Bahnhof Nürtingen

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Nürtingen
Bahnhof Nürtingen
Bahnhof Nürtingen
Daten
Betriebsstellenart Trennungsbahnhof
Bahnsteiggleise 3
Abkürzung TNU
IBNR 8004488
Preisklasse 3
Eröffnung 20. September 1859
Profil auf Bahnhof.de Nuertingen
Lage
Stadt/Gemeinde Nürtingen
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 37′ 41″ N, 9° 20′ 33″ OKoordinaten: 48° 37′ 41″ N, 9° 20′ 33″ O
Höhe (SO) 283 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken

Bahnhöfe in Baden-Württemberg
i16

Der Bahnhof Nürtingen ist ein Eisenbahnknoten an der Neckar-Alb-Bahn von Plochingen nach Tübingen, an dem die Tälesbahn nach Neuffen abzweigt. Er wird von einem Intercity-Zugpaar, Regionalzügen und Zügen der Württembergischen Eisenbahngesellschaft bedient.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eröffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Königlich Württembergische Staatsbahn eröffnete am 20. September 1859 das erste Teilstück der Oberen Neckarbahn von Plochingen bis Reutlingen. Nürtingen, günstig am Neckar gelegen und als Oberamtsstadt, erhielt dabei auch einen Schienenanschluss. Der Bahnhof entstand östlich der Stadt.
Das damalige Empfangsgebäude ist noch erhalten. Bis 1893 beherbergte es auch die Post, bis diese ein eigenes Gebäude südlich des Empfangsgebäudes erhielt.

Nürtingen wird Eisenbahnknoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 19. Jahrhunderts bemühte sich die Stadt Neuffen um einen Eisenbahnanschluss. Dieser wurde durch eine Privatbahn ermöglicht. Seit 1. Juni 1900 zweigt in Nürtingen die Bahnstrecke nach Neuffen, genannt Tälesbahn, von der Oberen Neckarbahn ab. Die Direktion der Staatsbahn plante zur gleichen Zeit eine Bahnlinie, die in Nürtingen abzweigend am linken Neckarufer bis Kirchentellinsfurt führen sollte. Sie verwarf jedoch dieses Projekt. Ebenfalls im Jahr 1900 nahm die Staatsbahn auf dem Streckenabschnitt UnterboihingenNeckartailfingen ein zweites Gleis in Betrieb.

Nürtingen verzeichnete steigende Einwohnerzahlen. Mit neuen Wohn- und Geschäftshäusern, aber auch Industrie- und Gewerbebetrieben, wuchs die Stadt in Richtung Bahnhof.

Reichsbahnzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1926 erklärten die Stadtverwaltung und der Verkehrsverein das Empfangsgebäude für zu klein und nicht mehr zeitgemäß. Die Deutsche Reichsbahn teilte diese Meinung nicht und weigerte sich einen Neubau zu finanzieren. Erst als einige Nürtinger Industriebetriebe die Bereitschaft erklärten, sich an den Kosten zu beteiligten und die Post das alte Gebäude übernehmen wollte, stimmte die Reichsbahn zu.

Das neue Empfangsgebäude entstand nördlich des ehemaligen Gebäudes. Am 19. November 1934 fand seine feierliche Einweihung statt. Bereits zum 1. Oktober 1934 elektrifizierte die Reichsbahn die Strecke von Plochingen bis Tübingen.

Empfangsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nürtingen ist sowohl das Empfangsgebäude von 1859, als auch der Neubau von 1934 erhalten geblieben.

Empfangsgebäude von 1859[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude von 1859 (Zustand 2010)

Das Empfangsgebäude aus dem Jahr 1859 ist ein zweistöckiges Bauwerk mit Satteldach. Fenster und Türen im Erdgeschoss waren mit Rundbogen versehen (heute noch erkennbar). Es maß ursprünglich eine Länge von 25,78 Metern und eine Breite von 14,32 Metern. Von der Straßenseite aus gelangten die Reisenden in eine schlanke Schalterhalle. Das Gebäude bot Platz für einen Warteraum und Diensträume für die Bahnangestellten, sowie für die Post. Das Gebäude erhielt später nach Süden hin einen Anbau. Im Obergeschoss befanden sich Wohnungen für die Bahnbediensteten. Die Post erhielt 1893 südlich des Empfangsgebäudes ein eigenes Bauwerk. 1934 übernahm die Post das Empfangsgebäude von der Reichsbahn.

Empfangsgebäude von 1934[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Empfangsgebäude aus dem Jahr 1934 ist – seiner Zeit entsprechend – sehr repräsentativ, aber sachlich aufgebaut. Der Hauptteil des Gebäudes (Mittelbau und zwei zweistöckige Flügelbauten) maß ursprünglich eine Länge von 43 Metern und eine Breite von 14,5 Metern. Nach Norden hin ragt mit einer Länge von etwa 4,5 Metern ein Treppenhaus als Risalit heraus, in dessen Länge sich ein einstöckiger Anbau anschließt. Auch nach Süden hin vergrößerte die Deutsche Bundesbahn das Gebäude 1949[3] um einen fünf Meter langen einstöckigen Anbau.

Die Länge der Schalterhalle im Mittelbau ist durch Innenumbauten nicht mehr erhalten. Ursprünglich war sie 24 Meter lang und 7,12 Meter breit. Die Raumhöhe beträgt 6,6 Meter. Die große Fensterfront an der Straßenseite belichtet die Halle. Der Mittelbau setzt sich nach Osten hin einstöckig fort.

Das Gebäude ist mit mehreren Walmdächern gedeckt, der einstöckige Teil des Mittelbaus mit einem Flachdach.

Am 19. November 1934 weihte die Reichsbahn das Gebäude feierlich ein.

Bahnbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof verfügt über drei Bahnsteiggleise. Auf Gleis 1, dem Hausbahnsteig, halten die Züge Richtung Metzingen, auf Gleis 2 die Richtung Wendlingen. Auf Gleis 3 starten die Züge der WEG nach Neuffen.

Der Bahnhof Nürtingen wird von der Deutschen Bahn AG in der Bahnhofskategorie 3 geführt.

Der Bahnhof wird von einem Spurplanstellwerk vom Typ SpDrS60 gesteuert.[4]

Fernverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strecke Taktfrequenz
IC 32 (Berlin SüdkreuzDortmundEssenDuisburg –) DüsseldorfKölnBonnKoblenzMainzMannheimStuttgartPlochingenNürtingenReutlingenTübingen 1 Zugpaar

Regionalverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strecke Taktfrequenz
RE R8 StuttgartBad CannstattEsslingen (Neckar)PlochingenWendlingen (Neckar)NürtingenMetzingen (Württ)ReutlingenTübingen 60-Minuten-Takt (HVZ 30-Minuten-Takt)
RB R73 PlochingenWendlingen (Neckar)NürtingenMetzingen (Württ)ReutlingenTübingenHerrenberg 60-Minuten-Takt (HVZ 30-Minuten-Takt)
RB 65 NürtingenFrickenhausen – Neuffen 60-Minuten-Takt (zur Hauptverkehrszeit auf 30-Minuten-Takt verdichtet)

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überregionale Bekanntheit erreichte der Bahnhof Nürtingen durch die Harald Schmidt Show vom 19. Dezember 2001: Darin wurde das Geschehen am Bahnhof auf einer Modelleisenbahnanlage nachgespielt und von Harald Schmidt, der in Nürtingen aufwuchs, scherzhaft kommentiert.[5] Später war das Modell aus der Sendung im Bahnhofsgebäude ausgestellt. Der Kunstprofessor Andreas Mayer-Brennenstuhl sieht darin einen Auslöser für die Renovierung des Bahnhofs, auch wenn das Modell mit der tatsächlichen Situation vor Ort kaum etwas zu tun gehabt habe.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lage, Gleisanlagen sowie einige Signale und zulässige Geschwindigkeiten auf der OpenRailwayMap

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Reichold: Obere Neckarbahn. Eine Zeitreise auf der Strecke Plochingen, Wendlingen, Nürtingen, Metzingen, Reutlingen. Wiedemann Verlag, Münsingen-Rietheim 2010, ISBN 978-3-941453-09-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. K 412 IV DO 8020 Nürtingen: Expressgut – Anbau Empfangsgeb.. Landesarchiv Baden-Württemberg. 1949. Abgerufen am 16. Juli 2016.
  2. Deutschland-Stuttgart: Dienstleistungen von Architektur-, Konstruktions- und Ingenieurbüros und Prüfstellen. Dokument 2016/S 136-245340. In: Supplement zum Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union. 16. Juli 2016, abgerufen am 16. Juli 2016.
  3. Nürtinger Bahnhof. In: Harald Schmidt Show. 19. Dezember 2001, abgerufen am 18. Januar 2016 (Video auf YouTube).
  4. Vom Zuschauer zum Akteur. Interview in: finger. Nr. 13, Juni 2004. Zitiert nach: http://www.ambweb.de/zuschauer_akteur.html, abgerufen am 18. Januar 2016.