Wolfram Siebeck

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Wolfram Siebeck 2004

Wolfram Siebeck (* 19. September 1928 in Duisburg) ist ein deutscher Gastronomiekritiker, Journalist und Buchautor.

Leben[Bearbeiten]

Siebeck ist der Sohn des Verwaltungsbeamten und späteren Wirtes Walter Siebeck. Er ist in Essen und Bochum aufgewachsen. Das Kriegsende 1945 erlebte er als Flakhelfer in Norddeutschland, wo er in Kriegsgefangenschaft geriet. Die britische Armee internierte ihn einige Monate auf der Insel Fehmarn.

In den ersten Jahren der Nachkriegszeit verdiente sich Siebeck seinen Lebensunterhalt mit dem Malen von Reklameschildern. Als 1948 zeitgleich mit der Währungsreform die WAZ gegründet wurde, bekam Siebeck dort eine Anstellung als Pressezeichner. Später arbeitete er zusammen mit seinem Freund Roland Topor.

Aufgrund einer kleinen Erbschaft konnte Siebeck ab 1950 die Werkkunstschule in Wuppertal besuchen. In diese Zeit fiel auch seine erste Reise nach Frankreich. Als Willy Fleckhaus 1958 in Köln die Zeitschrift Twen gründete, bekam Siebeck darin eine kulinarische Kolumne. Viele Jahre schrieb er auch für den Stern und die Zeit. Aktuell schreibt Siebeck eine monatliche Kolumne im Feinschmecker. Außerdem publiziert er auch immer wieder als Restaurantkritiker. Bis 2011 verfasste er eine wöchentliche Kolumne in der Wochenzeitung Die Zeit (in der Tiefdruckbeilage ZeitMagazin Leben). Seit Juli 2011 erscheinen seine Zeit-Beiträge seltener und er betreibt den Blog Wo is(s)t Siebeck – Ein Reisetagebuch.[1]

Ende der 1960er Jahre heiratete er Barbara McBride, die in erster Ehe mit dem Fotografen Will McBride verheiratet war. Aus deren Ehe waren drei Söhne hervorgegangen, für die Siebeck nun Stiefvater wurde. Die Familie ließ sich 1969 in Widdersberg am Ammersee nieder. Von hier aus starteten Barbara und Wolfram Siebeck die ersten kulinarischen Reisen, vor allem nach Frankreich. Anfang der 1980er Jahre zog die Familie nach Schondorf.

Seit Ende der 1980er Jahre lebt Wolfram Siebeck mit seiner Frau Barbara auf der Burg „Schloss Mahlberg“ in der Nähe von Freiburg im Breisgau.[2] Den Sommer verbrachten Wolfram und Barbara Siebeck bislang in Puy-St-Martin in der Nähe von Montélimar in Frankreich.

Werk[Bearbeiten]

Wolfram Siebecks Kolumnen und auch seine Buchveröffentlichungen haben – laut eigener Aussage – ein Ziel: Die Leser sollen erfahren und dafür sensibilisiert werden, dass Essen und Trinken von höchster Qualität sein sollen. Siebeck polemisiert in seinen Kolumnen und Büchern gegen Fast Food, Fertiggerichte, Lebensmittel aus den Discount-Läden, subventionierte Landwirtschaft und nicht artgerechte Tierhaltung, mangelhafte Tischkultur und die seiner Meinung nach schlechte deutsche Küche.[3] Sein Stil ist satirisch, sarkastisch und oftmals – absichtlich – verletzend.[4] Auch an Selbstironie und Selbstkritik lässt es Siebeck in den essayistisch angelegten Artikeln nicht mangeln.

Anfang der 1980er Jahre produzierte der Südwestfunk mit Siebeck eine zwölfteilige Kochsendung. Dazu hatte der Dokumentarfilmer Roman Brodmann angeregt, der auch Feinschmecker war. Für jede der Folgen wurden Spitzenköche zu Siebeck, der für sie ein Menü kochte, nach Hause eingeladen - so unter anderen die Sterne-Köche Marc Haeberlin, Emile Jung, Hans Stucki und Heinz Winkler. Das Menü wurde serviert, kommentiert und bewertet, und die Profiköche ließen sich zu mancher ironischen bis beißenden Kritik hinreißen. Die Serie wurde aufgrund des Todes von Roman Brodmann eingestellt.[3]

Siebecks kulinarische Popularität der letzten Jahrzehnte verstellt ein wenig den Blick auf seine Bedeutung als von der Esskultur unabhängiger Kolumnist und Satiriker. Aufgrund seiner zahlreichen Glossen in der Zeit und in der Süddeutschen Zeitung in den 1960er und 1970er Jahren und durch seine ersten Buchveröffentlichungen galt Siebeck damals "als einer der witzigsten Glossen- und Geschichtenschreiber deutscher Sprache".[5] Beispielsweise parodierte er 1969 einmal die Musikrezensionen von Joachim Kaiser, indem er "Münchens neueste Baustelle" auf "der oberen Leopoldstraße" als kulturelle Veranstaltung betrachtete. Für die Leistungen der Mitwirkenden – wie Alois Stiebl mit seiner Explosionsramme – verwendete Siebeck dabei das Vokabular eines Musikkritikers ("Das noble, beseelte, fast schmerzhafte Stakkato, das Stiebl aus dem Nichts beziehungsweise aus einem herrlichen Instrument holte, war Phon in höchster Reinheit") und gab durch Einbeziehung von Strassenbahngeräuschen "(Linie 43, Bahnhof – Kaiser Joachim-Platz)" einen deutlichen Hinweis auf den Parodierten.[6]

Fernsehporträts[Bearbeiten]

  • 1997: Spiegel TV Extra, Ralph Quinke: „Vorkoster der Nation“, 45 Min./30 Min., gedreht in seinem Haus in der Provence. Der Fernseh-Ableger des Nachrichtenmagazins porträtiert den Feinschmecker und Gastronomiekritiker Wolfram Siebeck. Das Fernsehteam begleitet den Gourmet nach Frankreich und Baden und lässt ihn ausgiebig über Gott und die Esskultur philosophieren.
  • 2004: arte, Bayerisches Fernsehen, „Lebenslinien: Der Küchenpapst – Wolfram Siebeck – Weltbürger und Grenzgänger“, 30 Min., gedreht in Mahlberg und der Provence, Porträt von Evelyn Schels.[7]
  • 2006: 3sat, „Gero von Boehm begegnet Wolfram Siebeck“, 30 Min., Gero von Boehm besucht Wolfram Siebeck in seinem Heim auf Schloss Mahlberg und spricht mit ihm über Fleischskandale und wie man guten Geschmack lernen kann, über Esskultur in Deutschland und anderswo und über seine Rolle als Vermittler zwischen Gast und Gastronomie.[8]

Ehrungen[Bearbeiten]

Verschiedenes[Bearbeiten]

1981 widmete ihm die Neue Deutsche Welle-Band Foyer Des Arts mit dem Sänger und späteren Schriftsteller und Publizisten Max Goldt das Lied: „Wolfram Siebeck hat recht!“.

Publikationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gero von Boehm: Wolfram Siebeck. 4. Januar 2006. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S. 469–476.

Weblinks[Bearbeiten]

Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wo is(s)t Siebeck – Willkommen
  2. Feinschmecker Siebeck schlemmt jetzt im Netz. In: Reutlinger Generalanzeiger. 4. Juni 2012.
  3. a b Siebeck, Wolfram. In: Munzinger Online/Personen – Internationales Biographisches Archiv. 34/2006 vom 26. August 2006. Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 05/2011. Abgerufen am 21. August 2011.
  4. Wolfgang Lechner: „Schickt Siebeck auf den Mars!“. In: Die Zeit. 17. September 2008. Abgerufen am 21. August 2011.
  5. Verlagsangaben in Klappe zu - Affe tot, dtv, München, 16.-25. Tsd. 1978, S. 4.
  6. W.S.: Musica viva. In: Die Zeit. 17. Januar 1969; auch online.
  7. „WELTBÜRGER UND GRENZGÄNGER - CITOYEN DU MONDE Der Küchenpapst Wolfram Siebeck“ (Version vom 3. Mai 2007 im Internet Archive), 2004 © ARTE – BR, 45 Min.
  8. „Gero von Boehm begegnet: Wolfram Siebeck“, 3sat, 16. Januar 2006 – offline am 21. August 2011.