Youssou N’Dour

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Youssou N’Dour 2009 in Warschau auf dem 5. Cross Culture Festival

Youssou N’Dour [jusun̩ˈduːʀ] (* 1. Oktober 1959 in Dakar) ist ein senegalesischer Sänger und Komponist sowie Minister für Kultur und Tourismus im Senegal.[1] Er entwickelte die heutige Populärmusik des Senegal mit, die auf Wolof als Mbalax bezeichnet wird. Sie ist eine Mischung der traditionellen Griot-Lobgesänge und der Perkussion des Senegal mit afro-kubanischen Arrangements. Er gilt als einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Künstler Afrikas.[2]

Karriere[Bearbeiten]

Youssou N´Dour auf dem TFF.Rudolstadt 2011

Youssou N’Dour war der Frontsänger der Star Band, aus der 1979 die Gruppe Étoile de Dakar entstand. 1983 ging N’Dour nach Paris und nannte seine neue Band, mit der er in Europa auftrat, Super Étoile de Dakar.

Im Rahmen des Weltmusikbooms konnte er sich in den 1990er Jahren auch auf dem westlichen Markt etablieren. Hier arbeitete er unter anderem mit Ryuichi Sakamoto, Peter Gabriel und Wyclef Jean zusammen. Seine bekannteste und kommerziell erfolgreichste Single ist 7 Seconds, ein 1994 aufgenommenes Duett mit der schwedischen Sängerin Neneh Cherry, Stieftochter des Trompeters Don Cherry.

Seit 1994 ist Youssou N’Dour regelmäßiger Gast auf dem Africa Festival in Würzburg. Anlässlich der Eröffnung der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover gab er ein Konzert auf der Expo Plaza vor mehreren tausend Zuschauern.

Das 2004 erschienene Album Égypte enthält Lieder (z.T. von Fathy Salama), in denen Youssou seine afrikanisch-islamische Kultur preist und zu gegenseitigem Verständnis der Religionen aufruft.

Engagement[Bearbeiten]

Soziales Engagement[Bearbeiten]

In seiner Heimat ist Youssou eine starke kulturelle Symbolfigur, die sich aktiv sozialen Fragen widmet. 1985 organisierte er ein Konzert zur Freilassung von Nelson Mandela. Youssou N Dour und seine Band besangen im Jahr 1986 den Kämpfer gegen die Apartheid mit einem eigenen Song.[3] Er trat 1988 auf der weltweiten Amnesty International Human Rights Now! Tour auf und arbeitete mit den vereinten Nationen und UNICEF. Er gründete das Projekt Joko, um in Afrika Internetcafés zu eröffnen und Menschen aus dem Senegal weltweit zu verknüpfen.

Auf dem Live-8-Konzert am 2. Juli 2005 trat er im Duett mit Dido in London und Paris auf. Er organisierte das am 12. und 13. März 2005 stattfindende Konzert Africa Live, bei dem in der senegalesischen Hauptstadt Dakar einige der renommiertesten afrikanischen Musiker auftraten. Das Konzert war Teil der Kampagne „Roll Back Malaria“ und unterstützt den Kampf gegen die Krankheit Malaria, der noch immer Millionen Menschen vor allem in Afrika zum Opfer fallen.

Beim Music-&-Messages-Konzert der Initiative Deine Stimme gegen Armut am 7. Juni 2007 in Rostock engagierte er sich neben weiteren Stars wie Bono, Die Toten Hosen und Die Fantastischen Vier. Das Konzert fand im Rahmen des G8-Gipfels in Heiligendamm statt.

Seit dem Mai 2007 ist er zudem Ratsmitglied des World Future Council und engagiert sich für die Rechte zukünftiger Generationen.

Politisches Engagement[Bearbeiten]

N’Dour (2013)

Anfang Januar 2012 gab N’Dour bekannt, dass er bei den kommenden senegalesischen Präsidentschaftswahlen im Februar desselben Jahres gegen den bisherigen Amtsinhaber Abdoulaye Wade antreten wolle. Das Verfassungsgericht ließ jedoch Ende Januar eine Kandidatur N’Dours nicht zu, da er nur 8900 gültige Unterschriften anstatt der erforderlichen 10.000 vorgelegt hätte. Gleichzeitig wurde Abdoulaye Wade zur Wahl zugelassen, obwohl die senegalesische Verfassung eine dritte Kandidatur eigentlich nicht vorsieht. Dies führte in Dakar zu Straßenschlachten zwischen oppositionellen Demonstranten und der Polizei. N’Dour, der selbst von fast 13.000 erhaltenen Unterschriften sprach, plante zunächst, Berufung gegen die Entscheidung einzulegen,[4] unterstützte dann aber den späteren Sieger der Wahl, Macky Sall. Am 4. April 2012 wurde er zum Minister für Kultur und Tourismus in dessen Kabinett berufen.

Ende Februar 2012 unterzeichnete N'Dour bei einem Treffen mit Jo Leinen den Aufruf der internationalen Kampagne für eine Parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen.[5]

Filme[Bearbeiten]

Youssou N’Dour, Toronto Filmfestival 2008

Der Film Retour à Gorée / Return to Goree, deutscher Titel „Rückkehr nach Goree“ aus dem Jahr 2006 ist ein Dokumentarfilm, in dem Youssou N’Dour zusammen mit anderen Musikern eine Reise zu einem der größten Sklavenhandelsplätze, der Insel Gorée, unternimmt, auf der Suche nach musikalischen Wurzeln unter anderem des Jazz. Im Verlaufe der Reise schreibt Youssou N’Dour neue Songs, beeinflusst von den Eindrücken der Reise. Der Film endet mit einem Gedenkkonzert an die Gräueltaten der Sklaverei auf der Insel Gorée.

Ein weiteres Filmprojekt N’Dours ist der Spielfilm Amazing Grace von 2007. Dieser behandelt den Beginn der Antisklavereibewegung in Großbritannien. Youssou N’Dour verkörpert in dem Film die Rolle des Olaudah Equiano. Dieser ist eine der prominentesten Personen afrikanischer Herkunft innerhalb der britischen Parlamentsdebatten gegen den Sklavenhandel Ende des 18. Jahrhunderts.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[9]
The Guide (Wommat)
  DE 27 01.08.1994 (19 Wo.)
  AT 11 11.09.1994 (9 Wo.)
  CH 18 26.06.1994 (21 Wo.)
Joko
  DE 74 06.03.2000 (1 Wo.)
  CH 42 05.03.2000 (8 Wo.)
Nothing's in Vain (Coono du réer)
  CH 48 10.11.2002 (5 Wo.)
Egypt
  CH 81 27.06.2004 (1 Wo.)
Dakar-Kingston
  CH 96 28.03.2010 (2 Wo.)
Singles[9]
7 Seconds (mit Neneh Cherry)
  DE 3 27.06.1994 (35 Wo.)
  AT 3 07.08.1994 (17 Wo.)
  CH 1 26.06.1994 (31 Wo.)
  UK 3 25.06.1994 (25 Wo.) [10]
  US 98 08.10.1994 (4 Wo.)
Undecided
  DE 92 06.02.1995 (2 Wo.)
  UK 53 14.01.1995 (2 Wo.)
How Come (mit Canibus)
  UK 52 10.10.1998 (1 Wo.) [11]
Shakin' the Tree (mit Peter Gabriel)
  UK 61 03.06.1989 (3 Wo.) [12]
So Many Men (mit Pascal Obispo)
  CH 85 24.11.2002 (4 Wo.)

Alben[Bearbeiten]

  • 1984: Bitim Rew
  • 1986: Nelson Mandela
  • 1988: Immigrés
  • 1989: The Lion (Gainde)
  • 1990: Set
  • 1992: Eyes Open
  • 1994: The Guide (Wommat)
  • 1995: Gainde – Voices from the Heart of Africa
  • 1997: St. Louis
  • 1999: Rewmi
  • 2000: Lii
  • 2000: Le Grand Bal à Bercy
  • 2000: Joko
  • 2001: Ba Tay
  • 2001: Le Grand Bal Vol 1 & 2
  • 2002: Et Ses Amis
  • 2002: Nothing’s in Vain (Coono du réer)
  • 2004: Égypte
  • 2006: Badou
  • 2007: Rokku Mi Rokka
  • 2010: Dakar – Kingston
  • 2010: I Bring What I Love (Soundtrack)

Kompilationen[Bearbeiten]

  • 1990: Best of
  • 1998: Best of the 80’s
  • 2001: Birth of a Star

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dts Nachrichtenagentur: Sänger Youssou N`Dour wird Minister für Kultur und Tourismus im Senegal, vom 5. April 2012, Abgerufen am 5. April 2012
  2. Frank Wittmann in medienheft.ch, abgerufen am 14. Juli 2011
  3. http://www.funkhauseuropa.de/themen/aktuell/songsformandela100.html#songsformandela100
  4. Präsidentenwahl im Senegal: Sänger Youssou N’Dour darf nicht antreten bei faz.net, 28. Januar 2012 (abgerufen am 28. Januar 2012).
  5. Foto: Treffen zwischen Jo Leinen und N'Dour, (abgerufen am 28. Februar 2012).
  6. List of the 1996 Kora event winners, abgerufen am 16. Februar 2010
  7. Prinz-Claus-Preisträger, 2002
  8. Kaija Saariaho och Youssou N´Dour får Polarpriset 2013, dn.se, abgerufen am 7. Mai 2013.
  9. a b Chartquellen: DE AT CH UK US
  10. 7 Seconds (Youssou N'Dour feat. Neneh Cherry) in den UK-Charts
  11. How Come (Youssou N'Dour and Canibus) in den UK-Charts
  12. Shakin' the Tree (Youssou N'Dour and Peter Gabriel) in den UK-Charts

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Youssou N’Dour – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien