50 Cent Party

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Mit dem englischsprachigen Begriff 50 Cent Party, auch 50 Cent Army[1] (chinesisch 五毛党 wǔmáo dǎng), werden Internetkommentatoren bezeichnet, die von der Chinesischen Regierung bezahlt werden und die über propagandagesteuerte Kommentare gezielt das Meinungsbild in Internetforen und sozialen Netzwerken manipulieren.[2]

Laut Schätzungen sind etwa zwei Millionen chinesische Regierungsangestellte damit beschäftigt und posten pro Jahr etwa 450 Millionen Kommentare in chinesischen sozialen Medien.[1] Sie sind dabei vor allem auf dem Twitter-Klon Sina Weibo und dem Google-Klon Baidu aktiv.[3] Laut einer von drei Harvard-Wissenschaftlern veröffentlichten Studie ist das Ziel dabei vor allem die Ablenkung von politisch kontroversen Themen. Dazu würden die Propagandisten beispielsweise die Regierung loben, Symbole der Partei verbreiten oder auf die Geschichte der Kommunistischen Partei verweisen. Dabei ließen sich die Internetkommentatoren nicht in Diskussionen verwickeln und gingen nicht auf Argumente anderer Kommentatoren ein.[3]

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name 50 Cent party leitet sich von dem Gerücht ab, dass die Manipulatoren 50 Cent des Renminbi pro Beitrag erhalten sollen.[3] Dies entspräche etwa 5 Eurocent.[4]

Der Harvard-Studie zufolge werden nahezu alle Postings von Regierungsmitarbeitern verfasst. Dabei handelt es sich unter anderem um Mitarbeiter von Steuerbehörden und Gerichten. Diese Tätigkeit wird offensichtlich nicht gesondert vergütet, sondern gehört zu den Aufgaben der Beamten.[3]

Arbeitsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Artikel von Xiao Qiang auf der Website China Digital Times wird eine zugespielte Dienstanweisung an die chinesischen Internetkommentatoren wie folgt beschrieben: [5][6]

Um den Einfluss der taiwanesischen Demokratie zu umschreiben, um in der Arbeit der öffentlichen Meinungsführung weiter voranzukommen und im Einklang mit den Anforderungen der höheren Instanzen "strategisch und qualifiziert zu sein", hoffen wir, dass Internetkommentatoren gewissenhaft die Denkweise der Netzbürger verstehen, internationale Entwicklung erfassen und die Arbeits eines Internetkommentators besser durchführen. Zu diesem Zweck wird folgende Bekanntmachung erlassen:

  1. So weit möglich soll Amerika das Ziel der Kritik sein. Spielen Sie die Existenz Taiwans herunter.
  2. Greifen Sie die (Idee der) Demokratie nicht direkt an, sondern nutzen Sie die Argumentation "Welches System kann tatsächlich Demokratie umsetzen".
  3. Nutzen Sie so weit möglich Gewalthandlungen und unzumutbare Zustände in westlichen Ländern als Beispiele dafür, dass Demokratie nicht für den Kapitalismus geeignet ist.
  4. Nutzen Sie die Einmischung von Amerika und anderen Ländern in internationale Angelegenheiten, um zu erklären, dass westliche Demokratie tatsächlich eine Invasion anderer Länder ist und wie der Westen die westlichen Werte anderen Ländern aufzwingt.
  5. Nutzen Sie die blutige und schmerzvolle Geschichte der (einst) schwachen Menschen (in China), um parteifreundliche und patriotische Emotionen zu provozieren.
  6. Vermitteln Sie den Eindruck, dass die positive Entwicklung innerhalb von China die (soziale) Stabilität unterstützt. [5][6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gary King, Jennifer Pan, Margaret E. Roberts: How the Chinese Government Fabricates Social Media Posts for Strategic Distraction, not Engaged Argument. vom 26. August 2016
  • Gary King, Jennifer Pan, Margaret E Roberts: How Censorship in China Allows Government Criticism but Silences Collective Expression. In: American Political Science Review. Band 107, 2013, S. 1–18.
  • Gary King, Jennifer Pan, Margaret E. Roberts: Reverse-engineering censorship in China: Randomized experimentation and participant observation. In: Science. Nummer 6199, Band 345, 2014, S. 1–10.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Henry Farrell: The Chinese government fakes nearly 450 million social media comments a year. This is why. In: washingtonpost.com. 19. Mai 2016, abgerufen am 12. Dezember 2016 (englisch).
  2. Annika von Taube: Aus den Kommentaren: Russische Botschaft. In: zeit.de. 7. Februar 2014, abgerufen am 12. Dezember 2016.
  3. a b c d Stephan Dörner: China fabriziert 488 Millionen Social-Media-Postings im Jahr. In: welt.de. 20. Mai 2016, abgerufen am 12. Dezember 2016.
  4. Michael Bristow: China's internet 'spin doctors'. In: news.bbc.co.uk. 16. Dezember 2008, abgerufen am 12. Dezember 2016 (englisch).
  5. a b Leaked Propaganda Directives and Banned "Future" - China Digital Times (CDT). In: China Digital Times (CDT). 24. Juni 2011 (chinadigitaltimes.net [abgerufen am 27. Januar 2017]).
  6. a b 【真理部】网评员《上级通知》 - 中国数字时代. In: 中国数字时代. 24. Juni 2011 (chinadigitaltimes.net [abgerufen am 27. Januar 2017]).