Borgsdorf

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Borgsdorf
Wappen von Borgsdorf
Koordinaten: 52° 42′ 54″ N, 13° 16′ 16″ O
Höhe: 39 m ü. NHN
Einwohner: 4702 (31. Dez. 2016)
Eingemeindung: 6. Dezember 1993
Postleitzahl: 16556
Vorwahl: 03303
Borgsdorf (Brandenburg)
Borgsdorf

Lage von Borgsdorf in Brandenburg

Borgsdorf ist ein Stadtteil der Stadt Hohen Neuendorf im nördlichen Berliner Umland. Der Ort wurde erstmals 1375 urkundlich erwähnt und am 6. Dezember 1993 nach Hohen Neuendorf (Landkreis Oberhavel, Brandenburg) eingemeindet.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird im Wesentlichen von Einfamilien- und Reihenhäusern geprägt. Es gibt aber auch einige Mehrfamilienhäuser und Wohnanlagen. Eine Besonderheit ist die Wassersportsiedlung „Venedig“ in der die Grundstücke an einem eigenen Y-förmigen Kanal mit Verbindung zur Havel liegen. In den letzten Jahren wurden in Borgsdorf viele freie Flächen bebaut und alter Gebäudebestand umfangreich renoviert. Neben Wohnraum für junge Familien sind auch vermehrt Wohnungen für Senioren entstanden.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borgsdorf liegt an der Havel (siehe auch Zehdenick-Spandauer Havelniederung) und ist der nördlichste Stadtteil der Stadt Hohen Neuendorf. Der Ort ist nur über eine schmale Verbindung entlang des Flusses mit dem Stadtteil Hohen Neuendorf verbunden. Borgsdorf erstreckt sich vom Wohnplatz Pinnow im Westen bis zum Naturpark Barnim im Osten.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Süden grenzt Borgsdorf an Birkenwerder, im Westen an Velten und im Norden an den Ortsteil Lehnitz der Stadt Oranienburg.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den eigentlichen Siedlungsgebieten um den Bahnhof und den alten Ortskern (sog. „Dorf“) gehören die Wohnplätze Pinnow, Havelhausen und Weißes Haus zum Ort.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Wappen der ehemaligen Gemeinde Borgsdorf

Erste Siedlungsspuren im Gebiet des heutigen Borgsdorf lassen sich gemäß der Liste der Bodendenkmale in Hohen Neuendorf bereits für die Mittelsteinzeit nachweisen. Auch in späteren Phasen gab hier demnach Siedlungen.

Der Ort Borgsdorf wurde im Jahr 1375 im Dorfverzeichnis des Landbuchs Kaiser Karls IV. als „Borcharstorff“ erstmals aufgeführt.[3]

1653 bekam Luise Henriette von Oranien das Dorf von ihrem Mann, Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg geschenkt. Sie wollte Borgsdorf zu einem Mustergut machen, war aber wegen der schlechten Bodenqualität nicht erfolgreich. In den folgenden Jahrhunderten wechselten die Besitzer häufig und die Einwohnerzahl sank.

Mit der Neuordnung der Kreisgliederung in Preußen nach dem Wiener Kongress gehörte Borgsdorf seit 1818 zum Landkreis Niederbarnim. 1840 zerstört ein Großbrand fast das gesamte Dorf. Ab etwa 1850 gab es mehrere Ziegeleien – durch den Tonabbau entstanden die drei kleinen Seen Wolfssee, Hubertussee und Börnersee. Mit der Eröffnung der Berliner Nordbahn 1877 begann für Borgsdorf die Entwicklung vom Bauerndorf zur Vorstadtsiedlung. In der Nähe des neuen Bahnhofes – etwas entfernt vom damaligen Dorfzentrum – wurden planmäßig neue Wohngebiete angelegt.

1905 gründete Curt Moll einen Betrieb zur Nelkenzucht. Der Betrieb war so erfolgreich, dass 1937 die Nelke sogar in das Ortswappen aufgenommen wurde. Auch der Nachfolgebetrieb VEG Gartenbau Borgsdorf war im Ort mit seinen Gewächshäusern präsent. Nach der Wende in der DDR entstanden auf diesem Gelände neue Wohngebiete.

Im Zuge der großen Kreisreform 1952 wurde Borgsdorf in den neuen Kreis Oranienburg überführt. Das auf der westlichen Havelseite liegende und zum Landkreis Osthavelland gehörende Dorf Pinnow wurde ein Ortsteil Borgsdorfs. Damit hatte die Havel ihre jahrhundertealte Funktion als Grenze zwischen verschiedenen Landkreisen verloren.

Die Gemeinde Borgsdorf unterhielt seit 1991 eine Partnerschaft mit der Stadt Fürstenau in Niedersachsen. Durch die Fusion mit Hohen Neuendorf ging diese Partnerschaft auf die Stadt Hohen Neuendorf über. Seit September 2014 heißt der Bahnhofsvorplatz zu Ehren der Partnerstadt Fürstenauer Platz.[4]

Im Jahr 1993 wurde Borgsdorf ein Teil der Gemeinde Hohen Neuendorf. Seit 1999 ist Hohen Neuendorf eine Stadt und Borgsdorf damit einer von vier Stadtteilen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung in Borgsdorf von 1875 bis 1992[5]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 236 1939 2.724 1981 2.970
1890 335 1946 2.541 1985 2.911
1910 608 1950 2.794 1989 2.787
1925 1.313 1964 2.933 1992 2.644
1933 2.062 1971 2.908

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Borgsdorf

Die Kirchengemeinde Borgsdorf-Pinnow ist die nördlichste Gemeinde des Kirchenkreises Berlin-Nord-Ost (bis 2008: Berlin-Pankow) im Sprengel Berlin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.[6] Im kirchlichen Leben bilden die Gemeinden Borgsdorf-Pinnow und Birkenwerder eine Einheit – das Pfarramt Birkenwerder betreut beide Gemeinden. Die Gemeinde verfügt über zwei Kirchen im Ort.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es zwei Kirchen. Die Kirche Borgsdorf mit Gemeindehaus und separatem Glockenstuhl wurde 1953 eingeweiht – sie war eine der wenigen Kirchenneubauten in der DDR. Im Ortsteil Pinnow steht die zwischen 1859 und 1862 nach Entwurf des preußischen Baumeisters Friedrich August Stüler erbaute Dorfkirche Pinnow. Sie ist für ihre kulturellen Veranstaltungen bekannt[7] und wird als die erste Radfahrerkirche im Land Brandenburg bezeichnet.

In der Breitscheidtstraße direkt am Waldrand steht das von Hans Scharoun 1938/39 gebaute Haus Weigert.

Diese Gebäude und einige weitere Baudenkmale in Borgsdorf stehen auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg.

Grünflächen und Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es verschiedene Spielplätze, Grünflächen und drei kleine Seen. Auch die Umgebung von Borgsdorf ist geprägt durch ausgedehnte Waldgebiete und Seen, die ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und Wanderer und Radfahrer sind. Es gibt mehrere ausgewiesene Rad- und Wanderwege. Besonders reizvoll ist das nahegelegene Briesetal mit dem Briesesee, der Waldschule Briese und einem Kletterwald.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sportplatz an der Bahnhofstraße wird von örtlichen Vereinen und der Grundschule genutzt. Der Platz wurde im August 2002 nach einer umfassenden Neugestaltung eröffnet. Zur Sportanlage gehören ein Kunstrasenplatz mit Flutlichtanlage, eine 400-Meter-Kunststoff-Laufbahn, eine kombinierte Kugelstoß-Weitsprunganlage, ein Rasenfußballplatz sowie eine kleine Sporthalle und eine moderne Zwei-Felder-Halle.

Der Sportverein FSV Forst Borgsdorf wurde im Jahr 1954 gegründet. Die 1. Herren-Fußball-Mannschaft spielt in der Staffel Nord der Landesliga Brandenburg. Neben Fußball wird beim FSV Handball gespielt und Behindertensport betrieben.[8]

Der Sportverein VfL Borgsdorf wurde im Jahr 2000 gegründet und bietet eine breite Palette an Sportarten wie Aerobic, Volleyball oder Nordic Walking an.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Borgsdorf gibt es verschiedene Unternehmen und Handwerker[10] sowie mehrere Einkaufsmöglichkeiten, insbesondere das Einkaufs- und Dienstleistungszentrum in der Nähe des S-Bahnhofs und das Gartencenter Pflanzen-Kölle an der L 20.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landeswaldoberförsterei

In Borgsdorf gibt es einen Standort des Forstes Brandenburg mit der Landeswaldoberförsterei Borgsdorf[11] und verschiedenen Revierförstereien.

Im Ort arbeitet der Sozialpädagogische Verbund Borgsdorf des ALEP e.V.[12] Hier leben Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters in kleinen betreuten Wohngruppen in Borgsdorf und anderen Orten der Umgebung. Außerdem gibt es seniorengerechte Appartements mit dem Angebot zum betreuten Wohnen. Das historische Heimgebäude wird vom Verein heute als Verwaltungsgebäude genutzt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hort im alten Schulgebäude

Borgsdorf hat zwei Kitas und verschiedene Tagespflegestellen,[13] eine Grundschule mit Hort[14] sowie die Margeriten-Schule, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung.[15] Die früher im Ort liegende Dr.-Hugo-Rosenthal-Oberschule wurde in den Stadtteil Hohen Neuendorf verlegt. Das Gebäude wird heute vom Hort der Grundschule genutzt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrstechnisch ist der Ort sehr gut angebunden:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Borgsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg: Stadt Hohen Neuendorf
  3. Stadt Hohen Neuendorf: Geschichte Borgsdorfs (Aufgerufen am 20.Februar 2018)
  4. Märkische Allgemeine: Taufe für den Borgsdorfer Bahnhofsvorplatz
  5. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Dezember 2006, abgerufen am 17. Mai 2017 (PDF; 331 KB).
  6. Kirchengemeinde Borgsdorf: Kirchen in Borgsdorf und Pinnow
  7. Dorfkirche Pinnow: Gottesdienste und Veranstaltungen
  8. FSV Forst Borgsdorf: Handball beim FSV
  9. VfL Borgsdorf: Sektionen (Memento des Originals vom 7. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vfl-borgsdorf.de
  10. Stadt Hohen Neuendorf: Gewerbe in Borgsdorf (Memento des Originals vom 9. April 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hohen-neuendorf.de
  11. Landesbetrieb Forst Brandenburg: Landeswaldoberförsterei Borgsdorf
  12. Alep e.V.: Sozialpädagogischer Verbund Borgsdorf
  13. Stadt Hohen Neuendorf: Kitas (Memento des Originals vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hohen-neuendorf.de
  14. Grundschule Borgsdorf: Homepage
  15. Margeriten-Schule: Homepage