Nieder-Wiesen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Nieder-Wiesen
Nieder-Wiesen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Nieder-Wiesen hervorgehoben
Koordinaten: 49° 44′ N, 7° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Alzey-Worms
Verbandsgemeinde: Alzey-Land
Höhe: 225 m ü. NHN
Fläche: 4,89 km2
Einwohner: 624 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 128 Einwohner je km2
Postleitzahl: 55234
Vorwahl: 06736
Kfz-Kennzeichen: AZ
Gemeindeschlüssel: 07 3 31 051
Adresse der Verbandsverwaltung: Weinrufstraße 38
55232 Alzey
Webpräsenz: www.nieder-wiesen.de
Ortsbürgermeister: Gernot Heck (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Nieder-Wiesen im Landkreis Alzey-Worms
Gimbsheim Hamm am Rhein Eich (Rheinhessen) Alsheim Mettenheim Osthofen Bechtheim Dittelsheim-Heßloch Frettenheim Westhofen Monzernheim Gundheim Bermersheim Gundersheim Hangen-Weisheim Hochborn Offstein Hohen-Sülzen Monsheim Wachenheim (Pfrimm) Mölsheim Flörsheim-Dalsheim Mörstadt Wendelsheim Stein-Bockenheim Wonsheim Wonsheim Siefersheim Wöllstein Gau-Bickelheim Gumbsheim Eckelsheim Gau-Weinheim Vendersheim Wallertheim Partenheim Saulheim Udenheim Schornsheim Gabsheim Wörrstadt Sulzheim (Rheinhessen) Spiesheim Ensheim Armsheim Flonheim Erbes-Büdesheim Nack Nieder-Wiesen Bechenheim Offenheim Bornheim (Rheinhessen) Lonsheim Bermersheim vor der Höhe Albig Biebelnheim Bechtolsheim Gau-Odernheim Framersheim Gau-Heppenheim Alzey Ober-Flörsheim Flomborn Eppelsheim Dintesheim Esselborn Mauchenheim Freimersheim (Rheinhessen) Wahlheim Kettenheim Hessen Mainz Landkreis Mainz-Bingen Worms Rhein-Pfalz-Kreis Landkreis Bad Dürkheim Landkreis Bad Kreuznach DonnersbergkreisKarte
Über dieses Bild

Nieder-Wiesen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Alzey-Land an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nieder-Wiesen geht das rheinhessische Hügelland in die Ausläufer des Nordpfälzer Berglandes über. So verläuft auch 500 m südlich des Dorfes dem Wiesbach entlang die alte Grenzlinie zwischen dem Großherzogtum Hessen ("GH") und dem pfälzischen Gebiet des Königreiches Bayern ("KB"). Am Grenzverlauf finden sich heute noch die alten Grenzsteine mit den genannten Initialen. Auch die Kreisgrenze zwischen dem Landkreis Alzey-Worms und dem Donnersbergkreis, sowie der Übergang der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zur Protestantischen Kirche der Pfalz folgen noch heute dieser historischen Grenzlinie. Die besonders schöne landschaftliche Lage im Wiesbachtal - heute Rheinhessische Schweiz genannt - muss schon den Kelten gefallen haben, die auf dem Schlossberg eine Kultstätte oder gar eine Burg errichteten.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nieder-Wiesen ist ein weitgehend protestantisch geprägtes Dorf. Es gibt eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche ist erst in den Nachbardörfern zu finden. Bis zur Verfolgung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten lebte in Nieder-Wiesen eine bemerkenswert große jüdische Gemeinde, die etwa ein Drittel der Bevölkerung ausmachte. Die damals bestehende Synagoge wurde im Zusammenhang mit der Reichspogromnacht 1938 gebrandschatzt und zerstört. Davon zeugt heute eine Gedenktafel an der evangelischen Kirche. An die jüdische Gemeinde erinnert noch ein ca. 400 m südlich des Ortsgebietes liegender jüdischer Friedhof.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Nieder-Wiesen besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[2]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 4 4 4 12 Sitze
2009 4 3 5 12 Sitze
2004 5 3 4 12 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Nieder-Wiesen e.V.

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[3]

  • Wilhelm Grauer 1948 – 1956
  • Philipp Heck 1956 – 1974
  • Wolfgang Haarmann 1974 –1975
  • Walter Fröhlich 1975 – 1991
  • Hans Wilhelm Kern - SPD (1991–1999)
  • Friedrich Brunk - SPD (1999–2004)
  • Hans Wilhelm Kern - FWG (2004–2014)
  • Gernot Heck - CDU (2014-2016)
  • Holger Waldschmidt - FWG (seit 2016)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber zwischen zwei roten Leisten die schwarzen Initialen N und W, beseitet von zwei roten Steinen; über der oberen Leiste vier rote Steine, unterhalb der unteren Leiste zwei rote Steine.“ Für das heutige Ortswappen wurde das Wappen der Freiherrn von Hunolstein, die das Schloss in Nieder-Wiesen erbauten, um die Abkürzung des Ortsnamens erweitert.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den üblichen Sportanlagen eines solch kleinen Dorfes (Fußball-Rasenplatz mit TuS-Sportheim) gibt es einen Tennisplatz direkt im Dorfzentrum.

Ein großer Jugendzeltplatz befindet sich im Wiesbachtal mit Übernachtungsmöglichkeit in einer Blockhütte und Gemeinschaftshaus, im Sommerhalbjahr sind zusätzlich die Zelte aufgebaut. Der Platz eignet sich hervorragend für Zelt- und Kinder/Jugendfreizeiten in Natur- und Waldnähe. Es besteht dabei die Möglichkeit, am waldpädagogischen Programm des Forstamtes Alzey teilzunehmen. Betreiber des Jugendzeltplatzes ist der Landkreis Alzey-Worms, Alzey

Ein Grillplatz des Zweckverbandes Erholungsgebiet Rheinhessische Schweiz mit großer Grillhütte nebst Zubehör liegt gegenüber den Sportanlagen am Waldrand.

Ein Wanderparkplatz liegt vor dem Jugendzeltplatz mit Info- und Schautafeln über die ausgewiesenen markierten Wanderwege und Nordic-Walking-Strecken durch das Forstrevier Vorholz.

Es existiert ein permanenter IVV-Wanderweg (Vorholz-Rundwanderweg), der 10 km durch die Rheinhessische Schweiz führt. Start und Ziel befinden sich am Sportheim des TuS Nieder-Wiesen am Sportplatz.

Es gibt mehrere Einkehr- und Urlaubsmöglichkeiten, teilweise im Besitz der Eigentümer des Wasserschlosses. Weitere Möglichkeiten bestehen unter anderem im "Dembacher Hof", welcher direkt gegenüber dem Wasserschloss gelegen ist.

Bürgerhaus / Gemeindehalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Gemeindehalle dient die umgebaute Scheune einer ehemaligen Hofreite. Der ursprüngliche Charakter des Gebäudes wurde bewahrt, und bietet ein schönes Ambiente zum Feiern. Ausgestattet mit moderner Küche, Getränkekühlung, Bühne und Empore können Veranstaltungen mit bis zu 150 Personen durchgeführt werden. Anmietung über die Ortsgemeindeverwaltung.

Das Bürgerhaus mit Küche und großem Saal ist Teil der ehemaligen Schule (moderner Anbau aus dem Jahre 1988) und ebenfalls über die Ortsgemeinde für private Feierlichkeiten anmietbar.

Kindergarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der kommunale Kindergarten ist eingruppig und bietet Platz für 25 Kinder. Die Einrichtung ist vom Land Rheinland-Pfalz als Bewegungskindergarten zertifiziert.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächsten Bahnhöfe sind Alzey (11 km östlich von Nieder-Wiesen mit halbstündigen Regionalexpressverbindungen nach Mainz und stündlichen Regionalbahnverbindungen nach Worms, Bingen und Kirchheimbolanden) und Alsenz (17 km westlich mit Taktverbindungen nach Bad Kreuznach und Kaiserslautern.) Eine Busverbindung von und zur Kreisstadt Alzey gibt es werktags mit der Linie 425 des Omnibusverkehrs Rhein-Nahe; außerdem bestehen täglich mehrere Ruftaxi-Verbindungen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche: Barocker Saalbau, im Jahre 1723 als damalige Residenzkirche der Freiherren von Hunolstein an Stelle eines Vorgängerbaus von 1462 errichtet. Reste des Adelsstuhls sind im Inneren noch erkennbar. Das Gotteshaus ist ausgestattet mit der ältesten und kleinsten Stumm-Orgel in Rheinhessen (um 1725) mit stilvoller Disposition (acht Register). An der Seitenwand die Grablege der Hunolsteiner, ihr gegenüber das Grab von Pfarrer Johann Wilhelm Fresenius († 1727), dessen Sohn Johann Philipp nicht nur als Pfarrer in Nieder-Wiesen amtierte, sondern später als Seniorpfarrer in Frankfurt die Eltern von Johann Wolfgang Goethe traute und den Dichter kurz nach seiner Geburt taufte. Außerdem begründeten die Nachfahren der Pfarrersfamilie Fresenius ein heute weltweit tätiges Pharmazieunternehmen, sowie ein bekanntes chemisches Analyseinstitut.

Barocke Bauernmalereien zieren die Kanzel mit den vier Evangelisten und die Gesamtbreite der Emporenbrüstung ist mit Darstellungen der zwölf Apostel mit Jesus in der Mitte versehen. Aus früherer lutherischer Zeit stammt noch die Abendmahlsschranke, welche den Altarbereich umsäumt. Seit 1822 ist die Gemeinde evangelisch-uniert. Der Taufstein stammt aus dem Jahr 1971, war ursprünglich in der Immanuel-Kirche in Königstein/Ts. aufgestellt und kam über einen Umweg in Ringleben (Kyffhäuser) im Jahre 1996 nach Nieder-Wiesen. Künstlerisch wertvoll sind die Altarantependien, u.a. eine Ausführung in Applikationstechnik nach einem Entwurf des Darmstädter Künstlers Thomas Duttenhoefer von 1989 "Einzug Jesu in Jerusalem". Die Stadt Jerusalem erschließt sich allerdings bei näherem Hinsehen als der Ort Nieder-Wiesen mit der brennenden ehemaligen Synagoge.

Der Dachboden der Kirche wird genutzt für ein Fledermaus- bzw. Schleiereulenprojekt als Maßnahme zur Bewahrung der Schöpfung. Im Jahre 2000 wurde das Kirchengebäude einer umfassenden Außenrenovierung unterzogen, im Jahre 2008 erfolgte eine Innenrenovierung. Das Eingangsportal ist versehen mit dem Wappenspruch der Pfarrersfamilie Fresenius aus Psalm 92: "Die gepflanzt sind im Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unseres Gottes grünen", darüber das ehemalige Hunolsteiner Wappen mit der Adelskrone. Das Wappen - nun allerdings ohne Adelskrone - mit dem Gemerk "NW" als Ortswappen von Nieder-Wiesen wurde im Jahre 2000 in das Straßenpflaster auf dem Kirchenvorplatz eingefasst. Gegenüber der Kirche am Rande des Wiesbaches steht eine im Jahre 1999 von der Weinbruderschaft Rheinhessen erstmals gepflanzte "Resista-Ulme" als Maßnahme gegen das Ulmensterben in Rheinhessen. Einige Meter weiter finden wir das sehr stilvoll gestaltete Ehrenmal zum Andenken der Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges.

Schloss Nieder-Wiesen: Im Dorf gibt es ein ehemaliges Wasserschloss; heute fließt allerdings kein Wasser mehr im Schlossgraben. Erbaut wurde das Wasserschloss 1722 von den Freiherren von Hunolstein, welche der Region durch den Abbau von Quecksilber zu Ansehen und Wohlstand verhalfen. Heute ist das kleine Schloss mit barock gestalteter Gartenanlage in Privatbesitz. An der Stuckdecke im ehemaligen Empfangssaal finden sich noch allegorische Darstellungen der vier Jahreszeiten. Der ehemalige Marstall dient heute mit seinem Kreuzgewölbe als Festsaal.

Furt in Nieder-Wiesen

Furt Nieder-Wiesen: Für die heutige Zeit recht ungewöhnlich und in Deutschland sehr selten ist eine Furt im Ortsgebiet durch den Wiesbach. Man kann den in dieser Stelle etwa 4 m breiten Bach auch mit Fahrzeugen durchfahren. Allerdings empfiehlt es sich, vorher den Wasserstand zu beobachten. Der Platz vor der Furt wurde gestaltet als Ruheort auf dem Nieder-Wiesen durchziehenden Napoleon-Kneipp-Wanderweg mit einem Kneipp-Armbadebecken und Informationstafel.

Neumühle mit Wasserrad: Ca. ein Kilometer vor dem Ort Richtung Wendelsheim befindet sich die Neumühle, ein ehemaliges Hunolsteiner Gehöft. Sehenswert ist das funktionstüchtige, oberschlächtige Wasserrad, welches heute zur regenerativen Stromgewinnung vom Wasser des Wiesbaches angetrieben wird.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Nieder-Wiesen

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streuobstwiese "Auf der Gipp": Am Ortsausgang Richtung Wendelsheim im Jahre 1991 angelegte, ca. ein Hektar große Streuobstwiese mit Anpflanzung alter heimischer Obstbaumsorten, wie sie früher das Dorf Nieder-Wiesen in großer Anzahl umsäumten. Ökologische Bewirtschaftung durch die Ev. Kirchengemeinde (Jährlich wiederkehrendes "Apfelsaftprojekt"). Hinweistafel mit Erläuterung der Obstbäume am unteren Rand. Am oberen Ende befindet sich ein 2008 errichtetes "Insektenhotel".

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Philipp Fresenius (1705–1761), evangelisch-lutherischer Theologe des 18. Jahrhunderts (u.a. Seniorpfarrer in Frankfurt/M)

Personen in Verbindung mit der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bodo Ramelow, (* 1956), Politiker (Die Linke), seit 2014 Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, wuchs in Osterholz-Scharmbeck und Nieder-Wiesen auf

Literatur/Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nieder-Wiesen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  3. http://www.nieder-wiesen.de/nw/leben/geschichte.php?navid=23