Martigny

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt in der Schweiz, weitere Bedeutungen siehe Martigny (Begriffsklärung).
Martigny
Wappen von Martigny
Staat: Schweiz
Kanton: Wallis (VS)
Bezirk: Martigny
BFS-Nr.: 6136i1f3f4
Postleitzahl: 1920
UN/LOCODE: CH MGY
Koordinaten: 571233 / 10545746.1000057.066654471Koordinaten: 46° 6′ 0″ N, 7° 4′ 0″ O; CH1903: 571233 / 105457
Höhe: 471 m ü. M.
Fläche: 24.97 km²
Einwohner: i17'215 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 689 Einw. pro km²
Website: www.martigny.ch
Martigny la Ville

Martigny la Ville

Karte
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Martigny (französisch [maʀtiɲi], im frankoprovenzalischen Ortsdialekt [martiɲˈəː], [a martəɲˈi],[2] deutsch Martinach, lateinisch Octodurum, Forum Claudii Augusti, Forum Claudii Vallensis) ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Bezirkes im Schweizer Kanton Wallis.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt Martigny liegt im französischsprachigen Unterwallis, auf dem Schwemmland der Dranse am Rhone­knie.

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen:

  • Martigny-Ville (475 m ü. M.), im Talgrund
  • Martigny-Bourg (486 m ü. M.), am Eingang ins Val de Bagnes
  • La Bâtiaz, auf der linken Seite der Dranse gegenüber Martigny-Ville

Martigny-Combe auf dem linken Ufer der Dranse bildet eine eigene politische Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

Der vicus Octodurus wird erstmals in Julius Cäsars Bellum Gallicum im Zusammenhang mit der Schlacht von Octodurus 57 v. Chr. genannt («in vico Veragrorum, qui appellatur Octodurus»). 47 n. Chr., in römischer Zeit, hiess der Ort offiziell Forum Claudii Augusti oder Forum Claudii Vallensium, doch ist ab 280 wieder der ursprüngliche Name aus den Quellen bezeugt. Die erste Erwähnung des heutigen Namens Martigny datiert von 1058 («usque Martiniacum»).[2]

Octodurus ist ein nicht sicher geklärter keltischer Name; möglicherweise bedeutet er «acht Tore».[2] Forum Claudius Augusti/Vallensium erweist dem römischen Kaiser Claudius die Ehre,[3] der das Gebiet des heutigen Wallis zur eigenen Provinz Vallis Poenina erhob. Der Namenwechsel von Octodurus auf Martiniacum wird mit der Aufgabe der antiken Stadt Ende des 4. Jahrhunderts und dem Umzug der Bevölkerung in eine jüngere Siedlung in der Nachbarschaft erklärt. Der neue Name geht auf den lateinischen Personennamen Martinius zurück, verbunden mit dem keltischen Suffix -akos, -acum, und bedeutet «bei den Leuten des Martinus», verweist also auf einen Landbesitzer der Spätantike.[2]

Von 381 bis 585 residierten die nachmaligen Bischöfe von Sitten in Martigny. Im Mittelalter gehörte der Ort zur bischöflichen Kastlanei Martigny, die sich 1351 unter den Schutz des Hauses Savoyen stellte. Nachdem die sieben Oberwalliser Zehnden 1475 das Unterwallis erobert hatten, gliederten sie Martigny der Landvogtei Saint-Maurice ein. Dank Privilegien des Bischofs von Sitten und der Grafen von Savoyen konnten die Bürger ihre lokalen Behörden selbst wählen.

1800 beherbergte Martigny Napoleon Bonaparte und dessen Italienarmee. 1840–1847 war der Ort Zentrum der Auseinandersetzungen zwischen den Liberalen und den Konservativen; erstere, die «Junge Schweiz», unterlag 1844 in der nahe Martigny geschlagenen Schlacht bei Trient. Martigny ist bis heute eine Bastion der Freisinnig-Demokratische Partei bzw. der FDP.Die Liberalen im mehrheitlich konservativen Kanton Wallis.

Die heutige Gemeinde Martigny entstand im Rahmen mehrerer Abspaltungen und erneuter Fusionen. 1835 verselbständigte sich Martigny-Ville, 1836 Charrat, und 1841 folgten Martigny-Bourg sowie Martigny-Combe; von Letzterem trennten sich 1845 La Bâtiaz und 1899/1900 Trient. 1956 schlossen sich Martigny-Ville und La Bâtiaz zur neuen Gemeinde Martigny-Ville zusammen, und diese wiederum vereinigte sich 1964 mit Martigny-Bourg zur gegenwärtigen Gemeinde Martigny.

Siehe auch Geschichte des Wallis#Antike.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahl von Martigny entwickelte sich seit 1850 wie folgt (für die Zeit vor 1956 bzw. 1964 werden die Zahlen der früheren Gemeinden Martigny-Ville, La Bâtiaz und Martigny-Bourg zusammengerechnet):

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850[4] 1900[4] 1950[4] 1970[4] 2000[4] 2013
Einwohner 2'545 3'550 5'915 10'478 14'361 17'215

Nach Angaben aus Meyers Konversationslexikon hatte Martigny la Ville um 1888 1'525, Martigny le Bourg 1'303 und Martigny-Combe 1'714 Einwohner.

Verkehr[Bearbeiten]

Martigny ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Strasse und Eisenbahn.

Von der Nationalstrasse 9 zweigen hier die Strassen nach Aosta (Italien, über den Grossen St. Bernhard) und nach Chamonix (Frankreich) ab.

Die Stadt befindet sich an der Eisenbahnlinie LausanneBrig (Simplonbahn). Die Transports de Martigny et Régions (TMR) betreiben Eisenbahnlinien nach Orsières, Le Châble und Le Châtelard (Richtung Chamonix, Frankreich).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Gärten mit Statuen im Museum Pierre Gianadda

Sonstiges[Bearbeiten]

Am Ort gibt es einen Verein der Verkehrsfreunde, der zum Teil Original-Fahrzeuge von 1906 erhält und betreibt (Nostalgiefahrten auf der 1-Meter-Bahnstrecke, Strassenbahn).

Das im Kanton Luzern gelegene Sursee ist Freundschaftsstadt von Martigny.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martigny – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b c d Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 573 f.
  3. François Wiblé: Forum Claudii Vallensium im Historischen Lexikon der Schweiz.
  4. a b c d e Albano Hugon: Martigny (Gemeinde) im Historischen Lexikon der Schweiz.
Laubengänge
Château de la Bâtiaz
Amphitheater Martigny
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