Tatra 815

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Dreiseitenkipper Tatra 815 S3 26208 6×6.2
Tatra 815 Kipper 2.JPG
Die technischen Daten beziehen sich auf Fahrzeuge,
die in den ersten Produktionsjahren hergestellt wurden [1]
Motor
Typ T3-929-11, V10-Diesel, Saugmotor, luftgekühlt,
Hubraum 15.825 cm3
Bohrung/Hub 120/140 mm
Höchstleistung 208 kW bei 2.200/min
max. Drehmoment 1.010 Nm bei 1.400/min
Kraftübertragung
Einscheiben-Trockenkupplung,
hydraulisch betätigt, mit pneumatischer Verstärkung
mechanisches Fünfgang-Getriebe mit Vorschaltgruppe,
Allradantrieb mit Verteilergetriebe und
mit Differenzialsperre an den Hinterachsen,
Fahrgestell
Zentralrohrrahmen, Pendelachsen,
Drehstabfedern an der Vorderachse,
Blattfederung an den Hinterachsen,
Teleskopstoßdämpfer
Reifen 11.00 R20, Hinterachsen zwillingsbereift
Bremsen
pneumatische Zweikreis-Betriebsbremsanlage mit Trommelbremsen
Federspeicher-Feststellbremse
Motorbremse
Anhängerbremsanlage mit Zweileitungsanschluss
Aufbau
Frontlenkerfahrerhaus, kippbar, 2 Sitze,
Stahl-Kippbrücke auf Hilfsrahmen
Abmessungen, Gewichte und Fahrleistungen
Länge / Breite / Höhe 6.980 / 2.500 / 3.130 mm
Radstand 3.550 + 1.320 mm
Leergewicht 11.300 kg
zul. Gesamtgewicht 26.600 kg
Anhängelast 22.000 kg
Höchstgeschwindigkeit 93 km/h
Tatra 815 8x8
Tatra 815 8x8 NVA.jpg
Die technischen Daten beziehen sich auf Fahrzeuge, die ab 1985
bei der NVA als Transport- und Zugfahrzeug verwendet wurden [2]
Motor
Typ T3-930-51, V12-Turbodiesel, luftgekühlt,
Hubraum 19.001 cm3
Bohrung/Hub 120/140 mm
Höchstleistung 265 kW bei 2.200/min
max. Drehmoment 1.275 Nm bei 1.400/min
Kraftübertragung
Einscheiben-Trockenkupplung,
hydraulisch betätigt, mit pneumatischer Verstärkung
mechanisches Fünfgang-Getriebe mit Vorschaltgruppe und
zweistufigem Zwischengetriebe,
Allradantrieb mit Verteilergetriebe,
Differenzialsperren
Fahrgestell
Zentralrohrrahmen, Pendelachsen,
beide Vorderachsen gelenkt
Einzelbereifung 15.00-21
Bremsen
pneumatische Zweikreis-Betriebsbremsanlage mit Trommelbremsen
Federspeicher-Feststellbremse
Motorbremse
Anhängerbremsanlage mit Zweileitungsanschluss
Aufbau
Frontlenker-Doppelkabine, kippbar, 4 Türen, 6 Sitze,
Stahl-Pritsche auf Hilfsrahmen mit Spriegel / Plane
Abmessungen, Gewichte und Fahrleistungen
Länge / Breite / Höhe 9.340 / 2.500 / 3.650 mm
Radstand 1.650 + 2.970 + 1.450 mm
Leergewicht 15.700 kg
zul. Gesamtgewicht 25.700 kg
Anhängelast 70.000 kg
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h
Wattiefe 1.400 mm

Tatra 815 ist die Bezeichnung für eine umfangreiche und vielseitige Fahrzeugfamilie des tschechischen Herstellers Tatra. Sie umfasst Lastkraftwagen und Zugmaschinen sowie Fahrgestelle für spezielle Aufbauten.

Geschichte[Bearbeiten]

Gemäß einem RGW-Beschluss aus dem Jahr 1971 sollten die Tatra-Werke zukünftig den gesamten Bedarf der RGW-Länder an geländetauglichen Fahrzeugen bis 20 t Nutzmasse abdecken. Um die geplanten Stückzahlen zu erreichen, wurden die Produktionskapazitäten zwischen 1972 und 1982 durch den Bau neuer Werke beträchtlich erweitert. Ebenfalls Anfang der 70er Jahre wurde mit der Entwicklung des neuen Typs Tatra 815 begonnen. Ziel war es, die Produktion zu rationalisieren durch die Schaffung eines Grundtyps anstelle der bisherigen zwei Baureihen. Die ersten Prototypen Tatra 815 wurden 1976 und 1977 hergestellt. 1981 begann die Produktion einer erweiterten Nullserie, sie umfasste 4 bis 5 Fahrzeuge pro Monat. Die Serienproduktion begann dann 1982, zu dieser Zeit wurde auch die Produktion der bisher gefertigten Typen Tatra 148 und Tatra 813 eingestellt. Die Baureihe 815 erfuhr im Laufe der Zeit zahlreiche Weiterentwicklungen und ist als Tatra 815-2 auch noch heute (Januar 2009) im Produktionsprogramm dieses Herstellers enthalten. Es wurden auch Sonderausführungen wie die Version „Arktik“ für den Export nach Sibirien oder auch Fahrzeuge für den Tropeneinsatz gebaut. Im Jahre 1997 diente der Tatra 815-2 als Basis für die Entwicklung der neuen Fahrzeugfamilie TERRNo 1.

Technik[Bearbeiten]

Die Fahrzeuge der Baureihe Tatra 815 werden im Baukastenprinzip aus vereinheitlichten Komponenten gefertigt. Es handelt sich um Fahrzeuge mit 2, 3 oder 4 Achsen. Auch Fahrgestelle mit 5 oder mehr Achsen, zum Beispiel für Autokrane, wurden gebaut. Es lassen sich folgende Grundformen unterscheiden: LKW für Straßen- und Geländeeinsatz, militärische und andere Spezialfahrzeuge sowie Fahrgestelle für Spezialaufbauten anderer Hersteller. Allen gemeinsam ist das tatra-typische Grundkonzept mit luftgekühlten Motoren, Zentralrohrrahmen und Pendelachsen.

Motoren[Bearbeiten]

Zusammen mit dem Tatra 815 wurde die neue Motorenbaureihe T3 eingeführt. Es handelt sich um luftgekühlte OHV-Direkteinspritzer mit Bohrung 120 mm und Hub 140 mm. Die Motorenbaureihe wurde anfangs in folgenden Ausführungen gebaut [3]:

T3-928 V8-Saugmotor 12.667 cm³ 170 kW / 2.200 min. 840 Nm / 1.400/min.
T3-929 V10-Saugmotor 15.825 cm³ 208 kW / 2.200/min. 1.010 Nm / 1.400/min.
T3-930-30 V12-Saugmotor 19.001 cm³ 235 kW / 2.200/min. 1.130 Nm / 1.400/min.
T3-930-53 V12 mit Turbolader 19.001 cm³ 265 kW / 2.200/min. 1.295 Nm / 1.400/min.

Mit der Einführung des Tatra 815-2 wurden die 10- und 12-Zylinder-Motoren aus dem Programm genommen und stattdessen ausschließlich aufgeladene V8-Triebwerke verwendet. Sie erfüllen die Normen der Schadstoffklasse EURO II. (Die Motoren der Schadstoffklassen bis derzeit EURO V sind der Fahrzeugfamilie TERRNo 1 vorbehalten). Für bestimmte Exportmärkte wurden auch Motoren von DEUTZ oder CUMMINS verbaut. Im Januar 2009 werden für den Tatra 815-2 folgende EURO-II-Motoren angeboten [4]:

T3B-928-50 V8 mit Turbolader 12.667 cm³ 230 kW / 1.800/min. 1.400 Nm / 1.200/min.
T3B-928-60 V8 mit Turbolader 12.667 cm³ 255 kW / 1.800/min. 1.570 Nm / 1.200/min.
T3B-928-70 V8 mit Turbolader 12.667 cm³ 300 kW / 1.800/min. 1.830 Nm / 1.200/min.

Die luftgekühlten Versionen erfreuen sich in den nördlichen Regionen Russlands besonderer Beliebtheit, da bei arktischen Temperaturen das Risiko einfrierenden Kühlmittels wegfällt.

Kraftübertragung[Bearbeiten]

Die Kupplung ist als Einscheiben-Trockenkupplung ausgeführt. Anfangs wurden für die meisten Modelle unsynchronisierte Schaltgetriebe verwendet, nur Typen für überwiegenden Straßeneinsatz bekamen synchronisierte Getriebe. Heute sind die Getriebe generell synchronisiert. Generell wird ein Fünfgang-Getriebe mit Vorschaltgruppe verwendet. Zugmaschinen für schwere Anhänger und Spezialfahrzeuge sind zusätzlich mit einem zweistufigen Zwischengetriebe versehen, so dass für diese Fahrzeuge 20 Vorwärtsgänge zur Verfügung stehen. Die Fahrzeuge der Baureihe 815 sind überwiegend mit Allradantrieb ausgerüstet, zum Teil mit abschaltbarer Vorderachse. Für den überwiegenden Straßeneinsatz wurden auch Ausführungen hergestellt, bei denen nicht alle Achsen angetrieben waren. Im aktuellen Produktionsprogramm ist der Tatra 815-2 ausschließlich in 4×4, 6×6 oder 8×8-Konfiguration aufgeführt. Hinterachsdifferenzial und Zwischenachsdifferenzial können sperrbar sein.

Fahrgestell[Bearbeiten]

Grundlage bildet der für Tatra typische Zentralrohrrahmen. Seine Vorteile sind die hohe Torsions- und Biegesteifigkeit sowie der Schutz der innen liegenden Komponenten des Antriebsstranges. Die Achsen sind als Pendel-Halbachsen ausgeführt. Nach dem Baukastenprinzip werden verschiedene Achsanzahlen und Radstände realisiert. Diese Bauweise verleiht den Fahrzeugen eine hohe Tauglichkeit für den Einsatz abseits befestigter Straßen. An den Vorderachsen werden Drehstabfedern verbaut, die Hinterachsen sind mit Blattfedern oder Luftfederung versehen. Es gibt Ausführungen mit Single-Bereifung und mit Zwillingsbereifung an den Hinterachsen. Die Lenkung erfolgt mechanisch mit hydraulischer Unterstützung. Bei den Ausführungen mit zwei Vorderachsen sind beide Vorderachsen gelenkt. Die Betriebsbremsanlage ist eine pneumatische Zweikreisbremse mit Trommelbremsen an allen Rädern und ALB an allen Achsen. Sie ist kombiniert mit Federspeicher-Feststellbremse, Motorbremse sowie Zweileitungs-Anhängerbremsanlage. Heute sind die Fahrzeuge mit ABS ausgerüstet.

Aufbau[Bearbeiten]

Mit der Baureihe Tatra 815 wurde auch das kippbare Fahrerhaus bei diesem Hersteller eingeführt. Es gibt die Frontlenkerkabine in verschiedenen Varianten, als kurze und mittellange Kabinen sowie als Doppelkabinen. Bei einigen Ausführungen befindet sich die kurze Kabine direkt über der Vorderachse, der Aufstieg erfolgt hierbei hinter dem Vorderrad. Bei den meisten Ausführungen ist die Kabine etwas nach vorn versetzt, der Aufstieg erfolgt vor dem Vorderrad. Die Fahrzeugaufbauten werden von einem Hilfsrahmen getragen. Ab Werk wurden und werden außer Fahrgestellen unter anderem Dreiseitenkipper, Muldenkipper, Pritschenwagen, Sattelzugmaschinen und Zugmaschinen mit Pritsche geliefert.

Ableitungen[Bearbeiten]

Das Chassis des Tatra 815 8x8 ist die Basis der tschechischen Selbstfahrlafette DANA. Außerdem wurde die 8×8-Version in Indien in Lizenz produziert, dort stellt sie die Basis des Mehrfachraketenwerfersystems Pinaka dar.

Fotos[Bearbeiten]

Zweiachser[Bearbeiten]

Dreiachser[Bearbeiten]

Vierachser[Bearbeiten]

Ähnliche Fahrzeuge[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Miroslav Gomola: Historie Automobilů Tatra II. AGM-Gomola, Brno 2000.
  • Michael Dünnebier: Lastwagen und Busse sozialistischer Länder. 1. Auflage. Transpress, Berlin 1988, ISBN 3-344-00272-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Dünnebier: Lastwagen und Busse sozialistischer Länder. 1. Auflage. Transpress, Berlin 1988, ISBN 3-344-00272-4, Seite 42.
  2. NVA: Katalog 054/3/001, Typen der Kraftfahrzeugtechnik, Typenblatt-Nr.: 07.44.00
  3. Michael Dünnebier: Lastwagen und Busse sozialistischer Länder. 1. Auflage. Transpress, Berlin 1988, ISBN 3-344-00272-4, Seite 41.
  4. Tatra 815 auf www.tatra.cz (englisch, Stand Januar 2009)