Antonius von Padua

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gemälde von Guercino (1656)

Antonius von Padua (lat. Antonius Patavinus, Taufname Fernandus;[1] * um 1195 (das Geburtsdatum ist unbekannt; traditionell wird der 15. August angegeben; als Geburtsjahr wird teils auch 1193,[2] 1191 oder „um 1188[3] angenommen) in Lissabon; † 13. Juni 1231 in Arcella bei Padua), oft auch Antonius von Lissabon genannt, war ein portugiesischer Franziskaner, Theologe und Prediger. Er gilt als Heiliger und ist einer der 35 Kirchenlehrer der römisch-katholischen Kirche.

Leben[Bearbeiten]

Antonius entstammte einer portugiesischen Adelsfamilie. Mit 15 Jahren wurde er Augustiner-Chorherr. Er studierte in Lissabon und Coimbra und empfing die Priesterweihe. 1220 trat er zu den Franziskanern über und nahm den Namen des spätantiken Wüstenvaters Antonius Eremita an, des Patrons der Kirche, an der die Franziskanergemeinschaft in Coimbra tätig war. Nach dem Vorbild der Anfang 1220 in Marrakesch hingerichteten Protomärtyrer des Franziskanerordens zog Antonius als Missionar nach Marokko, um ebenfalls das Martyrium zu finden.[4] Wegen einer Krankheit musste er Afrika aber wieder verlassen und wurde durch einen Sturm nach Sizilien verschlagen. Eine zeitlang lebte er als Einsiedler bei Assisi und nahm 1221 am Generalkapitel der Franziskaner teil, wo er den Ordensgründer Franz von Assisi kennen lernte.

Antonius fiel durch seine außergewöhnliche Redebegabung auf. Daher wurde er im Herbst 1223 beauftragt, in der Romagna zu predigen, die zu dieser Zeit von politischen Unruhen erschüttert wurde und aus kirchlicher Sicht durch die Ausbreitung der vom katholischen Glauben abweichenden Glaubensrichtungen der Katharer und Waldenser bedroht war.

In einem an Antonius gerichteten Schriftstück, dessen Text überliefert ist und das wahrscheinlich um die Jahreswende 1223/1224 entstand, nannte Franziskus ihn anerkennend „meinen Bischof“ (episcopo meo) und erlaubte ihm, den Brüdern theologische Vorlesungen zu halten, „wenn du nur nicht durch dieses Studium den Geist des Gebetes und der Hingabe auslöschest“.[5]

Hans Fries: Predigt des heiligen Antonius von Padua, 1506
Skulptur in der Kirche St. Anna in Heidelberg
Skulptur in Čakovec

Etwa ein Jahr lang hielt sich Antonius an der Universität Bologna auf, wo er als Lektor der Theologie für die Franziskaner tätig war, bevor er 1225 nach Südfrankreich zog, um auch dort den Albigensern zu predigen. Wohl um das Jahr 1227 kehrte er nach Oberitalien zurück, wo er als Ordensoberer, Studienleiter und Bußprediger wirkte. Er galt schon zu Lebzeiten als bedeutendster Prediger seiner Zeit.

Von seinen zahlreichen Aufgaben und Reisen erschöpft, zog er sich 1230 von seinen Ämtern zurück. Nach Ostern 1231 unternahm er noch einmal eine Predigtreise nach Padua und verbrachte die letzten Wochen seines Lebens in der Einsiedelei Camposanpiero. Er starb am 13. Juni 1231 auf dem Rückweg in das nahe gelegene Padua.[6]

Werk[Bearbeiten]

Von den zahlreichen Schriften, die ihm später zugeschrieben wurden, sieht die Forschung nur die Sermones („Predigten“) für authentisch an, die stichwortartige Entwürfe und Gedanken für Sonntags- und Festtagspredigten enthalten. Je nach Zählung ergeben sich zwischen 70 und 250 Predigten, die nicht vollständig ausformuliert sind, sondern als Skizzen vorliegen. Neben der Verwendung als Predigthilfe könnte er seine Aufzeichnungen auch im Theologieunterricht eingesetzt haben.

Bei seinen Predigten bediente er sich allegorischer Wortausdeutungen und anschaulicher Bilder aus der Natur und der lebensweltlichen Umwelt als „Aufhänger“, um die Glaubensinhalte und Bibelstellen sinnfällig zu erklären und die Zuhörer zu fesseln. Im Vorwort zu seiner Predigtsammlung schrieb er zu dieser Methode:

„Unsere Zeit ist durch das hohle Wissen ihrer Leser und Zuhörer soweit gekommen, daß sie des Lesens überdrüssig wird und nur ungern zuhört, wenn sie nicht gewählte, wohlüberlegte und modern klingende Worte liest oder hört. Darum habe ich [...] gewisse naturwissenschaftliche Erörterungen über Dinge und Tiere und Namenserklärungen auf das sittliche Leben gedeutet und in mein Werk aufgenommen.“

Antonius von Padua: Prolog der „Predigten“[7]

Bemerkenswert ist, dass das Kompendium keinerlei spezifische Argumentationen oder Polemiken gegen Ketzer enthält, sondern nur Erklärungen der christlichen Glaubenswahrheiten und allgemeine Mahnungen zur Vermeidung von Sünden.[8] Dies steht in gewissem Kontrast zu den verbreiteten Legenden über den Heiligen, die ihn zumeist in Kontroversen mit Häretikern darstellen.

Verehrung[Bearbeiten]

Die Legendenbildung um das Leben des heiligen Antonius begann bereits zu seinen Lebzeiten. Schon in frühen Quellen werden ihm zahlreiche Wunder nachgesagt. Sein berühmtestes Wunder soll er nahe der Stadt Rimini vollbracht haben: Da sein Versuch, den Stadtbewohnern eine Predigt gegen die Lehren der Katharer darzubieten, fehlschlug, richtete der Heilige seine Worte am Ufer des Meeres an die Fische, die ihm genauso andächtig zugehört haben sollen wie dem heiligen Franz von Assisi die Vögel.

Antonius wurde auf stürmisches Verlangen des Volkes bereits elf Monate nach seinem Tod am 30. Mai 1232 von Papst Gregor IX. heiliggesprochen. In der Kirchengeschichte gab es bislang keine kürzere Zeitspanne zwischen Tod und Kanonisation (Heiligsprechung). Am 16. Januar 1946[9] wurde Antonius von Papst Pius XII. zum Kirchenlehrer ernannt.

Antonius wird in Franziskanerkutte und oft mit dem Jesuskind auf dem Arm und einer Lilie in der linken Hand dargestellt. Diese Attribute sind allerdings erst seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Frühestes Attribut ist das Buch, Mitte des 14. Jahrhunderts kam eine Flamme in der Hand hinzu. Die Darstellung mit dem Kind geht auf eine erstmals 1350 belegte Erscheinungslegende zurück. Ikonographisch ist dieses Motiv erst ab 1500 nachweisbar.[10]

Die ursprünglich auf den Raum Padua und den Franziskanerorden beschränkte Verehrung breitete sich vor allem im 14. und 15. Jahrhundert aus und erreichte im 16. Jahrhundert ihren Höhepunkt. In nachmittelalterlicher Zeit verdrängte sie vor allem in Nordeuropa weitgehend die zuvor stark verbreitete Verehrung des heiligen Einsiedlerabtes Antonius des Großen (Antonius Eremita oder Antonius Abbas genannt).[11] Dabei kam es im Bereich der Volksfrömmigkeit häufig auch zu Übertragungen: So geht die Anrufung des Antonius von Padua als Patron der Schweinehirten auf die Ikonographie des Eremiten Antonius zurück, der traditionell in Begleitung eines Schweins dargestellt wurde.[12]

Über seinem Grab in Padua erhebt sich die mächtige Basilica di Sant’Antonio, die viele Kunstschätze und Reliquien enthält. Diese Kirche ist seit Jahrhunderten Ziel vieler Pilger. Am bekanntesten ist die Verehrung seiner Zunge, die bei der Umbettung des Heiligen im Jahre 1263 in Anwesenheit des später ebenfalls kanonisierten Franziskanertheologen Bonaventura unversehrt aufgefunden worden sein soll.[11]

Patronate[Bearbeiten]

Der Heilige ist Schutzpatron der Städte Padua, Lissabon, Paderborn und Hildesheim sowie der Bäcker, Schweinehirten, Bergleute, Reisenden und Sozialarbeiter. Er wird bei Unfruchtbarkeit, Fieber, Pest, Schiffbruch, Kriegsnöten, Viehkrankheiten und auch für das Wiederauffinden verlorener Gegenstände (daher der Scherzname Schlampertoni) angerufen. Ebenso soll er bei der Partnersuche helfen, wozu z.B. Single-Wallfahrten[13] nach Padua angeboten werden. Dies wurde auch in mehreren TV-Produktionen thematisiert.[14] Zudem soll er zu einer guten Geburt, zum Altwerden und zu einer guten Ernte verhelfen. Er gilt auch als Schutzheiliger der Frauen und Kinder, der Liebenden, der Ehe, der Pferde und Esel. Besonders bekannt ist sein Patronat über die Armen (unter dem Namen Antoniusbrot werden Spenden für Notleidende gesammelt).

siehe auch Kirchen mit Antonius-Patronat

Gedenktag[Bearbeiten]

Sein katholischer Gedenktag ist der 13. Juni. Es handelt sich dabei um einen gebotenen Gedenktag im Allgemeinen Römischen Kalender.

Bauernregel[Bearbeiten]

Die dem Namenstag entsprechenden Bauernregeln lauten:

  • Wenn Sankt Anton gut Wetter lacht, Sankt Peter (29. Juni) viel ins Wasser macht.
  • Regnet's am Antoniustag, wird's Wetter später wie es mag.

Nachwirken in Literatur und Musik[Bearbeiten]

Das Motiv der Fischpredigt wird in der von Achim von Arnim und Clemens Brentano zusammengestellten Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn in dem Volkslied Des Antonius von Padua Fischpredigt aufgegriffen und parodiert. Zwar zeigen sich die Fische als Zuhörer begeistert, bekehren sich aber trotzdem nicht:

Antonius zur Predig (sic!)
Die Kirche findt ledig
Er geht zu den Flüssen
und predigt den Fischen . . .

Die Krebs gehn zurücke,
Die Stockfisch bleiben dicke,
Die Karpfen viel fressen,
Die Predig vergessen.
Die Predig hat gfallen,
Sie bleiben wie alle [15]

Gustav Mahler vertonte diesen Text in seinen Liedern aus Des Knaben Wunderhorn. Im dritten Satz seiner 2. Sinfonie griff er das musikalische Material des Liedes erneut auf.

Wilhelm Busch schrieb 1870 die Bildergeschichte Der heilige Antonius von Padua, in der er jedoch hauptsächlich Motive aus dem Leben Antonius des Großen verwendet, etwa die in der Hagiographie des Einsiedlers typischen Szenen der Versuchung oder die Figur des Schweins, das den Heiligen begleitet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Pazifikus Alkofer: Antonius von Padua. Franziskaner auf Umwegen. Echter, Würzburg / Ed. Messaggero, Padua 1994, ISBN 3-429-01619-3.
  • Andreas Pazifikus Alkofer: Der heilige Antonius von Padua. (= Reihe „Hagiographie, Ikonographie, Volkskunde“; Nr. 40118). Schnell und Steiner, Regensburg 1995.
  • Sophronius Clasen (Hrsg.): Lehrer des Evangeliums. Ausgewählte Texte aus den Predigten des heiligen Antonius von Padua. 2. Auflage. Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1954, 1985.
  • Sophronius Clasen: Antonius, Diener des Evangeliums und der Kirche. Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1959.
  • Beda Kleinschmidt: Antonius von Padua in Leben und Kunst, Kult und Volkstum. (= Reihe „Forschungen zur Volkskunde“, hrsg. von Georg Schreiber, Heft 6-8). Düsseldorf 1931.
  • Justin Lang: Antonius von Padua begegnen. Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2007, ISBN 978-3-936484-94-6.
  • Fernando Félix Lopes: Santo António de Lisboa, Doutor Evangélico. Missões Franciscanas, Braga 1954.
  • Jean Rigauld: The life of St. Antony of Padua. Catholic Truth Society, London 1904. (Englische Übersetzung einer hagiographischen Antoniusvita des französischen Minoriten Jean Rigauld, entstanden um 1300. (Digitalisat))
  • Anton Rotzetter: Antonius von Padua. Leben und Legenden. Dietrich-Coelde-Verlag, Werl / Antonius-Verlag, Solothurn 1995, ISBN 3-87163-212-0 / ISBN 3-85520-034-3.
  • Jacques Toussaert: Antonius von Padua. Versuch einer kritischen Biographie. Verlag J.P. Bachem, Köln 1967.
  • Maximilian Wagner: Da berühren sich Himmel und Erde. Symbol und Sakrament in den Sermones des Antonius von Padua. Butzon und Bercker, Kevelaer 2002, ISBN 3-7666-2092-4 (zugl. Dissertation, Päpstliche Hochschule Rom, 2000/2001). (Rezension von Andreas P. Alkofer)

Lexikoneinträge

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der häufig genannte Vatersname Martini (port. Martins) und die Abstammung aus einer Familie Bullone (port. Bulhem) sind unsicher und erst seit dem 14. Jh. erwähnt; die Namen der Eltern gehen aus den frühen Quellen nicht hervor. Vgl. José Geraldes Freire: Santo António de Lisboa (Artikel auf der Internetseite des Centro de Estudos Clássicos e Humanísticos der Universität Coimbra; abgerufen am 15. April 2010, unter der Verlinkung "www1.ci.uc.pt" nicht mehr erreichbar).
  2. So Jacques Toussaert: Antonius von Padua. Versuch einer kritischen Biographie. Köln 1967, S. 140.
  3. So der portugiesische Antonius-Biograph Fernando Félix Lopes (S. António de Lisboa, doutor evangélico. Ersch. als Franziskanisches Monatsheft „Boletim Mensal“, Braga 1946).
  4. Vgl. Erich Wimmer: Antonius von Padua. In: Lexikon des Mittelalters. Band 1, Spalte 732.
  5. Lothar Hardick, Engelbert Grau (Hrsg.): Die Schriften des heiligen Franziskus von Assisi. Werl 1981, S. 12.
  6. Vgl. Ariane Czerwon: Predigt gegen Ketzer: Studien zu den lateinischen Sermones Bertholds von Regensburg (= Spätmittelalter, Humanismus, Reformation 57). Tübingen 2011, S. 110.
  7. Prologus, S. 4. Übersetzung nach Sophronius Clasen: Lehrer des Evangeliums. Ausgewählte Texte aus den Predigten des hl. Antonius von Padua. Werl2 1985, S. 52. Zitiert nach: Ariane Czerwon: Predigt gegen Ketzer: Studien zu den lateinischen Sermones Bertholds von Regensburg. Tübingen 2011, S. 112.
  8. Vgl. Ariane Czerwon: Predigt gegen Ketzer: Studien zu den lateinischen Sermones Bertholds von Regensburg. Tübingen 2011, S. 112.
  9. heiligerantonius.org: Prediger und Bekehrer. Abgerufen am 15. Januar 2012.
  10. Vgl. Klaus Zimmermanns: Antonius von Padua. In: Lexikon der christlichen Ikonographie. Band 5, Spalte 220.
  11. a b Vgl. Erich Wimmer: Antonius von Padua. In: Lexikon des Mittelalters. Band 1, Spalte 733.
  12. Vgl. Ekkart Sauser: Antonius Abbas (der Große), Stern der Wüste, Vater der Mönche. In: Lexikon der christlichen Ikonographie. Band 5, Spalte 207.
  13. Sonderfahrt für die Liebe. auf: Zeit Online. (22. November 2008)
  14. Drei Frauen für Toni. - Dokumentarfilm von Johanna Bentz 2010 (ARD.de)
    Pilgerfahrt nach Padua. - TV-Komödie von Jan Ruzicka 2011 mit Gisela Schneeberger, Herbert Knaup u.a. (NDR.de)
  15. Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder gesammelt von L. Achim von Arnim und Clemens Brentano. Winkler Verlag, München 1980 ISBN 3-538-06560-8, S. 237.
    Des Antonius von Padua Fischpredigt. vollständiger Text In: Die Deutsche Gedichtebibliothek

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Antonius von Padua – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien