Super Mario Bros.: The Lost Levels

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Super Mario Bros.: The Lost Levels ist ein Jump-’n’-Run-Videospiel der japanischen Firma Nintendo. Es erschien als Nachfolger des erfolgreichen Super Mario Bros. (NES, 1985) in Japan am 3. Juni 1986 für das Disketten-basierte Famicom Disk System (FDS). In Japan trägt es den Titel Super Mario Bros. 2.

Die Handlung und das Spielkonzept von The Lost Levels sind identisch zum Vorgängerspiel. Der Titel unterscheidet sich durch neu gestaltete Spielabschnitte, neue Spielelemente und kleine Verbesserungen in Grafik und Ton. Verglichen zum Vorgänger sticht außerdem der sehr hohe Schwierigkeitsgrad des Titels hervor.

Das bereits für Super Mario Bros. zuständige Entwicklerteam innerhalb der Nintendo-Abteilung Research & Development 4 (R&D4) entwickelte auch The Lost Levels. Als Projektleiter fungierte Takashi Tezuka, der zuvor unter dem R&D4-Chefentwickler Shigeru Miyamoto an Super Mario Bros. mitgewirkt hatte.

Aufgrund der Schwierigkeit blieb Super Mario Bros. 2 zunächst Japan-exklusiv. Seinen Platz nahm im Westen ein anderes Spiel mit dem Namen Super Mario Bros. 2 (NES, 1988) ein. Erst 1992 kam das japanische Super Mario Bros. 2 als Teil der Remake-Sammlung Super Mario All-Stars (SNES, 1993) unter dem Titel Super Mario Bros.: The Lost Levels in Nordamerika und Europa heraus. Daher wird das Spiel in der Fachliteratur als tatsächliche Fortsetzung zu Super Mario Bros. bezeichnet.[5] Die originale 8-Bit-Fassung des Spiels bot Nintendo später im Westen als Download für die Konsolen Wii, 3DS und Wii U an.

Spielbeschreibung[Bearbeiten]

The Lost Levels enthält die gleiche Handlung, das gleiche Spielprinzip, die gleiche Grafik und den gleichen Ton wie der Vorgänger Super Mario Bros. Die Spielabschnitte („Level“) des Spiels sind komplett neu gestaltet worden. Der Videospieljournalist Chris Kohler bezeichnete ihren Schwierigkeitsgrad 2004 als „mörderisch schwierig“ („blisteringly difficult“).[6] In diesem Spiel kein Zweispielermodus mehr. Außerdem gibt es ein neues Item, den Giftpilz, der die Spielfigur schädigt. Ein weiteres neues Spielelement sind Regen und Wind, die in manchen Levels auftauchen und die Spielfigur am Rennen und Springen hindern.[7] Weitere Ergänzungen gegenüber dem Spielkonzept des Vorgängers sind nach unten gerichtete Röhren sowie sogenannte „Warp-Zonen“, die – anders als im Vorgänger – die Spielfigur zurück in einen früheren Level befördern. Ferner wurde die Rolle der Spielfigur Luigi weiter ausgebaut. In The Lost Levels springt dieser höher und rennt schneller als Mario. Dadurch ist er für den Spieler zugleich schwieriger zu kontrollieren.[8] Daneben sind weitere Detailänderungen in Grafik und Ton vorzufinden, beispielsweise am Ende des Spiels.[6]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung von The Lost Levels leitete Takashi Tezuka.
Das Famicom mit angeschlossenem Famicom Disk System

Durch die Veröffentlichung von Super Mario Bros. genoss das Famicom ab Ende 1985 in Japan große Beliebtheit. Anfang 1986 veröffentlichte Nintendo das Famicom Disk System. Die Peripherie erweiterte das Modul-basierte Famicom um Disketten-artige Speichermedien. Diese boten Entwicklern mehr Speicherplatz als die Famicom-Module und waren zugleich günstiger in der Produktion.[6]

Super Mario Bros. war als Höhepunkt der Famicom-Module intendiert, erschien später aber auch für das Disk System. Während der Arbeiten an diesem Spiel dachte dessen Designer, der Mario-Schöpfer Shigeru Miyamoto, noch nicht an einen Nachfolger.[3][4] Danach begannen gleichzeitig die Arbeiten an einem Nachfolger zu Super Mario Bros. Gleichzeitig entwickelte man einen Nachfolger zu The Legend of Zelda (FDS, 1986), das parallel zu Super Mario Bros. entstanden war. Zu Beginn war Miyamoto der Chefentwickler beider Spiele und fühlte sich unter Druck gesetzt.[2]

Daher konzentrierte sich Miyamoto auf das Zelda-Projekt. Die Verantwortung für den Super-Mario-Bros.-Nachfolger überließ er Takashi Tezuka, der zuvor gemeinsam mit ihm an den ersten Mario- und Zelda-Spielen gearbeitet hatte. Somit war Tezuka der Projektleiter von The Lost Levels. Miyamoto schätzte seine Beteiligung an dem Projekt auf etwa zehn Prozent.[2]

Veröffentlichung[Bearbeiten]

Am 3. Juni 1986[3] veröffentlichte Nintendo Super Mario Bros. 2 in Japan mit dem Untertitel For Super Players für das Famicom Disk System.[9]

Nintendo of America (NoA) entschied sich dagegen, The Lost Levels in Nordamerika auf den Markt zu bringen. In der Fachliteratur existieren dafür unterschiedliche Erklärungen. Kohler äußerte 2004, dass der hohe Schwierigkeitsgrad und die technische Ähnlichkeit zum Vorgänger für den japanischen Markt keine Probleme gewesen seien. Die japanischen Spieler seien so sehr in Super Mario Bros. vertieft gewesen, dass die Level des Nachfolgers – „von ‚anstrengend‘ am Anfang bis ‚fast unmöglich‘ gegen Ende“ („from ‚taxing‘ in the very beginning to ‚nearly impossible‘ toward the end“) – angemessen gewesen seien. Außerdem erschien der Titel weniger als ein Jahr nach seinem Vorgänger, sodass in der Technik kaum große Fortschritte zu verzeichnen waren. In Nordamerika hingegen habe Super Mario Bros. erst zu dieser Zeit[A 1] an Popularität gewonnen, sodass hier noch kein zweiter Teil vonnöten war.[9]

In vielen anderen Publikationen wird stattdessen behauptet, einzig der hohe Schwierigkeitsgrad von The Lost Levels habe die Veröffentlichung im Westen verhindert. Demnach stufte Nintendo of America das Spiel als zu schwierig für den nordamerikanischen Markt ein.[10] Der damalige NoA-Mitarbeiter Howard Phillips äußerte später, dass die Gameplayergänzungen des Giftpilzes und des Windes den Spieler irritieren und behindern. Diese Elemente hätten das Spiel „wenig schmackhaft“ („not so palatable“) gestaltet.[7]

Super Mario Bros. 2 im Westen[Bearbeiten]

Erst 1988 – als die Grafik von Super Mario Bros. inzwischen veraltet war – benötigte Nintendo in Nordamerika einen Nachfolger. In Japan erschien bereits das von Grund auf neu entwickelte Super Mario Bros. 3 (Famicom, 1988)[A 2]. Anstelle The Lost Levels oder Super Mario Bros. 3 nach Nordamerika und Europa zu bringen, veröffentlichte Nintendo 1988 eine Umarbeitung des Japan-exklusiven und ebenfalls von Miyamotos Abteilung entwickelten Yume Kōjō: Doki Doki Panic (FDS, 1987) unter dem Titel Super Mario Bros. 2[A 3] in Nordamerika und Europa. Der Titel unterscheidet sich stark vom Spielkonzept des ersten Super-Mario-Bros.-Spiels, erwies sich aber dennoch als sehr großer Erfolg.[11][9] An Doki Doki Panic war Miyamoto stärker involviert als an The Lost Levels.[12]

Erst 1993 erschien das japanische Super Mario Bros. 2 im Westen. Es kam als Teil der Spielesammlung Super Mario All-Stars (SNES, 1993) auf den Markt und wurde Super Mario Bros.: The Lost Levels getauft.[12]

Verkaufszahlen[Bearbeiten]

Nach Angaben der Marktforschungsunternehmen Media Create und Enterbrain verkaufte sich die FDS-Version von Super Mario Bros.: The Lost Levels in Japan insgesamt etwa 2,65 Mio. Mal.[13]

Umsetzungen[Bearbeiten]

Wiederveröffentlichungen[Bearbeiten]

Einige Spielabschnitte von The Lost Levels wiederverwendete Nintendo für Vs. Super Mario Bros. Dabei handelt es sich um eine Arcade-Umsetzung von Super Mario Bros., die in Nordamerika 1986 auf den Markt kam. Ebenfalls gingen Level aus The Lost Levels in All Night Nippon Super Mario Bros. (FDS, 1986) ein, eine weitere Umsetzung von Super Mario Bros.[14]

Am 10. August 2004 erschien das Spiel in Japan für den Game Boy Advance.[15]

Super Mario Bros.: The Lost Levels erschien am 1. Mai 2007 in Japan als kostenpflichtiger Download für das Virtual-Console-Angebot der Wii.[16] In Nordamerika erschien diese Wiederveröffentlichung am 1. Oktober[17] und in Europa am 22. August 2008.[18]

Im eShop des Nintendo 3DS veröffentlichte Nintendo The Lost Levels in Europa am 27. Dezember 2012 und für die Wii U am 23. Januar 2014.[18]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Steven L. Kent: The Ultimate History of Video Games. From Pong to Pokémon and Beyond – The Story Behind the Craze That Touched Our Lives and Changed the World. Prima & Three Rivers, Roseville, New York 2001, ISBN 0-7615-3643-4.
  •  Chris Kohler: Power Up. BradyGames, Indianapolis, Indiana 2004, ISBN 0-7440-0424-1.
  •  Bill Loguidice und Matt Barton: Vintage Games: An Insider Look at the History of Grand Theft Auto, Super Mario, and the Most Influential Games of All Time. Focal Press, Boston und Oxford 2009, ISBN 978-0-240-81146-8.
  •  Christian Donlan: Super Mario Bros.: The Lost Levels. In: Tony Mott (Hrsg.): 1001 Video Games You Must Play Before You Die. Cassell Illustrated, 2010, ISBN 1844036812, S. 140 f..

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. In Nordamerika kam Super Mario Bros. später als in Japan heraus. Der genaue Termin ist unbekannt und wird auf 1985 oder 1986 geschätzt. In Europa erschien der Titel 1987.
  2. Erst 1990 bzw. 1991 kam Super Mario Bros. 3 in Nordamerika und Europa auf den Markt.
  3. Das westliche Super Mario Bros. 2 schaffte es erstmals 1992 unter dem Titel Super Mario USA nach Japan.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Super Mario Bros. 2 (Lost Levels). In: Kyoto-Report. Abgerufen am 22. Juni 2014 (englisch).
  2. a b c d Kohler, S. 65
  3. a b c Iwata fragt: Super Mario Bros. 25. Jahrestag: Teil 1: Itoi fragt Miyamoto; 11. War es einfach, Mario zu machen? In: Nintendo. Abgerufen am 23. Juni 2014.
  4. a b Super Mario History 1985–2010, Begleitheft der Super Mario All-Stars 25th Anniversary Edition
  5. Loguidice, Barton S. 278
  6. a b c Kohler, S. 64
  7. a b Kent, S. 365
  8. Kohler, S. 74
  9. a b c Kohler, S. 216
  10. Loguidice, Barton S. 278 f.
  11. Kent, S. 364 ff.
  12. a b Kohler, S. 218
  13. Enterbrain-/Famitsu-, Media-Create-Archiv
  14. David Oxford: The Many Versions, Ports, and Re-Releases of Super Mario Bros. In: 1UP. 13. August 2012, abgerufen am 3. Juli 2014 (englisch).
  15. ファミコンミニ/スーパーマリオブラザーズ2. Nintendo Japan, abgerufen am 14. Juni 2011 (japanisch).
  16. VC スーパーマリオブラザーズ2. Nintendo Japan, abgerufen am 14. Juni 2011 (japanisch).
  17. Super Mario Bros.: The Lost Levels. Nintendo USA, abgerufen am 14. Juni 2011 (englisch).
  18. a b Offizielle deutsche Mikroseite zum Spiel. In: Nintendo. Abgerufen am 22. Juni 2014.