Commodore VC 20

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Commodore VC 20
Commodore VC 20
Hersteller Commodore
Typ Heimcomputer
Veröffent-
lichung
1981
Produktions-
ende
Neupreis
Prozessor MOS Technology 6502
@ 1,02 MHz (NTSC-Version)
@ 1,10 MHz (PAL-Version)
Arbeitsspeicher KB erweiterbar auf 40 KB
Grafik VIC
  • 176 × 184 Pixel 2 Farben
  • 88 x 170 Pixel 4 Farben
Sound 4 Stimmen
Datenträger 170-KB-Disketten, Steckmodule, Compact Cassetten
Betriebssystem Commodore Basic V2
Vorgänger VC 10
Nachfolger Commodore 64

Der Commodore VIC 20, im deutschsprachigen Raum zur Vermeidung der zweideutigen Aussprache Commodore VC 20 genannt, war der erste Heimcomputer von Commodore. Er besitzt in der Grundausstattung 5 KB RAM, wovon 3583 Bytes unter BASIC zur freien Verfügung stehen, sowie eine 6502-CPU. Der Name kommt von seinem Videochip, dem VIC, und der Größe seines ROMs, nämlich 20 KB. Im Aussehen gleicht ihm, mit Ausnahme der Farbgebung, der spätere C64 (sog. Brotkasten-Gehäuse). Als Betriebssystem dient Commodore BASIC V2.0, das schon vorher in den PET/CBM-Modellen und später auch im C64 zum Einsatz kam.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Firma Commodore hatte den VIC (Video Interface Controller) entwickelt, einen Videochip für Computerterminals und Spielkonsolen, konnte aber keine Abnehmer finden. Gleichzeitig verfügte die Firma über einen Überschuss an 1-KB-RAM-Chips. So ordnete Commodores Präsident Jack Tramiel im April 1980 die Entwicklung eines Computers an, der die Überproduktion auffangen und weniger als 300 US-Dollar kosten sollte. Zuerst sollte er Vixen (Füchsin) heißen, doch dieser Name war im deutschen Sprachraum, Commodores zweitwichtigstem Markt, aufgrund seiner Zweideutigkeit nicht zu vermarkten. Im darauffolgenden Juni kam so der VIC 20 auf den amerikanischen Markt. Zum Ärger von Commodore war auch dieser Name im Deutschen etwas zweideutig, sodass er im deutschen Sprachraum als VC 20 eingeführt wurde, wobei VC oft als Abkürzung für „Volkscomputer“ gedeutet wurde. Zuerst wurde er als VIC-1001 in Japan eingeführt. Er war dort der erste Heimcomputer unter 100.000 Yen.

In Europa wurde der VC 20 im Januar 1981 eingeführt. Im Gegensatz zu den für den professionellen Markt gedachten Modellen der PET- bzw. CBM-Linie wurde der VC 20 nicht von autorisierten Händlern, sondern hauptsächlich von Kaufhäusern, Discount-Ketten, Versandhäusern und Spielwarengeschäften vertrieben und konkurrierte somit mehr mit den Videospielen aus dieser Zeit.

Trotz seiner eher mageren Hardware-Ausstattung und seines sehr einfachen, unstrukturierten BASIC-Dialekts wurde der VC 20 ein voller Erfolg. Er überschritt als erster Computer die Produktionsmarke von 1 Mio. Stück, war 1982 der meistverkaufte Computer, und bis zum Produktionsende 1985 wurden über 2,5 Millionen Exemplare hergestellt.

In den USA wurde eine Version des VC-20 auch unter der Bezeichnung VIC-21 verkauft. Dabei handelte es sich um einen VC-20 mit beigelegtem "16K-RAM-Expander", der mit dem eingebauten Speicher 21 KB ergab. Das Paket wurde auch unter dem Namen „SuperVIC“ angepriesen. Diese Version wurde in den USA lediglich im Großraum Boston und nur für kurze Zeit verkauft. Bei dem Rechner handelte es sich um einen gewöhnlichen VIC 20, aus dessen Logo auf der linken Geräteoberseite lediglich die ursprüngliche Bezeichnung entfernt worden war.[1]

Technische Daten[Bearbeiten]

VC20-Mainboard
Screenshot Commodore-VC20-Startbildschirm
  • Prozessor: MOS Technology 6502 mit einer Taktfrequenz von 1,02 MHz (NTSC-Version, USA) oder 1,10 MHz (PAL-Version, Europa)
  • Speicher: 5 KB (+ 512 Byte) RAM (davon 3583 Bytes zur freien Verfügung), erweiterbar auf bis zu 40 KB; 20 KB ROM; 4 KB Memory Mapped I/O welche zusätzlich 1024 x 4 Bit (512 Bytes) Farb-RAM enthalten. Das Farb-RAM ist wie beim VICII des C-64 über 4 Datenleitungen direkt am VIC (Insgesamt 12 Bit Datenbus) angeschlossen, was dem Videochip effektiv 50% mehr Speicherbandbreite als die CPU (8-Bit Datenbus) verschafft. Dadurch bekommt jedes Zeichen ohne große Umstände oder Einbußen im Timing eine eigene Vordergrundfarbe aus den ersten 8 Farben.
  • Anschluss an den Antenneneingang eines Fernsehers mittels eines mitgelieferten externen HF-Modulators oder (ohne Modulator) an einen Video-Monitor mit Composite-Anschluss oder einen Fernseher mit SCART-Buchse.
    • Textmodus: 22 × 23 Zeichen, gleichzeitige Darstellung von 8 von insgesamt 16 Farben
    • Grafik:
      • Pseudo-Grafik zweifarbig, mit 176 × 184 Pixeln über selbstdefinierte Zeichen
      • Pseudo-Multicolor-Grafik über selbstdefinierte Zeichen, mit etwa 88 x 170 Pixeln, wobei die vier Farben (ähnlich wie beim Commodore 64) aus der Rahmenfarbe, Hintergrundfarbe, der Zeichenfarbe aus dem Farb-RAM und einer Zusatzfarbe bestehen. Die Rahmenfarbe und die Zeichenfarbe aus dem Farb-RAM können aus 8 Farben (ähnlich denen, die beim ZX Spectrum zur Verfügung stehen) gewählt werden. Die anderen zwei Farben werden aus den 16 Multicolor-Farben gewählt.
      • Farben: Acht Standardfarben plus acht zusätzliche Farben für den Multicolor-Modus. Der VC 20 ist wohl der einzige Computer, der mehr als acht Farben kennt, darunter aber keinen Grauton.
      • Die genaue Auflösung kann man in gewissen Grenzen mittels einiger Tricks abhängig von dem zur Verfügung stehenden RAM verändern. Maximal sind etwa 224 × 256 sichtbar in der hohen Auflösung mit Ausnutzung von teilweise doppelter Zeichenhöhe, Änderung der Bildposition und maximal darstellbarer Anzahl von Zeichenspalten/Zeilen.
  • Sound: Vier Stimmen mit je 128 möglichen Tönen, davon drei Stimmen mit Rechteckwellen und eine Stimme Weißes Rauschen. Programmierbare Gesamtlautstärke. Die drei Rechteckstimmen haben je unterschiedliche Frequenzumfänge („Sopran“, „Tenor“ und „Bass“). Inzwischen ist es möglich, andere Wellenformen mit Hilfe einiger Tricks zu generieren, die vorher als bloße Fehler des VIC-Chips galten.
  • Tastatur mit 66 Tasten (QWERTY), die mehrfach belegt waren.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der VC 20 hatte einen proprietären Anschluss für Erweiterungssteckmodule (Expansions- oder Modulport), einen Datasette-Port, eine serielle Version des IEEE-488-Busses (CBM-Bus) für Diskettenlaufwerke und Drucker und einen User-Port, der mit entsprechendem Zubehör u. a. als RS-232- oder Centronics-Schnittstelle benutzt werden konnte. Es gab einen Ausgang für Audio und FBAS-Video, ein Signal für die Antennenbuchse (damals der einzige Eingang der meisten Fernsehgeräte) konnte mit einem mitgelieferten externen Modulator erzeugt werden.

Dazu kam ein Anschluss für ein Paar Paddles, einen Lichtgriffel oder einen digitalen Joystick, wie sie auch für Atari-Videospiele und später den C64 üblich waren. Von den 5 KB RAM standen 3,5 KB für BASIC-Programme zur Verfügung. Der Rest war für das Betriebssystem und den Videochip reserviert. Da das BASIC praktisch unverändert vom PET übernommen worden war, bot es keine Befehle, um die neuen Grafik- und Soundfähigkeiten des VC 20 anzusprechen; dies war nur durch direktes Manipulieren der Hardware mittels POKE-Befehlen oder per Maschinensprache möglich.

Als Diskettenlaufwerk stand die speziell für den VC 20 entwickelte VC1540 mit Commodore DOS zur Verfügung, es konnten jedoch später auch die meisten neueren Modelle der VC15xx-Linie angeschlossen werden (VC1541, 1570/71 und VC1581, nicht aber die VC1551). Die VC1540 war nur zum VC 20 kompatibel.

Über den Modulport konnte der Computer mit Steckmodulen aufgerüstet werden. Es gab viele Spielmodule, Speichererweiterungen von 3 KB bis 35 KB, BASIC-Erweiterungen, IEEE-488-Karten und vieles mehr. Mittels einer Erweiterungsbox konnten auch mehrere Steckmodule gleichzeitig angeschlossen werden. Die Nutzung von Speichererweiterungen war nicht immer ganz einfach, da das RAM je nach Ausstattung in unterschiedlichen Adressräumen organisiert wurde. So liefen manche Programme nur bei einer ganz bestimmten Speichergröße. Deshalb war bei vielen Speichererweiterungen anderer Hersteller die gewünschte RAM-Größe einstellbar. Commodore selbst bot nur Erweiterungen der Größen 3 KB, 8 KB und 16 KB an.

Basic-Programme konnten maximal 24 KB RAM benutzen, weiterer RAM-Speicher wurde vom VC 20 wie das ROM von Erweiterungssteckmodulen interpretiert. So war es möglich, die Daten von Spielesteckmodulen auf Kassette oder Diskette zu speichern und weiterzugeben. Die Kopie wurde dann in den oberen 8-KB-Bereich der 32-KB-Speichererweiterungen geladen.

Während die Besitzer anderer Heimcomputer auf das vergleichsweise ärmliche BASIC herabblickten, dessen Listings durch grafische Symbole, die z. B. Farbwechsel und Cursorpositionierungen symbolisierten, unleserlich und unübersichtlich waren, sorgte die vergleichsweise professionelle Tastatur für Neid. Direkte Konkurrenten des VC 20 in Deutschland waren u. a. der Sinclair ZX81 und dessen größerer „Bruder“ Spectrum.

Spiele[Bearbeiten]

Zwar war der VC 20 als Spiel- und Arbeitscomputer gedacht, aufgrund des kleinen Speichers und der geringen Videoauflösung gewann aber doch der Spielebereich die Oberhand. Es gab aber durchaus auch Finanz- und Kalkulationsprogramme für den Rechner. An kommerzieller Software waren ca. 300 Titel auf Steckmodulen verfügbar (davon etwa 40 von Commodore selbst), weitere 500 Titel auf Cassette, dazu kamen noch zahlreiche Veröffentlichungen zum Abtippen in Zeitschriften (Listings). Zum Vergleich: Für den Atari 2600, die meistverkaufte Spielkonsole dieser Zeit, gab es ca. 900 Titel.

Spielmodule (Auszug)[Bearbeiten]

Die unter Commodore vertriebenen Module waren, angelehnt an die Nummerierung der Hardware, mit fortlaufenden Nummern versehen. Auf den Modulen war ansonsten nur noch das Herkunftsland erwähnt, kein Copyright und kein Herstellungsjahr. (Auszug):

  • VIC 1901 AVENGER (Made in Japan)
  • VIC 1902 STAR BATTLE (Made in Hong Kong)
  • VIC 1909 ROAD RACE (Made in Hong Kong)
  • VIC 1931 CLOWNS

Weitere Hersteller von Modulen waren u. a. CBS, Sierra, Thorn EMI, UMI und Xonox (mit doppelseitigen Enden, mit jeweils einem Spiel an jedem Ende)

Kassettenspiele (Auswahl)[Bearbeiten]

Ein frühes Commodore-Spiel auf Cassette: Luftkampf, etwa 1981

Es wurden nur wenige Spiele direkt von Commodore auf Cassetten für die Datasette angeboten, darunter Car Chase, Vic-Synthesizer und Vic 21 casino style Blackjack. Weitere Spiele von Fremdherstellern waren:

Diskettenspiele[Bearbeiten]

Es gibt zahlreiche Spiele auf Disketten, die wenigsten davon BASIC-Spiele für den unerweiterten VC 20. Die meisten sind in Maschinensprache programmiert und benötigen meist die 3-KB- oder die 8-KB-Erweiterung. Eines der umfangreichsten Spiele ist Oldorfs Castle und benötigt insgesamt 32 KB. Bis heute werden noch Spiele und vor allem Demos (auch für Emulatoren) programmiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Howard Adler: 101 Programming Tips and Tricks for the Vic-20 and Commodore 64. ARCsoft Publishers, Woodsboro MD 1983, ISBN 0-86668-030-6.
  • Alastair Gourlay: "Spiele für Ihren VIC 20", Hueber Software Taschenbuch, ISBN 3-19-008215-4.
  • Anders Andersson, Arne Kullbjer: Messen, steuern, regeln mit dem VC-20 und Commodore 64, Hugo Haller, Saarbrücken 1984, ISBN 3-924028-03-6 (Haller intelligente Arbeits- und Lernmittel).
  • Michael Angerhausen, Rolf Brückmann, Lothar Englisch: VC-20 intern. Betriebssystem und Technik des VC-20. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage. Data Becker, Düsseldorf 1985, ISBN 3-89011-002-9 (Ein Data-Becker-Buch).
  • Michael Angerhausen, Paulissen, Axel Riedner, Wolfgang Schellenberger: VC-20. Tips und Tricks. Eine Fundgrube für den VC-20 Anwender. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage. Data Becker, Düsseldorf 1985, ISBN 3-89011-003-7 (Ein Data-Becker-Buch).
  • Günter O. Hamann: Lerne BASIC mit dem COMMODORE 64 / VC 20. Deutscher Betriebswirte-Verlag, Gernsbach 1984, ISBN 3-88640-016-6 (Programmierte Unterweisung).
  • John Heilborn, Ran Talbott: VC 20. Anwenderbuch. McGraw-Hill, Hamburg 1983, ISBN 3-89028-004-8.
  • Peter Holmes: Beginner's Assembly Language Programming for the Commodore Vic-20. 4th Edition. Glentop, Barnet 1983, ISBN 0-907792-10-3 (Dr. Watson computer learning courses).
  • A. J. Jones, E. A. Coley, D. G. J. Cole: Mastering the VIC-20. Ellis Horwood Ltd. u. a., Chichester u. a. 1983, ISBN 0-471-88892-3 (Computers and their applications).
  • Cölestin Lorenz: Programme für VC-20. Spiele, Utilities, Erweiterungen. W. Hofacker, Holzkirchen 1982, ISBN 3-921682-94-0.
  • Norbert Treitz: Besser programmieren mit dem VC 20. Das Buch zum Handbuch. 2. Auflage. Lehrmittelverlag Wilhelm Hagemann, Düsseldorf 1983, ISBN 3-544-53001-5.
  • Ramon Zamora, Don Inman, Bob Albrecht: BASIC mit dem VC 20 (MT 649). Grafik, Color, Sound. Markt-und-Technik-Verlag, Haar bei München 1984, ISBN 3-922120-86-5 (Computer persönlich).
  • Christian Zahn, Boris Kretzinger, Enno Coners: Die Commodore Story CSW-Verlag, Winnenden 2012, ISBN 978-3-941287-35-8.

Über die Entwicklung des VC 20[Bearbeiten]

  • Brian Bagnall: On the Edge. The Spectacular Rise and Fall of Commodore. Variant Press, Winnipeg 2005, ISBN 0-9738649-0-7.
  • Boris Kretzinger: Commodore. Aufstieg und Fall eines Computerriesen. Ein kurzer Streifzug durch die Firmengeschichte mit Daten, Fakten und den Gründen, warum der Computerpionier am Ende scheiterte. Skriptorium-Verlag, Morschen 2005, ISBN 3-938199-04-0 (Edition Retrobooks 1).
  • Michael Tomczyk: The Home Computer Wars. An Insider's Account of Commodore and Jack Tramiel. COMPUTE! Publications Inc., Greenboro NC 1984, ISBN 0-942386-75-2.

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.zimmers.net/cbmpics/cvic1.html Informationen zum VIC-21 mit Fotos

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Commodore VIC-20 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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