Bibergau

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Bibergau
Wappen von Bibergau
Koordinaten: 49° 47′ 50″ N, 10° 6′ 20″ O
Einwohner: 650
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 97337
Vorwahl: 09324
Bild von Bibergau

Bibergau ist mit ca. 650 Einwohnern der größte Ortsteil von Dettelbach im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Bibergau liegt mit Anschluss an die Bundesstraße 22 westlich von Dettelbach.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibergau liegt im Westen des Dettelbacher Gemeindegebiets. Im Norden befindet sich Euerfeld, mit dem Bibergau über die Kreisstraße KT28 verbunden ist. Westlich liegt Dettelbach. Der Süden wird von der Bundesautobahn 3 eingenommen, weiter südlich beginnt das Gemeindegebiet von Mainstockheim. Südwestlich liegt der Dettelbacher Bahnhof mit dem gleichnamigen Ortsteil. Effeldorf befindet sich im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibergau hat eine sehr lange Siedlungsgeschichte. Bereits in der Jungsteinzeit siedelten an der Stelle, an der sich heute das Dorf befindet, zumindest zeitweise Menschen der bandkeramischen Kultur. Das heutige Dorf entstand wohl im Zuge der fränkischen Eroberung der Region im 8. bzw. 9. Jahrhundert. Der Ortsname mit der Endung -gau nimmt entweder Bezug auf die frühere Einteilung des Areals in Gaue oder verweist auf die Lage im fruchtbaren Gauland. Das Präfix Biber- spielt auf das Tier an.

Im Mittelalter war das Dorf herrschaftlich aufgeteilt, also ein sogenanntes Ganerbendorf. Dort hatten die Kitzinger Benediktinerinnen, das Würzburger Hochstift und die Grafen zu Castell Einkünfte und Besitzungen. Mit dem 15. Jahrhundert zogen sich diese großen Grundherren weitgehend zurück. Die Casteller verkauften ihren Anteil am Dorf an die Johanniter, das Benediktinerinnenkloster wurde von der Würzburger Abtei St. Stephan 1475 abgelöst.[1]

Der herrschaftliche Ansitz am Rande des Dorfes war Stammsitz der Ritter von Bibergau, eines Ministerialengeschlechts des Hochstifts Würzburg. Ihre Familie wurde 1280 erstmals urkundlich erwähnt, als Heinrich von Bibergau dem Agneskloster aus Würzburg einige Äcker verkaufte. Nach dem Aussterben der Familie im Jahr 1516 wechselten die Schlossbesitzer häufig. Nach den Herren von Zobel, den Fronhofen, den Fuchs von Dornheim und der Familie Mauchenheim, genannt Bechtolsheim, kamen die Rechte und das Schloss 1746 an die Universität Würzburg.[2]

Reichsrat von Deuster erwarb im 19. Jahrhundert das Schloss. Bibergau war inzwischen eigenständige Landgemeinde im Königreich Bayern geworden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat das Dorf einige Flächen an die Reichsbahn ab, dort entstand die Bahnstrecke Würzburg-Nürnberg. In den 1930er Jahren erhielt der Ort eine Kanalisation. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte man Heimatvertriebene im Bibergauer Schloss an.

Zwischen Bibergau und Effeldorf entstand im Jahr 1963 die erste Verbandsschule des Landkreises Kitzingen. Im gleichen Jahr begann man mit dem Bau einer zentralen Wasserversorgung im Dorf. Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Bayern diskutierten die Gemeinderatsmitglieder 1971 und 1972 den Anschluss an den Landkreis Würzburg und die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft.[3] Schließlich entschied man sich jedoch für die Eingemeindung nach Dettelbach, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat.[4]

Wüstung Seeheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Seeheim (Wüstung)

Auf der heutigen Gemarkung von Bibergau lag bis ins 14. Jahrhundert das Dorf Seeheim. Es wurde wohl im 6. Jahrhundert gegründet und im Jahr 1174 erstmals erwähnt. Bereits 1318 war das Dorf verlassen und ist nur noch als Flurbezeichnung auf Bibergauer Gemarkung überliefert.

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Jüdische Gemeinde Bibergau

In Bibergau bestand eine jüdische Gemeinde bis 1907. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1691 waren die Juden von Bibergau und Schernau im Verdacht eines Ritualmordes. Der Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg schützte allerdings die Juden der beiden Orte vor ungerechtfertigten Übergriffen von Seiten der christlichen Bevölkerung. Die Bluttat gegen das Kind blieb unaufgeklärt. Die Blütezeit der jüdischen Gemeinde war im 18. und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Folgende Zahlen jüdischer Einwohner liegen vor: 1816 131 (26,2 % der Gesamtbevölkerung von 499 Personen), 1833 33 jüdische Familien, 1867 91 Personen (16,6 % von 549), 1871 77, 1880, 46, 1890 26, 1900 12.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder durch Aus- und Abwanderung stark zurückgegangen. Zum Zeitpunkt der Auflösung der jüdischen Gemeinde (1907) waren nur noch wenige jüdische Personen in Bibergau (1910: 6, d. h. 1,2 % der Gesamtbevölkerung von etwa 500 Einwohnern, 1925 ebenfalls 6). Zu Beginn der NS-Zeit lebten in Bibergau noch fünf jüdische Personen. Sie gehörten zur jüdischen Gemeinde in Dettelbach. Einer verließ das Dorf vor 1939, zwei wurden am 24. April 1942 über Würzburg in das Ghetto Izbica bei Lublin deportiert. Am 10. September 1942 wurden die beiden letzten jüdischen Einwohner in das KZ Theresienstadt deportiert.

Von den in Bibergau geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Alfred Hennochstein (* 1910), Lina Hennochstein (* 1878), Moritz Laubheim (* 1866), Rosa Laubheim (* 1872) und David Maij (* 1912).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister und Stadträte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertreter im Dettelbacher Stadtrat
Name Amtszeit
Richard Konrad 1972–1974
Reinhold Kuhn 1972–1974
Ernst Öhrlein 1972–1974
Reinhold Kuhn 1974–1978
Rudolf Schmitt 1978–1984
Reinhold Kuhn 1978–1984
Liste der Bürgermeister in Bibergau (Auswahl)
Name Amtszeit Anmerkungen
Georg Mitesser 1900–1905 Beigeordneter Bonaventura Kuhn
Kilian Eberth 1906–1911 Beigeordneter Andreas Stühler
Georg Mitesser 1912–1919 Beigeordneter B. Eberth
Georg Felix Schmitt 1919–1924 Zweiter Bürgermeister N. Ebert
Johann Christoph Hack 1925–1932 Zweiter Bürgermeister Georg Göbel (1925–1929), Josef Konrad (1929–1932)
Josef Konrad 1932–1932 Zweiter Bürgermeister Georg Krönert
Heinrich Schmitt 1945–1956 Zweiter Bürgermeister J. Schmitt (1945–1948), Edmund Gehring (1948–1956)
Josef Steinmüller 1956–1960 Baumeister, Zweiter Bürgermeister Martin Maag
Josef Steinmüller 1960–1963 Kohlenhändler, Zweiter Bürgermeister Walter Tietze
Richard Konrad 1963–1972 Zweiter Bürgermeister Walter Tietze[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1803 1818 1870 1950 1970
Einwohner 499 572 553 696 673[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Bibergau
Blasonierung: „Gespalten von Silber und Rot; vorne ein rotes Tatzenkreuz, hinten ein aufspringender silberner Biber mit goldenem Stab in den Vorderpfoten.“
Wappenbegründung: Erstmals abgebildet ist das Gemeindewappen auf einer Urkunde des Jahres 1650. Es folgte die Darstellung auf einer Urkunde von 1710. Im Jahr 1967 stellte die Gemeinde einen Wappenverleihungsantrag. Das Tatzenkreuz weist auf den Johanniterorden hin, während der Biber den Ortsnamen repräsentiert. Der Stab in den Vorderpfoten ist als Gerichtsstab zu deuten. Mit der Tingierung werden die fränkischen Farben Silber-Rot eingebracht.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bibergau befindet sich ein Wasserschloss, das im 16. Jahrhundert von einem lokalen Adeligen erbaut wurde. Im 17. Jahrhundert wurde die Anlage erweitert und hatte danach wechselnde Eigentümer.

Die Pfarrkirche St. Simon und Judas hat eine anmutige Rokokoausstattung.

Das Dorf beherbergt einen Flugplatz für Ultraleicht-Gleitschirme.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das traditionelle Bergfest ist der Höhepunkt in Bibergau. Jedes Jahr am letzten Wochenende der Sommerferien veranstaltet der Bibergauer Musikverein (Die Bibergauer) dieses zweitägige Fest mit Live-Musik in der Festhalle. Das Bergfest findet großen Anlauf in der Region.

Sportfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der VfR Bibergau lädt jedes Jahr zum Sportfest ein.

Weitere Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Bibergau trägt mit jährlich zwei Festen zum Dorfleben bei, dies sind: am 1. Mai das Aufstellen des Maibaums, neuerdings im September das Kesselfleischessen.

In der Muckengasse findet jährlich das „Muckengassen-Fest“ statt. An Ostern gibt es einen geschmückten Osterbrunnen mit hunderten von selbstbemalten Eiern. Am 30. April wird in der Muckengasse ein eigener Maibaum aufgestellt. Bei schönem Wetter trifft man sich am „Bänkle“, der größten selbstgebauten Bierbank aus Holz im Landkreis, auf einen Plausch und ein Bier. Besonders beliebt sind auch die Bratwürste, die bei diesem Fest serviert werden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • o. A.: Bibergau 1994. Ein Dorf stellt sich vor. Markt Erlbach 1994. (verschiedene Aufsätze zur Dorfgeschichte)
  • Reinhold Kuhn: Aus der Geschichte des Ortsteiles Bibergau 1900–1984. In: Stadt Dettelbach (Hg.): Dettelbach 1484–1984. Festschrift und kleine Charakteristik einer 500jährigen Stadt. Dettelbach 1984. S. 258–264.
  • Fritz Mägerlein: Bibergau. In: Im Bannkreis des Schwanbergs 1971. Heimat-Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen. Kitzingen 1971. S. 195–199.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bibergau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mägerlein, Fritz: Bibergau. S. 196.
  2. Mägerlein, Fritz: Bibergau. S. 197.
  3. Kuhn, Reinhold: Aus der Geschichte des Ortsteiles Bibergau 1900–1984. S. 260.
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 497.
  5. o. A.: Bibergau bis 1994. S. 95 ff.
  6. Mägerlein, Fritz: Bibergau. S. 198.
  7. o.A.: Bibergau 1994. S. 94.