Wielbark

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt Wielbark in Masuren. Für die gleichnamige Ortschaft in der Landgemeinde Malbork und Fundstätte der Wielbark-Kultur, siehe dort.
Wielbark
POL gmina Wielbark COA.svg
Wielbark (Polen)
Wielbark
Wielbark
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Szczytno
Geographische Lage: 53° 23′ N, 20° 57′ O53.38333333333320.95Koordinaten: 53° 23′ 0″ N, 20° 57′ 0″ O
Einwohner: 2600
Postleitzahl: 12-160
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NSZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: WarschauSzczytno
Nächster int. Flughafen: Warschau
Gemeinde
Gemeindeart: Landgemeinde
Gemeindegliederung: 35 Ortschaften
22 Schulzenämter
Fläche: 347,89 km²
Einwohner: 6588
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 19 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2817082
Verwaltung (Stand: 2007)
Gemeindevorsteher: Grzegorz Zapadka
Adresse: ul. Grunwaldzka 2
12-160 Wielbark
Webpräsenz: www.wielbark.com.pl

Wielbark [ˈvʲɛlbark] (deutsch Willenberg) ist ein Ort im Powiat Szczycieński (Ortelsburg) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Wielbark liegt im historischen Ostpreußen am Zusammenfluss von Omulef und Sawitz an der Schnittstelle zwischen der Masurischen und der Kurpischen Tiefebene auf 125 Meter Meereshöhe im südlichen Masuren, etwa 55 Kilometer südöstlich von Olsztyn (Allenstein) und 20 Kilometer südlich der Kleinstadt Szczytno (Ortelsburg). Nach Nordosten hin erstreckt sich ein Heidegebiet, ansonsten bestimmen Kiefernwälder die Landschaft.

Geschichte[Bearbeiten]

Das 1361 beurkundete „Wildhaus“ auf einer Insel im Omulef-Fluss war eine der südlichsten Grenzfesten des Deutschen Ordens gegenüber dem polnischen Herzogtum Masowien. Die Feste entstand relativ spät im alten Pruzzengau Galinden, denn dieser wurde bereits im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts durch den Orden erschlossen. Das Wildhaus war zum Zeitpunkt seiner ersten Erwähnung Sitz eines Ordenspflegers und unterstand dem Komtur von Elbing. Am Ende des 14. Jahrhunderts ließen sich zwischen Omulef und Sawitz Bienenzüchter und Jäger nieder, und in einem Hammerwerk verarbeiteten Hüttenarbeiter das in der Nähe vorkommende Raseneisenerz. Durch die Lage an der wichtigen Handelsstraße KönigsbergWarschau entwickelte sich die nun Willenberg genannte Siedlung günstig, Händler und Schankwirte zogen hinzu, und laut „Henneberger Chronik“ plante schon Herzog Albrecht, Willenberg zur Stadt zu erheben. Aus unbekannten Gründen ist das Vorhaben nicht zur Ausführung gekommen.

Nach der Gründung des weltlichen Herzogtums Preußen durch Herzog Albrecht 1525 wurde Willenberg verwaltungsmäßig dem Oberländischen Kreis zugeordnet und dem Hauptamt Ortelsburg unterstellt. Zur Mitte des 16. Jahrhunderts verfügte der Ort über eine evangelische Kirche, er wurde 1557 als Kirchdorf bezeichnet. Während des Zweiten schwedisch-polnischen Krieges überfielen 1656 tatarische Hilfstruppen des polnischen Heeres den Ort und die Einwohner flüchteten mitsamt ihrem Vieh in den nahen Urwald.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte sich Willenberg zu einem Zentrum des Tuchmachergewerbes entwickelt. Dazu hatten wieder die günstige Lage an der Königsberger Handelsstraße und die Nähe zu Polen, von wo Wolle zollfrei eingeführt werden konnte, beigetragen. So konnte schließlich erreicht werden, dass der preußische König Friedrich Wilhelm I. am 21. Juli 1723 Willenberg das Stadtrecht verlieh.

1745 wurde die „Beutnerdorf“ genannte und hauptsächlich von Bienenzüchtern bewohnte Vorstadt eingemeindet. Die günstigen wirtschaftlichen Verhältnisse, gefördert auch durch die Straßenzollerhebung, ließen Willenberg zu einem wohlhabenden Gemeinwesen mit zahlreichem Immobilienbesitz werden. Es stand weiterhin unter wohlwollender Förderung des Königs, der z. B. bei der Beseitigung der Schäden des großen Brandes vom Juni 1743 half und 1754 die erstmalige Pflasterung der Straßen finanziell unterstützte. Auch der Wiederaufbau nach dem verheerenden Brand vom 16. Juli 1763 fand mit staatlicher Hilfe statt. Diese Jahre standen unter der Amtszeit des Bürgermeisters Valentin Schulz, der als einer der tatkräftigsten Stadtoberhäupter in die Geschichte der Stadt eingegangen ist.

Die preußische Verwaltungsreform von 1752 brachte für Willenberg eine neue Kreiszuordnung. Es wurde nun dem neu gebildeten Kreis Neidenburg unterstellt. Zugleich wurde in der Stadt eine Domänenkammer eingerichtet, deren Verwaltungssitz auf den Resten der alten Ordensburg erbaut wurde. Zum Schutz gegen die immer wieder von jenseits der nahen Grenze ausgehenden Raubzüge wurde 1769 die Stadtbefestigung verstärkt und ein Stadttor errichtet. Dieses wurde zwar 1861 schon wieder abgebrochen, wurde jedoch als Wahrzeichen der Stadt in das 1910 verliehene Stadtwappen aufgenommen.

Ungünstig für die Stadt verliefen die napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts. Im Januar 1807 zog das napoleonische Hauptheer mit 70.000 Soldaten durch die Stadt, und Napoleon selbst bezog sein Hauptquartier vom 21. Januar bis 2. Februar im Amtshaus der Domänenverwaltung. Teile der Armee wurden in der Stadt einquartiert und errichteten eine Feldbäckerei, zu deren Betrieb zahlreiche hölzerne Ställe und Scheunen abgebrochen wurden. Schließlich lösten die Soldaten noch einen Großbrand aus, dem die Beutnervorstadt zum großen Teil zum Opfer fiel. Die Stadt hatte die Kosten der Einquartierung zu tragen, musste dafür ihren Grundbesitz veräußern und Anleihen aufnehmen. Ebenfalls im Amtshaus nahm 1813 Zar Alexander I. von General von Kleist die Zustimmungserklärung Preußens zum gemeinsamen Kampf gegen Napoleon entgegen.

Durch eine erneute Verwaltungsreform wurde 1817 der Kreis Ortelsburg gebildet, dem auch Willenberg zugeordnet wurde. Am 23. September 1819 und am 9. Juni 1834 richteten erneut Großbrände erhebliche Schäden an. 1831 und 1852 forderte die Cholera viele Todesopfer. 1827 begann die evangelische Gemeinde mit dem Neubau einer Kirche, da die bisherige wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Der Neubau entstand im klassizistischen Stil in Anlehnung an schinkelsche Entwürfe. Die katholische Gemeinde errichtete ihr Gotteshaus in den Jahren 1878 bis 1880. Nach Einführung der preußischen Gewerbeordnung vom 17. Januar 1845 wurden in Willenberg Handwerkerinnungen unter anderem für Tuchmacher, Tischler, Schlosser, Schmiede Glaser, Kürschner und Schuhmacher registriert.

1860 wurde mit dem Bau der neuen Chaussee nach Ortelsburg begonnen, die später ein Teilstück der Reichsstraße 128 nach Königsberg wurde. An das Eisenbahnnetz wurde Willenberg erst spät angeschlossen. Am 1. Juli 1900 wurde die Bahnlinie Ortelsburg–Willenberg–Neidenburg eröffnet. Durch diesen späten Anschluss an die modernen Verkehrswege entwickelte sich in der Stadt kaum Industrie. Zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es hier lediglich drei Mühlen und eine Dampfbäckerei. Entsprechend stagnierte die Zahl der Einwohner. War sie noch zwischen 1857 und 1875 merklich von 2.044 auf 2.641 gestiegen, so sank sie später auf 2.577 im Jahr 1880 und auf 2.463 im Jahr 1910. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden jedoch die Infrastruktur durch den Bau eines wassergetriebenen Elektrizitätswerks (1906) und die Inbetriebnahme eines großen Schlachthofes (1910) und die Lebensverhältnisse durch die Neugestaltung des Marktplatzes (1905) und die Installation der Straßenbeleuchtung (1907) spürbar verbessert.

Vom Ersten Weltkrieg wurde Willenberg von Beginn an erheblich betroffen. Unmittelbar nach Kriegsbeginn besetzten russischen Truppen die Stadt, und dies wiederholte sich im Laufe des Krieges noch weitere zwei Mal. Im Verlauf der Schlacht bei Tannenberg wurden bei einem Gefecht nahe der Stadt am 30. August 1914 16.100 russische Soldaten der Narewarmee von der deutschen Armee gefangen genommen, ihr General Samsonow erschoss sich daraufhin bei der südlich der Stadt gelegenen Försterei Karolinenhof (heute Rokitka). Der für ihn durch den Ortelsburger Landrat von Poser nach Kriegsende aufgestellte Gedenkstein wurde nach 1945 von den Polen wieder beseitigt.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges schloss Polen seine Grenzen zu Ostpreußen, und damit entfiel auch für Willenberg der gewinnbringende Grenzhandel mit negativen Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft der Stadt. Durch Zuzug von Einwohnern aus den im Krieg verlorenen westpreußischen Gebieten stieg die Einwohnerzahl jedoch bis 1939 auf 2.599 an. Bei der durch den Versailler Vertrag angeordneten Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zu Ostpreußen oder Polen entschieden sich die Willenberger Bürger mit 1.581 zu 24 Stimmen für Ostpreußen.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Willenberg im Januar 1945 von der Roten Armee erobert. Wie im gesamten südmasurischen Raum (z.B. Ortelsburg und Neidenburg) fand auch in Willenberg keine Evakuierung statt, die Bevölkerung wurde auch noch direkt vor dem Einmarsch der Roten Armee völlig in Sicherheit gewogen. Erst direkt in den Stunden vor dem Einmarsch kam es zu spontanen Fluchthandlungen. Die Trecks wurden dann von der Front überrollt und die Fliehenden, falls nicht getötet, zur Umkehr in ihre Heimatorte gezwungen, nur einem eher kleineren Teil aus diesem Gebiet gelang die Flucht. Nur einige kinderreiche Familien waren schon vorher planmäßig nach Pommern evakuiert worden.

Schon einige Wochen später wurde die Stadt in polnische Verwaltung übergeben. Die noch vorhandenen deutschen Einwohner mussten entweder die polnische Staatsangehörigkeit annehmen oder wurden zwangsweise in die deutschen Gebiete ausgesiedelt. Die Stadt erhielt den polnischen Namen „Wielbark“. 1975 bis 1998 war der Ort Teil der Wojewodschaft Olsztyn.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch den Ort verlaufen sowohl die Landesstraße 57 BartoszycePułtusk als auch die Bahnlinie OlsztynOstrołęka. Zehn Kilometer nördlich liegt der Internationale Flughafen „Mazury“ Szczytno-Szymany.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Aus Willenberg stammten vierzehn Angehörige des Corps Masovia. Von diesen „Steinmasuren“ waren Karl Eduard Schrage und August Myckert Pfarrer, Simon Sadowski und Gustav Heckert Rektoren in Willenberg.

Gmina[Bearbeiten]

Wielbark ist Sitz und der mit Abstand größte Ort der Gmina Wielbark. Die Gemeinde zählt 22 Schulzenämter (fett) und 13 Weiler, wobei kein Ortsteil mehr als 300 Einwohner zählt.

polnischer Name deutscher Name polnischer Name deutscher Name polnischer Name deutscher Name
Baranowo Baranowen
1938–45 Neufließ
Lejkowo Röblau Sędrowo Sendrowen
1938–45 Treudorf
Borki Wielbarskie Borken bei Willenberg
1938–45 Borkenheide
Lesiny Małe Klein Leschienen Stachy Waldpusch
Ciemna Dąbrowa Finsterdamerau Lesiny Wielkie Groß Leschienen Szymanki Klein Schiemanen
Głuch Gluch
1938–45 Glauch
Łysak Lysack
1933–45 Kahlfelde
Wesołówko Fröhlichswalde
Jakubowy Borek Jakobswalde Maliniak Neu Werder Wesołowo Wessolowen
1938–45 Fröhlichshof
Jankowo Jankowen
1938–45 Wildenort
Nowojowiec Nowojowitz
1934–45 Neuenwalde
Wyżegi Wyseggen
1938–45 Grünlanden
Jesionowiec Jeschonowitz
1930–45 Eschenwalde
Olędry Wagenfeld Zabiele Sabiellen
1938–45 Hellengrund
Kipary Kiparren
1938–45 Wacholderau
Ostrowy Alt Werder Zapadki Schrötersau
Kołodziejowy Grąd
bis 1992 Kołodziejgrąd
Kollodzeygrund
1933–45 Radegrund
Piwnice Wielkie Groß Piwnitz
1938–45 Großalbrechtsort
Zieleniec Radzienen
1938–45 Hügelwalde
Kucbork Kutzburg Przeździęk Mały Klein Dankheim
vor 1900 Klein Przesdzienk
Zieleniec Mały Klein Radzienen
1938–45 Kleinhügelwalde
Łatana Mała Klein Lattana
1938–45 Kleinheidenau
Przeździęk Wielki Groß Dankheim
vor 1900 Groß Przesdzienk
Łatana Wielka Groß Lattana
1938–45 Großheidenau
Róklas Rocklaß
1938–45 Eckwald

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Olaf Göbeler: Willenberg. Die Geschichte einer ostpreußischen Grenzregion. Weber Druck GmbH, Gevelsberg 2004.
  • Emil Merks: Geschichte der Stadt Willenberg. Masurische Allgemeine Zeitung, Ortelsburg 1936.
  • Paul Romanowski: Willenberg. In: Victor von Poser, Max Meyhöfer: Der Kreis Ortelsburg. Ein ostpreussisches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1957, S. 343–345 (Ostdeutsche Beiträge aus dem Göttinger Arbeitskreis 4, ISSN 0474-8204), (Unveränderter Nachdruck: Rautenbergsche Verlagsbuchhandlung, Leer 1978).
  • Reinhold Weber: Willenberg. In: Reinhold Weber: Masuren. Geschichte – Land und Leute. Verlag Gerhard Rautenberg, Leer 1983, ISBN 3-7921-0285-4, S. 227–229.
  • Max Toeppen: Ueber preussische Lischken, Flecken und Städte. Ein Beitrag zur Geschichte der Gemeindeverfassungen in Preußen. In: Altpreußische Monatsschrift, Band 4, Königsberg 1867, S. 621–646, insbesondere S. 644–646.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juni 2014.