Wieluń

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Wieluń
Wappen von Wieluń
Wieluń (Polen)
Wieluń
Wieluń
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Łódź
Landkreis: Wieluń
Fläche: 16,90 km²
Geographische Lage: 51° 13′ N, 18° 34′ O51.21666666666718.566666666667Koordinaten: 51° 13′ 0″ N, 18° 34′ 0″ O
Einwohner: 23.546
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 98-300
Telefonvorwahl: (+48) 43
Kfz-Kennzeichen: EWI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 8/E 67 BreslauWarschau
DK 45
DK43
Schienenweg: KatowicePosen
Nächster int. Flughafen: Flughafen Łódź
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 20 Schulzenämter
Fläche: 131,20 km²
Einwohner: 32.443
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 247 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1017093
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Janusz Walenty Antczak
Adresse: pl. Kazimierza Wielkiego 1
98-300 Wieluń
Webpräsenz: www.um.wielun.pl

Wieluń [ˈvʲɛluɲ] ist eine Stadt in Polen. Sie ist Sitz des Powiat Wieluński in der Woiwodschaft Łódź und liegt am Rande des Karstgebietes Wyżyna Wieluńska. Größter Arbeitgeber der Stadt ist der polnische Nutzfahrzeughersteller Wielton.

Die Stadt wurde zu Beginn des Zweiten Weltkrieges durch Bombardements deutscher Sturzkampfbomber weitgehend zerstört.

Geschichte[Bearbeiten]

Wieluń wurde 1217 gegründet und 1281 von den Piasten als Festung ausgebaut. Der großpolnische Herzog Przemysław II. verlieh dem Ort 1283 das Stadtrecht. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde Wieluń schließlich zur königlichen Stadt und zum Sitz eines Kastellans erhoben. Unter Kasimir dem Großen, zwischen 1333 und 1370 König von Polen, erhielt sie eine Stadtbefestigungsanlage. Von 1370 bis 1392 fungierte Wieluń zudem unter dem Oppelner Herzog Władysław II. als Hauptstadt des gleichnamigen Herzogtums.

Im 16. Jahrhundert zählte Wieluń innerhalb des Königreichs Polen zu den bedeutendsten Städten. Hier befand sich eine Filiale der Universität Krakau und ein stadteigenes Theater. Das Handwerk blühte und war in zahlreichen Zünften organisiert. Während des Schwedisch-Polnischen Krieges zwischen 1655 und 1660 wurde die Stadt 1656 von den Schweden erobert und niedergebrannt.

Nach der zweiten Teilung des polnischen Staates gehörte Wieluń ab 1793 zum Königreich Preußen, ab 1806 zum Herzogtum Warschau und ab 1815 erneut zum Königreich Polen, bis dieses 1831 in das Russische Zarenreich eingegliedert wurde. Während dieser Phase wurde Wieluń 1867 zur Kreisstadt erhoben.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kam die Stadt 1918 schließlich an das wieder unabhängige Polen. 1926 erhielt sie Anschluss an das staatliche Eisenbahnnetz.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Wieluń
am 2. September 1939

Am frühen Morgen des 1. September 1939 wurde Wieluń durch deutsche Sturzkampfbomber angegriffen und bombardiert. Es handelte sich offenbar um die erste Kriegshandlung des Zweiten Weltkrieges.[2] Der Angriff begann laut Zeitzeugen gegen 4:37 Uhr,[3][4] laut deutscher Einsatzmeldung eine Stunde später.[5] Die erste Angriffswelle machte das Krankenhaus der Stadt dem Erdboden gleich. Die Einwohner wurden aus Bordwaffen gezielt beschossen.[6] Bei insgesamt drei Bombenangriffen im Lauf des Tages starben bis zu 1.200 der damals etwa 16.000 Einwohner.[2] Die Gebäude der Stadt wurden zu 70 Prozent und der Ortskern durch Brände zu 90 Prozent zerstört.[7]

Der Zweck des Angriffs ist unter Historikern umstritten. Rolf-Dieter Müller argumentiert, die Luftwaffe habe militärische Ziele ausschalten wollen, um unmittelbare Wirkung auf dem Schlachtfeld zu erzielen. In Wieluń seien am 31. August eine polnische Division und eine Kavalleriebrigade ausgemacht worden, denen die Angriffe gegolten hätten. Aber wegen Bodennebels seien diese Ziele verfehlt worden. Der Angriff auf Wieluń sei trotz der verheerenden Wirkung deshalb kein geplanter Terrorangriff gewesen.[8] Laut Jochen Böhler verzeichnete der erste Einsatzbericht des Sturzkampfgeschwader 76 „keine Feindbeobachtung“. Neuere Forschungserkenntnisse legten vielmehr den Verdacht nahe, dass die Vernichtung der Stadt Ziel des Angriffs gewesen sei, um zugleich die Schlagkraft der deutschen Luftwaffe zu testen. Der Chef des Generalstabes des Heeres, Franz Halder, hatte zwei Wochen vor dem Angriff in seinem Kriegstagebuch vermerkt: „Jagdeinsatz Rot in Gegend Wielun“. Die Luftwaffe flog in diesem Gebiet in den ersten Kriegstagen weitere Angriffe unter anderem auf die Kleinstädte Dzialoszyn und Kamieńsk und ließ „Wirkungsbilder“ von anderen bombardierten Ortschaften anfertigen. Halder unterschied in seinem Kriegstagebuch außerdem zwischen „Terrorangriff“ und militärischen Angriffen.[6] Hans-Erich Volkmann unterstreicht, dass die deutsche 10. Armee, die in diesem Frontabschnitt den ausschlaggebenden militärischen Faktor bildete, der Ortschaft Wieluń keine operative, geschweige denn eine strategische Bedeutung beimaß, mit der sich eine Bombardierung hätte rechtfertigen lassen. Der zuständige Befehlshaber der Luftwaffe, Wolfram von Richthofen, habe den Angriff auf eigene Faust befohlen. Richthofen habe zwar keinen „Terrorangriff“ beabsichtigt, aber Wieluń als grenznahes militärisches Übungsziel ausgewählt, um möglichst ohne eigene Verluste die Einsatzfähigkeit und Funktionstüchtigkeit der Sturzkampfbomber zu erproben. Volkmann charakterisiert die Zerstörung Wieluńs als einen Angriff auf ein nicht militärisches Ziel und deshalb als Kriegsverbrechen.[9]

Während des Krieges und der Besetzung Polens wurde die Stadt 1940 in Welun, ein Jahr darauf in Welungen und 1942 wieder in Welun umbenannt. Sie fungierte zudem bis 1945 als Sitz des deutschen Landkreises Welun im Reichsgau Wartheland. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt sie ihren ursprünglichen Namen wieder.

Gemeinde[Bearbeiten]

Wielun

Die Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Wieluń hat 20 Ortsteile mit einem Schulzenamt (sołectwo):

Bieniądzice
Borowiec
Dąbrowa
Gaszyn
Jodłowiec
Kadłub
Kurów
Małyszyn
Masłowice (Mooswiese)
Niedzielsko
Nowy Świat
Olewin
Ruda
Rychłowice (Reichlitz)
Sieniec
Srebrnica
Starzenice
Turów
Urbanice
Widoradz

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

Berlinek
Błonie
Bugaj
Chodaki
Chrusty
Grodzisko
Gryfówek
Józefów
Karbanów
Kazimierz
Kijak
Klusiny
Kolonia Dąbrowska
Krajków
Krzyżówka
Ludwina
Łęg
Małyszynek
Mokrosze
Murowaniec
Osice
Piaski
Podszubienice
Porąbki
Pustkowie
Śliwa
Widoradz Dolny
Widoradz Górny
Wydmuchowie
Zwiechy
Źródła

Verkehr[Bearbeiten]

Der Stadt liegt an den Landesstraßen 8 von Breslau nach Warschau und 45 von Opole nach Łódź und 43 von Częstochowa nach Wieluń und den Woiwodschaftsstraßen 481 und 486

Demographie[Bearbeiten]

Die überwiegende Mehrheit der Stadtbewohner bekennt sich zur römisch-katholischen Konfession.

Entwicklung der Einwohnerzahl

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadtmauer mit dem Krakauer Tor
  • Stadtmauer mit dem Krakauer Tor
  • Fronleichnamskirche, 14. Jahrhundert
  • Nikolaikirche, Barock
  • Klosteranlagen (Museum)
  • Barbarakapelle, 16. Jahrhundert
  • Schloss, klassizistischer Bau an Stelle des alten Piastenschlosses, Residenz für Staatsgäste

Im Ort geborene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wieluń – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Tadeusz Olejnik: Wielun - polska Guernica (Wielun - das polnische Guernica), Urzad Miejski w Wieluniu u.a., Wielun 2005, ISBN 83-91378-86-1

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 5. Juli 2014.
  2. a b Sven Felix Kellerhoff: Das Kriegsverbrechen von Wielun, Die Welt, 2. September 2009
  3. Thomas Urban: Polen: Portrait eines Nachbarn, Verlag C. H. Beck (Beck'sche Reihe Band 6043), 2012, ISBN 3406633269, S. 14 f.; Google-Books
  4. Agnieszka Hreczuk: Weltkriegsbeginn: „Flugzeuge, Papa, Flugzeuge!“, Der Tagesspiegel, 30. August 2009
  5. Jens Mattern, Hans Michael Kloth: Kriegsbeginn 1939: Stukas über Wielun, einestages, 26. August 2009
  6. a b Jochen Böhler: Die Zerstörung der Nachbarschaft - Die Anfänge des Vernichtungskrieges in Polen 1939. In: Mike Schmeitzner, Katarzyna Stokłosa: Partner oder Kontrahenten? Deutsch-polnische Nachbarschaft im Jahrhundert der Diktaturen. Mittel- und Ostmitteleuropastudien Bd. 8, Lit Verlag, Berlin 2008, ISBN 3825812545, S. 82 f..
  7. Joachim Trenkner: Zweiter Weltkrieg: Ziel vernichtet, Die Zeit 07/2003
  8. Rolf-Dieter Müller: Der Bombenkrieg 1939-1945, Ch. Links Verlag, Berlin 2004, ISBN 978-3-86153-317-7, S.54; Horst Boog: Bombenkriegslegenden, in: Militärgeschichtliche Beiträge 9/1995, S. 22.
  9. Hans-Erich Volkmann: Wolfram von Richthofen, die Zerstörung Wieluńs und das Kriegsvölkerrecht. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 70 (2011), S. 287–328.
  10. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 20, Leipzig und Wien 1909, S. 601.
  11. Erich Zechlin: Die Bevölkerungs- und Grundbesitzentwicklung im Zartum Polen. Reimer, Berlin 1916, S. 90-91.
  12. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 20, Leipzig 1935, S. 303.