Adriana Altaras

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Adriana Altaras (* 6. April 1960 in Zagreb, SFR Jugoslawien) ist eine deutsche Schauspielerin und Theaterregisseurin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adriana Altaras ist die Tochter ehemaliger jüdischer Partisanen aus dem heutigen Kroatien, Jakob Altaras und Thea Altaras.[1] Der Vater setzte sich 1964 ins Ausland ab,[2] die Familie sollte nachkommen. Die Behörden entzogen jedoch der Mutter den Pass. Familienmitglieder aus Mantua schmuggelten daraufhin die vierjährige Tochter aus dem Land. Drei Jahre lang lebte sie bei Tante und Onkel in Italien.[3] 1967 kam Adriana mit den Eltern in Gießen zusammen. Sie besuchte die Waldorfschule in Marburg und studierte nach dem Abitur Schauspiel an der Hochschule der Künste (HdK) in Berlin. Nach einem Studienaufenthalt in New York City war sie Mitgründerin des freien Theaters zum westlichen Stadthirschen, wo sie neben der Schauspielerei auch als Regisseurin und Autorin tätig sein konnte. Gastengagements erhielt sie als Schauspielerin am Maxim-Gorki-Theater und an der Freien Volksbühne in Berlin, sowie in Stuttgart, Konstanz und Basel.

Anfang der 1980er Jahre erhielt sie erste Filmrollen, dennoch lag der Schwerpunkt ihrer Arbeit weiterhin bei den unterschiedlichen Theaterprojekten. Nach Regiearbeiten am Berliner Ensemble und der Neuköllner Oper sorgte ihre Inszenierung der Vagina-Monologe für großen Erfolg, die mit wechselnden Schauspielerinnen 2001 in Berlin zu sehen war. Im Kino war sie vor allem in Filmen von Rudolf Thome zu sehen, mit dem sie seit den 1980er Jahren zusammenarbeitete. 1988 erhielt sie für ihre Rolle in Thomes Film Das Mikroskop den Deutschen Filmpreis.

Neben der Theater- und Filmarbeit war sie für Steven Spielbergs Shoah Foundation als Interviewerin tätig und als Dozentin an der HdK im Bereich Musicaldarstellung. Sie schreibt regelmäßig in Zeit Online in der Kategorie Freitext,[4] unter anderem im Mai 2016 Ausflug ins Land der Dichter und Henker.[5]

Regina Schilling drehte nach der Buchvorlage von Adriana Altaras über sie den Film Titos Brille (2014), in dem sie auf der Suche nach ihrer familiären Vergangenheit durch ihre kroatische Heimat reist.[6]

Sie hat zusammen mit dem Komponisten Wolfgang Böhmer zwei Söhne, darunter Aaron Altaras.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Titos Brille. Die Geschichte meiner strapaziösen Familie. Kiepenheuer & Witsch, 3. Aufl. 2011, ISBN 978-3-462-04297-9. Fischer Taschenbuch, ISBN 978-3596193042.
  • Doitscha. Eine jüdische Mutter packt aus. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014, ISBN 978-3-462-04709-7.
    • als Hörbuch, gelesen von der Autorin u.a., Random House 2014, 5 CD 370 min.[8]
  • Das Meer und ich waren im besten Alter : Geschichten aus meinem Alltag. Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2017 ISBN 978-3-462-04958-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adriana Altaras packt aus (Memento vom 25. November 2014 im Internet Archive), ndr.de, 22. November 2013
  2. Jüdische Gemeinde Gießen - Frau Dr. Thea Altaras. Abgerufen am 9. April 2015.
  3. Dieter Wunderlich Titos Brille, Inhaltsangabe
  4. Freitext. Adriana Altaras. In: Zeit Online. Abgerufen am 24. Januar 2017.
  5. Adriana Altaras: Ausflug ins Land der Dichter und Henker. In: Zeit Online. 19. Mai 2016, abgerufen am 24. Januar 2017.
  6. Begegnung mit den Geistern aus dem Familienalbum in FAZ vom 15. Dezember 2014, Seite 14
  7. IMDB
  8. ISBN 978-3837128260, gekürzte Lesung