Neneh Cherry

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Neneh Cherry (2013)

Neneh Cherry (* 10. März 1964 in Stockholm als Neneh Marianne Karlsson) ist eine schwedische Hip-Hop-Künstlerin und Stieftochter von Don Cherry. An ihren Alben ist sie vor allem als Texterin und Sängerin bzw. Vortragende beteiligt, daneben auch meist als Produzentin. Zu ihren größten kommerziellen Erfolgen gehören Buffalo Stance (1988), Manchild (1989), I’ve Got You Under My Skin (1990, mit Afrika Bambaataa), 7 Seconds (1994, mit Youssou N’Dour) und Woman (1996).

Ihr Hip-Hop ist immer wieder auch von anderen Stilen beeinflusst, zum Beispiel Soul (Inna City Mamma, 1989), Rock (Trout, 1992, mit Michael Stipe von R.E.M.) oder Worldmusic (7 Seconds).

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Neneh Cherry wuchs gemeinsam mit ihrem vier Jahre jüngeren Halbbruder Eagle-Eye Cherry bei ihrer Mutter, der schwedischen Malerin Monika Karlsson (auch Moki Cherry), und ihrem Stiefvater, dem Jazz-Musiker Don Cherry, auf. Der Kontakt zu ihrem Vater, dem Musiker Amahdu Jah aus Sierra Leone, brach aber nie ganz ab. Väterlicherseits hat sie eine Halbschwester, die Sängerin Titiyo. Ihre ersten beiden Lebensjahre verbrachte sie in Hässleholm in Schweden. Danach reiste die ganze Familie mit Don, der meist auf Tournee war, um die ganze Welt - meist durch die USA und Europa. Einer der wenigen Orte, wo die Familie sich regelmäßig aufhielt, war New York, wo Neneh auch sporadisch zur Schule ging. Durch ihren Stiefvater, der seit den 1960ern selbst zu den bedeutendsten Innovatoren des Jazz, insbesondere des Free Jazz, zählte, lernte sie schon früh eine ganze Reihe von Musikern kennen. Darunter waren Berühmtheiten wie Ornette Coleman, mit dem Don Cherry eng zusammenarbeitete, oder Miles Davis.

Anfang der 1980er brach sie die Schule ab, siedelte nach London über und begann ihre eigene musikalische Laufbahn. Die erste Gruppe, mit der sie auftrat, war die Punkrock-Band The Cherries. Bevor sie mit Stop the War, einem Protest-Song gegen den Falkland-Krieg (1982), ihre Solokarriere startete, arbeitete sie noch mit The Slits und Rip Rig + Panic zusammen. 1986 nahm sie zusammen mit The The den Titel Slow Train to Dawn auf.

Mit ihrem Mann Cameron McVey (auch Produzent von Massive Attacks Debüt-Album Blue Lines, Portisheads Dummy und später Alben der All Saints und der Sugababes) nahm sie 1988 ihr Debüt-Album Raw Like Sushi auf. Die Single-Auskopplung Buffalo Stance wurde zu ihrem ersten großen Hit. Kurz darauf erkrankte sie an Borreliose, was ihre Arbeit als Musikerin zeitweilig behinderte.

1990 hatte sie mit I’ve Got You Under My Skin, ihrem Beitrag zur AIDS-Benefiz-Compilation Red Hot + Blue, ihren zweiten großen Erfolg.

1992 veröffentlichte sie ihr zweites Album, Homebrew, auf dem auch Michael Stipe (R.E.M.) und Guru (Gang Starr) zu hören sind. Im darauf folgenden Jahr übersiedelte sie für kurze Zeit nach New York, 1995 mietete sie ein Haus in der Nähe von Málaga (Spanien), wo sie bis 1999 mit ihrer Familie lebte.

Neneh Cherry (Arena, Wien, 1996)

Ihr drittes Album Man erschien 1996. Das Album entstand auch unter dem Eindruck ihrer dritten Schwangerschaft sowie des Todes ihres Stiefvaters Don Cherry, der die letzten acht Monate seines Lebens in ihrem Haus in Spanien verbracht hatte. Sie bezeichnete es als „ein Album von Leben und Tod“.[1] Die Musik darauf war stärker an Rock und Soul orientiert, Elemente aus Drum and Bass und Hip-Hop traten in den Hintergrund. Mit dem Lied 7 Seconds, einem Duett mit Youssou N’Dour, das bereits im Jahr 1994 erstmals veröffentlicht worden war, ist auf Man ihr bisher größter Hit zu finden. Das Lied schaffte es in vier Ländern an die Spitze der Charts.[2] Das Album wurde von deutschen Musikkritikern zwiespältig aufgenommen. Es sei "ein überproduziertes Downbeat-Album, in dem Cherry HipHop-Skills unter einer Schicht überbordender Piano- und Streichersounds verschwanden", meinte z.B. Christian Werthschulte.[3] Frank Sawatzki hielt es für eine "müde Radioproduktion".[4]

2010 arbeitete sie erstmals mit der Free-Jazz-Band The Thing (Mats Gustafsson, Ingebrigt Håker Flaten und Paal Nilssen-Love) zusammen,[5] mit der sie 2012 das Album The Cherry Thing veröffentlichte und auch Konzerte gab.[6]

Im Februar 2014 erschien mit Blank Project Cherrys erstes Solo-Album seit 18 Jahren. Als Produzent zeichnet der Londoner Musiker Kieran Hebden alias Four Tet verantwortlich, für die Musik verpflichtete sie das junge britische Duo RocketNumberNine, bestehend aus den Brüdern Ben und Tom Page. An Keyboards und Schlagzeug liefern die beiden einen spartanischen Klang, in dem elektronische Musik, HipHop, Pop und vereinzelt auch Rock fließend ineinander übergehen.[7]

Neneh Cherry ist Mutter von drei Töchtern, Naima, Tyson und Mabel. Ihr Stiefsohn Marlon Roudette (Vater ist Cameron McVey) ist Gründer und Mitglied der Musikgruppe Mattafix. Die Familie lebt heute teils in London und teils in Schweden.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einige der bedeutenderen Auszeichnungen, die Neneh Cherry bisher erhielt:

Diskografie[Bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartpositionen[8] Anmerkungen
DE AT CH UK US
1989 Raw Like Sushi 10
(25 Wo.)
7
(16 Wo.)
6
(17 Wo.)
2
(43 Wo.)
40
(35 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2. Mai 1989
1992 Homebrew 16
(12 Wo.)
27
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 26. Oktober 1992
1996 Man 20
(14 Wo.)
5
(11 Wo.)
5
(16 Wo.)
16
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2. September 1996
2014 Blank Project 39
(2 Wo.)
38
(2 Wo.)
28
(3 Wo.)
41
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. Februar 2014

Kollaborationen[Bearbeiten]

Jahr Titel Anmerkungen
2006 Laylow Erstveröffentlichung: 2006 (mit CirKus)
2009 Medicine Erstveröffentlichung: 9. März 2009 (mit CirKus)
2012 The Cherry Thing Erstveröffentlichung: 21. Juni 2012 (mit The Thing)

Remixalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Anmerkungen
1997 Remixes Erstveröffentlichung: 1997
2007 Laylower Erstveröffentlichung: 2007 (mit CirKus)

Singles[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartpositionen[8] Anmerkungen
DE AT CH UK US
1988 Buffalo Stance
Raw Like Sushi
2
(20 Wo.)
7
(14 Wo.)
2
(12 Wo.)
3
(13 Wo.)
3
(24 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1988
1989 Manchild
Raw Like Sushi
2
(19 Wo.)
6
(14 Wo.)
4
(17 Wo.)
5
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 1989
Kisses on the Wind
Raw Like Sushi
23
(13 Wo.)
9
(9 Wo.)
20
(6 Wo.)
8
(14 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juli 1989
Heart
Raw Like Sushi
73
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1989
Inna City Mama
Raw Like Sushi
17
(7 Wo.)
31
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: Dezember 1989
1990 I’ve Got You Under My Skin
Red Hot + Blue
23
(16 Wo.)
25
(4 Wo.)
25
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: September 1990
1992 Money Love
Homebrew
23
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: September 1992
1993 Buddy X
Homebrew
15
(8 Wo.)
43
(12 Wo.)
Erstveröffentlichung: März 1993
1994 7 Seconds
Man / The Guide (Wommat)
3
(34 Wo.)
3
(17 Wo.)
1
(31 Wo.)
3
(25 Wo.)
98
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 7. Juni 1994
(mit Youssou N’Dour)
1996 Woman
Man
52
(18 Wo.)
21
(8 Wo.)
12
(19 Wo.)
9
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 19. Juli 1996
Kootchi
Man
38
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: Dezember 1996
1997 Feel It
Man
68
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: Februar 1997

Als Gastmusikerin[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartpositionen[8] Anmerkungen
DE AT CH UK US
1987 Slow Train to Dawn
Infected
64
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: Januar 1987
(The The featuring Neneh Cherry)
1995 Love Can Build a Bridge 62
(10 Wo.)
18
(8 Wo.)
21
(10 Wo.)
1
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 6. März 1995
(mit Cher, Chrissie Hynde & Eric Clapton)
2000 Long Way Around
Living in the Present Future
85
(3 Wo.)
45
(10 Wo.)
48
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: Oktober 2000
(Eagle-Eye Cherry featuring Neneh Cherry)
2006 Kids with Guns / El Mañana
Demon Days
94
(1 Wo.)
27
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 10. April 2006
(Gorillaz featuring Neneh Cherry)

Weitere Veröffentlichungen:

  • 2002: Braided Hair (1 Giant Leap featuring Neneh Cherry & Speech)
  • 2008: Forever (Kleerup featuring Neneh Cherry)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neneh Cherry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Martina Wimmer/Rolling Stone (dt. Ausgabe, Nr. 9, Sept. 1996): Drei Töchter und ein Todesfall
  2. http://www.taz.de/!133916/
  3. http://www.taz.de/!133916/
  4. Die Zeit Nr. 11, 6. März 2014, S. 61.
  5. Neneh Cherry Teams With Jazz Group the Thing
  6. The Cherry Thing: Perfekte Einheit Frankfurter Rundschau
  7. http://www.spiegel.de/kultur/musik/neneh-cherry-neues-album-blank-project-a-956378.html
  8. a b c Chartquellen: DE AT CH UK US