I. Königlich Bayerisches Armee-Korps

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Das I. Königlich Bayerische Armee-Korps der Bayerischen Armee wurde 1869 im Zuge der Heeresreform von 1868 in München als Generalkommando (Hauptquartier) für den südlichen Teil des rechtsrheinischen Bayern aufgestellt. Nach der Bildung des III. bayerischen Armee-Korps 1900 umfasste der Korpsbezirk noch den größten Teil Oberbayerns und Niederbayerns und Schwaben.

Unterstellung[Bearbeiten]

Wie alle bayerischen Heeresverbände war das Korps zu Beginn des Ersten Weltkrieges der IV. Armee-Inspektion unterstellt.

Friedensgliederung 1914[Bearbeiten]

Generalkommando[Bearbeiten]

Kriegsgliederung vom 2. August 1914[Bearbeiten]

Stellenbesetzung[Bearbeiten]

  • Kommandierender General: General der Infanterie Oskar Ritter von Xylander
  • Chef des Generalstabes:
  • Generalstab:
    • Major Hans Hemmer
    • Hauptmann Wilhelm Leeb
    • Hauptmann Otto Freiherr von Berchem
    • Hauptmann Karl Deuringer
  • Kommandeur der Pioniere: Major Georg Vogl

Geschichte[Bearbeiten]

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten]

Das I. Armee-Korps nahm unter General von der Tann am Deutsch-Französischen Krieg teil. Hier kämpfte es anfangs in den Schlachten von Wörth, Beaumont und Sedan. Es war die Aufgabe des Bayerischen Korps, den Abtransport der Gefangenen aus Sedan sicherzustellen und die Kriegsbeute abzutransportieren.

Anschließend erfolgte die Verlegung in den Raum südlich von Paris an die Loire, um die Belagerungsarmee von Paris abzuschirmen. Im Raum Orléans sammelten sich zu dieser Zeit neu aufgestellte Französische Korps. Als Verstärkung wurden hierfür die 22. Division, 17. Division und zwei Kavalleriedivisionen zur Verfügung gestellt. Nach dem Gefecht bei Artenay wurde Orléans am 11. Oktober erobert. Die Verstärkungstruppen wurden jedoch bald darauf für andere Aufgaben abgezogen, so dass das I. Bayerische Korps die ersten Kämpfe mit der Loirearmee alleine bestreiten musste. Hierbei ging nach der Niederlage in der Schlacht bei Coulmiers Orléans am 9. November wieder verloren. Das Korps trat am 12. November zusammen mit der 22. Division unter Führung einer neu gebildeten Armeeabteilung unter dem Oberbefehl von Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin. In der Zeit vom Oktober bis Ende Dezember 1870 war das Korps ohne Unterbrechung im Einsatz, davon seit Anfang November fast pausenlos in Gefechte (Villepion, Loigny, Orléans, Beaugency) mit einem meist deutlich zahlenmäßig überlegenen Gegner verwickelt. Die Verluste betrugen alleine im Dezember 5.600 Mann. Eine geplante Rücknahme zur Belagerungsarmee von Paris musste mehrfach verschoben werden, da auf die Bayern nicht verzichtet werden konnte.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 war das Korps der 6. Armee unter Kronprinz Rupprecht unterstellt. Sein Aufmarsch- und Bereitstellungsraum in Lothringen lag westlich von Saarburg. Nachdem die 7. Armee (linker Nachbar des I. Armee-Korps) durch starke französische Angriffe in Bedrängnis geriet, befahl Kronprinz Rupprecht dem Korps, umgehend zur Entlastung Heeringens mit allen verfügbaren Truppenteilen im Verein mit dem XXI. Armee-Korps einen südlichen Flankenstoß in Richtung auf Saint-Dié zu führen. Dabei war das Korps noch nicht einmal mit allen Teilen einsatzbereit; so war erst die Hälfte der Truppen ausgeladen und es fehlten die Kolonnen für den Nachschub von Munition und Verpflegung. Am 10. August 1914 ging das Korps über die Grenze, die 2. bayerische Division des Generalleutnant von Hetzel stand bereits vor Badonviller. Nach einem Tag Ruhe setzte das Korps seinen Angriff fort und konnte Badonviller nehmen. Aufgrund überlegener französischer Kräfte wurde das Korps am 12. August jedoch wieder auf Saarburg zurückgenommen. Am 16. August 1914 erreichte es Saarburg und bildete vorerst die Reserve der 6. Armee.

Schlacht in Lothringen

Während der Schlacht in Lothringen am 20. August 1914 war das I. bayerische Armee-Korps als nördlicher Flügel der 7. Armee unterstellt und trat wieder bei Saarburg mit Stoßrichtung Süden gemeinsam mit dem XIV. Armee-Korps zum Angriff gegen das VIII. und XIII. französische Armeekorps (1. französische Armee) an. Dem Korps gelang es bis zum Abend zwischen Heming-Herzing den Rhein-Marne-Kanal zu erreichen. Am 21. August gingen die Truppen Dubails zurück, die Höhen südwestlich Lörchingen fielen den Bayern in die Hände der weitere Vorstoß erfolgte über Foulcrey und St. Georges. Am 25. August drang das Korps noch bei Baccarat über die Meurthe dann geboten französische Gegenangriffe den Deutschen Halt.

Infolge des Wettlaufes zum Meer wurde das I. bayerische und das XXI. Armee-Korps am 22. September 1914 in die Picardie verlegt und trafen rechtzeitig zur Abwehr französischer Umfassungsangriffe im Raum südlich Peronne ein. In der zweiten Septemberhälfte 1914 wurde hier die neue 6. Armee aufgestellt, so dass das I. Armeekorps wieder unter ihrem Kronprinzen Rupprecht dienen konnte. Am 23. September 1914 mussten trotz verzögertem Eintreffens des Korps notwendige Gegenangriffe bei Péronne geführt werden. Tags darauf überschritten Truppenteile die Somme, mussten jedoch den Angriff abbrechen und überlegene französische Kräfte abwehren. Die rasch herangeführte 3. Bayerische Infanterie-Division brachte am 26. September 1914 Entlastung, aber der Angriff des I. Armee-Korps blieb auf den Vimy-Höhen vor Arras liegen. Das Korps grub sich nach der Verlegung des AOK 6 nach Lille bei Péronne ein und verharrte dort für ein Jahr bei der jetzt dort führenden 2. Armee im Stellungskrieg.

Im Oktober 1915 verlegte das Korps in den Raum Arras und kam wieder unter Führung der 6. Armee. Am 11. Oktober 1915 unternahmen zwei französischen Armeekorps im Rahmen der Herbstschlacht von La Bassée - Arras (23. September bis 13. Oktober 1915) den Versuch, die unterstellte 2. Bayerische Infanterie-Division (Generalleutnant Bernhard von Hartz) im Abschnitt Givenchy bis Thélus zu zerschlagen. Doch brach der französische Angriff schon vor den bayerischen Stellungen zusammen, die wenigen in die Gräben eingedrungenen Franzosen wurden in den Gräben niedergekämpft.

In der Schlacht um Verdun im Jahre 1916 riegelte das Korps am 22. Mai 1916 einen Einbruch französischer Kräfte bei Douaumont ab und konnte durch schneidigen Gegenangriff die alten Stellungen wieder zurückerobern. Bis zum 23. Juni 1916 hatte das Korps schon 5.000 Mann verloren und musste verstärkt werden. Trotz Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte blieb der anschließende Angriff des Armeekorps auf Fleury und die Wabengräben am 1. Juli 1916 im Feuer der französischen Verteidiger liegen. An dem nochmaligen Versuch, dort die Initiative an sich zu reißen, nahm das Korps nicht mehr teil. Am 2. September 1916 wurde das Korps aus der Front herausgelöst. Bis dahin hatte es im Jahr 1916 367 Offiziere und ca. 15.000 Mann verloren.

Im Juli 1918 trat das Korps Mitte Juli 1918 zur Angriffsschlacht in der Champagne an. Es wurde am 23. Juli 1918 nach Courville und Crugny verlegt. Dabei hatte das Armeekorps nach Aufreibung der 14. Infanterie-Division den breiten Einbruch abzuriegeln. Ende August 1918 setzte sich das Korps kämpfend ausweichend hinter die Somme ab.

Kommandierender General[Bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[1]
General der Infanterie Ludwig von und zu der Tann-Rathsamhausen 8. Januar 1869 bis 26. April 1881
General der Infanterie Karl Freiherr von Horn 27. April 1881 bis 2. März 1887
General der Infanterie Prinz Leopold von Bayern 3. März 1887 bis 26. Juni 1892
Generaloberst der Infanterie Prinz Arnulf von Bayern 27. Juni 1892 bis 18. April 1906
Generaloberst der Infanterie Prinz Rupprecht von Bayern 19. April 1906 bis 26. März 1913
General der Infanterie Oskar Ritter von Xylander 27. März 1913 bis 19. Juni 1918
Generalleutnant Nikolaus Ritter von Endres 23. Juni 1918 bis Kriegsende (mit der Führung beauftragt)

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815-1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815-1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1990. ISBN 3-7648-1780-1. S. 653–654.