Tagebuch eines Landpfarrers

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Tagebuch eines Landpfarrers
Originaltitel Journal d′un Curé de Campagne
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1951
Länge 115 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Robert Bresson
Drehbuch Robert Bresson
Produktion Léon Carré
Musik Jean-Jacques Grunenwald
Kamera Léonce-Henri Burel
Robert Juillard
Schnitt Paulette Robert
Besetzung

Tagebuch eines Landpfarrers (Originaltitel: Journal d′un Curé de Campagne) ist ein französisches Filmdrama unter der Regie von Robert Bresson aus dem Jahr 1951. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von Georges Bernanos. Viele Textstellen des Buches wurden wörtlich übernommen.[1] 1936 erhielt Bernanos Werk den Grand Prix du Roman der Académie française. Der Film wurde auf den Filmfestspielen in Venedig 1951 mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet.

Handlung[Bearbeiten]

Ein junger Pfarrer wird nach Ambricourt, eine bitterarme und hinterwäldlerische Landgemeinde im Artois, versetzt. Er glaubt daran, dass er die Menschen zu ihrem Glauben zurückführen und in seiner Gemeinde ein religiöses Zentrum schaffen kann. Bei den Dorfbewohnern ist er jedoch nicht willkommen. Sie sind überfordert und mit seiner fast fanatischen Art erreicht er genau das Gegenteil dessen, was er wollte. Die Menschen ziehen sich immer mehr von ihm zurück. Auch um die Kinder des Dorfes bemüht er sich vergebens, die ihn hinter seinem Rücken verspotten. Besonders betrübt es ihn, dass sogar Séraphita, eine Schülerin, von der er sich einiges versprochen hatte, mitmacht.

Stets mit sich und seinen Gedanken ganz allein, hadert er mit sich selbst, dass es ihm nicht gelingt, seine Sicht der Dinge anderen nahezubringen. Er führt ein Tagebuch, in dem er all seine Gedanken, Zweifel und Hoffnungen notiert, aber auch sein großes Leid und seine Schmerzen. Er resümiert über Reichtum und Armut, und auch seine Betrachtungen zu Sünden und zur Beichte schreibt er nieder. Sein Tagebuch enthält auch den düsteren Satz: „In mir ist Nacht“. Der junge Pfarrer wird immer wieder von unerträglichen Schmerzen heimgesucht. Da er sich ausschließlich von Zucker, Brot und billigem Wein ernährt, verbreitet sich im Dorf das Gerücht, dass er ein Trinker sei. Auch seine Kollegen halten nichts von seiner asketischen Lebensweise. In seiner Familie gab es wiederholt Probleme mit Alkoholikern. Der junge Pfarrer jedoch taucht sein Brot in Wein, um sich immer wieder das Abendmahl vor Augen zu führen. Einzig einem älteren Pfarrer aus der Nachbargemeinde Torcy vertraut er sich an, kann jedoch die Ratschläge, die dieser ihm gibt, nicht umsetzen.

Vergeblich versucht der Pfarrer, dem Arzt des Dorfes und Freund des Pfarrers von Torcy Delbende, in dessen tiefer Glaubenskrise beizustehen. Der Arzt wählt den Freitod. Da der junge Pfarrer mit den Dorfbewohnern so schlecht zurechtkommt, sucht er die Herrschaften im nahen Schloss auf, stößt jedoch auch dort auf Ablehnung. Der Schlossherr hat kein Interesse daran ihm zu helfen und seine Frau, die Gräfin, hat sich seit dem frühen Tod ihres Sohnes vor vielen Jahren völlig in sich zurückgezogen und ist noch nicht einmal in der Lage, sich um ihre Tochter Chantal zu kümmern. Das Mädchen wächst einsam ohne die Zuwendung von Vater und Mutter heran. Chantal fühlt sich hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, die Eltern zu lieben und ihrem Hass auf sie. Das Wissen darum, dass ihr Vater ein Verhältnis mit ihrer Privatlehrerin Fräulein Louise hat, macht die Situation für sie noch schwieriger. Sie versucht den Pfarrer dazu zu bringen, Louise aus dem Schloss zu jagen, hat jedoch keinen Erfolg. Auch Louise scheitert bei dem Versuch, den Pfarrer auf ihre Seite zu ziehen. Nun will sie ihn nun um jeden Preis loswerden und geht sogar so weit, einen anonymen Drohbrief zu schreiben.

Dem Pfarrer aus Ambricourt gelingt es zunächst nicht, die Gräfin aus ihrer Lethargie zu lösen. Er hat zwar einen starken, unbeirrbaren Glauben, doch keine Erfahrung in weltlichen Dingen. Er nimmt im Gegenteil so stark an der Trauer der Gräfin Anteil, dass er dadurch selbst geschwächt wird. Seine Krankheit gewinnt noch schneller Macht über seinen ohnehin ausgemergelten Körper. Erst spät öffnet sich die Gräfin ihm im Gespräch. Sie spürt, dass der Pfarrer ihre große Trauer auf sich lädt, und wirft das Bild ihres toten Sohnes ins Feuer. Noch in derselben Nacht erliegt die Gräfin einem Herzinfarkt. Sie hat dem Pfarrer jedoch einen Dankesbrief hinterlassen.

Chantal verbreitet im Dorf Halbwahrheiten über das letzte Gespräch zwischen ihrer Mutter und dem Pfarrer. Er könnte die Vorwürfe mit diesem Brief zwar entkräften, weigert sich aber, sich zu rechtfertigen. Nun gibt es niemanden mehr im Dorf, der noch mit ihm zu tun haben will. Der ältere Pfarrer aus Torcy setzt sich vergeblich für ihn ein. Inzwischen sind die Schmerzen des jungen Pfarrers noch schlimmer geworden. Eines Nachts bricht er auf dem Weg zur Kirche im Schlosspark zusammen und wird später von Séraphita gefunden. Er hat Blut verloren. Als er einen Arzt in Lille aufsucht, sagt dieser ihm, dass er Magenkrebs im Endstadium habe. So begibt er sich zu Louis Dufrety, einem Freund aus dem Priesterseminar. Er bittet ihn, den Pfarrer von Torcy zu verständigen. Wenig später verstirbt der junge Geistliche. Seine letzten Worte sind: „Alles ist Gnade.“ Der Pfarrer von Torcy betet für ihn; der Schluss zeigt ein graues Kreuz.

Rezeption[Bearbeiten]

Der 1950 gedrehte Film hatte am 7. Februar 1951 Premiere in Frankreich. In der Bundesrepublik Deutschland startete er am 8. April 1952.

Drehorte waren das Schloss und die Schule von Équirre, die Umgebung von Hesdin und Torcy, alle im Département Pas-de-Calais, Frankreich. Gedreht wurde vom 6. März bis zum 19. Juni 1950.

In Frankreich war der Film ein großer nicht nur finanzieller Erfolg und begründete Robert Bressons internationalen Ruf als bedeutender Regisseur. Der bedeutende französische Filmkritiker André Bazin widmete dem Film ein Essay und meinte, „Tagebuch eines Landpfarrers sei ein Meisterwerk auch wegen seiner Macht, Emotionen zu schüren“. So hat Bazin die jungen Regisseure auf Möglichkeiten der Verfilmung von Literatur hingewiesen, die über bloße Adaptionen hinausgehen. Dabei hat er ausdrücklich auf Bressons Film Tagebuch eines Landpfarrers verwiesen, „in dem sich die Qualität von Bernanos’ Buch spiegelt“. „Glücksfälle solcher Art“ seien „in der Filmgeschichte freilich rar.“[2]

Der Film beginnt damit, dass man eine Hand sieht, die etwas in ein (Tage)Buch schreibt, dazu erklingt die monotone Melodie einer Stimme. Bereits in diesem Film verwendet Bresson das Mittel der Repetition, die er auch in seinen weiteren Filmen oft einsetzte. Die Trennung von Bild und Ton war ebenfalls ein Merkmal seiner Filme.[1] Im gesamten Film erfahren wir den Namen des Landpfarrers von Ambricourt nicht.

Martin Scorseses Filmdrama Taxi Driver soll maßgeblich inspiriert worden sein von Robert Bressons Porträt des Pfarrers im Tagebuch eines Landpfarrers. Der Charakter seines Taxifahrers Travis Bickle weist diverse Ähnlichkeiten mit dem Charakter des Landpfarrers auf. Beide Filme thematisieren Einsamkeit und Isolation, Obsession und ungestillte Sehnsüchte. Beide Filme wenden das Mittel der Kargheit an und zeichnen ein langsames Porträt des Unglücks und der Vereinsamung. [3] Auch Ingmar Bergmans Film Licht im Winter soll von Bressons Film stark inspiriert worden sein. Bresson arbeitete seit Tagebuch eines Landpfarrers oft mit Laienschauspielern zusammen. Claude Laydu, der den Landpfarrer spielte, war ein Theaterschauspieler mit wenig Erfahrung. Der Pfarrer von Torcy wurde unter einem Pseudonym von einem prominenten französischen Psychiater gespielt, dessen einzige Filmrolle es auch blieb. [4]

Auf DVD ist dieser Film bisher nur in französischer Sprache mit englischen Untertiteln erhältlich.

Kritik[Bearbeiten]

„Die unauffällige, von seelischem Kampf und Krebskrankheit gezeichnete Existenz eines jungen Pfarrers in der kleinen flandrischen Landgemeinde Ambricourt. Eine von großer optischer Klarheit und Einfachheit bestimmte, bekenntnishaft-monologische Romanverfilmung. Bresson schildert das Ringen eines katholischen Christen und Priesters um die Gnade des Glaubens in einer heillos erscheinenden Welt.“

Lexikon des Internationalen Films[5]

„Mit poetisch-verdichtender Bildersprache und dem Verzicht auf herkömmliches Schauspiel stellt der Maler und Regisseur Robert Bresson ("Pickpocket") das Innenleben seiner Figuren glaubwürdig dar. Fazit: Filmkunst substantiell, intensiv und ehrlich.“

Cinema[6]

„Robert Bressons „Tagebuch eines Landpfarrers“ ist ein deprimierend realistisches, langsam fließendes und Geduld erforderndes, einzigartiges Meisterwerk voll bitterer Tragik, die von der absoluten Kargheit der Bilder herrührt. Das Scheitern der menschlichen Existenz als beeindruckend intensive Charakterstudie eines schwermütigen Priesters, der nur das Gute will, aber einsehen muss, dass mehr dazugehört, als nur ein guter Wille um sein Ziel erreichen zu können. Seine Hingabe zu Gott hat ihn von den Menschen nur immer weiter entfremdet, bis er schließlich an einem Punkt angekommen ist, an dem er selber erkennen muss, dass er nichts über die Menschen weiß – doch es ist längst zu spät, das zu ändern.“

Film-Rezensionen[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film gewann acht internationale Auszeichnungen, darunter:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Tagebuch eines Landpfarrers bei filmzentrale.com
  2. Filmkritik 23. Jahrgang 1979, Nr. 5 André Bazin, Kritik zu Tagebuch eines Landpfarrers von Robert Bresson, a. d. Französischen von Andrea Springler
  3. zit. aus Tagebuch eines Landpfarrers bei film-rezensionen.de
  4. Diary of a Country Priest bei Turner Classic Movies (TCM)
  5. Tagebuch eines Landpfarrers im Lexikon des Internationalen Films
  6. Tagebuch eines Landpfarrers bei cinema.de
  7. Tagebuch eines Landpfarrers bei film-rezensionen.de
  8. Journal d′un Curé de Campagne bei cineressources.net