Amtsgericht Alzey

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Alzeyer Schloss

Das Amtsgericht Alzey (bis 1878 Friedensgericht Alzey) ist ein Amtsgericht in Deutschland. Es residiert im Alzeyer Schloss.

Zuständigkeit[Bearbeiten]

Die sachliche Zuständigkeit des Amtsgericht Alzey ergibt sich aus dem Gerichtsverfassungsgesetz. Die örtliche Zuständigkeit (traditionell Sprengel genannt) umfasst die Stadt Alzey sowie die Verbandsgemeinden Alzey-Land, Wöllstein und Wörrstadt.[1]

Das Amtsgericht Alzey ist das Landwirtschaftsgericht für die Bezirke der Amtsgerichte Mainz, Bad Kreuznach und Bingen und damit ausschließlich zuständig zum Beispiel in den Angelegenheiten der Höfeordnung.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Mit dem Frieden von Lunéville wurde die Annexion des linken Rheinufers durch Frankreich bestätigt. In der Franzosenzeit wurde mit Cirkumscription (Rundschreiben) vom 28. Januar 1803 (8. Pluviose XI) das Friedensgericht Alzey eingerichtet, das für den Kanton Alzey zuständig war. 1801 war der Friedensrichter B. Dedel am Gericht als Einzelrichter tätig. Dieses war dem Départementsgericht im Département Donnersberg mit Sitz in Mainz und dieses dem Revisionsgericht für die vier neuen Départements in Trier untergeordnet.[3]

Nach der Rückeroberung in den Befreiungskriegen wurde die Region von 1814 bis 1816 von der österreichisch-baierischen Gemeinschaftlichen Landes-Administrations-Commission verwaltet. Diese ließ die Friedensgerichte bestehen, richtete aber am 27. Juli 1815 den Appellationshof in Kreuznach als Obergericht ein.

Auch das Großherzogtum Hessen, das Rheinhessen im Rahmen eines Gebietstausches 1816 erhielt, übernahm die Struktur der Gerichte in der Provinz Rheinhessen. Allerdings wurde der Appellationshof in Kreuznach aufgelöst und ein provisorisches Obergericht in Mainz mit der am 4. November 1815 erlassenen „Provisorischen Appellations- und Kassationsgerichtsordnung für den großherzoglich hessischen Landesteil auf der linken Rheinseite“ geschaffen.

Das Friedensgericht Alzey war nun eines von zwölf Friedensgerichten, die dem Kreisgericht Mainz untergeordnet waren. Nach der Teilung des Kreisgerichtes Mainz in die Kreisgerichte Mainz und Alzey am 1. Dezember 1836 wurde das Friedensgerich Alzey dem Gerichtsbezirk des Kreisgerichtes Alzey zugeordnet, das am 24. Oktober 1852 in Bezirksgericht Alzey umbenannt wurde. Die Deutsche Revolution 1848/1849 führte auch im Großherzogtum Hessen zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung. Dies betraf aber nicht die Provinz Rheinhessen, in der diese Trennung ja bereits in der Franzosenzeit erfolgt war.

Das Gerichtsverfassungsgesetz vom 27. Januar 1877 wurde mit großherzoglich hessischem Gesetz vom 3. September 1878 und Ausführungsverordnung vom 14. Mai 1879 im Großherzogtum Darmstadt eingeführt. Damit wurde das Friedensgericht Alzey zum 1. Oktober 1878 in ein Amtsgericht umgewandelt. Es war dem Landgericht Mainz und dem Oberlandesgericht Darmstadt untergeordnet.

Richter am Gericht[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckhart G. Franz u.a. : Gerichtsorganisation in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen im 19. und 20. Jahrhundert, 1989, ISBN 3-88838-224-6, S. 187-192

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesgesetz über die Gliederung und die Bezirke der Gerichte (GerOrG RLP) §6 Abs. 2 Nr. 3 lit. a vom 5. Oktober 1977; Abgerufen am 15. Juli 2011
  2. §5 der Landesverordnung über die gerichtliche Zuständigkeit in Zivilsachen und Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (ZivilZustV RP) Abgerufen am 15. Juli 2011
  3. Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge (Zeitschriftenband 1800/01), S. 170-174 Digitalisat (285 Seite(n) ca. 366,42 MB)

49.746238.11614Koordinaten: 49° 44′ 46,4″ N, 8° 6′ 58,1″ O