Schlacht bei Le Mans

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Schlacht bei Le Mans
Datum 10.–12. Januar 1871
Ort Le Mans, Arrondissement Le Mans, Département Sarthe
Ausgang Deutscher strategischer Sieg
Konfliktparteien
Preussen KonigreichKönigreich Preußen Preußen Zweites KaiserreichZweites Kaiserreich Frankreich
Befehlshaber
Preussen KonigreichKönigreich Preußen Friedrich von Preußen Zweites KaiserreichZweites Kaiserreich Antoine Chanzy
Truppenstärke
58.000 Mann Infanterie, 15.000 Mann Kavallerie, 324 Geschütze 150.000 Mann
Verluste
ca. 3.418 Tote und Verwundete 7.000 Tote und Verwundete, 22.000 Gefangene, 50.000 Deserteure

Die Schlacht bei Le Mans (französisch Bataille du Mans genannt) vom 10. bis 12. Januar 1871 zwischen der französischen Loirearmee und der zweiten Armee des Kronprinzen Friedrich war eine Schlacht des Deutsch-Französischen Krieges und endete mit einem strategischen deutschen Sieg.

Aufbau der Armeen[Bearbeiten]

General Antoine Alfred Chanzy

Nach der Schlacht bei Orléans und dem Verlust der Stadt wurde die französische erste Loirearmee unter General de Paladines in zwei Teile aufgespalten und de Paladines von seinem Kommando enthoben. Aus den beiden Teile bildeten sich die Armée de l’Est unter Bourbaki und die so genannte zweite Loirearmee unter Chanzy. Kern dieser Armee waren das XVI., das XVII. und das XXI. Korps. Dazu stießen einzelne Einheiten aus den anderen Korps der ersten Loirearmee. Die Armee erhielt in den nächsten Wochen noch erheblichen Zulauf an Kriegsfreiwilligen. Von den insgesamt 150.000 Soldaten Anfang Januar war ein Drittel ohne jegliche Kampferfahrung, das XXI. Korps hatte an den Kämpfen um Orléans nicht teilgenommen.

Auf deutscher Seite stand die zweite Armee des Prinzen Friedrich Karl von Preußen. Diese bestand Anfang Januar 1871 aus dem III. Korps unter von Alvensleben, dem X. Korps unter von Voigts-Rhetz, dem XIII. Korps unter Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg, der 18. Infanteriedivision vom IX. Korps (von Manstein) und vier Kavalleriedivisionen (1., 2., 4. und 6.). Bis Ende Dezember gehörte statt des X. Korps noch das Bayerische Korps unter von der Tann zu diesem Verband. Dieses Korps musste aber nach einem ununterbrochenen Kampfeinsatz von drei Monaten abgelöst werden und ging zurück nach Orléans und dann zur Zernierungsarmee beim belagerten Paris.

Erster Vorstoß auf Le Mans, November 1870[Bearbeiten]

Nach der Schlacht bei Coulmiers wurde das I. Bayerische Korps durch die Armeegruppe des Großherzogs von Mecklenburg verstärkt. Allerdings wurde im Oberkommando in Versailles davon ausgegangen, dass die Hauptkräfte der Franzosen im Raum Le Mans stehen würden. Ursache dieser Fehleinschätzung war unter anderem ein Gefecht bei Dreux. Daher ging der Großherzog in Richtung Le Mans vor, wobei er aber statt auf französische Linientruppen nur auf Freischärler der Franc-tireur traf, die seine Bewegungen erheblich behinderten, ohne dass eine Schlacht geschlagen wurde. Die im Gebiet um Le Mans stehenden Linientruppen (XXI. Korps plus Einheiten aus der Bretagne) wichen den Kämpfen aus. Die Loirearmee ihrerseits blieb fast den ganzen November über bei Orléans stehen und verbesserte die Ausbildung ihrer Soldaten. Ende November befand sich der Großherzog bereits wieder auf dem Weg nach Süden in Richtung auf die Loire. Er traf hier rechtzeitig ein, um an den Kämpfen um Orléans teilnehmen zu können. Das französische XXI. Korps verließ seine Stellungen bei Le Mans nicht und nahm daher an den Kämpfen an der Loire nicht teil.

Prinz Friedrich Karl von Preußen

Von Orléans nach Vendôme[Bearbeiten]

Obwohl die Preußen nach eigenen Angaben unmittelbar nach der Eroberung von Orléans mit der Verfolgung begannen[1] konnte sich die Loirearmee recht geordnet in Richtung auf Le Mans zurückziehen und verwickelte die Preußen dabei in eine Reihe von Rückzugsgefechten. So kam es am 7. Dezember zu einem ersten Treffen (Meung bzw. Nevoy bei Gien) und am 8. Dezember gingen die Franzosen in der Schlacht bei Beaugency sogar zu einem begrenzten Gegenangriff über, mussten aber ihre Stellungen letztlich räumen, als das IX. Korps unter von Manstein ihnen den Rückzug abzuschneiden drohte[2]. Bei Beaugency hatten sich die Korps aus Orléans mit den jetzt aus Le Mans vorrückenden Truppen vereinigt, so dass eine Einheit von wiederum über 100.000 Mann entstanden war. Da zu diesem Zeitpunkt Tauwetter mit starkem Regen einsetzte, waren größere Bewegungen nur schwer möglich. Diese Phase wurde von den Deutschen auch zur Umorganisation ihrer Einheiten genutzt[3]. Die Armee des Großherzogs von Mecklenburg verfolgte die Franzosen allerdings weiter und nahm am 13. Dezember Blois und nach weiteren kleineren Gefechten auf dem Weg schließlich am 17. Dezember kampflos Vendôme ein. Dabei wurden bereits viele Gefangene gemacht, besonders unter den Freischärlern[4]. Hier endete vorläufig der weitere Vormarsch, da das Risiko eines weiteren schnellen Vormarsches mit den bereits stark dezimierten und erschöpften eigenen Truppen nicht eingegangen werden sollte.

Kämpfe bis zum 9. Januar 1871[Bearbeiten]

Ende Dezember versammelten sich bei Le Mans insgesamt 150.000 französische Soldaten. Diese wurden weiter ausgebildet und ausgerüstet. Die Ausrüstung der Infanterie war uneinheitlich und oft veraltet, sie bestand teilweise aus Vorderladergewehren. Ziel war es, als Teil eines koordinierten Angriffes auf Paris vorzustoßen. Bevor jedoch die Reorganisation abgeschlossen werden konnte, planten die Preußen ab dem 1. Januar 1871 ihren Vormarsch auf Le Mans, um die 2. Loirearmee endgültig zu zerschlagen. Hierzu wurden bis zum 6. Januar das III., das IX., das X. und das XIII. Korps in und um Vendôme versammelt. Der Vormarsch war durch das schlechte Wetter mit viel Regen, die dadurch aufgeweichten Wege und eine die Verteidigung begünstigende gebirgige Landschaft erschwert. Der Vormarsch musste daher mit den Korps nebeneinander erfolgen. Die Breite des Vormarsches betrug bis zu 100 km. Im Zentrum waren das III. und das IX. Korps, rechts das XIII. und links das X. Korps, das aus Richtung Tours von Süden her vorstieß. Ziel dieser Aufstellung war auch die Umfassung eines eventuell gestellten Gegners. Durch die große Ausdehnung kam es zu Abstimmungsproblemen zwischen den einzelnen Korps.

Der Vormarsch erreichte am 7. Januar Sargé-sur-Braye und am 9. Januar Ardenay-sur-Mérize[5]. Erst unmittelbar vor Le Mans kam es vor dem Fluss Huisne zum großen Zusammentreffen mit den französischen Korps.

Kämpfe am 10. Januar[Bearbeiten]

Die 2. Armee eroberte Changé (Sarthe) am 10. Januar[6], konnte aber die Huisne nicht überschreiten. Die vom langen Vormarsch sehr erschöpften deutschen Truppen konnten gegen die in gut ausgebauten Stellungen liegenden Franzosen lange Zeit keine größeren Geländegewinne erreichen.

Kämpfe am 11. Januar[Bearbeiten]

Die ersten Gefechte begannen gegen 9 Uhr zwischen der 12. Infanteriebrigade aus Brandenburg (6. Division, Buddenbrock) und der Brigade des Oberst Bell (4. Division der XXI. Korps, Division de Bretagne). Bis 11 Uhr[7] hatten die Brandenburger Champagne (Eure-et-Loir) erobert und gingen entlang einer Bahnlinie in Richtung Le Mans vor. Die deutschen Verbände an den Flanken konnten die verbissen verteidigten französischen Stellungen stürmen und erreichten den Vorort Pontlieue, damit war die Huisne überschritten. Am Abend gab daher General Chanzy den Befehl zum Rückzug. Der linke Flügel sollte sich bis nach Alençon zurückziehen[8], das Zentrum und der rechte Flügel sollte eine neue Stellung westlich der Sarthe einnehmen. Dieser Rückzug gelang anfangs unbemerkt von den deutschen Verbänden. In der Nacht auf den 12. Januar eroberte die 20. Division unter Generalleutnant Alexander von Kraatz-Koschlau das große Lager von Conlie[9], wo sich die Vorräte der in der Region Bretagne aufgestellten Einheiten befanden.

Kämpfe am 12. Januar[Bearbeiten]

Der am Vortag erreichte Einbruch wurde ausgeweitet, Pontlieue eingenommen. Yvré-l‘Evrêque wurde gestürmt. Der Rückzug der Franzosen wandelte sich dabei teilweise in eine Flucht. Die Ordnung und Disziplin der Loirearmee löste sich auf und immer mehr Soldaten flohen. Bei einigen Einheiten gelang ein geordneter Rückzug, es zeigten sich große Unterschiede zwischen den Milizen und den regulären Truppen. Die Kämpfe gingen auch in der Stadt Le Mans weiter, wo bis in die Nacht hinein ein Straßenkampf tobte. Diese Kämpfe wurden besonders von der 19. und der 5. Division geführt.

Folgen[Bearbeiten]

Die Loirearmee war komplett geschlagen. Fast ein Drittel aller Soldaten war desertiert, weitere 29.000 Mann waren gefallen, verwundet oder in Gefangenschaft geraten. Der übrig gebliebene Rest zog sich unter Zurücklassung eines großen Teils der Ausrüstung und der schweren Waffen nach Westen in Richtung Laval zurück, das am 16. Januar erreicht wurde. Bei der Verfolgung durch die 6. Kavalleriedivision wurden noch weitere Gefangene gemacht. Die Loirearmee musste neu organisiert werden und stellte nach den schweren Verlusten für die Preußen keine Bedrohung mehr dar. Ein Entsatz von Paris war in absehbarer Zeit nicht mehr möglich und war auch nicht mehr das Ziel von Chanzy. Bis zum Waffenstillstand am 29. Januar kam es zu keinen weiteren größeren Gefechten mit der Loirearmee.

Weblinks und Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ob überhaupt eine Verfolgung stattgefunden hat, wurde z. B. von Engels bezweifelt, weil in dieser Phase kaum Gefangene gemacht wurden
  2. Das IX. Korps war auf der linken (südlichen) Seite der Loire bereits in der Nähe von Blois, ca. 30 km Flussabwärts
  3. Austausch des I. Bayerischen Korps gegen das X. Korps
  4. siehe hierzu Provinzial-Correspondenz, No. 51. , Achter Jahrgang. 21. Dezember 1870
  5. etwa 10 km östlich von Le Mans, entlang der N157
  6. In einigen Quellen wird der 10. Januar nicht zu diesem Gefecht, sondern noch zum Aufmarsch gezählt, daher wird die Schlacht selbst nur mit zwei Tagen angegeben
  7. Oberst Bell ist als einer der ersten Soldaten seiner Brigade gefallen
  8. nördlich von Le Mans, ca. 40 km Luftlinie entfernt
  9. Der Kommandant des Lagers, General Lalande warf Chanzy später vor, dass er mit dem Lager geopfert worden sei, da man nicht ausreichend bewaffnet war, um einen Kampf mit Linientruppen aufnehmen zu können.