Schloss Engers

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Schloss Engers
Ansicht von der Rheinseite
Schloss Engers von Osten aus gesehen

Das Schloss Engers liegt unmittelbar am Rhein im Neuwieder Stadtteil Engers in Rheinland-Pfalz. Der Trierer Erzbischof und Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff ließ es zwischen 1759 und 1764 als Jagd-, Lust- und Sommerschloss nach Plänen von Johannes Seiz erbauen.

Das spätbarocke Schlossgebäude beheimatet heute die Geschäftsstelle der Landesmusik-Stiftung Villa Musica, ein Museumsbereich mit alten Musikinstrumenten und Gemälden kurtrierischer Fürsten sowie im Schlosskeller ein Restaurant.

Geschichte[Bearbeiten]

Grauer Turm, Engers
Wappen des Schloss Engers

Der Trierer Erzbischof Kuno von Falkenstein erwarb 1371 die Stadt Engers und erbaute am Rheinufer die Burg Kunostein. Sein Bruder und Nachfolger Werner von Falkenstein verlegte die Zollstation von Schloss Stolzenfels bei Koblenz nach Engers. Burg Kunostein wurde somit Zollburg. Sie überstand die Zeit des Mittelalters ohne größere Zerstörungen.

Im Jahr 1757 beschloss der damalige Trierer Erzbischof und Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff die Modernisierung der Burg. Dieses Vorhaben wird gedeutet als Reaktion auf die Gründung der Stadt Neuwied. Er änderte sein Vorhaben und ließ im Jahr 1758 die Burg abreißen. Heute ist der Graue Turm der alten Zollstation noch erhalten. Der Architekt Johannes Seiz, der ein Schüler Balthasar Neumanns war, wurde mit der Planung der Arbeiten für ein neues Schloss beauftragt. Unter Beteiligung des Hofstukkateurs Michael Eytel, des Koblenzer Malers Januarius Zick und des Bildhauers Ferdinand Dietz entstand von 1759 bis 1762 das spätbarocke, noch heute gut erhaltene Schloss Engers.

Nur während der Jagdsaison im September eines Jahres hielt sich der Kurfürst im Schloss Engers auf. In der restlichen Zeit stand das Schloss leer und wurde für durchreisende Fremde zur Besichtigung geöffnet. Weitere Lustschlösser ließ der Kurfürst in Wittlich und Molsberg errichten. Johann Philipp von Walderdorff starb 1768. Nach dem Ende des Kurfürstentums wurde das Schloss 1803 dem Fürsten zu Nassau-Weilburg als Sommerresidenz zugewiesen. Nach dem Wiener Kongress wurde Engers preußisch und das Gelände zwischen 1862 und 1914 als Kriegsschule genutzt. In den Kriegszeiten 1870/71 und zwischen 1914 und 1917 diente es als Reservelazarett.

Rheinpromenade Engers (Neuwied) mit Blick auf den efeubewachsenen Grauen Turm, Verwaltungs- und Cafeteriagebäude Heinrich-Haus, Schloss Engers und Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz

Im Jahre 1928 wurde das Gelände an die Josefs-Gesellschaft für Behindertenfürsorge für eine Heim-, Heil- und Lehranstalt verkauft. Es entstand eine orthopädische Klinik, die bis 1988 bestand hatte. Aus der Krankenhausschule entwickelte sich die heutige Christiane-Herzog-Schule, eine Schule für Körperbehinderte. Heute ist das Gelände Werkstatt, Heim-, Begegnungs- und Bildungszentrum zugleich.

1990 wurde das Schlossgebäude vom Land Rheinland-Pfalz übernommen und beheimatet seit 1995 die Landesstiftung Villa Musica.

Dem Schloss flussaufwärts unmittelbar benachbart ist das um 1900 erbaute, neobarocke Wohnhaus der Meister (das so genannte Meisterhaus), die im Heinrich-Haus ausgebildet wurden. Im 2003 renovierten Gebäude befindet sich die Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz.

Nutzung und Veranstaltungen[Bearbeiten]

Rheinterrassen Schloss Engers

Die Landesstiftung Villa Musica nutzt das Gebäude zur Ausbildung junger Musiker im kammermusikalischen Zusammenspiel.

Im Spiegelsaal (Saal der Diana) im 1. Stock, der Wandmalereien und Deckenfresken von Januarius Zick trägt, finden regelmäßig musikalische Aufführungen der Kammermusik statt. Im dazu benachbarten Rosenkabinett finden sich außergewöhnliche Stuckarbeiten von Michael Eytel.

Im Museum des Schlosses sind Gemälde kurtrierischer Fürsten, barocke Möbelstücke und alte Musikinstrumente zu besichtigen.

Am 19. und 21. Mai 2005 wurde mit besonderen Veranstaltungen an den Einzug der Villa Musica ins Schloss Engers zehn Jahren zuvor erinnert.

Verschiedenes[Bearbeiten]

Nach 324 km endet am Schloss Engers der seit 1936 bestehende und 1993 wiedereröffnete Thüringen-Rhein-Wanderweg, der vom Rennsteig am Großen Inselsberg über Oberellen, Bad Hersfeld, Alsfeld, Homberg (Ohm), Staufenberg, Herborn, Westerburg, Höhr-Grenzhausen und Engers führt. Traditionell werfen Wanderer Steine aus dem Thüringer Wald in Engers in den Rhein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Thon, Stefan Ulrich: „... wie ein Monarch mitten in seinem Hofstaate thront“. Burgen am unteren Mittelrhein. Schnell & Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2210-3, S. 64-67 (insbesondere zur Vorgängeranlage Burg Kunostein).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Engers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.42257.5436111111111Koordinaten: 50° 25′ 21″ N, 7° 32′ 37″ O