Beltershain

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Beltershain
Stadt Grünberg
Koordinaten: 50° 37′ 3″ N, 8° 56′ 0″ O
Höhe: 279 m ü. NHN
Fläche: 4,93 km²[1]
Einwohner: 617 (30. Jun. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 125 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35305
Vorwahl: 06401
Karte
Stadtteile von Grünberg

Beltershain ist ein Stadtteil von Grünberg im mittelhessischen Landkreis Gießen und hat etwa 650 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1357 wurde der Ort erstmals als Beltirshayn in den Güterverzeichnissen des Mainzer St. Johannstifts urkundlich erwähnt. In diesem Jahre verkaufte der Frankfurter Bürger Konrad von Fischborn seinen Hof zu Beltershain an das Kloster Wirberg. Mitte des 14. Jahrhunderts hatte ein Konrad genannt Falkenstein von diesem 28 Morgen Land zu Lehen inne. Im ausgehenden 15. Jahrhundert wurde die Kirche zu Beltershain gebaut. 1495 erhob Kloster Wirberg das sogenannte „Königsgeld zu Wirberg“ mit den Dörfern Reinhardshain, Beltershain, Lumda und Göbelnrod. In der Chronik des Klosters Wirberg findet sich der Hinweis auf ein Gefecht während des Siebenjährigen Krieges um Beltershain zwischen Preußen und Franzosen. Noch heute finden sich um den Wildacker Schanzen und Gräben aus dieser Zeit. Im Jahre 1744 wurde die erste Schule in Beltershain gebaut. Die damaligen Lehrer hielten am Sonntag die Betstunden und waren gleichzeitig Glöckner und Kantor. Ab 1787 gehörte der Ort zum Amt Grünberg in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die dörfliche Struktur zum einen durch die Aufnahme vieler Heimatvertriebener und den immer weiteren Rückgang der Landwirtschaft.

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde Beltershain am 31. Dezember 1970 ein Stadtteil der Stadt Grünberg.[2] In den Jahren 1977 und 1978 wurde das alte Schulgebäude zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. 1979 entstand in Eigenleistung ein Sportlerheim.

Das kulturelle Leben im Ort wird durch zahlreiche Interessensgruppen und Vereine gepflegt.

Historische Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Beltershain unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[3]

  • zu Beltirshayn (1357), (Eckhardt, Klosterarchive 7 Nr. 1057)
  • Bedlershayn, (Mitte 14. Jahrhundert), (Würdtwein, Diocesis Moguntina 3 S. 363);
  • Belterßhayn (14. Jahrhundert) (Universitätsbibliothek Gießen Hs, 556/60, S. 75)

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Beltershain lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[3][4]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Beltershain das „Amt Grünberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Beltershain zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[8] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Beltershain wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt.[9] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

• 1577: 022 Hausgesesse
• 1630: 00ein vierspänniger, 2 dreispännige, 10 zweispännige, 2 einspännige Ackerleute, 5 Einläuftige
• 1669: 103 Seelen.
• 1742: 044 Untertanen, 17 Jungmannschaften, kein Beisasse/Jude.
Beltershain: Einwohnerzahlen von 1669 bis 2017
Jahr  Einwohner
1669
  
103
1791
  
261
1804
  
281
1830
  
335
1834
  
324
1840
  
309
1846
  
361
1852
  
350
1858
  
291
1864
  
277
1871
  
355
1875
  
359
1885
  
315
1895
  
322
1905
  
312
1910
  
330
1925
  
349
1939
  
364
1946
  
563
1950
  
562
1956
  
474
1961
  
433
1967
  
415
2013
  
631
2017
  
617
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [3][1]; 1791:[5]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

• 1830: 355 evangelische Einwohner
• 1961: 361 evangelische, 60 römisch-katholische Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

• 1961: Erwerbspersonen: 122 Land- und Forstwirtschaft, 83 Produzierendes Gewerbe, 26 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 18 Dienstleistung(en) und Sonstige.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2011
Ortsbeirat Beltershain
 %
40
30
20
10
0
39,6 %
31,6 %
28,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   2
   0
  -2
  -4
-1,7 %p
+0,7 %p
+0,9 %p

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 39,6 3 41,3 3
FW Freie Wähler Grünberg 31,6 2 30,9 2
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,7 2 27,8 2
Gesamt 100,0 7 100,0 7

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher des Ortsteils Beltershain ist Edwin Magel (SPD).

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sportverein Beltershain – Gegründet 1958.
  • Karneval Abteilung Sportverein (KASV Beltershain) – Gegründet 1999. Entstand aus den Gruppen Blümchen und Tabalugas, die unter der Leitung von Martina Schlosser standen. Heute noch ein großer Höhepunkt in Beltershain ist und bleibt die Fremdensitzung des KASV.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beltershain (Grünberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Einwohnerzahlen. In: Internetauftritt. Stadt Grünberg, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018. (Daten aus Archiv)
  2. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 294
  3. a b c d e f Beltershain, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 9. Februar 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 197, 261 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 8 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 419 (online bei Google Books).
  8. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  9. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 a) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).