Artur Fischer

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Artur Fischer (* 31. Dezember 1919 in Tumlingen (heute zu Waldachtal gehörend); † 27. Januar 2016 ebenda[1][2]) war ein deutscher Erfinder und Unternehmer. Mit mehr als 1.100 Patenten und Gebrauchsmustern gilt Fischer als einer der produktivsten Erfinder der Welt.[3]

Leben[Bearbeiten]

Der älteste Sohn der Dorfschneider Georg und Pauline Fischer besuchte von 1930 bis 1933 die Realschule in Dornstetten und absolvierte danach eine Schlosserlehre[4] bei Schlossermeister Wilhelm Müssig in Stuttgart.[5] Aus der Hitlerjugend trat er aus.[4] Als Brillenträger und ohne Abitur war ihm der Wunsch verwehrt, Flugzeugführer oder Offizier zu werden. Stattdessen wurde er als Flugzeugmechaniker beim Jagdgeschwader 52 eingesetzt.[6] Mit dieser Einheit geriet er in den Kessel von Stalingrad, den er nach eigener Aussage mit dem letzten Flugzeug verlassen konnte.[7] In Italien kam er später in englische Gefangenschaft, aus der er fliehen konnte, und kehrte wieder im Februar 1946 nach Hause zurück. Eine Anstellung im Ingenieurbüro von Edgar Rößger wurde ihm durch einen neuen Mitarbeiter bald verleidet.

Am 27. Mai 1947 heiratete er in Freudenstadt Rita (1925–2013), die Tochter von Max und Wilhelmina Gonser aus dem benachbarten Lützenhardt.[8] In Hörschweiler gründete er einen Ein-Mann-Werkstattsbetrieb. Nachdem eine Bocholter Weberei per Annonce Webstuhlschalter im Tausch gegen Textilien suchte, fertigte er einen solchen aus dem Blech von Kartuschen. Es folgten elektrische Feueranzünder.[9] Als er seine im Juni 1948 geborene Tochter fotografieren lassen wollte, weigerte die Fotografin sich, in der kleinen Mansardenwohnung mit Magnesiumblitzlichtbeutel und Zündschnur zu hantieren, da sie akute Brandgefahr für das Holzdach befürchtete. Daraufhin entwickelte er einen Synchronblitz, der auf der photokina 1950 ausgestellt und im Folgenden von Agfa vermarktet wurde. 1956 bekam er Besuch von seinem ehemaligen Lehrherrn,[10] der mittlerweile Treppengeländer baute, und sich von einem neuartigen Schwerlastdübel große Erleichterung bei der Montage versprach.[11]

Erfindungen[Bearbeiten]

Artur Fischer gilt als einer der produktivsten Erfinder weltweit.[3] Bis Ende 2013 meldete er insgesamt 1136 Patente und Gebrauchsmuster an.[12] In Deutschland wurden bisher 570 Patente erteilt. Er steht damit in einer Reihe mit Thomas Alva Edison.[11] Allerdings ist die Zahl deutscher Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen mit Edisons US-Patenten wegen der unterschiedlichen Patentgesetze grundsätzlich nicht vergleichbar.

Fischerdübel-Sortiment

Zu den bekanntesten Erfindungen Fischers zählen der 1958 auf den Markt gebrachte S-Dübel aus Polyamid, das „fischertechnik“-Baukastensystem und ein Blitzlichtgerät für Fotoapparate mit synchroner Auslösung (1949). Eine weitere Erfindung war beispielsweise ein Dübel zum Fixieren von Knochenbrüchen. Eine seiner neuesten Ideen – ein kompostierbares und essbares Kinderspielzeug aus Kartoffelstärke – wurde als fischer TiP umgesetzt. Im Alter von zehn Jahren wurde Fischers Spiel- und Entdeckerfreude mit dem Geschenk eines Märklin-Metallbaukastens zu Weihnachten 1929 entscheidend gefördert. Diese Erfahrung brachte ihn später dazu, die Neugier und Experimentierlust auch von anderen Kindern mit neuen Baukastensystemen zu wecken.[13] Fischers Vorbild war schon früh der deutsche Ingenieur und Schriftsteller Max Eyth, dessen Ansichten über das Erfinden ihn stark beeindruckt und geprägt haben.

Die 1948 von ihm gegründeten Fischerwerke übergab er 1980 an seinen Sohn Klaus Fischer.[11] 2012 erzielte die Unternehmensgruppe einen weltweiten Umsatz von ca. 618 Millionen Euro, den Hauptteil davon immer noch mit Befestigungstechnik (Dübeln usw.). Allein im Werk Waldachtal-Tumlingen werden täglich mehr als zehn Millionen Dübel produziert.

Im Jahr 2001 rief Fischer die Stiftung Artur Fischer Erfinderpreis zusammen mit der Baden-Württemberg Stiftung ins Leben. Sie ist mit 1,5 Mio. Euro Kapital ausgestattet und widmet sich nach eigenen Angaben der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung. Alle zwei Jahre vergibt die Stiftung den Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg (AFE). Am 30. Juni 2015 fand nunmehr die achte Preisverleihung statt, die mit einer Preissumme von insgesamt 36.000 Euro vergeben wurde.[14]

1999 warf ihm seine Tochter Margot Fischer-Weber vor, sie unter Ausnutzung ihrer Gutgläubigkeit und Hörbehinderung zu einem Erb- und Pflichtteilsverzicht veranlasst zu haben. Artur Fischer verklagte seine Tochter und erwirkte vor Gericht die Unterlassung diverser Aussagen.[15]

Am 17. Juni 2014 wurde Artur Fischer mit dem Europäischen Erfinderpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.[16]

Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten]

   Quellennachweise:[1]

Medien (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Wer sucht, erfindet … – Vom Erfolg eines Familienbetriebs. Dokumentarfilm, Deutschland, 2001/02, 90 Min., Buch und Regie: Sabine Willmann, Reihe: Junger Dokumentarfilm, Produktion: floff pictures, SWR, Erstsendung: 21. November 2002 bei SWR, Inhaltsangabe vom Landesarchiv Baden-Württemberg.
  • Ein Leben als „Aufgabenlöser“. Erfinder Artur Fischer wird 90. Hörfunk-Reportage, Deutschland, 2009, 25 Min., Regie: David Globig, Produktion: Bayern 2, Erstsendung: 22. Dezember 2009, Audiodatei von Bayern 2.
  • Artur Fischer – Der Dübelkönig aus dem Schwarzwald. (Alternativtitel: Der Dübelkönig – Artur Fischer.) Dokumentarfilm, Deutschland, 2010, 45 Min., Buch und Regie: Hanspeter Michel, Produktion: SWR, Erstsendung: 8. April 2010, Inhaltsangabe von ARD.
  • „Das Kind muss in uns bleiben.“ Artur Fischer erhält den Europäischen Erfinderpreis. Fernsehreportage, Deutschland, 2014, 2:49 Min., Buch und Regie: Sophie Wenkel, Produktion: 3sat, Reihe: nano, Erstsendung: 18. Juni 2014 bei 3sat, Inhaltsangabe mit online-Video von 3sat.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wolfgang Pott: Zum Tode von Prof. Artur Fischer. In: Unternehmensgruppe Fischer, abgerufen am 29. Januar 2016.
  2. Traueranzeigen Artur Fischer, Süddeutsche Zeitung, 6. Februar 2016
  3. a b Volker Steinmaier: Prof. Dr.-Ing. E.h. Artur Fischer. In: Deutscher Gründerpreis, 2009.
  4. a b Jan Sellner: Zum Tod von Artur Fischer. Ein Leben voller Einfälle. In: Stuttgarter Nachrichten, 29. Januar 2016.
  5. Frank Holzhauer: Artur Fischer. In: cc-c.de, 28. Februar 2005.
  6. Alexander Smoltczyk: Zum Tod von Artur Fischer: Daniel Dübeltrieb. In: SpOn, 29. Januar 2016.
  7. Aussage von Artur Fischer im Dokumentarfilm: Artur Fischer – Der Dübelkönig aus dem Schwarzwald. In: SWR, 8. April 2010.
  8. Traueranzeige: Rita Fischer. In: Schwarzwälder Bote, August 2013, (PDF; 431 kB, archived by WebCite at [1]).
  9. Artur Fischer: Kreativität und Wagemut — Grundlagen der Forschung und Innovation. In: August-Wilhelm Scheer (Hrsg.), Rechnungswesen und EDV: Aus Turbulenzen zum gestärkten Konzept? Physica, Springer Verlag, Heidelberg 1995, S. 547, ISBN 978-3-642-52414-1, doi:10.1007/978-3-642-52413-4.
  10. Über uns. Geschichte - 1932. In: muessig.ch, aufgerufen am 3. Februar 2016.
  11. a b c Peter Ackermann: Was die Welt zusammenhält. In: NZZ Folio, Mai 2009.
  12. a b Peter Koller: Europäischer Erfinderpreis. Technik-Oscar für die Erfinderlegende Artur Fischer. In: Elektronikpraxis, 17. Juni 2014.
  13. Arne Hahn und Lena Müssigmann: Dübel-Erfinder Artur Fischer ist tot. In: Schwarzwälder Bote, 30. Januar 2015.
  14. Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg 2015. In: Stiftung Artur Fischer Erfinderpreis (AFE), (PDF; 85 S., 4,12 MB).
  15. Carsten Dierig: Der Dübel-König siegt über seine Tochter. In: Die Welt, 5. Juli 2007.
  16. Artur Fischer (Deutschland). Gewinner des Europäischen Erfinderpreises 2014 in der Kategorie Lebenswerk. In: EPA, 16. Juni 2014, mit Video.