CO2-Preis

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Ein CO2-Preis, auch Kohlenstoffpreis genannt, ist ein Preis, der für Emissionen von Kohlenstoffdioxid gezahlt werden muss. Der CO2-Preis dient dazu, externe Kosten der Kohlendioxidfreisetzung zu internalisieren, insbesondere die Folgen der globalen Erwärmung. Der CO2-Preis muss für jede Tonne CO2 bezahlt werden, die ausgestoßen werden soll. Er kann als CO2-Steuer oder als CO2-Emissionshandels-System umgesetzt werden.[1] Für eine CO2-Steuer spricht, dass die Höhe der Belastung von den politischen Gremien besser gesteuert werden kann.[2] Der CO2-Emissionshandel hat den Vorteil, dass die mengenorientierten CO2-Reduktionsziele genau eingehalten werden können. Auch hybride Lösungen sind möglich, etwa ein Emissionshandel mit Mindest- oder Höchstpreisen.

Die Bepreisung von Kohlendioxid wird von vielen Fachleuten als das geeignetere Instrument angesehen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, als freiwillige Vereinbarungen wie sie bei der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 getroffen wurden.[3][4] Für das Erreichen der Paris-Ziele sind ab spätestens 2020 CO2-Preise zwischen 40 und 80 US-Dollar notwendig, die bis 2030 auf 50 bis 100 US-Dollar steigen müssen.[5] Mit Stand August 2018 liegen die im EU-Emissionshandel erzielten Preise bei ca. 18 €/Tonne, was eine Preissteigerung von über 200 % im Vergleich zum Vorjahr darstellt.[6]

In einer im November 2018 veröffentlichten Kostenschätzung geht das Umweltbundesamt (UBA) von Schäden von rund 180 Euro pro Tonne Kohlendioxid (CO2) aus (Basis Treibhausgasemissionen Deutschlands 2016).[7][8]

Ökonomische Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die CO2-Steuer ist eine Form der Pigou-Steuer. Sie soll ein partielles Versagen des Marktes ausgleichen und das Markt-Gleichgewicht wiederherstellen. Zertifikat-Systeme werden dem Preis-Standard-Ansatz zugerechnet. Hier geht es nicht nur darum externe Effekte zu überwälzen, also den „wahren Preis“ zu zeigen, sondern es geht ganz pragmatisch darum, ein zuvor gesetztes Mengenziel zu erreichen. Abhängig davon, wie ethische Parameter gesetzt werden, z. B. wie stark das Wohl von Menschen in der Zukunft abgezinst wird, ergeben sich Schadenskosten von ca. 10 bis über 1000 Dollar pro Tonne CO2.[9] 2013 betrugen die vollen Schadenskosten der fossilen Energieerzeugung nach IWF-Angaben ca. 4,9 Billionen US-Dollar; bei 32 Mrd. Tonnen CO2-Emissionen in diesem Jahr summierten sich die Schadenskosten demnach auf mehr als 150 Dollar pro Tonne Kohlendioxid.[10]

Wie hoch ein nationaler CO2-Preis in Deutschland sein müsste, welche Auswirkungen er hätte und wie er sozial-verträglich ausgestaltet werden kann, auf diese Fragen gibt ein Diskussionspapier des Vereins „CO2 Abgabe e.V.“ Antworten. Beispiele mit CO2-Preisen für Schweden, Großbritannien und die Schweiz mit ihrer CO2-Abgabe, einer Lenkungsabgabe mit sozialer Rückverteilung und auf Arbeitsplatzerhalt ausgerichteten Rückzahlung der Einnahmen wurden beschrieben. Vorschläge für Deutschland sehen eine Verwendung der Einnahmen für verschiedene Ziele vor, eine Klimadividende, den Strukturwandel in Braunkohlerevieren oder eine Entlastung bei der EEG-Umlage oder der Stromsteuer sind einige davon.[11]

Die Klimawissenschaftlerin Brigitte Knopf fordert eine nachhaltige Finanzreform in Deutschland und auf internationaler Ebene: „Neben dem Abbau von fossilen Subventionen muss eine solche Reform einen wirksamen CO2-Preis beinhalten.“[12] Sie argumentiert, dass die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung zur Senkung anderer Steuern verwendet werden könnten.[12]

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Emissionshandel wurde Ende der 1960er Jahre von den Ökonomen Crocker und Dales entwickelt.[13] Zunächst hatte man in der EU auf eine CO2-Steuer gesetzt, die jedoch Einstimmigkeit vorausgesetzt hätte.[14] Mit dem Kyoto-Protokoll hat sich das Emissionshandels-System weltweit durchgesetzt.[4] Bislang existieren weltweit 17 unterschiedliche Emissionshandels-Systeme.[4] Es gibt jedoch die Möglichkeit, dass sich zunächst eigenständig entstandene Emissions-Systeme zusammenschließen.[15] Vorreiter bei der Einführung eines Emissions-Zertifikate-Handels ist die EU. In anderen Regionen, z. B. den USA und in China gibt es bislang nur lokale Initiativen.[16] Die Bundesregierung unterstützt die Weltbank-Initiative Carbon Pricing Leadership Coalition zu der sich inzwischen mehr als 20 Staaten zusammengeschlossen haben.[17] Großbritannien hat im April 2015 einen CO2-Mindestpreis von ca. 30 Euro pro Tonne eingeführt, um Investoren Planungssicherheit zu bieten und um einen Anreiz zu geben, in kohlendioxidarme Technologien zu investieren.[18][19]

Die Gerechtigkeitslücke zwischen Nord und Süd bzw. arm und reich bei einem hohen CO2-Preis und einer Klimadividende wurde bei den UN-Klimakonferenzen und bereits 2009 auf der Klimakonferenz in Kopenhagen zu einem Verhandlungsthema zwischen den globalen Vertragsparteien und Interessengruppen.[20]

CO2 und andere Treibhausgase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff CO2 wird oft vereinfachend für die Summe an Treibhausgasen verwendet. Beim EU-Emissionshandel wird z. B. noch immer von CO2-Zertifikaten gesprochen, obwohl seit 2013 auch Lachgas und Fluorkohlenwasserstoffe in den Handel einbezogen sind.

Auswirkungen auf Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhand wirtschaftswissenschaftlicher Modelle aus der Produktionstheorie kann gezeigt werden, welche Auswirkungen spezielle Ausgestaltungen des CO2-Preises haben. Für den Fall einer Steuer die dem Staat pro ausgestoßener Tonne CO2 einen festen Preis einbringt, lassen sich für jedes Unternehmen zwei Varianten unterscheiden:

  • In der ersten Variante hat das Unternehmen die Möglichkeit auf andere Produktionsprozesse auszuweichen, die weniger CO2 ausstoßen aber möglicherweise mehr von anderen Ressourcen wie Kapital, Arbeitskräfte oder Rohstoffe benötigen. Wenn der alternative Prozess durch die eingesparte CO2-Steuer insgesamt günstiger ist, wird das Unternehmen auf diesen Prozess ausweichen.
  • In der anderen Variante stehen dem Unternehmen keine Möglichkeiten offen, um auf andere Prozesse auszuweichen. Beispielsweise weil dies technisch oder physikalisch nicht möglich ist oder weil das Wissen zur Umsetzung fehlt. Dann wird das Unternehmen die gleiche Menge an Produkten (und CO2) produzieren wie zuvor, falls es noch Gewinne macht. Andernfalls wird es die Produktion vollständig einstellen.

Im Falle des Emmisonszertifikatehandels steht den Unternehmen neben der Anpassung der Produktionsprozesse auch die Möglichkeit offen, Zertifikate zu kaufen und zu verkaufen. Ein auf Gewinnmaximierung orientiertes Unternehmen wird die jeweils kostengünstigere Alternative wählen, also den eigenen CO2-Ausstoß mit veränderten Prozessen senken, falls die Kosten für die Prozessänderung niedriger sind als der Marktpreis der Zertifikate.[21]

Soziale Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Bepreisung von CO2 erzeugt staatliche Einnahmen, die sich im Rahmen eines sozialverträglichen Übergangs als Kopfpauschale zum Schutz ärmerer Haushalte vor hohen Energiepreisen zurückverteilen lassen (Ökobonus bzw. Klimadividende). So lässt sich zeigen, dass selbst ein niedriger Preis auf CO2 zur Finanzierung eines Zugangs zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtung ausreichend sein kann.[22]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Wir brauchen dringend einen CO2-Preis", Deutschlandfunk, Ottmar Edenhofer im Gespräch mit Christine Heuer, 30. November 2015.
  2. IWF fordert weltweite CO2-Steuer, Klimaretter.info, 12. Januar 2016.
  3. Edenhofer: CO2-Preis statt Emissionziele beim Weltklimagipfel?, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, 10. November 2015.
  4. a b c Exportschlager Emissionshandel, movum.info, Ausgabe 8 vom Oktober 2015, Nobelpreisträger Joseph Stiglitz: „Freiwillige Abkommen … sind der falsche Weg in die grüne Ökonomie.“
  5. Sky-high carbon tax needed to avoid climate catastrophe, say experts. In: The Guardian, 29. Mai 2017. Abgerufen am 30. Mai 2017.
  6. CO2 European Emission Allowances. In: finanzen.net, 21. August 2018. Abgerufen am 21. August 2018.
  7. Felix Poetschke: Hohe Kosten durch unterlassenen Umweltschutz. In: Umweltbundesamt. 20. November 2018 (umweltbundesamt.de [abgerufen am 28. November 2018]).
  8. Astrid Matthey und Björn Bünger: Methodenkonvention 3.0 zur Ermittlung von Umweltkosten. (pdf) Kostensätze. Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau, 19. November 2018, abgerufen am 28. November 2018 (Seite 9: "Kostensatzes von 180 €2016 / t CO2 äq für das Jahr 2016.").
  9. Cameron Hepburn: Make carbon pricing a priority. In: Nature Climate Change. Band 7, 2017, S. 389 f., doi:10.1038/nclimate3302.
  10. Vgl. Ottmar Edenhofer: King Coal and the queen of subsidies. In: Science. Band 349, Nr. 6254, 2015, S. 1286 f., doi:10.1126/science.aad0674.
  11. Welchen Preis haben und brauchen Treibhausgase? Für mehr Klimaschutz, weniger Bürokratie und sozial gerechtere Energiepreise., Diskussionspapier des CO2 Abgabe e.V., Freiburg i.Br., Juni 2017
  12. a b Pariser Klimaabkommen: Länder müssen Bemühungen für Zwei-Grad-Ziel verdreifachen. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 28. November 2018]).
  13. Anders Bemmann, Die Behandelung des Emissionshandels in der Handels- und Steuerbilanz, Wiesbaden 2013, S. 9.
  14. "Die CO2-Steuern schaden der Wirtschaft nicht", Deutschlandfunk, Swantje Fiedler von der Denkfabrik Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Gespräch mit Jule Reimer, 25. November 2015
  15. Kohle muss teurer werden, Der Tagesspiegel, von Susanne Ehlerding, 30. November 2015
  16. 7 Fragen zu CO2-Steuern, ORF, 3. Dezember 2015
  17. Deutschland tritt neuer Weltbank-Initiative für einen globalen CO2-Markt bei, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Juli 2015
  18. Großbritannien erhöht Kohlendioxidpreis, klimaretter.info, 2. April 2015
  19. Mindestpreis für CO2 zeigt Wirkung, Telepolis, 31. Januar 2017
  20. Claus Leggewie: Die Klimadividende für die Länder des globalen Südens- Die vergessene Milliarde, die taz, 9. Dezember 2009.
  21. Dinkelbach, Rosenberg: Erfolgs- und umweltorientierte Produktionstheorie, Springer, 2002, 4. Auflage, S. 88–94.
  22. Michael Jakob, Claudine Chen, Sabine Fuss, Annika Marxen und Ottmar Edenhofer (2015). Development incentives for fossil fuel subsidy reform. Nature Climate Change, 5(8), 709. doi:10.1038/nclimate2679