie wieder in Großbritannien angekommen war. Insgesamt ist Destiny Byford zufolge „ein Album […], dassich [sic!] ganz langsam aufbaut; das heßt, daß es Atmosphäre hat. Aus diesem Grund haben wir auch nicht alle schnellen Songs auf die erste, sondern einige auch auf die zweite Seite gepackt.“ An die frühen Alben anknüpfend, endet es wieder mit einem schnellen Stück.[6]

1990 kehrte die Band laut Albrecht „wieder auf den rechten schwermetallischen Pfad“; seitdem sei sie „ein fester Bestandteil unserer Szene“. „Auch und gerade live“ sei sie „nicht zuletzt dank ihres außergewöhnlichen Frontmanns Biff und ihrem Hang zu ausufernden, mehrstündigen Sets eine absolute Bank“.[2]

Diskografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Saxon/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[11]
DE AT CH UK US
1979 Saxon
1980 Wheels of Steel 5
(29 Wo.)
1980 Strong Arm of the Law 11
(13 Wo.)
1981 Denim and Leather 9
(11 Wo.)
1983 Power and the Glory 15
(9 Wo.)
155
(10 Wo.)
1984 Crusader 26
(7 Wo.)
18
(7 Wo.)
174
(5 Wo.)
1985 Innocence is no Excuse 36
(4 Wo.)
130
(8 Wo.)
1986 Rock the Nations 34
(3 Wo.)
149
(6 Wo.)
1988 Destiny 28
(2 Wo.)
49
(2 Wo.)
1991 Solid Ball of Rock 28
(3 Wo.)
1992 Forever Free 58
(5 Wo.)
1995 Dogs of War 55
(8 Wo.)
43
(1 Wo.)
1997 Unleash the Beast 61
(5 Wo.)
1999 Metalhead 40
(2 Wo.)
2001 Killing Ground 26
(2 Wo.)
2004 Lionheart 44
(2 Wo.)
62
(2 Wo.)
2007 The Inner Sanctum 36
(3 Wo.)
89
(1 Wo.)
2009 Into the Labyrinth 23
(4 Wo.)
53
(2 Wo.)
61
(1 Wo.)
2011 Call to Arms 18
(3 Wo.)
55
(1 Wo.)
37
(2 Wo.)
2013 Sacrifice 14
(… Wo.)
54
(… Wo.)
51
(… Wo.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saxon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Matthias Mader: Holocaust. Falsch verbunden. In: Rock Hard, Nr. 315, August 2013, S. 61.
  2. a b c d e Frank Albrecht: Seziertisch. In: Rock Hard, Nr. 309, Januar 2013, S. 74.
  3. Eduardo Rivadavia: Saxon - Saxon, abgerufen am 18. August 2013.
  4. a b Eduardo Rivadavia: Wheels of Steel - Saxon, abgerufen am 18. August 2013.
  5. Frank Albrecht: Darkthrone. Das Wort zum Sonntag. In: Rock Hard, Nr. 310, März 2013, S. 56.
  6. a b c d e f Pete Makowski: In His Own Words. In: Metal Hammer/Crash, Nr. 5, Mai 1988, S. 30.
  7. Bathory - Under the sin, abgerufen am 18. August 2013.
  8. Eduardo Rivadavia: Strong Arm of the Law - Saxon, abgerufen am 18. August 2013.
  9. Jenny Rönnebeck: Hair Metal. »Wir wollten nicht nur Image sein«. In: Rock Hard, Nr. 310, März 2013, S. 41.
  10. a b Frank Albrecht: Seziertisch. In: Rock Hard, Nr. 309, Januar 2013, S. 75.
  11. Chartquellen: DE AT CH UK US