Baumbesetzung

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Die 2010 durch Robin Wood gegen den Bau der Waldschlößchenbrücke besetzte Rotbuche in Dresden

Eine Baum- oder Waldbesetzung ist eine meist öffentlichkeitswirksame Aktionsform von Umweltschützern, mit der auf eine durch Infrastruktur-Maßnahmen bedrohte Natur aufmerksam gemacht werden soll; besetzte Bäume stehen stellvertretend für die bedrohte Natur. Baumbesetzung ist eine Form der Direkten Aktion, Gesetzesverstöße werden von den Besetzenden oft in Kauf genommen. In der Regel finden Baumbesetzungen unmittelbar vor zu erwartenden Fällungen statt. Durch ihren Einsatz versuchen Baumbesetzer so, die Umsetzung einer bereits getroffenen Entscheidung zu verhindern.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weltweit bekannteste und längste Baumbesetzung ging von der US-amerikanischen Umweltaktivistin Julia Butterfly Hill aus: Sie lebte ab 10. Dezember 1997 aus Protest gegen die Firma Pacific Lumber bis Anfang 2000 für 738 Tage auf einem Küstenmammutbaum (Redwood) in Kalifornien. Ihr Alltag spielte sich auf zwei verhältnismäßig kleinen Holzplattformen ab, die in etwa 60 Meter Höhe mit Seilen befestigt waren. Im zweiten Jahr ihrer Besetzung errichteten zwei Mitglieder der Umweltschutzorganisation Earth First!, welche die Baumbesetzung unterstützte, noch eine dritte Plattform. Diese befand sich nur in etwa 30 Metern Höhe und diente als Presse- und Besucherplattform. Julia Butterfly Hill benutzte Klettergurt und Seil für den Auf- und Abstieg und anfangs zwischen den Plattformen. Später bewegte sie sich in den Ästen der Baumkrone, wo sie die meiste Zeit verbrachte, ungesichert. Die Baumbesetzung des etwa 600 Jahre alten Redwoods verlief erfolgreich. Nach Verhandlungen erklärte sich der Chef von Pacific Lumber am 18. Dezember 1999 einverstanden, den Baum und ein Gebiet von 12.000 m² um ihn herum unter Schutz zu stellen.[1]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Waldretter“ im Forst Kasten bei München 2021
  • 2009 im Kelsterbacher Wald, gegen den Bau der vierten Startbahn des Flughafens Frankfurt.[2]
  • Im Winter 2009 / 2010 besetzten und bewohnten Anwohner im Hamburg-Altonaer Gählerpark unterstützt von Robin Wood über drei Monate fünf Bäume und verhinderten damit erfolgreich die von Vattenfall Europe geplanten Fällungen von rund 400 Bäumen für den Bau einer Abwärmeleitung für das im Bau befindliche Kohlekraftwerk Moorburg.[3]
  • 2010 besetzten zwischen vier und elf Mitglieder der Aktionsgemeinschaft Robin Wood für 34 Tage eine fast 300-jährige Rotbuche in Dresden, um damit den Bau der Waldschlößchenbrücke zu verhindern. Der besetzte Baum wurde schließlich von einem Sonderkommando der Polizei geräumt und anschließend gefällt.[4]
  • 2010 bis 2012 im Stuttgarter Schlossgarten.[5]
  • Seit 2012 nahezu durchgehend bis zur Räumung 2018 im Hambacher Forst, vereinzelt auch danach bis zur juristischen Aufarbeitung der Räumung.
  • Von Januar bis November 2018 im Treburer Oberwald östlich des Flughafens Frankfurt,[6] wiederum unterstützt von Robin Wood,[7] um damit den Bau eines Autobahnzubringers zur Bundesautobahn 5 für das im Bau befindliche Terminal 3 zu verhindern.[8]
  • Seit 1. Oktober 2019 der Dannenröder Wald durch ca. 100 Menschen: Sie wollten den Wald vollständig erhalten und eine Rodung durch den Bau der Bundesautobahn 49 verhindern. Das Protestcamp erhielt hessen- und bundesweite Aufmerksamkeit.[9][10]
  • Seit 2020 wird der noch bestehende Teil des Dorfes Lützerath von der Klimabewegung besetzt, um die Erweiterung des Braunkohletagebaus Garzweiler des Energiekonzerns RWE zu verhindern. Hierfür wurden auf dem Grundstück auf einigen Bäumen Baumhäuser errichtet.
  • Im Juni 2021 wurden im Forst Kasten bei München zweimal Baumhäuser gebaut und bereits nach kurzer Zeit wieder durch die Polizei geräumt;[11] diese Aktion diente dem Protest gegen die Rodung des aktuell geschützten Bannwalds für ein Kieswerk.
  • Seit Mai 2021 haben Menschen ein Waldteil in Trier-Zewen unter dem Titel „Besch bleibt“ besetzt.[12] Der Protest richtet sich gegen „den Bau einer neuen Bundesstraße zwischen Konzerbrück (Umgebung Konz-Könen) über eine Brücke durch das geschlossene Waldgebiet zwischen Trier-Zewen und Igel bis zur A64 in Höhe Herrestal“,[13] welcher im Plan vom Moselaufstieg enthalten ist.[14]
  • Unter dem Motto „Dieti bleibt!“[15] sind seit Mitte 2021 im „Langmattenwäldchen“ im geplanten Neubaugebiet Freiburg-Dietenbach im südbadischen Breisgau mehrere Bäume besetzt: Der Protest richtet sich hier gegen die Rodung von ca. fünf Hektar Waldfläche für ein neues Baugebiet, obwohl im Vorfeld eines in diesem Zusammenhang angestrengten Bürgerentscheids von der Projektleitung Baumfällungen ausgeschlossen worden waren. Ende November 2021 dauerte die Baumbesetzung an und soll auch über den Winter fortgesetzt werden.[16]
  • Seit Anfang Oktober 2021[17][18] hält auch die Bürgerinitiative „Rettet den Eichwald“[19] im ebenfalls südbadischen Müllheim („Markgräflerland“) mehrere Bäume besetzt: Hier richtet sich der Protest gegen die nach Auffassung der Bürgerinitiative vor Ort nicht nachhaltige und zeitgemäße Forstbewirtschaftung.[20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tree sitting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Julia Butterfly Hill: Die Botschaft der Baumfrau, Riemann Verlag, ISBN 3-570-50015-2
  2. Ganz oben. (Nicht mehr online verfügbar.) Greenpeace Magazin, Januar 2010, archiviert vom Original am 13. November 2013; abgerufen am 13. November 2013.
  3. Blicklicht, TU Cottbus: Moorburgtrasse gestoppt – Baumbesetzung beendet (Memento vom 23. Januar 2016 im Internet Archive) (PDF; 286 kB), abgerufen am 5. August 2017
  4. Polizei beendet Baumbesetzung. Süddeutsche.de, 17. Mai 2010, abgerufen am 12. November 2013.
  5. Gute Aktionen für K21. (Nicht mehr online verfügbar.) Robin Wood Internetseite, 13. November 2013, archiviert vom Original am 13. November 2013; abgerufen am 13. November 2013.
  6. Protestcamp am Flughafen geräumt. In: Frankfurter Rundschau. 6. November 2018, abgerufen am 23. November 2018.
  7. Baumbesetzung gegen drohenden Kahlschlag für den Frankfurter Flughafen – Robin Wood. In: robinwood.de. 12. Januar 2018, abgerufen am 23. Januar 2018.
  8. Protest gegen Bau von neuem Flughafen-Terminal. In: welt.de. 17. Januar 2018, abgerufen am 23. Januar 2018.
  9. Ein Besuch bei den Aktivisten im Dannenröder Forst: „Wir gehen nicht weg!“ 23. Juli 2020, abgerufen am 1. August 2020 (deutsch).
  10. Süddeutsche Zeitung: Ärger nach Urteil zum A49-Ausbau: Waldbesetzer bleiben aktiv. Abgerufen am 1. August 2020.
  11. Forst Kasten: Polizei räumt erneut besetzte Bäume. 21. Juni 2021, abgerufen am 1. Juli 2021.
  12. TV REDAKTION: Klimaschutz: „Besch bleibt“!: Klimaaktivisten besetzen Wald zwischen Zewen und Igel. 13. Mai 2021, abgerufen am 25. März 2022.
  13. Warum besetzen? • Besch Bleibt. In: Besch Bleibt. Abgerufen am 25. März 2022 (deutsch).
  14. S. W. R. Aktuell, S. W. R. Aktuell: Trierer Waldbesetzer machen Camp winterfest. Abgerufen am 25. März 2022.
  15. Dieti - !bleibt! Abgerufen am 26. November 2021.
  16. Badische Zeitung: Ein Besuch bei den Baumbesetzern, die bei Dietenbach überwintern wollen - Freiburg - Badische Zeitung. Abgerufen am 26. November 2021.
  17. Badische Zeitung: Waldaktivisten besetzen Bäume im Müllheimer Eichwald - Müllheim - Badische Zeitung. Abgerufen am 26. November 2021.
  18. Badische Zeitung: Stadt Müllheim schreitet vorerst nicht gegen Waldbesetzer im Eichwald ein - Müllheim - Badische Zeitung. Abgerufen am 26. November 2021.
  19. Startseite Bürgerinitiative Rettet den Eichwald. Abgerufen am 26. November 2021 (deutsch).
  20. Badische Zeitung: Zu Besuch bei den Waldbesetzern im Müllheimer Eichwald - Müllheim - Badische Zeitung. Abgerufen am 26. November 2021.