BMP-2

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BMP-2
BMP-2

BMP-2 der NVA im Panzermuseum Munster

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 3 (Kommandant, Richtlenkschütze und Fahrer) + 7 (Schützengruppe)
Länge 6735 mm
Breite 3150 mm
Höhe 2059 mm (mit Panzerabwehrlenkrakete 2450 mm)
Masse 13,8–14 Tonnen
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung 6–26 mm
Hauptbewaffnung 30-mm-Maschinenkanone 2A42
Sekundärbewaffnung 7,62-mm-koaxial-MG PKT, Nebelmittelwurfanlage
Beweglichkeit
Antrieb 6-Zylinder-Dieselmotor UTD-20S1
210-220 kW bei 2600/min
Federung Drehstab
Höchstgeschwindigkeit 65 km/h (Straße)
45 km/h (Gelände)
7 km/h (Wasser)
Leistung/Gewicht 16,0 kW/t
Reichweite 550–600 km

Der BMP 2 ist ein sowjetischer amphibischer Schützenpanzer. Die Abkürzung steht für „Bojewaja Maschina Pechoty 2“, was übersetzt „Gefechtsfahrzeug der Infanterie - Typ 2“ bedeutet.

Geschichte[Bearbeiten]

Bewertungen der Leistungen des BMP-1 bei Übungen im Friedensbetrieb und während des Jom-Kippur-Krieges 1973 führten zu der Entscheidung, das Design des BMP-1 zu überarbeiten. Erste Überlegungen dazu fanden bereits vor dem Krieg statt, so dass 1972 der Technologiedemonstrator „Objekt 680“ entstand, dessen Turmlayout mit einem flachen Zweimannturm, auf dem in einer Scheitellafette eine Maschinenkanone und ein Koaxial-MG aufgesetzt war, dem Turmlayout des Schützenpanzers Marder 1 ähnelte.[1] Ein zweites MG PKT wurde auf dem Lukendach der zwischen Fahrerplatz und Turm befindlichen Kommandantenluke installiert.[2] Das Objekt 680 zeigte die Machbarkeit und Vorteile des Konzeptes auf.

Der Jom-Kippur-Krieg gab schließlich den Ausschlag, den BMP-1 zu ersetzen, so dass ab 1974 ein zweistufiges Programm gestartet wurde. In der ersten Phase wurden die BMP-1 als Übergangslösung kampfwertgesteigert, um die während des Krieges gezeigten Schwächen zu beheben. Dazu wurden die Panzerabwehrlenkwaffen vom Typ 9M14 Maljutka, die sich aufgrund des MCLOS-Lenkverfahrens als weitgehend ineffektiv erwiesen hatten,[3] durch neue Lenkwaffen vom Typ 9K111 Fagot und 9K113 Konkurs ersetzt und eine Nebelmittelwurfanlage am Turm angebracht. Der BMP-1P genannte Panzer wurde ab Ende der 1970er Jahre produziert, ältere BMP-1 wurden auf diesen Stand nachgerüstet. Es war jedoch klar, dass grundlegende Änderungen am Konzept des BMP nötig waren.

Entwicklung[Bearbeiten]

In der zweiten Phase des Programms entwickelten die Entwicklungsbüros in Kurgan und Tscheljabinsk jeweils zwei Prototypen als potenzielle Nachfolger des BMP-1. Alle diese Prototypen waren mit einem Zwei-Mann-Turm ausgestattet, da innerhalb des Militärs Einigkeit darüber herrschte, dass der Ein-Mann-Turm des BMP-1 ein Fehler war und der Kommandant des Fahrzeugs im Turm sitzen müsste. Die „Objekt 675“ und „Objekt 681“ genannten Fahrzeuge aus Kurgan nutzten die Wanne des BMP-1, während die „Objekt 768“ und „Objekt 769“ genannten Fahrzeuge aus Tscheljabinsk eine verlängerte Wanne mit sieben Laufrollen hatten, um den höheren Platzbedarf des neuen Turms auszugleichen. Über die Bewaffnung des neuen Fahrzeugs herrschte Uneinigkeit. Einige konservative Militärs vertraten die Ansicht, dass das Fahrzeug mit einer Panzerabwehrwaffe als Hauptbewaffnung ausgestattet sein sollte, während andere die Ausstattung mit einer 30-mm-Maschinenkanone bevorzugten. Aufgrund dessen wurden die Prototypen „Objekt 681“ und „Objekt 768“ mit der verbesserten 73-mm-Kanone „Sarniza“ mit längerem Rohr ausgestattet, die gegenüber ihrem Vorgängermodell eine höhere Reichweite aufwies. Die Prototypen „Objekt 675“ und „Objekt 769“ erhielten die 30-mm-Maschinenkanone 2A42. Alle Fahrzeuge konnten Konkurs-Lenkflugkörper verschießen, Objekt 675 auch die Fagot, wobei der Richtlenkschütze im Gegensatz zum BMP-1P den Turm zum Abfeuern und Steuern der Waffe nicht verlassen musste.

Das „Objekt 675“ wurde für die Serienproduktion ausgewählt, da die Bewaffnung mit ihrer größeren Reichweite und größerem Höhenrichtbereich Vorteile gegenüber der 73-mm-Kanone bot und die Umstellung auf eine längere Wanne produktionstechnisch zu aufwendig war.

Beschreibung[Bearbeiten]

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Schnittmodell des Motors

Das Fahrzeug ist 6,73 Meter lang, 2,45 Meter hoch und 3,15 Meter breit. Sein Gewicht beträgt 14 Tonnen. Der Panzer ist ohne Vorbereitung schwimmfähig und die Insassen sind gegen MVW geschützt. Die Besatzung besteht aus drei Mann; der Fahrer sitzt links vorn neben dem Motor, Kommandant und Richtlenkschütze im Turm. Die sieben Mann zählende Schützengruppe besteigt das Fahrzeug durch die nach außen öffnenden Heckluken und sitzt Rücken an Rücken quer zur Fahrrichtung im Heck. Sie kann mit ihren Schützenwaffen durch Schießluken in das Gefecht eingreifen.

Der BMP-2 wurde in seinen Abmessungen auf den Lufttransport mit sowjetischen Flugzeugen ausgelegt. Er verfügt über einen Infrarotscheinwerfer und Nachtsichtgeräte und ist dadurch eingeschränkt nachtkampftauglich.

Wanne und Antrieb[Bearbeiten]

Lenkschwert

Der 6-Zylinder-Viertaktdieselmotor UTD20-S1 (russisch Унифицированный Транспортный Двигатель - Einheitsmotor für Transportfahrzeuge) ist ein V-Motor mit einem großen Öffnungswinkel von 120°.[4] Er wurde aus dem Motor UTD-20 des BMP-1 weiterentwickelt. Der Motor sitzt vorn rechts hinter dem Getriebe in der Wanne. Bohrung und Hub betragen jeweils 150 mm, die Höchstleistung liegt von 210 kW (300 PS) wird bei einer Drehzahl von 2600/min erreicht. Das maximale Drehmoment beträgt 980 Nm bei 1600/min. Die Verdichtung beträgt 15,8:1.

Der BMP-2 hat ein Stützrollenlaufwerk mit Drehstabfederung. Es besteht aus sechs einteiligen Laufrollen und drei Stützrollen auf jeder Fahrzeugseite. Die jeweils ersten beiden und die letzte Laufrolle sind stoßgedämpft. Die Antriebsrollen befinden sich am Bug, die Leitrollen am Heck des Fahrzeuges. Die 85 stählernen Kettenglieder der Gummi-Metallgelenkkette sind 300 mm breit und haben zwei Führungszähne, zwischen denen die Laufrollen laufen. Der Bodendruck beträgt 0,63 kg/cm³.

Bei Wasserfahrt wird der Vortrieb durch die mit hoher Geschwindigkeit laufenden Ketten erzeugt, die das Wasser am Heck durch absenkbare Strömungsleitbleche drücken.

Gelenkt wird mit einem sogenannten Lenkschwert.

Fahrleistungen[Bearbeiten]

Auf der Straße erreicht der BMP-2 eine maximale Geschwindigkeit von 65 km/h, im Gelände 40–45 km/h und schwimmend 7 km/h. Er kann Steigungen bis zu 35° bezwingen, 2,5 m breite Gräben und 0,7 m hohe Hindernisse überwinden.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Die 30-mm-Maschinenkanone kann gegen Boden- und Luftziele eingesetzt werden. Die in zwei Ebenen stabilisierte[5] Waffe hat zwei Feuermodi: langsam (für Bodenziele) und schnell (für Luftziele). Im langsamen Modus liegt die Kadenz zwischen 200–300 Schuss pro Minute, im schnellen Modus bei 550 Schuss pro Minute. Im schnellen Feuermodus füllt sich der Turm jedoch schnell mit dem Rauch der leergeschossenen Hülsen an.[6] Die Patronen werden mit einem Zweigurtsystem selektiv zugeführt, was das Umschalten zwischen verschiedenen Munitionsarten erlaubt. Der Kampfsatz besteht aus 500 Schuss; der Höhenrichtbereich geht von -5 bis +74°. Die Höchstreichweite liegt bei 4000 Metern, die effektive Kampfentfernung je nach Geschossart zwischen 1500 und 4000 Metern. Als Zweitwaffe dient ein achsparalleles (koaxiales) 7,62-mm-Maschinengewehr PKT mit 2000 Schuss.

Für die Bekämpfung gegnerischer gepanzerter Fahrzeuge steht ein auf dem Turmdach montierter Lenkraketenstarter für die 9K113 Konkurs-Lenkrakete zur Verfügung, der Kampfsatz beträgt vier Stück. Aus ihm können ebenfalls die Lenkraketen 9K111 Fagot gestartet werden.

Zusätzlich verfügt die mot. Schützengruppe über ein bis zwei tragbare Fla-Raketensysteme vom Typ 9K34 Strela-3 oder 9K310 Igla-1,[7] die aus den beiden geöffneten Deckluken auch während der Fahrt eingesetzt werden können.

Schutz[Bearbeiten]

Zur Panzerungsstärke existieren verschiedene Angaben; je nach Quelle ist die am stärksten gepanzerte Stelle, die Turmfront, zwischen 23 und 33 mm stark. Der Panzer besteht vollständig aus gewalztem Panzerstahl. Sie bietet Schutz bis zum Kaliber 12,7 x 99 mm BMG. Spätere Varianten wie der BMP-2D wurden mit Zusatzpanzerung ausgerüstet. Durch die damit einhergehende Gewichtszunahme verliert der Panzer seine Schwimmfähigkeit.

Mit den sechs außen angebrachte 81-mm-Rauchgranaten vom Typ 902W kann der BMP-2 einen Rauchvorhang legen und sich einnebeln.

Dadurch, dass der Kommandant zusammen mit dem Richtlenkschützen im Turm Platz findet, ist er besser gegen die Wirkung von Panzerminen geschützt als im BMP-1. Die Position des Fahrers wurde besser nach unten gepanzert.

Varianten[Bearbeiten]

  • BMP-2D: Upgrade mit Zusatzpanzerung (Seitenblenden und Bodenplatte aus Panzerstahl für Fahrer und Kommandant), nicht schwimmfähig; ~14,8 t, 62 km/h (1981)
  • BMP-2E: Variante mit 6-mm-Zusatzpanzerung und Kettenschürzen
  • BMP-2K: Führungspanzer mit zusätzlicher Funkausrüstung (1 × Funkgerät R124, 2 × Funkgerät R173)

Nutzung in Streitkräften (Auswahl)[Bearbeiten]

Der BMP-2 war und ist in mindestens 20 Ländern im Einsatz, dementsprechend wurden eine Reihe von Varianten und Modifikationen entwickelt, unter anderem Räumschilde, zusätzliche reaktive Panzerung, Aufbauten für westliche Waffensysteme und Wärmesichtsysteme.

  • RusslandRussland Russland
  • FinnlandFinnland Finnland (125)
  • TschechienTschechien Tschechien (174)
  • IranIran Iran
  • IndienIndien Indien
  • SyrienSyrien Syrien
  • GeorgienGeorgien Georgien
  • Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR: 23 Stück (1983) + 1 BMP-2K (1985); gingen 1990 in den Bestand der Bundeswehr über. 2 Stück an Frankreich abgegeben, 15 Stück in die USA, 1 Stück Armeemuseum Dresden.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  •  A. W. Karpenko: Sowjetisch-Russische Panzer. 1905–2003. Elbe-Dnjepr, Klitzschen 2004 (Originaltitel: Обозрение отечественной бронетанковой техники (1905–1995 гг.), übersetzt von R. Meier), ISBN 3933395445, S. 141–143.
  •  Wilfried Kopenhagen: Die Landstreitkräfte der NVA. Motorbuch, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02297-4.
  •  Wilfried Kopenhagen: Der Schützenpanzer BMP. Von der NVA über die Bundeswehr zur Armee Griechenlands (= Fahrzeug-Profile. Nr. 13). Unitec Medienvertrieb, Illertissen 1997 (Best.-Nr. 9013, Digitalisat, abgerufen am 15. März 2014).
  •  Steven Zaloga: BMP Infantry Fighting Vehicle 1967–94. Osprey Publishing, Oxford 1994, ISBN 978-1-85532-433-6.
  •  Steven Zaloga, Andrew Hull, David Markov: Soviet/Russian Armor and Artillery Design Practices: 1945 to Present. Darlington Productions, Darlington 1999, ISBN 1-892848-01-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: BMP-2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steven J. Zaloga: BMP Fighting Vehicle 1997–94. S. 13, abgerufen am 15. März 2014 (englisch).
  2.  A. W. Karpenko: Sowjetisch-Russische Panzer. 1905–2003. Elbe-Dnjepr, Klitzschen 2004 (Originaltitel: Обозрение отечественной бронетанковой техники (1905–1995 гг.), übersetzt von R. Meier), ISBN 3933395445, S. 138.
  3. Steven Zaloga: BMP Infantry Fighting Vehicle 1967–94, S. 14.
  4. Der BMP 1. Einige technische Daten. Abgerufen am 15. März 2014.
  5. BMP-2 Infantry Fighting Vehicle. Gary's Combat Vehicle Reference Guide, abgerufen am 12. März 2014 (englisch).
  6. Steven Zaloga et al.: Soviet/Russian Armor and Artillery Design Practices: 1945 to Present, S. 255.
  7. Steven Zaloga: BMP Infantry Fighting Vehicle 1967–94, S. 19 f.
  8. Martin Kunze: Noch einmal: Waffen und Ausrüstung der NVA - wo sind sie geblieben? (Teil 2). Ein nicht immer durchsichtiges Kapitel - das Erbe der NVA . Bestandsfindung mit doppelter Buchführung. 25. April 2005, abgerufen am 15. März 2014 (Pdf, 143kB).