Sudogwon

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Lage von Sudogwon in Südkorea
Koreanische Schreibweise
koreanisches Alphabet: 수도권
chinesische Schriftzeichen: 首都圈
Revidierte Romanisierung: Sudogwon
McCune-Reischauer: Sudogwŏn

Der Begriff Sudogwon bezeichnet die Metropolregion der südkoreanischen Hauptstadt Seoul und vereinigt das wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum Südkoreas.

Mit 25,6 Millionen Einwohnern (Stand 2012) ist Sudogwon nach Tokio-Yokohama eine der größten Metropolregionen der Welt. 48,6 % der Südkoreaner leben hier, und es wird prognostiziert, dass dieser Anteil schon bald um mehr als die Hälfte steigen wird. Kein anderer Ballungsraum in den größeren Industriestaaten (keine Stadtstaaten) vereinigt einen so hohen Anteil der Bevölkerung des Staates auf sich (Wien 27,5 %, Paris 18,8 %, Rhein-Ruhr 12,4 %).

Definition[Bearbeiten]

Satellitenbild auf Seoul und die umgebende Metropolregion

Obwohl es keine eindeutige Definition gibt, werden mit dem Begriff Sudogwon folgende drei Verwaltungseinheiten gemeint: die Städte Seoul und Incheon, sowie die Provinz Gyeonggi-do. Seoul und Incheon befinden sich wie Enklaven innerhalb von Gyeonggi-do. Deswegen stimmt die äußerliche Grenze der Metropolregion mit der des Provinzgebiets von Gyeonggi-do überein. Daher wird die Region traditionell auch Gyeonggi Jibang (경기 지방, 京畿地方, Region Gyeonggi) genannt. Da sich im Provinznamen bereits das Hanja-Schriftzeichen für Seoul (oder Hauptstadt: 京, gyeong) befindet, wurde Gyeonggi-do historisch und allgemein schon immer mit Seoul assoziiert.

Die Bezeichnung Sudogwon (wörtlich: Hauptstadtkreis oder -bereich) hat eine ähnliche Bedeutung, wirkt aber eher modern. Während das Wort "Sudogwon" im wirtschaftlichen, politischen Kontext verwendet wird, hat das Wort "Gyeonggi Jibang" dagegen mehr historische und kulturelle Konnotationen.

Prinzipiell ist die Definition von Sudogwon nicht festgelegt, und ist auf den Kontext angewiesen. Außerdem erweitert sich der Begriff ständig und passt sich an den aktuellen Entwicklungsstand an. Neulich, aber unüblich, wird die Stadt Cheonan, die im Norden der Provinz Chungcheongnam-do liegt, zur Region gezählt, nachdem die U-Bahnstrecke Seouls 2005 bis dorthin erweitert wurde.

Entwicklung[Bearbeiten]

Ursprünglicher Umfang[Bearbeiten]

Wohnsiedlung in Bundang
Luftbild von Ilsanseo-gu
Der 2001 eröffnete Incheon International Airport

Ursprünglich wurde mit dem Begriff Sudogwon hauptsächlich die Hauptstadt Seoul mit den beiden nahe gelegenen Großstädten Incheon und Suwon (dem Sitz der Provinzregierung) und ein paar weiteren mit dem Nahverkehr erreichbaren Satellitenstädten bezeichnet. In der Industralisierungsgeschichte hatten die beiden Achsen Seoul-Incheon (Gyeongin) und Seoul-Suwon (Gyeongsu) eine wichtige Funktion.

Expansion[Bearbeiten]

Die zentrale Bedeutung Seouls in allen Bereichen zog weiterhin die junge Generation aus den Provinzen an. Wegen der expandierenden Entwicklung der Megastadt stiegen der Wohnraumbedarf und damit auch die Wohnungspreise. Um die Wohnungsprobleme in der überfüllten Hauptstadt zu entlasten, wurden Satellitenstädte entwickelt. Wenn junge Menschen hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen in die Trabantenstädte zogen, siedelten Menschen der älteren Generation aufgrund der besseren Lebensqualität in die neuen und großflächigen Satellitenstädte.

Die beiden Planstädte Bundang (Stadt Seongnam) und Ilsan (Stadt Goyang) gehören zum ersten Großprojekt, das hauptsächlich zum Zweck der Wohnungpreisstabilisierung geplant wurde. Zusammen nahmen die beiden Städte fast eine halbe Million Einwohner aus der Hauptstadt auf. Allerdings entwickelten sich diese beiden zu wohlhabenden Städten und trugen nicht zur Preissenkung bei.

Um das Ziel weiterhin zu erreichen, wurden weiterhin Städte mit dem Charakter einer Trabantenstadt errichtet. Wie bei den beiden Vorreitern, sind es meistens neue Stadtteile von bereits bestehenden Städten, die dann durch Verkehrsadern mit der Hauptstadt verbunden werden. Beispiele für solche Städte mit ihren neu geplanten Stadtvierteln sind:

Mit der entwickelnden Vernetzung der Nahverkehre zwischen den Neustädten und Seoul und sogar untereinander, expandiert die zentralörtliche Funktion Seouls weiter, fast bis auf ganz Gyeonggi-do hinaus. Umgekehrt profitiert die Provinz aber davon, dass viele wichtige wirtschaftliche und akademische Einrichtungen aus Seoul in die Provinz verlegt werden, wie der Flughafen Incheon als großes Beispiel.

Der Zuwachs der Bevölkerung der suburban geprägten Provinz Gyeonggi-do erfolgt aus zwei Richtungen: Einerseits aus der dicht besiedelten Hauptstadt und andererseits aus anderen Regionen des Landes, die durch die Suche nach Arbeitsstellen in die Nähe der Hauptstadt kommen.

Wichtigste Städte[Bearbeiten]

Suwon
Stadthaus von Gwacheon, im Hintergrund der Government Complex und der Berg Gwanak

Verkehr[Bearbeiten]

Die U-Bahn-Linie, die Seoul mit dem Incheon International Airport verbindet

Neben acht U-Bahn-Linien in Seoul, die auch weit über die Stadtgrenze hinaus führen, gibt es zwei neue weitere Schnellbahnlinien (Bundang- und Shinbundang-Line), die verschiedene Stadtbezirke und -viertel in Gyeonggi-do mit Seoul verbinden. Bahn- und Autobahnnetze in dieser Region werden ständig erweitert und einander verknüpft.

Als generelles Problem gilt die mangelnde Infrastruktur, besonders im Verkehrsbereich, die dem explosiven Bevölkerungswachstum in den dicht besiedelten Gebieten nicht schritthalten konnte. Zu Hauptverkehrszeiten ist der Verkehrsstau sehr notorisch, besonders in Richtung Seoul. Auch zu traditionellen Feiertagen, wie z.B. Chuseok und Seollal, gilt generell ein Verkehrschaos mit einer zu drei bis viermal längeren Fahrtdauer. Der Stau bildet sich zum Anfang der Feiertage in südliche Richtung zu den Provinzen und zum Ende in nördliche Richtung nach Seoul.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]