Schweizer Hochleistungstriebwagen

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SOB BDe 576 049-1 am 7. Juli 2007 in Biberbrugg
BT BDe 4/4 51–53 mit vierteiligem Pendelzug und zwei Verstärkungswagen als Zug 8670 bei Herisau
RM BDe 576 201 am 9. Feb. 2002 in Thun
RM BDe 576 251 am 9. Dez. 2001 in Thun
SOB BDe 576 051 am 20. Sep. 2003 in Degersheim
SOB BDe 576 051 am 23. Juni 2005 in Arth-Goldau
SOB BDe 576 058 zwischen Biberbrugg und Altmatt

Als Hochleistungstriebwagen gelten die 1959–1979 beschafften 15 BDe 4/4 (neu BDe 576) der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT, heute SOB), der Südostbahn (SOB) und der EBT-Gruppe, später RM (heute BLS). Äusserlich ähnlich sind die 12 EAV-Triebwagen, äusserlich und technisch verwandt die SBB RBe 540.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Steilrampen von 5% der Südostbahn (SOB) erfordern leistungsfähige Triebfahrzeuge. So kam bereits 1949 der BDe 4/4 62 in Betrieb, der eine Leistung von 1600 PS aufwies. Der Triebwagen wurde 1967 an die Steiermärkische Landesbahnen verkauft, 1995 bei einem Unfall mit einem Strassenfahrzeug stark beschädigt, die Drehgestelle sind heute unter dem CJ De 4/4 111. Bei der BLS-Gruppe war Bedarf für starke Triebwagen im Pendlerverkehr und für Schnellzüge (mit Kurswagen) Bern – Neuchâtel gegeben. So entstand als Weiterentwicklung der Be 4/4 mit 2000 PS, wovon BN 761–762 1953 und GBS 763 1956 in Betrieb gingen. 1954 wurden mit diesen Triebwagen Traktionsversuche auf SOB und BT gemacht. Die SOB liess daraus den ABe 4/4 71 mit 2140 PS entwickeln, der 1959 in Betrieb kam. Um die im Rickentunnel mögliche Höchstgeschwindigkeit einhalten zu können, musste der Transformator verstärkt werden, was den gleichzeitig gebauten BDe 4/4 81 mit 2860 PS ergab. Einen gleichen Triebwagen bestellte auch die BT und nahm ihn zu ihrem 50-jährigen Jubiläum 1960 in Betrieb. 1966/67 folgte eine vom EAV gruppierte Bestellung von BT, SOB, EBT und VHB und 1978/79 beschaffte die SOB, die unter akutem Triebfahrzeugmangel litt, noch einmal fünf solche Triebwagen, allerdings mit vereinfachter (kostengünstigerer) Stirnfront. In mancher Hinsicht mit den Hochleistungstriebwagen eng verwandt ist der gleichzeitig entwickelte SBB RBe 4/4.

Konzept[Bearbeiten]

Die elektrische Auslegung des Triebwagens war darauf ausgelegt, auf den BT-Strecken 370 t Anhängelast bei 75 km/h, im Rickentunnel 250 t bei 85 km/h aber mit nur 14 kV Fahrdrahtspannung und auf den 50‰-Rampen der SOB 155 t mit 58 km/h befördern zu können. Der Rickentunnel hat zwar nur 16‰ Steigung, aber der Luftwiderstand in der Einspurröhre erhöht diesen Wert traktionstechnisch auf 27‰. Gefordert war weiter, einen 170 t-Pendelzug auf den 50‰-Rampen elektrisch gebremst in Beharrung zu halten.

Für dieses Programm griff BBC auf den Fahrmotor zurück, der in grundsätzlich gleicher Ausführung bereits in der zweiten Serie der Re 4/4' (10027-50) zum Einbau kam. Es ist dies der Einphasen-Serie-Motor ELM 683 St. Weil auf den 50‰-Rampen die maximalen Zugkräfte bei nur 50 % der Maximalgeschwindigkeit abzugeben sind, wird der Wendefeld-Shunt in zwei Stufen geschwindigkeitsabhängig angepasst. Die Fahrgeschwindigkeiten mit günstigster Kommutation liegen damit bei etwa 55 und 80 km/h. Der Stufentransformator Typ TUDBz+TJz in radialgeblechter Bauart für 1750 kVA Traktionsleistung ist unter dem Wagenboden aufgehängt. An der Stirnseite ist der Stufenwähler des Niederspannungs-Stufenschalters NU 28 angeflanscht.

Mit Rücksicht auf das Einbaugewicht, die erforderliche Bremskraft und die Regulierbarkeit konnte (im Gegensatz zum SBB RBe 4/4) keine Rekuperationsbremse realisiert werden. Eingebaut wurde eine fremderregte Gleichstrom-Widerstandsbremse mit 35 Bremsstufen. Dafür werden die in Serie geschalteten Statorwicklungen mit von einem variablen Gleichstrom aus einem Gleichrichter erregt. Die Rotorwicklungen (Anker) sind je einzeln auf die zugeordneten, auf dem Dach montierten Schaufelwiderstände geschaltet.

Wagenkasten und Triebdrehgestelle wurden von SIG Neuhausen konzipiert und gebaut. Die Drehgestelle weisen Torsionsstabfederung auf und sind denjenigen der SBB RBe 4/4 sehr ähnlich. Die Kraftübertragung erfolgt mit einem Federantrieb und einer Getriebeübersetzung (schrägverzahnt) von 1:2.78. Auch der Wagenkasten hat viele Gemeinsamkeiten mit den RBe 4/4. Dies beginnt mit der gerundeten Frontpartie mit Stirnwandtüre und versenkbarem Faltenbalg an beiden Enden. Hinter dem Führerstand folgt ein Einstieg, dann ein Abteil und in der Mitte ist ein Apparateraum und ein WC angeordnet. Im Gegensatz zur SBB wurde bei den Privatbahntriebwagen aber das Gepäckabteil im Triebwagen untergebracht und nur das zweite Abteil als Personenabteil mit 32 Plätzen genutzt. Angesichts des im Triebwagen immer etwas geringeren Fahrkomforts ist es als Vorteil anzusehen, das Gepäckabteil hier anzuordnen. Dies ermöglicht auch eine klare Gliederung der Zugskomposition, am einen Ende das Gepäckabteil, am anderen Ende die erste Klasse und dazwischen die Abteile zweiter Klasse. Demzufolge wurden die BDe 4/4 fast immer mit dem gleichen Ende zum Pendelzug hin gereiht, was später bei BT (ausgenommen Triebwagen 50) und RM auch dazu führte, die Führerstandseinrichtung auf Seite des Personenabteils auszubauen.

Die Lieferung 1959–1960 hatte nur einen Stromabnehmer, die Lieferung 1966–1967 hingegen zwei. Die Nachbeschaffung 1978–1979 kam wieder mit nur einem Stromabnehmer, nun aber in Einholmausführung. Zudem wurde bei diesen letzten 5 Triebwagen die Kopfform vereinfacht, um die Produktionskosten zu senken. Die gleiche Kopfform wurde dann auch für die drei Jahre später gelieferten GFM/RVT RABDe 4/4 verwendet.

Beschaffung[Bearbeiten]

Die Beschaffung erfolgte in drei Etappen:


Bahn 15 Triebwagen Bemerkungen
SOB ABe 4/4 71 1959 Erstbeschaffung SOB/BT
SOB BDe 4/4 81
BT BDe 4/4 50 1960
SOB BDe 4/4 82 1966–1967 Durch EAV gruppierte Bestellung
BT BDe 4/4 51–53
EBT BDe 4/4 201
VHB BDe 4/4 251–252
SOB BDe 4/4 83–87 1978–1979 Nachbeschaffung SOB

Einsatz[Bearbeiten]

Die ersten Triebwagen übernahmen nach Ablieferung die wichtigsten Züge der "Direkten Linie", dem heutigen Voralpenexpress. Die beiden BDe 4/4 wurden mit einem B, einem Buffetwagen und einem ABt als vierteilige Pendelzüge eingesetzt. Die Fahrzeuge der späteren Lieferung erlaubten die Bildung von dreiteiligen Pendelzügen, die neben dem Regionalverkehr auch für Fahrten bis Luzern (Romanshorn oder St. Gallen – Rapperswil – Luzern und Langenthal – Huttwil – Luzern) eingesetzt wurden. Mit Einführung des Taktfahrplans verschwanden die Buffetwagen, aber es wurden nun auch vierteilige Pendel mit zwei B gebildet. Die von der SBB übernommenen Re 4/4 III der SOB und die neu abgelieferten KTU-Loks verdrängten die BDe 4/4 ab 1985 in den Regionalverkehr.

Die neben der Fernsteuerung vorhandene Vielfachsteuerung konnte kaum je zur Anwendung kommen, da die Reserve gering war, die Fahrzeuge wurden für den fahrplanmässigen Verkehr benötigt. Bei der EBT wurde einer dieser Triebwagen aber häufig für Extrafahrten herangezogen, dabei wurden oft verlängerte Pendelzüge mit Wagen der Generation 1974 gebildet. Auch der Reservetriebwagen der BT erbrachte gelegentlich allerlei Sonderleistungen, sogar vereinzelte Einsätze im Güterverkehr sind bekannt – zumal es sich bis zum Erscheinen der Re 4/4 um die stärksten Triebfahrzeuge dieser Bahn handelte. Spektakuläre, aber nicht sehr zahlreiche, Extrafahrten machten die SOB-Triebwagen, diese kamen auch ins benachbarte Ausland.

Ein Sondereinsatz des BDe 4/4 50 der BT ist erwähnenswert. Als Extrazug für den Kantonaltag an der Expo 64 wurden sämtliche damals vorhanden grün/crèmen Wagen eingereiht, was einen zehnteiligen Zug ergab (BDe 4/4 50, ABt 150, AB 251–254, B 350–352, WR 450). Von diesem Zug existieren zahlreiche Aufnahmen, insbesondere von den Probefahrten zwischen St. Gallen und Wattwil.

Nachdem die SOB zum Fahrplanwechsel 2007/2008 den Betrieb auf RABe 526 FLIRT umstellte, wurden 2008 vier BDe 576 an Makies in Gettnau verkauft. Diese setzt die drei betriebsfähigen Triebwagen vor Kieszügen ein. Die Triebwagen verkehren vor allem zwischen dem Kieswerk in Gettnau und der Verladeanlage im Nachbarort Zell. Dabei verkehrt je ein Triebwagen an der Zugspitze und am Zugschluss, wobei der hintere Triebwagen jeweils ausgeschaltet ist. Eine weitere Aufgabe stellen Kieslieferungen an den Hafen in Luzern dar und 2010 wurde sporadisch Kies nach Affoltern am Albis geliefert. Die dafür verwendeten Kieswagen haben eine Steuerleitung erhalten, sodass diese Züge als echte Pendelzüge fahren können.

Umbauten[Bearbeiten]

Der SOB ABe 4/4 71, quasi der Urahn der Serie, wurde für einen freizügigen Einsatz den übrigen Triebwagen angeglichen, indem das Erstklassabteil in ein Gepäckabteil umgebaut wurde. Die neue Bezeichnung lautet BDe 4/4 80.

Sonst wurde bei der (alten) SOB nicht viel umgebaut, die Fahrzeuge entsprechen in weiten Teilen noch dem Ablieferungszustand.

Praktisch bei allen Triebwagen der Lieferung 1966–1967 wurde der zweite Stromabnehmer später entfernt, zum Teil wurden die Scherenstromabnehmer durch Einholmstromabnehmer ersetzt.

Ganz anders bei der BT, hier wurden gepäckraumseitig die Wagenübergänge verschlossen und eine breitere mittlere Frontscheibe eingesetzt. Zudem wurden die Fahrzeuge für den kondukteurlosen Betrieb mit aussenbündigen Türen versehen.

Bei den Triebwagen der RM wurden ebenfalls die Wagenübergänge einseitig verschlossen, das mittlere Fenster wurde aber nicht breiter. Die Fahrzeuge wurden aber nicht mehr für kondukteurlosen Betrieb umgebaut und deshalb nach Ankunft der GTW ausrangiert.

Umzeichnung und Verbleib[Bearbeiten]

BDe 576 057 und 056 im Einsatz für Makies AG Gettnau

Alle Fahrzeuge wurden als BDe 576 bezeichnet, BT 576 0xx, RM 576 2xx, SOB 576 4xx. Der RM-Triebwagen 201 wurde kurz vor der Ausrangierung noch zu 576 250 umgezeichnet. Er ging nach der Ausrangierung zunächst zur OeBB, wo man den Triebwagen aber aus Lärmgründen alsbald durch einen SBB RBe 540 ersetzte. Der Zug ging zunächst zum Verein Pendelzug Mirage, wo er einmal eingesetzt wurde und 2007 schliesslich doch abgebrochen wurde. 251 half der SOB 2003 einen vorübergehenden Fahrzeugmangel zu beheben und ging 2004 an den Club San Gottardo. 252 wurde 2004 abgebrochen.

Bei der Fusion BT/SOB wurden die SOB-Fahrzeuge ab 2001 nach Baujahren in das Nummernschema der BT eingepasst (siehe Liste). Nach dem Erhalt der FLIRT wurden die BDe 576 051–053 abgebrochen. Sie verfügten seit einer Modernisierung nur noch über einen Führerstand. BDe 048 ging an den Verein DSF, 054 an den Verein Pendelzug Mirage, 049, 055–057 gingen an Makies. 050, 058 und 059 blieben als Reserve bei der SOB in Herisau und Samstagern:

Lieferjahr Bahn Wappen Nummer PC-Nummer Umnummerierung Verbleib Bemerkungen
1959 SOB Einsiedeln 71 > 80 576 480 576 048 DSF Umzeichnung in BDe 4/4 80, Wappen Koblenz
1959 SOB Wädenswil 81 576 481 576 049 Makies Wappen entfernt, Makies-grün
1960 BT Egnach 50 576 050 SOB Reserve Herisau, Wappen entfernt, 2013 Ersatzteilspender DSF
1966 BT Ebnat-Kappel 51 576 051 Abbruch 2008
1966 BT Krummenau 52 576 052 Abbruch 2008
1967 BT Nesslau 53 576 053 Abbruch 2008
1966 SOB Rapperswil 82 576 482 576 054 Verein Pendelzug Mirage Umzeichnung in EBT BDe 4/4 82, Wappen Burgdorf
1978 SOB Steinerberg 83 576 483 576 055 Makies Ersatzteilspender, nicht betriebsfähig, Wappen entfernt
1979 SOB Sattel 84 576 484 576 056 Makies Wappen entfernt
1979 SOB Feusisberg 85 576 485 576 057 Makies Wappen entfernt, Makies-grün, 2012 Einbau Dieselaggregat
1979 SOB Wollerau 86 576 486 576 058 SOB Reserve Samstagern
1979 SOB Freienbach 87 576 487 576 059 SOB Reserve Samstagern
1966 EBT Burgdorf 201 576 201 576 250 Abbruch 2007 vorübergehend OeBB, Verein Pendelzug Mirage
1966 VHB Huttwil 251 576 251 576 060 CSG Umzeichnung in BDe 576 021
1966 VHB Willisau 252 576 252 Abbruch 2004

Literatur[Bearbeiten]