Schlacht bei Spichern

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Schlacht bei Spichern
Französische und Deutsche Stellungen gegen 18 Uhr am 6. August 1870
Französische und Deutsche Stellungen gegen 18 Uhr am 6. August 1870
Datum 6. August 1870
Ort Spichern, Lothringen
Ausgang Deutscher Sieg
Konfliktparteien
Preussen KonigreichKönigreich Preußen Preußen Zweites KaiserreichZweites Kaiserreich Frankreich
Befehlshaber
Preussen KonigreichKönigreich Preußen Georg von Kameke
Preussen KonigreichKönigreich Preußen Constantin von Alvensleben
Zweites KaiserreichZweites Kaiserreich Charles Frossard
Truppenstärke
weniger als 20.000 etwa 25.000
Verluste
850 Tote, 4000 Verwundete 320 Tote, 1660 Verwundete, 2100 Gefangene

Die Schlacht bei Spichern (auch Schlacht bei Speichern, Schlacht bei Spicheren, in Frankreich auch Bataille de Forbach genannt) am 6. August 1870 war eine Schlacht des Deutsch-Französischen Krieges. Sie wurde nach ihrem Schauplatz, dem Dorf Spichern bei Forbach unweit der deutsch-französischen Grenze bei Saarbrücken, benannt.

Ausgangslage[Bearbeiten]

Nach dem Gefecht am 2. August bei Saarbrücken hatte sich das 2. französische Korps unter General Frossard auf die Höhen von Spichern und unterhalb davon um die Dörfer Stieringen und Schöneck, südlich von Saarbrücken, zurückgezogen und die natürliche Verteidigungsfähigkeit durch Schützengräben und Batterieeinschnitte erhöht. Der festungsartige Rote Berg und das massive Dorf Stieringen-Wendel waren vortreffliche, kaum angreifbare Stützpunkte der Stellung. Aufklärer hatten dem französischen Oberkommando den Vormarsch von Teilen der 1. und 2. Armee unter Karl Friedrich von Steinmetz bzw. Friedrich Karl Nikolaus von Preußen bereits im Vorfeld gemeldet. Frossard war mit dem Ort vertraut, da er das Gelände eingehend studiert hatte. Von seinem Quartier im Forbacher Rathaus stand er mit Marschall François-Achille Bazaine in Sankt Avold in Verbindung.

Erste Kämpfe[Bearbeiten]

Carl Röchling: Erstürmung des Roten Berges

Nachdem am Morgen des 6. August die Vortruppen der 1. deutschen Armee die Saar überschritten hatten, gewannen sie den Eindruck, die Bahnhöfe von Stieringen und Forbach seien nur durch eine einfache Verteidigungslinie geschützt und die französischen Truppen befänden sich auf dem Rückzug. Französische Artillerie bedrohte aber von den Bergen um Spichern aus alle Bewegungen zwischen Saarbrücken und den französischen Stellungen. General Kameke erteilte seiner 14. Division eigenmächtig den Befehl zum Angriff. Das 39. und das 74. Regiment, beide unter dem Kommando des preußischen Generalmajor Bruno von François, zogen die Metzer Straße entlang und stießen am späten Vormittag bei großer Hitze an der Goldenen Bremm und bei Schöneck auf den erbitterten Widerstand französischer Truppen. Am frühen Nachmittag versuchten die Preußen unter großen Verlusten, den Roten Berg zu erstürmen, wobei von François durch mehrere Kugeln getroffen und tödlich verletzt wurde. Nur ein kleiner Teil des Berges konnte besetzt werden; französische Gegenangriffe drohten die Preußen wieder vom Roten Berg zu vertreiben. Erst einige, unter schweren Verlusten an Soldaten und Zugpferden auf den Berg geschaffte, Geschütze der Brandenburgischen 5. Division halfen, die Lage zu stabilisieren.

Angriff der zweiten Armee[Bearbeiten]

Durch Kameke und den Geschützdonner alarmiert, beschleunigten die 5., 13. und 16. Division (Stülpnagel, Glümer, von Barnekow) ihren Vormarsch und griffen ab 15 Uhr in den Kampf ein, der sich bald zu Gunsten der Preußen wendete. Zu diesem Zeitpunkt übernahm der Befehlshaber des III. Armee-Korps, von Alvensleben das Kommando über die Schlacht, die zu einer Niederlage zu werden drohte. Die Franzosen hatten ihrer defensiven Taktik folgend nur begrenzte Gegenangriffe gestartet, so dass die eigentlich bereits geschlagene 14. Division sich sammeln und die Verstärkungen die Initiative übernehmen konnten. Nacheinander wurden die Goldene Bremm, der Rote Berg und der Forbacher Berg eingenommen, während es im Giffertwald zu Nahkämpfen kam. Gegen 19 Uhr befahl Frossard den Rückzug aus Stieringen, aber um das Dorf zogen sich Kämpfe Mann gegen Mann bis in die Nacht hin. Einige preußische Regimenter umgingen die französischen Stellungen im Norden, und es drohte diesen die Einschließung, die nur durch den Rückzug vermieden werden konnte.

Folgen[Bearbeiten]

Zeitnahe Postkarte mit Ehrenmal für das Niederrheinische Füsilier-Regiment Nr. 39

Die Preußen, die schwere Verluste erlitten hatten, organisierten den Abtransport von Toten und Verwundeten nach Saarbrücken, da die Feldlazarette noch nicht eingetroffen waren.

In der Nacht trat Frossard den Rückzug nach Saargemünd an. Am nächsten Morgen besetzten die Preußen kampflos Forbach. Dadurch stand der Weg in Richtung Metz offen.

Der Sieg der Preußen war unvorhergesehen: Moltke und die Heeresleitung waren noch in Mainz, kannten nicht die französischen Stellungen und hatten noch keinen Angriffsbefehl gegeben. Das eigenmächtige Handeln von Teilen der Armee Steinmetz wurde durch diesen später gedeckt. Es war allerdings ein großes Risiko, einen Feind von unbekannter Truppenstärke und in starken Stellungen anzugreifen, das in einer Niederlage hätte enden können, auf jeden Fall aber verlustreich war (850 Tote und 4000 Verwundete von nicht ganz 20.000 preußischen Soldaten; gegenüber 320 Toten, 1660 Verwundeten und 2100 Gefangenen von etwa 25.000 französischen Soldaten).

Ein Grund für den preußischen Sieg war das zögerliche Verhalten der französischen Führung: Frossard wurde am frühen Nachmittag in seinem Quartier in Forbach vom Anrücken der preußischen Verstärkung informiert und bat seinen Vorgesetzten, den Marschall Bazaine (1811 - 1888), Oberbefehlshaber der Armee Lothringen, dringend um Hilfe, nachdem er vorher angebotene Verstärkungen abgelehnt hatte. Bazaine hatte Einheiten in Sankt Avold, nur 30 Eisenbahnkilometer westlich, zögerte aber mit deren Entsendung.

Gedenken[Bearbeiten]

Straßennamen[Bearbeiten]

Im Deutschen Kaiserreich und in späteren Zeiten wurden viele Straßen nach dem Ort der Schlacht benannt. So gibt es eine „Spichernstraße“ seit dem 16. März 1888 in Berlin-Wilmersdorf, nach der auch eine U-Bahn-Station benannt ist, [1] außerdem im Bonner Ortsteil Godesberg-Nord (seit 1933), in Düsseldorf, Essen, Hannover und Köln.

Ehrenmale und Denkmäler[Bearbeiten]

Auf dem Plateau des Roten Berges befinden sich einige Ehrenmale für die Gefallenen der deutschen und französischen Regimenter. Weitere Ehrenmale und Grabstätten befinden sich im Deutsch-Französischen Garten und auf dem Saarbrücker Waldfriedhof. Nur die beiden auf der deutschen Seite befindlichen Ehrenmale sind noch im Originalzustand, bei den Ehrenmalen auf französischem Boden wurden vor Jahren die gusseisernen Adler entfernt. An allen Ehrenmalen befinden sich Tafeln mit den Namen der in Spichern gefallenen Soldaten. Auf dem Saarbrücker Winterberg, der in der Schlacht eine Rolle gespielt hatte, wurde in den Jahren 1872 bis 1874 das Winterbergdenkmal errichtet, von dem heute nur noch der rekonstruierte Sockel erhalten ist.

Eine selbstlose Samariter-Rolle bei der Schlacht spielte Katharine Weißgerber (Schultze Kathrin genannt), eine Haushilfe und Kindermädchen aus Saarbrücken. Sie brachte unter Lebensgefahr auf dem Schlachtfeld zahlreiche deutsche und französische verletzte Soldaten in Sicherheit und versorgte sie mit Wasser, für Sterbende suchte sie im Kugelhagel nach einem Priester. Nach Ende des Krieges erhielt sie von König Wilhelm I. als Anerkennung für ihren selbstlosen Einsatz das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen. Ihr Grab befindet sich auf dem Saarbrücker Ehrenfriedhof im Deutsch-Französischen Garten.

Der Lulustein auf der Bellevue im Stadtteil Alt-Saarbrücken bezeichnet die Stelle, wo nach mündlicher Überlieferung am 2. August 1870 der 14-jährige Napoléon Eugène Louis Bonaparte, der Sohn Napoleons III., zum ersten Mal eine Kanone abgefeuert haben soll. Er markiert zugleich das weiteste Vordringen der französischen Armee.

Saarbrücker Rathauszyklus und Spichern-Museum[Bearbeiten]

Hauptartikel: Saarbrücker Rathauszyklus

„Sturm auf die Spicherer Höhen“ (Schwarzweiß-Reproduktion)
Farbskizze zu „Ankunft König Wilhelms I. in Saarbrücken“ (Deutsches Historisches Museum)
Briefmarke nach dem „Victoria“-Gemälde

Noch während des Krieges hatte es Planungen des preußischen Kultusministers Heinrich von Mühler für einen patriotischen Bilderzyklus gegeben, der der Stadt Saarbrücken aus Dankbarkeit für die Unterstützung in der Schlacht und im Krieg geschenkt werden sollte. Der Bilderzyklus, dessen Ausführung der Maler Anton von Werner übernahm, wurde am 8. August 1880 in einem eigens dafür errichteten saarlartigen Anbau des damaligen Rathauses von Saarbrücken, des heutigen Alten Rathauses, präsentiert.

Der Wandbilderzyklus stellte den von Bruno von François angeführten Sturm auf den Roten Berg, die Ankunft König Wilhelms am 9. August 1870 in Saarbrücken (die, so wie dargestellt, historisch nicht stattgefunden hatte), die „Victoria“ als Allegorie auf die Einigung der deutschen Stämme und Großporträts von Helmuth von Moltke, Otto von Bismarck, Kronprinz Friedrich Wilhelm und Prinz Friedrich Karl dar.

Das „Victoria“-Gemälde diente als Motiv einer Dauerbriefmarkenserie der Reichspost mit repräsentativen Darstellungen des Deutschen Kaiserreichs.

Der Anbau wurde als repräsentativer Sitzungs- und Festsaal genutzt. Nach der Eingliederung des Saargebietes in das Deutsche Reich wurde im Juni 1936 im Ratssaal und einem angrenzenden Raum das Spichern-Museum eröffnet, das im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie die Rolle des Saargebietes als Bollwerk gegen Frankreich darstellen sollte.[2] Das Museum bestand jedoch nur wenige Jahre, da es zu Beginn des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 erstmals und dann im Jahr 1942 endgültig evakuiert werden musste.[3] Das Alte Rathaus und der Anbau wurden wurde beim schweren Bombenangriff auf Saarbrücken vom 5. Oktober 1944 zerstört. Die Bilder konnten jedoch gerettet werden und waren danach auf dem Dachboden des Rathauses St. Johann eingelagert.[4] Die mittlerweile in Privatbesitz befindlichen Gemälde sollen in Zukunft in der „K4 fabrik“ in der Alten Baumwollspinnerei in St. Ingbert dauerhaft präsentiert werden.[5]

Der Bildhauer Wilhelm Schneider modellierte im Jahre 1895 zum 25-jährigen Gedenken der Schlacht zwei lebensgroße Statuen nach dem Bildausschnitt, der von François und den Trompeter zeigt. Die Figurengruppe „Von François mit Trompeter“ wurde als provisorisches Gipsmodell vor der Bergwerksdirektion in St. Johann aufgestellt und danach in den St. Johanner Volksgarten gebracht, wo es lange Jahre stand und ungeschützt der Witterung ausgesetzt mit der Zeit verfiel.[6] Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurden die Reste beseitigt. Eine Ausführung des Denkmals in Bronzeguss scheiterte an der Kostenfrage und der Frage einer möglichen Beteiligung der Stadt St. Johann an der Finanzierung des Projekts.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alle Berliner Straßen und Plätze, Verlag Neues Leben, Berlin 1998, Band 4, S. 93, ISBN 3-355-01491-5
  2. Kl. Holländer: Das Spichern-Museum in Saarbrücken. S. 215.
  3. Kl. Holländer: Das Spichern-Museum in Saarbrücken. S. 218.
  4. Rolf Henkel: Verbannt auf den Dachboden. Die Zeit, Nr. 46, 1975, 7. November 1975, abgerufen am 19. September 2013.
  5. Zeitgenössische Kunst in alten Gemäuern. Stadt St. Ingbert, abgerufen am 24. September 2013.
  6. Rainer Knauf, Christoph Trepesch: Kriegerdenkmäler und Kriegsfriedhöfe. Formen des Kriegsgedenkens im Saarbrücker Raum zwischen 1870 und 1935. In: Lieselotte Kugler (Hrsg.): Grenzenlos. Lebenswelten in der deutsch-französischen Region an Saar und Mosel seit 1840. Historisches Museum Saar, Saarbrücken 1998, ISBN 3-9805574-1-3, S. 156–182.

Literatur[Bearbeiten]

  • George F. R. Henderson: The battle of Spicheren, August 6.th 1870, and the events that preceded it – a study in practical tactics and war training, 1891 (Gale and Poldens military series). Reprint 2009. Helion & Company, Solihull 2009, ISBN 978-1-874622-44-4.
  • Albert Ruppersberg: Saarbrücker Kriegs-Chronik. Ereignisse in und bei Saarbrücken und St. Johann, sowie am Spicherer Berge 1870. Saarbrücken 1895. Reprint 1978. Saarbrücker Bücher, St. Ingbert 1978.
  • Eduard von Schmid: Die Schlacht bei Spichern nach den Angaben des französischen Generalstabswerks (= Das französische Generalstabswerk über den Krieg 1870/71. Band 3). Luckhardt, Berlin u. Leipzig 1904.
  • Klaus Holländer: Das Spichern-Museum in Saarbrücken. In: Ralph Melcher, Christof Trepesch, Eva Wolf (Hrsg.): Ein Bild der Kultur. Die Geschichte des Saarlandmuseums. Gollenstein Verlag, Saarbrücken 2004, ISBN 3-935731-80-9, S. 207–218.
  • Geoffrey Wawro: The Franco-Prussian War. The German Conquest of France in 1870-1871. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2005, ISBN 978-0-521-61743-7.
  • Wulf Wein: Über den Gräbern ist lange schon Ruh'. In: Saarbrücker Zeitung (Beilage „Heimat“) vom 29./30. Mai 2010, Seite H 4
  • Fabian Trinkaus: Nationaler Mythos und lokale Heldenverehrung. Die Schlacht von Spichern und ihre kulturpolitische Rezeption in Saarbrücken während des Kaiserreichs. (= Geschichte und Kultur. Kleine Saarbrücker Reihe 3) Kliomedia. Trier 2013, ISBN 978-3-89890-184-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht bei Spichern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien