Węgorzewo

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Węgorzewo
Wappen von Węgorzewo
Węgorzewo (Polen)
Węgorzewo
Węgorzewo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Węgorzewo
Fläche: 10,87 km²
Geographische Lage: 54° 13′ N, 21° 45′ O54.21666666666721.75Koordinaten: 54° 13′ 0″ N, 21° 45′ 0″ O
Einwohner: 11.720
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 11-600, 11-601
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NWE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 63: PerłyGiżyckoPiszŁomżaSławatycze/Weißrussland
DW 650: (Kętrzyn–) Stara RóżankaGołdap
Nächster int. Flughafen: Flughafen Szczytno
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 341,00 km²
Einwohner: 17.408
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2819033
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Krzysztof Piwowarczyk
Adresse: ul. Zamkowa 3
11-600 Węgorzewo
Webpräsenz: www.wegorzewo.pl

Węgorzewo [vɛŋgɔˈʒɛvɔ], (1945–1946 Węgobork) (deutsch Angerburg, litauisch Ungura oder Unguris), ist eine Stadt in der Woiwodschaft Ermland-Masuren, seit 1945 in Polen, mit knapp 12.000 Einwohnern. Sie ist eines der Zentren für den Tourismus in der Region Ermland-Masuren. Angerburg, der Name der Stadt leitet sich von den Aalen, altpreußisch angurgis (polnisch Węgorz, litauisch Ungurys) ab, die hier früher in großer Zahl gefangen wurden.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Ort befindet sich im Norden Masurens in der historischen Provinz Ostpreußen, jetzt Polen, und ist am Fluss Węgorapa und dem Mamrysee (Mauersee bzw. Schwenzaitsee) gelegen. Die Region gehörte bis 1945 zu Ostpreußen. Zur nächstgelegenen größeren Stadt Giżycko (Lötzen) im Süden sind es 22 km, die russische Grenze im Norden ist 20 km entfernt.

Wappen[Bearbeiten]

Das Stadtwappen wurde durch Herzog Albrecht Friedrich von Preußen im Jahre 1571 erteilt. Es stellt auf blauem Hintergrund einen silbernen Turm mit spitzem rotem Dach und goldener Windfahne dar. Der Turm ist mit einem großen, geteilten Schild belegt, der oben in Silber einen wachsenden roten Adler zeigt, unten von Silber und Schwarz geviert ist. Der rote Adler weist auf den Markgrafen von Brandenburg hin, das silber-schwarze Schachbrettmuster auf die Hohenzollern. In ähnlicher Form werden diese Symbole auch in den Wappen der nahe gelegenen Gemeinden Gołdap und Olecko (Treuburg) verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon in einer Chronik aus dem Jahre 1335 wird eine „Angirburg“ erwähnt, bestehend aus einem Blockhaus, einer Palisade und einem Wachturm. In einem weiteren Dokument von 1341 wird berichtet, dass bei der Angerburg zwölf Prussen wegen treuer Dienste mit Land an den Flüssen Worape und Angrabe (Angerapp) vom Ritterorden belohnt wurden.[2] 1365 zerstörte der litauische Großfürst Kinstutte die Angerburg, doch an gleicher Stelle errichtete der Ritterorden dreißig Jahre später eine neue Burg, diesmal aus Stein. Sie sollte der weiteren Erschließung des Landes dienen.

Ende des 15. Jahrhunderts war die Gegend um die Angerburg bereits besiedelt. Es wurde Landwirtschaft betrieben und für den Bau einer Wassermühle der Mauersee bzw. Schwenzaitsee aufgestaut. Um 1510 hatte sich bei der Burg eine Ortschaft entwickelt, deren Name abwechselnd als Neudorf oder Gerothwol erwähnt wird. Nach der Gründung des Herzogtums Preußen wurde die Angerburg Sitz des Amtshauptmanns. 1571 verlieh Herzog Albrecht dem Ort auf Antrag seiner Bewohner das Stadtrecht und bestimmte, dass die Stadt künftig den Namen Angerburg führen solle. Bei einem Großbrand im Jahre 1608 wurden weite Teile der Stadt vernichtet, unter ihnen die 1528 errichtete Holzkirche und das gerade zwanzig Jahre alte Rathaus.

Angerburg 1684 (Christoph Hartknoch)
Historische Ansicht von Angerburg
Historische Ansicht am Markt in Angerburg
Alte Fliegeraufnahme von Angerburg
Blick auf die Stadt vom Kanal zum Mauersee
Schloss in Węgorzewo
Węgorzewo
Węgorzewo, Ulica Zamkowa (Schloss-Strasse)

In den folgenden Jahrzehnten hatte die Stadt unter dem schwedisch-polnischen Krieg, den Tatareneinfällen und mehreren Pestepidemien, zuletzt 1710, zu leiden. Aufschwung erfuhr die Stadt erst wieder, als 1718 Angerburg zur Garnisonsstadt ernannt wurde. Zur Förderung der Wirtschaft wurde an der Angerapp ein Hafen gebaut, 1740 erhielt die Stadt ein Wasserleitungssystem und die Garnison baute zehn Kasernen. Zu dieser Zeit hatte Angerburg etwa 1.800 Einwohner. Danach litten die Bewohner wieder unter den kriegerischen Auseinandersetzungen. Im Siebenjährigen Krieg besetzten russische Truppen die Stadt, in den napoleonischen Kriegen schleppten zuerst die Russen Typhus ein, anschließend plünderten Franzosen und Polen die Stadt.

1818 wurde Angerburg Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Ostpreußen. 1820 trat wieder eine positive Entwicklung für die Stadt ein, ein Lehrerseminar und eine Taubstummenschule wurden eröffnet. Die Einwohnerzahl stieg auf 3.500. Die Kanalisierung der Angerapp und der Ausbau des Hafens 1856 ließen das Gewerbe der Stadt weiter expandieren. Allerdings musste es die Stadt hinnehmen, dass 1858 die Garnison verlegt wurde. Auch das Landgericht und die Staatsanwaltschaft zogen von Angerburg weg, weil der Kreistag die Anbindung der Stadt an das neu entstehende Landstraßennetz und die Eisenbahn verhinderte. Erst als 1898 endlich ein Bahnanschluss geschaffen wurde, konnte sich Angerburg als Handelszentrum etablieren. Große Bedeutung erfuhr die Stadt durch die Errichtung der Behindertenanstalt Bethesda, durch die sie deutschland- und europaweit bekannt wurde. Im 1842 gegründeten Verlag Priddat erschien die Zeitung „Bote am Mauersee“. Im Jahre 1886 wurde eine zweite Druckerei gegründet, die von 1905 an die „Angerburger Kreiszeitung“ herausbrachte. Diese beiden Zeitungen wurden 1936 zwangsweise vereinigt.[3]

Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Angerburg wieder Garnisonsstadt. Zu diesem Zeitpunkt war die Bevölkerung auf 5.800 Einwohner gestiegen. Bei der Schlacht an den Masurischen Seen im September 1914 kam es in der Umgebung Angerburgs zu heftigen Kämpfen. In der Nähe von Angerburg liegt der deutsche-russische Soldatenfriedhof Jägerhöhe. Der Krieg beeinträchtigte die Stadt nur wenig, und nach seinem Ende wuchs sie durch neue Siedlungsbauten. Durch die Aufnahme eines regelmäßigen Schiffsverkehrs auf der Angerapp entstand mit dem Fremdenverkehr ein neuer Wirtschaftszweig.

Zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 lebten 7.700 Menschen in der Stadt, die zunächst vom Einzug eines Reiterregimentes profitierte. Durch Eingemeindungen wuchs Angerburg weiter an, bei der letzten deutschen Volkszählung 1939 wurden 9.846 Einwohner ermittelt.

Wie ganz Ostpreußen wurde Angerburg von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs zunächst nur indirekt (Gefallene und Verwundete, Versorgungsengpässe), dann aber in der Endphase um so härter getroffen. Anders als die östliche Nachbarstadt Goldap wurde Angerburg nicht verteidigt, sondern im Zuge einer Frontbegradigung von der deutschen Wehrmacht aufgegeben. Dadurch konnte die deutsche Zivilbevölkerung planmäßiger als andernorts die Flucht antreten. Da die Rote Armee bereits auf Elbing vorgestoßen und Ostpreußen abgeschnitten war, blieb den meisten Angerburgern nur die Flucht über das Frische Haff oder den Seehafen Pillau. Am 25. Januar 1945 erreichte die Rote Armee die verlassene Stadt, trotz der kampflosen Einnahme kam es zu schweren Verwüstungen. Angerburg wurde zu einem großen Teil niedergebrannt, in der Altstadt blieben nur wenige Gebäude erhalten. Der Stadtkern wurde bei der Besetzung von den Russen zu etwa 80 % zerstört.

Im Frühjahr 1945 wurde die Stadt polnischer Verwaltung unterstellt. Die neuen polnischen Einwohner kamen anfangs vorwiegend aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, wo sie an ihren Heimatorten von der zuständigen Sowjetkommandantur vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatsangehörigkeit anzunehmen oder auswandern zu müssen. Später kamen Neusiedler aus Zentralpolen und zusätzlich zahlreiche Ukrainer aus den Beskiden. Die Stadt wurde zunächst in Węgobork umbenannt und erhielt 1946 dann ihren heutigen Namen.

Nach dem Ende der Volksrepublik 1989 gewann der Ort vor allem an Bedeutung für den Fremdenverkehr der Masurischen Seenplatte.

Angerburg war mit das Zentrum des deutschen Eissegelns. Mehrfach wurden Europameisterschaften auf dem Mauersee durchgeführt. [4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Anzahl Anmerkungen
1782 2.213 ohne die aus einem Bataillon Infanterie bestehende Garnison[5]
1875 4.108[6]
1880 4.327[6]
1890 4.301[6]
1910 5.855[6]
1925 6.911[6]
1933 7.823[6]
1939 9.846 davon 9.198 Evangelische, 324 Katholiken, 120 sonstige Christen und 16 Juden[6]
2007 11.634[7]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Die Wirtschaft belebte sich nach dem 1880 gegründeten Siechen- und Krüppelheim, den »Wohltätigkeitsanstalten Bethesda« und nach 1920 durch den Eissegelsport auf dem Mauersee bzw. Schwenzaitsee.

Als Industriestadt hat Angerburg vor 1945 nie größere Bedeutung gehabt, sondern vor allem als regionales Dienstleistungszentrum. Bekanntester Betrieb war die Fischbrutanstalt, in der vor allem Maränen und Aale gezüchtet wurden. Der Tourismus entwickelte sich hier schon recht früh und ist heute der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Die Grenzziehung von 1945 schnitt Angerburg hart vom nördlichen Umland ab.

Nach Stilllegung des Personenverkehrs nach Kętrzyn hat die Stadt heute keinen Bahnanschluss mehr. Die Verbindungen nach Gołdap und Giżycko wurden bald nach Kriegsende demontiert und nicht wieder aufgebaut, die Strecken nach Gussew und Schelesnodoroschny wurden durch die Grenze unterbrochen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In der Stadt geboren[Bearbeiten]

Mit der Stadt verbunden[Bearbeiten]

  • Otto Streicher (1882–1945), Architekt und sozialdemokratischer Landrat, umgekommen in KZ Auschwitz
  • Berthold Beitz (1913–2013), Unternehmer, wuchs zum Teil in Angerburg auf

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Seven Festival : eine Musik-Veranstaltung mit Rock-Konzerten über 4 Tage im Sommer in Węgorzewo.

Gmina[Bearbeiten]

Zur Landgemeinde Węgorzewo gehören die folgenden Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Biedaszki Biedaschken
1938–1945 Wieskoppen
Łęgwarowo Lingwarowen
1938–1945 Berglingen
Rydzówka Mała
(bis 1994 Piaski)
Sandhof
Brzozowo Brosowen
1938–1945 Hartenstein
Maćki Schönbrunn Skrzypy Steinhof bei Rosengarten
Czerwony Dwór Rothof Mamerki Mauerwald Sobin Karlshöh
Dąbrówka Mała Klein Dombrowken
1938–1945 Dammfelde
Matyski Steinhof bei Angerburg Stawiska Stawisken
1938–1945 Teichen
Dłużec Langbrück Nowa Guja Neu Guja Stawki Stawken
1938–1945 Staken
Dowiackie Nowiny Dowiater Wald Ogonki Ogonken
1938–1945 Schwenten
Stręgiel Groß Strengeln
Duży Kamień
(bis 1994 Taławecki Rog)
Mittenort Parowa
(bis 1994 Parowo)
Birkental Stulichy Stullichen
Guja Groß Guja Pasternak Waldhof Surwile
(bis 1992 Surwily)
Serwillen
Jakunowo Jakunowen
1929–1945 Angertal
Perły Perlswalde Sztynort Groß Steinort
1928–1945 Steinort
Janówko Johanneshof Pilwa Pilwe Sztynort Mały Klein Steinort
Jerzykowo Georgenau Pniewo Stobben Tarławki Taberlack
Kal Kehlen Prynowo Prinowen
1938–1945 Primsdorf
Trygort Thiergarten
Kalskie Nowiny Kehlerwald Przystań Pristanien
1938–1945 Paßdorf
Węgielsztyn Engelstein
Kamień Stein Radzieje Rosengarten Węgorzewo Angerburg
Kamionek Wielki Bhf. Groß Steinort
1928–1945 Bhf. Steinort
Róże Rosenhof Wesołowo Groß Wessolowen
1938–1945 Raudensee
Karłowo Karlswalde Różewiec Rosenstein Wilkowo Wilkowen
1938–1945 Geroldswalde
Klimki Klimken Rudziszki Raudischken
1938–1945 Raudingen
Wysiecza Waldheim
Kolonia Rybacka Ruska Wieś Reussen Zacisz Südenort
Łababy
(bis 1999 Łabapa)
Labab Rydzówka Rehsau Zielony Ostrów Bergenthal

Siehe auch[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Węgorzewo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 22. November 2014.
  2. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 46.
  3. Bernd Braumüller, Erich Pfeiffer: Heimat am Mauersee, Ein Bildband über den Kreis Angerburg/Ostpreußen, Selbstverlag der Kreisgemeinschaft Angerburg, Rotenburg (Wümme), 1977, S. 85
  4. http://www.tutima-yacht.de/Pdf/tutima_penthouse.pdf
  5. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 41.
  6. a b c d e f g Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Ostpreußen: Landkreis Angerburg (2006).
  7. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 31. Dezember 2007