Kain

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Dieser Artikel erläutert die biblische Gestalt Kain – für anderen Bedeutungen siehe Kain (Begriffsklärung).
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Tizian: Kain und Abel. (1570/76, Santa Maria della Salute, Venedig)
Die Ermordung Abels durch Kain auf einem Gemälde von Jan van Eyck

Kain (hebr.קין‎, arabisch ‏قابيل‎ Kabil) ist gemäß dem biblischen Buch Genesis und dem Koran der erste Sohn von Adam und Eva, den ersten Menschen, die Gott auf der Erde erschaffen hatte. In der biblischen Darstellung Gen 4,1–16 EU erschlug Kain seinen jüngeren Bruder Abel. Der Koran erzählt die Geschichte mit verändertem Akzent und ohne Namensnennung in Sure 5:27–31.[1]

Die biblische Darstellung[Bearbeiten]

„Kains Brudermord“ im Ulmer Münster von Hans Acker, um 1430

In Gen 4,1–24 EU findet sich die biblische Erzählung über Kain und Abel, die ältesten Söhne Adams und Evas. Kain, der Ackerbauer, war neidisch auf seinen Bruder Abel, den Hirten, weil Gott dessen Opfer vorzog. In der Folge kamen ihm böse Gedanken, er hörte nicht auf die Ermahnungen Gottes und erschlug schließlich seinen Bruder. Damit wurde er laut Bibel und Koran zum ersten Mörder. Kain wurde für seine Tat von Gott verstoßen, jedoch als Zeichen für den weiteren Schutz durch Gott mit dem so genannten Kainsmal versehen.

Die Erzählung von Kain und Abel folgt in der Bibel direkt auf die Geschichte vom Sündenfall. Beide Erzählungen sind parallel gestaltet. Während jedoch in der ersten Erzählung ein „vertikales“ Vergehen beschrieben wird (Menschen vergehen sich gegen Gott), wird nun ein „horizontales“ Vergehen beschrieben: Menschen töten sich gegenseitig.

Kain übersiedelte östlich von Eden in das Land Nod, wo er mit seiner – nicht näher beschriebenen – Frau einen Sohn, Henoch, zeugte. Er gründete eine Stadt die er nach seinem Sohn benannte (Gen 4,17 EU). Das Buch der Jubiläen nennt seine Schwester Awan als seine Frau.[2]

Die Darstellung endet mit der Wiedergabe des Stammbaums Kains, durch den das Wachsen der Menschheit verdeutlicht wird. Anders als bei den Nachkommen des Set, des nachgeborenen, dritten Sohns Adams und Evas, werden die Lebensalter dieser Urväter nicht angegeben. Da die Nachkommen Kains bis zur Sintflut aber nur sieben Generationen umfassen – Henoch, Irad, Mehujael, Metuschael, Lamech und dessen Kinder (Gen 4,17–22 EU) – anstatt der neun Generationen nach Set (Gen 5,6–32 EU), müssten die Kainiten ihre genannten Söhne in höherem durchschnittlichen Alter gezeugt haben. Zu Kains Nachkommen gehören Jubal, Stammvater der Zither- und Flötenspieler, Tubal-Kain, Stammvater der Schmiede, und Jabal, Stammvater der Hirten, sowie deren Schwester Naama.

Da laut (GenEU) in der Sintflut alle Menschen außer Noach und seiner Familie umkamen, stellte sich die Frage, wie die Söhne Lamechs zu Begründern wichtiger Berufsgruppen werden konnten. Dies wurde in der jüdischen Tradition beantwortet, indem man die in der Bibel namenlosen Frauen Noachs und seiner drei Söhne Sem, Ham und Jafet zu weiblichen Nachkommen Lamechs erklärte. Allerdings wurden die „Menschentöchter“, die mit den „Gottessöhnen“ die Nephilim zeugten, die Riesen und Helden der Vorzeit, ebenfalls traditionell mit den weiblichen Nachfahren Kains identifiziert, die entweder die Engel zum Abfall von Gott verleiteten, oder die frommen Nachfahren des Set zum Götzendienst verführten.

Noch in der Zeit der geteilten Königreiche von Israel und Juda existierte ein Stamm der Keniter, anscheinend ein Clan von nomadischen Wanderschmieden. Diese führten sich auf Kain zurück (Num 24,21 EU).

Legendarisches[Bearbeiten]

Der Legende nach soll die Bluttat Kains in einer Grotte an dem Berg Jabal Arbain, nordwestlich von Damaskus (Syrien) geschehen sein, an welchem Ort sich aus diesem Grund heute eine kleine Moschee befindet. Das angebliche Grab Abels befindet sich an der heutigen, die Länder Syrien und den Libanon verbindenden Autobahn zwischen Damaskus und Beirut, ca. 30 km vom Jabal Arbain entfernt.

Frühe Rezeptionsgeschichte[Bearbeiten]

In seinen Antiquitates Judaicae beschreibt der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus, wie Kain die von Gott erschaffene einfache Ordnung des Lebens kompliziert machte, indem er Städte mit Mauern errichten ließ und zum Beispiel das Maß erfunden haben soll. Flavius' Darstellung Kains deckt sich streckenweise mit dem biblischen Bericht und teilt mündliche jüdische Tradition mit. Des weiteren beschreibt Flavius Josephus Kain als sehr schlechten Menschen und seine Nachkommen als mordend, vergewaltigend, sich bereichernd.[3] Von den ersten Christen wurde Abels Ermordung als Vorläufer aller Vergehen an Unschuldigen begriffen. Auch die Kreuzigung Jesu wird in diesen Zusammenhang eingereiht (vgl. Mt 23,35 EU; Lk 11,50f. EU) sowie die Christenverfolgungen im Römischen Reich. Im neutestamentlichen Judasbrief EU wird Kain zum Sinnbild des Menschen auf falschem Wege. Nach 1 Joh 3,12 EU stammt Kain vom „Bösen“ ab, was sich mit jüdischen Legenden trifft, die nicht Adam, sondern Satan zum Vater Kains machen. All diese Varianten widersprechen jedoch der biblischen Aussage. Denn hier bleibt der Schutz Gottes über Kain trotz der Tat bestehen.

In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten bezog sich nach Angaben des Kirchenvaters Epiphanius von Salamis die gnostische Sekte der Kainiten auf Kain als Träger der Erkenntnis.

In den Apokryphen ist Kain auch unter dem Namen Adiaphotos zu finden.

In der christlichen Kunst steht die Ermordung Abels durch Kain häufig als Symbol für den Opfertod Jesu Christi.

Neuzeitliche Rezeption[Bearbeiten]

Kain auf der Flucht vor Jahwes Fluch von Fernand-Anne Piestre Cormon ca. 1880, Musée d'Orsay, Paris
  • Die Mystikerrin Anna Katharina Emmerick beschrieb Kain als Stammvater der farbigen Menschen, wobei sie die dunkle Hautfarbe als das Kainsmal beschreibt, das auf den ganzen Leib überging. Auch soll Kain der erste Mensch sein, der Fleisch gegessen hat, da ihm die Erde verflucht worden sei. Er gründete eine Stadt, die nach seinem Sohn Henoch benannt wurde.[4]
  • Lord Byron verfasste 1821 eine dramatische Bearbeitung des biblischen Stoffes unter dem Titel Cain.
  • Charles Baudelaire verfasste 1857 im Rahmen seines Gedichtzyklus Les Fleurs du Mal das anarchistische Gedicht "Abel et Caïn", in dem Kain als Ahnherr aller Ausgestoßenen, Verdammten und insbesondere des Lumpenproletariats dazu aufgerufen wird, den Himmel zu erstürmen und Gott zu Boden zu schleudern, so wie dieser es einst mit Luzifer tat - also jede bestehende Herrschaftsordnung umzuwerfen.
  • Die Komponisten Eugen d'Albert (Kain,1900), Felix von Weingartner (Kain und Abel, 1913) und Rudi Stephan (Die ersten Menschen, bis 1915) bearbeiteten den Stoff für die Opernbühne.
  • Der anarchistische Schriftsteller und Revolutionär Erich Mühsam gab vom April 1911 bis zum Juli 1914 sowie vom November 1918 bis zum April 1919 die politisch-literarische Zeitschrift Kain, Zeitschrift für Menschlichkeit heraus. Weiterhin trägt ein Kapitel in Hermann Hesses Demian den Namen Kain.
  • Die US-amerikanische Schriftstellerin Sydney Bristowe machte Kain in ihrem 1927 publizierten Roman Sargon the Magnificent zum mesopotamischen Herrscher Sargon von Akkad (ca. 2350–2279 v. Chr.).
  • John Steinbeck versetzte die Grundzüge der biblischen Geschichte in seinem Roman Jenseits von Eden in den Kontext Kaliforniens im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
  • In den Romanen von Karl Edward Wagner tritt die Figur des Kain als unsterblicher Krieger Kane auf. Die Strafe Gottes ist dort die Unsterblichkeit. Kain ist dazu verdammt, ewig zu leben und ansehen zu müssen, wie die Menschen, die er liebt, sterben. So wird Kain doppelt bestraft.
  • Jakob Lorber erzählt in den Büchern Die Haushaltung Gottes (3 Bände) von Kain (Cahin) und Henoch und dessen Stadt und einer zuletzt technisch hochstehenden Zivilisation, die durch die (selbst verschuldete) Sintflut untergegangen ist und deren Zentrum dort lag, wo sich heute das Kaspische Meer befindet.[5]
  • Die deutsche Rock-Gruppe Subway to Sally veröffentlichte am 15. April 1996 auf ihrem Album Foppt den Dämon! ein Lied namens Kain, in dem er seinen Bruder aus „Hass, Verzweiflung, Gier und Verrat“ auf dem Feld erschlug. Auch hier erhält Kain als Strafe die Unsterblichkeit.
  • Die schwedische Black-Metal-Band Watain widmete Kain das Lied Hymn to Qayin vom Album Lawless Darkness (2010).
  • Im Pen-&-Paper-Rollenspiel Vampire: The Masquerade von White Wolf ist der biblische Cain der erste Vampir und Urvater aller anderen Vampire. Sein Unleben (der Vampirismus) besteht aus insgesamt drei Strafen, welche von den Engeln Gottes verhängt wurden.[6]
  • In der Spieleserie Legacy of Kain ist die Hauptfigur ein Mann namens Kain, der nach seiner Ermordung als Vampir wiedererweckt wird.
  • In der Spieleserie Command & Conquer: Tiberium wird mehrfach angedeutet, dass sich hinter dem Antagonisten Kane der biblische Kain verbirgt. Die Andeutungen sind unter anderem im Namen der von Kane angeführten Gruppierung "Nod" und im Abspann des ersten Teils zu sehen, in dem aus dem zerstörten Tempel von Nod eine Steinplatte entfernt wird, auf der der Brudermord von Kain an Abel zu sehen ist.
  • In der US-amerikanischen Serie Supernatural (Staffel 9, Folge 11) wird Kain als der „Vater aller Morde“ beschrieben, er sei der erste Mensch, der in der Hölle zum Dämonen wurde bzw. wurde er durch einen Pakt mit Luzifer zum ersten Dämonen gemacht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Online Qoran Project (OQP): Al-Maaida (Sure 5)
  2. apokryphen.diebibel4you.de
  3. Flavius Josephus: Altertumskunde, Seite 10, Abschnitt (53) bis (66) (PDF; 447 kB)
  4. Emmerich: Geheimnisse des Alten und Neuen Bundes, Kapitel 5.
  5. Lorber: Die Haushaltung Gottes, Band 1, Kapitel 24.
  6. White Wolf: The Book Of Nod.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kain und Abel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Kain – Zitate

Siehe auch[Bearbeiten]