Chamoson

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Chamoson
Wappen von Chamoson
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton WallisKanton Wallis Wallis (VS)
Bezirk: Contheyw
BFS-Nr.: 6022i1f3f4
Postleitzahl: 1911 Mayens-de-Chamoson
1955 Chamoson
Koordinaten: 583201 / 116862Koordinaten: 46° 12′ 11″ N, 7° 13′ 16″ O; CH1903: 583201 / 116862
Höhe: 620 m ü. M.
Höhenbereich: 469–3029 m ü. M.[1]
Fläche: 32,47 km²[2]
Einwohner: 3986 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 123 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
18,2 % (31. Dezember 2020)[4]
Website: www.chamoson.net
Gemeindegebiet von Chamoson

Gemeindegebiet von Chamoson

Lage der Gemeinde
Lac de SeninBassin de GodeyLac de DerborenceLac Supérieur de FullyLac de VauxLac de LouvieLac du Grand DésertLac de CleusonLac des DixLac des AudannesLac de TseuzierKanton BernKanton WaadtBezirk EntremontBezirk HérensBezirk HérensBezirk MartignyBezirk Saint-MauriceBezirk SidersBezirk SittenArdon VSChamosonContheyNendazVétrozKarte von Chamoson
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Chamoson (dt. Tschamboss) ist eine politische Gemeinde und eine Burgergemeinde des Bezirks Conthey im französischsprachigen Teil des Kantons Wallis in der Schweiz. Chamoson ist die zweitgrösste Weinbaugemeinde der Schweiz (siehe hierzu Weinbau in der Schweiz) und die grösste im Kanton Wallis.[5]

Der Ortsteil Saint-Pierre-de-Clages ist das einzige Bücherdorf der Schweiz. Im village Suisse du Livre haben sich zahlreiche Antiquariate und Buchläden angesiedelt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chamoson liegt auf der Nordseite der Rhone auf halbem Weg zwischen Sion und Martigny. Die Lage auf dem Schwemmkegel des Bergbachs Losentse, geschützt durch den Ardève und die Felswände des Haut de Cry, eignet sich hervorragend für den Weinanbau.

Die Gemeinde besteht aus den Siedlungen Chamoson, Grugnay, Les Vérines, Mayens-de-Chamoson, Némiaz und Saint-Pierre-de-Clages. Die Nachbargemeinden von Chamoson sind im Norden Conthey, im Osten Ardon, im Südosten Nendaz, im Süden Riddes, im Westen Leytron und im Nordnordwesten Bex (VD).

Historisches Luftbild von Werner Friedli von 1955

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Funde aus dem Neolithikum belegen eine frühe Besiedlung des Schwemmkegels der Losentse. 1050 wird der Ort erstmals urkundlich unter dem Namen Camusia erwähnt. 1233 brannten savoyardische Truppen das Dorf, das damals Scamosun hiess, fast vollständig nieder.

Chamoson war bis 1798 Teil der Herrschaft Ardon-Chamoson. Von 1798 bis 1815 gehörte Chamoson zum Bezirk Martigny, ab 1815 dann zum neu entstanden Bezirk Conthey.[6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Exekutive der Gemeinde Chamoson, der Conseil communal, besteht aus fünf Mitgliedern. Die parteipolitische Zusammensetzung für die Legislaturperiode 2021–2024 ist folgendermassen: CVP 2, FDP 2, PIC (Parti indépendant de Chamoson) 1.[7] Gemeindepräsident ist Marcel Crittin (CVP).[8]

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2019 betrugen die Wähleranteile in der Gemeinde Chamoson: CVP 28,8 %, SVP 21,5 % FDP 18,1 %, SP 15,5 %, Grüne 12,6 %.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1950 1980 2000 2010 2012 2014 2015 2016
Einwohner 1140 1731 2053 2094 2497 3068 3286 3461 3587 3721

Die Bevölkerungszahl von Chamoson nimmt seit 1980 stetig zu. Der Grossteil der Bevölkerung lebt im Hauptort Chamoson und in St-Pierre-de-Clages.

Bevölkerungsentwicklung pro Ort[10]
Jahr 2010 2015 2020
Chamoson 1821 2116 2196
St-Pierre-de-Clages 509 555 778
Mayens-de-Chamoson 249 292 328
Les Vérines 215 211 253
Grugnay 157 212 248
Némiaz 87 112 114

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chamoson ist mit einer Anbaufläche von über 400 ha und über 50 Weinproduzenten die grösste Weinbaugemeinde im Kanton Wallis.[5] Auf einer Höhe zwischen 450 und 750 m ü. M. werden insgesamt 21 Rotwein- und 18 Weissweinsorten angebaut. Die häufigsten Weinsorten sind Pinot Noir, Sylvaner (im Wallis Johannisberg genannt) und Gamay.[11][12] Die Spezialität von Chamoson ist der Johannisberg. Mit rund 75 ha Anbaufläche ist Chamoson mit Abstand der grösste Produzent von Johannisberg (Sylvaner) in der Schweiz. Chamoson nennt sich deshalb auch Terre de Johannisberg.[13] In Chamoson haben vier Rebsorten das Qualitätslabel Grand Cru AOC Wallis. Es sind dies Johannisberg, Petite Arvine, Pinot Noir und Syrah.[14][15]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chamoson bietet ein breites Angebot im Bereich Weintourismus an. Neben Besichtigung von Weinkellern mit Degustationen gibt es zahlreiche Wanderwege durch die Rebberge und einen Weinlehrpfad. Chamoson liegt am Walliser Weinweg, der zu Fuss, mit dem Fahrrad oder dem Auto absolviert werden kann.[12] Im Bücherdorf St-Pierre-de-Clages gibt es zahlreiche Buchlägen und Antiquariate und einmal pro Jahr findet ein Bücherfest statt.[16]

Der Ferienort Mayens-de-Chamoson ist mit dem Kur- und Wintersportort Ovronnaz auf dem Gemeindegebiet von Leytron verbunden. In Mayens-de-Chamoson gibt es Langlaufloipen und Schneeschuhwege. Im Sommer ist der Ort Ausgangspunkt für Bergwanderungen.

Schlammlawinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. August 2018 ist eine Schlammlawine auf dem Gemeindegebiet von Chamoson niedergegangen (im Ortsteil Grugnay). Verletzt wurde niemand, es entstand ein leichter Sachschaden.[17][18] Gut ein Jahr später, am 11. August 2019 hat eine Schlammlawine beim Bergbach Losentse am westlichen Ortsrand von Chamoson einen Mann und ein sechsjähriges Mädchen mitgerissen. Beide kamen ums Leben.[17][19][20]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinberge bei Chamoson[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chamoson bildet zusammen mit den Weinbergen der Gemeinden Ardon, Leytron und Saillon das grösste zusammenhängende Weinbaugebiet des Kantons Wallis.[5] Besonders spektakulär sind die steilen, auf Terrassen angelegten Abschnitte unterhalb der Felswände des Haut de Cry. Von hier hat man einen schönen Ausblick auf das Rhonetal. Ein Weinlehrpfad informiert über den Weinanbau in der Region.

Kirche Saint-André[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Pfarrkirche St. André wurde in ihrer heutigen Form in den Jahren 1929 und 1930 im neugotischen Stil errichtet. Der Kirchturm stammt noch von der Vorgängerkirche aus dem Jahr 1751. Die Wandmalereien und die Glasfenster wurden von Edmond Bille 1930 erschaffen.[21]

Ortszentrum von Saint-Pierre-de-Clages[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Dorfplatz von Saint-Pierre-de-Clages befinden sich gegenüber der Kirche mehrere Gasthäuser aus dem 16. Jahrhundert.[21] Ausserdem sind einige bemerkenswerte Bürgerhäuser erhalten geblieben, die ein Zeugnis vom ländlich-bürgerlichen Wohlstand aus vergangenen Jahrhunderten ablegen.

Bücherdorf Saint-Pierre-de-Clages[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saint-Pierre-de-Clages ist das einzige Schweizer Bücherdorf (Village Suisse du Livre). Im Ortskern befinden sich zahlreiche Buchläden und Antiquariate. Jedes Jahr findet hier Ende August ein dreitägiges Bücherfest statt.[16]

Kirche Saint-Pierre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der romanische Kirche im Ortsteil Saint-Pierre-de-Clages stammt aus dem 11. Jahrhundert und wurde 1153 erstmals urkundlich erwähnt.

Siehe auch: Saint-Pierre-de Clages

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chamoson hat eine Städtepartnerschaft mit der Gemeinde Degersheim SG.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Chamoson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. a b c Walliser Weinberg. Kanton Wallis, abgerufen am 13. Oktober 2021.
  6. Danielle Allet-Zwissig: Chamoson. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). 24. Mai 2005, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  7. Romain Carrupt: Communales 2020 - Résultats à Chamoson. Le Novelliste, 18. Oktober 2020, abgerufen am 22. Oktober 2021 (französisch).
  8. Le conseil communal. Gemeinde Chamoson, abgerufen am 22. Oktober 2021 (französisch).
  9. Bundesamt für Statistik: NR - Ergebnisse Parteien (Gemeinden) (INT1). In: Eidgenössische Wahlen 2019 | opendata.swiss. Abgerufen am 22. Oktober 2021.
  10. Population. Gemeinde Chamoson, abgerufen am 24. November 2021 (französisch).
  11. Vins de Chamoson. Fondation l’Homme et le Vin, abgerufen am 13. Oktober 2021 (französisch).
  12. a b Weinweg. Valrando, abgerufen am 24. November 2021.
  13. Johannis de Chamoson. Fondation l’Homme et le Vin, abgerufen am 18. November 2021 (französisch).
  14. Grand Crus Chamoson. Les vins du Valais, abgerufen am 18. November 2021.
  15. Chamoson Grand Crus. Fondation l’Homme et le Vin, abgerufen am 18. November 2021 (französisch).
  16. a b La grande fête du livre. Village suisse du livre, abgerufen am 18. Oktober 2021.
  17. a b Danger Nature. Gemeinde Chamoson, abgerufen am 18. November 2021 (französisch).
  18. Schlammlawine wälzt sich durch Chamoson. In: srf.ch. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 8. August 2018, abgerufen am 10. Oktober 2021.
  19. Unglück Chamoson. In: nau.ch. Nau, 3. September 2019, abgerufen am 10. Oktober 2021.
  20. Leiche des vermissten Mädchens im Genfersee entdeckt. In: srf.ch. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 27. Juli 2020, abgerufen am 10. Oktober 2021.
  21. a b Willi und Ursula Dolder: Das Wallis. DuMont Kunst-Reiseführer. Köln 1986, ISBN 3-7701-1316-0, S. 211 ff.