Tommy Bolin

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Thomas Richard "Tommy" Bolin (* 1. August 1951 in Sioux City, Iowa; † 4. Dezember 1976 in Miami, Florida) war ein US-amerikanischer Rock-Gitarrist. Sein Vater stammte aus Schweden, seine Mutter war syrischer Herkunft.

Leben[Bearbeiten]

Nachdem Tommy Bolin mit seinem Vater und seinem Bruder Johnny ein Elvis-Konzert besucht hatte, stand für ihn fest, dass er Musiker werden wollte. Von seinem Bruder Johnny inspiriert, war sein erstes Instrument das Schlagzeug. Es folgte das Klavier, worauf er später auch komponierte. Mit 14 Jahren spielte er erstmals in einer Band namens Patch Of Blue, mit 15 Jahren gründete er seine erste Band, Denny & The Triumphs. Seine Mitstreiter waren Schulfreunde, die er kennengelernt hatte, bevor er von der Schule verwiesen wurde, weil er sich weigerte, sich die Haare schneiden zu lassen. Er eignete sich das Gitarrenspiel überwiegend auf autodidaktischem Weg an, da er mit mindestens zwei Lehrern nicht harmonierte.

Zwei Jahre spielte er mit den "Triumphs" Coverversionen, dann orientierte er sich anderweitig. Tommy Bolin zog nach Denver und schloss sich jeweils für kurze Zeit der Band American Standard und dem Gitarristen Lonnie Mack an. Ende 1968, er war noch nicht einmal 18 Jahre alt, gründete er die Band Ethereal Zephyr, die sich später dann nur noch Zephyr nannte. Sie veröffentlichte 1970 ihre erste LP Zephyr. Ein Jahr später erschien das zweite Album, Going Back To Colorado.

1972 stieg er aus und gründete die Band Energy, konnte jedoch keine Plattenfirma für die Veröffentlichung eines Albums finden.

Die nächste und für seine Karriere zugleich entscheidendste Station in Bolins Laufbahn bildete die Band von Billy Cobham. Auf dessen LP Spectrum spielte er 1973 bei acht Jazz-Rock-Tracks die Gitarre. Fast gleichzeitig erschien ebenfalls 1973 die LP Bang der James Gang. Dort stieg er als Ersatz für Dominic Troiano ein. 1974 wurde die zweite LP der James Gang mit Tommy Bolin veröffentlicht: Miami. Dies sollte aber schon das Ende der Zusammenarbeit mit der James Gang sein. (Er hat mit keiner Band mehr als zwei Studio-Alben eingespielt.)

Nach dem Ausstieg aus der James Gang beschloss er, seine Karriere als Solokünstler zu verfolgen. Zwischenzeitlich wirkte er bei der Band Rainbow's Canyon und bei Dr. John mit und war im November 1974 bei den Aufnahmen für einen weiteren Jazz-Rock-Klassiker für Alphonse Mouzon beteiligt - Mind Transplant. Zu Anfang des Jahres 1975 spielte er als Studiogitarist für die kanadische Band Moxy ihr erstes Album mit ein. Die Arbeit an seinem Solo-Album Teaser, welches im November 1975 erschien, dauerte fast ein Jahr.[1] Im gleichen Jahr stieg Ritchie Blackmore bei Deep Purple aus. David Coverdale schlug Bolin als Nachfolger vor und lud ihn zum Vorspiel ein.

Teaser erschien im November 1975 in den USA und zeigte Tommy Bolin erstmals auch auf einer kompletten LP als Leadsänger. Im gleichen Monat kam Deep Purples Album Come Taste the Band heraus, für das er acht Songs beisteuerte. Beide Platten verkauften sich schlecht und erreichten zusammen bei weitem nicht die Verkaufszahlen, die Ritchie Blackmore mit seiner Debütaufnahme Ritchie Blackmore’s Rainbow erzielte. Am 15. März 1976, nach 52 Auftritten als Leadgitarrist und einer Studio-LP, war die Ära Deep Purple für Bolin beendet. 1977 erschien die Live-LP Last Concert In Japan, mitgeschnitten am 15. Dezember 1975 im Nippon Budōkan in Tokio. Im Mai 1995 erschien das lange Zeit nur als Bootleg erhältliche Konzert von Deep Purple vom 27. Februar 1976 in der Long Beach Arena mit zwei Tracks vom 26. Januar 1976 in Springfield, Titel: On The Wings Of A Russian Foxbat.

Im September 1976 erschien Tommy Bolins letzte Platte zu seinen Lebzeiten: Private Eyes. Auf dem Album wirken u. a. folgende Musiker mit: Narada Michael Walden, Mark Stein, Norma Jean Bell. Nur ein paar Wochen später, am 4. Dezember 1976, starb Tommy Bolin. Am Abend vorher spielte die "Tommy Bolin Band" als Support für Jeff Beck in Miami. Nach dem Auftritt erlitt Tommy Bolin im Hotel einen Schwächeanfall und ging zu Bett. Am nächsten Tag fand seine Freundin ihn in einem stark geschwächten Zustand vor und rief einen Arzt. Bevor dieser eintraf, starb Tommy Bolin an einer Überdosis Heroin in Verbindung mit Alkohol.

Tommy Bolin wurde nur 25 Jahre alt; rund acht Jahre hat er im Musikgeschäft mitgewirkt. Sein Erbe wird heute von seinem Bruder Johnny verwaltet, der 1996 das Label The Tommy Bolin Archives gründete.

Equipment[Bearbeiten]

Seit seiner Zeit bei Zephyr spielte Bolin hauptsächlich Stratocaster-Gitarren, während er bis dahin noch mit anderen Gitarrenmodellen experimentiert hatte (z.B. bei Zephyr noch mit einer Gibson Les Paul und einer Gibson SG).[2] Bolin besaß drei Stratocaster, darunter ein unmodifiziertes Exemplar von 1963, das er am häufigsten spielte, sowie eines mit Telecaster-Hals. Für das Slide-Spiel setzte er eine Ibanez-Explorer ein, außerdem verwendete er eine Yamaha-Akustikgitarre[3] Er zog sehr dünne Saiten der Firma Ernie Ball auf und verwendete ein extra dickes Herco Gold-Plektrum, auf dem er jedoch einen Tag lang herumkaute, so dass es eine etwa mittlere Dicke bekam.[4]

Etwa seit seiner Zeit bei Energy verwendete Bolin Hiwatt DR103 100-Watt-Verstärker mit Sound City 4X12" Boxen, in die Eminence-Lautsprecher eingebaut waren.[2] Bei dem Verstärker stellte er die Bässe auf Maximum und beschnitt die Höhen komplett. Hinter den Verstärker hatte er ein Sam Ash Fuzztone geschaltet, bei dem er die Höhen maximal verstärkte. Mit dieser Einstellung klang es seiner eigenen Aussage nach nicht mehr wie ein Fuzztone, sondern gab der Gitarre bloß "mehr Biss und Durchsetzungskraft".[5] Er selbst beschreibt seinen Gitarrensound als "zwischen Stratocaster und Les Paul liegend".[4]

Ein weiterer wichtiger Bestandteil seines Sounds war das Maestro Echoplex Tape-Delay, das er ebenfalls etwa seit seiner Zeit bei Zephyr benutzte, nachdem er es bei dem amerikanischen Gitarristen Rick Derringer gesehen hatte.[2] Bolin stellte dieses Gerät auf einem Ständer oder einem Stuhl neben sich und bediente es beim Spielen mit der Hand und einem Fußschalter. Er wird als "Meister"[3] in seiner Verwendung beschrieben, es sei für ihn "wie ein zweites Instrument", aus dem er "alle möglichen Rhythmen herausholen" konnte.[6]

Diskografie[Bearbeiten]

Zephyr[Bearbeiten]

  • 1969 Zephyr
  • 1971 Going Back To Colorado
  • 1997 Live At Art's Bar and Grill (2. Mai 1973)

Energy[Bearbeiten]

  • 1998 The Energy Radio Broadcasts 1972
  • 1999 Energy (1972)
  • 2003 Tommy Bolin & Energy, Live in Boulder/Sioux City 1972

James Gang[Bearbeiten]

  • 1973 Bang
  • 1974 Miami

Billy Cobham[Bearbeiten]

  • 1973 Spectrum
  • 2001 Rudiments: The Billy Cobham Anthology

Alphonse Mouzon[Bearbeiten]

  • 1975 Mind Transplant
  • 1993 Mind Transplant (RPM, 116, mit Bonus-Track: "The Real Thing")
  • 1999 Tommy Bolin & Alphonse Mouzon Fusion Jam (Rehearsals 1974)

Rainbow Canyon[Bearbeiten]

  • 1974 Rollin in the Rockies (Ein Song, nur als Session-Spieler)

Moxy[Bearbeiten]

  • 1975 Moxy (Zwei Songs, nur als Session-Spieler)
  • 1976 Moxy 2 (Ein Song, nur als Session-Spieler)

Deep Purple[Bearbeiten]

  • 1975 Come Taste The Band
  • 1977 Last Concert in Japan (live 1975)
  • 1995 On The Wings Of A Russian Foxbat (live 1976)
  • 2000 Days May Come & Days May Go (Rehearsals 1975)
  • 2000 1420 Beachwood Drive (Rehearsals 1975)
  • 2001 This Time Around (live 1975)

Tommy Bolin[Bearbeiten]

  • 1975 Teaser
  • 1976 Private Eyes
  • 1989 The Ultimate.... (Kompilation)
  • 1996 From The Archives, Vol. One
  • 1997 From The Archives, Vol. Two
  • 1996 The Bottom Shelf, Vol.1 (Studio/Live '72-'76)
  • 1997 1976: In His Own Words (INTERVIEWS, 2-CD-Set)
  • 2000 Snapshot
  • 2000 Naked - Vol.1
  • 2002 Naked - Vol.2
  • 2002 After Hours - The Glen Holly Jams Vol.1
  • 2004 Live at The Jet Bar
  • 2006 Whips And Roses Vol.1 und Vol.2
  • 2013 Whirlwind
  • 2013 Captured Raw (Uncut Glen Holly Studio Rec. 1973-1976: Jams Vol.1)

Tommy Bolin & Friends[Bearbeiten]

Tommy Bolin Konzert-Mitschnitte[Bearbeiten]

  • 1996 Live at Ebbets Field (13. Mai 1976)
  • 1996 Live at the Northern Lights Recording Studio (22. Sept. 1976)
  • 2000 First Time Live, 2-CD-Set (April 28, 1976)
  • 2001 The Tommy Bolin Band Live 9/19/76
  • 2002 Live at Miami Jai Alai - The Final Show (3. Dez. 1976)
  • 2003 Alive on Long Island, May 22,1976 RKS My Father's Place in Roslyn, NY
  • 2004 Albany, NY, Sept.20,1976 with Bonus Track New Orleans, LA

Tribute To Tommy Bolin[Bearbeiten]

  • Various Artists-Tommy Bolin Tribute Concert (1996)

Es erscheinen kontinuierlich immer noch weitere Aufnahmen Bolins.

Filme über Tommy Bolin (Auswahl)[Bearbeiten]

  • "Tommy Bolin - A Tribute" (1996)
  • "Tommy Bolin - 'The Ultimate' Documentary" (2000)

(Bisher nur auf VHS über das "Tommy Bolin Archives" erhältlich; derzeit (2007) vergriffen).

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingo Jansen: A Life In Purple - Die ultimative DEEP PURPLE-Bibel (auch Quelle dieser Biographie)
  • Prato, Greg: Touched by Magic: The Tommy Bolin Story, lulu.com 2008, ISBN 978-0-578-00317-7

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Auf Bolins erstem Solo-Album wirken die folgenden Musiker mit: Stanley Sheldon - Bass (1, 2, 3, 5, 6, 7), Paul Stallworth - Bass (4, 8, 9), Dave Foster - Piano/Synthesizer (1, 2, 3), Jan Hammer - Synthesizer (6, 7), drums (6), Ron Fransen - Piano (9), David Sanborn - Saxophone (6, 7), Jeff Porcaro - Drums (1, 2, 3, 5), Prairie Prince - Drums (4, 8), Narada Michael Walden - Drums (7), Bobbie Berge - Drums (9), Phil Collins - Percussion (4), Sammy Figueroa - Percussion (6, 7), Rafael Cruz - Percussion (6, 7), Dave Brown - Background vocals (1), Lee Kiefer - Background vocals (1).
  2. a b c "Bolin" auf treblebooster.net
  3. a b Artikel von "Guitar World" von 1988
  4. a b Interview in "Guitar Player" von 1977
  5. Interview in "Guitar Player" von 1977: "...more bite and attack."
  6. "10 Things you gotta do to play like Tommy Bolin" in "Guitar Player": “The Echoplex was almost like another instrument to him,” says Johnnie [sein Bruder]. “... He had it down to where he knew how to get all kinds of rhythms out of it.”