Charles Nicolas Oudinot

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Charles-Nicolas Oudinot, Herzog von Reggio, (* 25. April 1767 in Bar-le-Duc; † 13. September 1847 in Paris) war ein französischer Heerführer und Marschall des Empire.

Nicolas-Charles Oudinot nach einem Gemälde von Robert Lefèvre

Frühe Karriere[Bearbeiten]

Oudinot wurde 1767 in einer Kaufmannsfamilie geboren und trat 1783 in das französische Heer ein. Er beteiligte sich an der Revolution, nachdem er sich am 23. Mai 1794 mit seinem Regiment bei Kaiserslautern ausgezeichnet hatte, wurde er zum Brigadegeneral (fr:Général de brigade) befördert.

1799 wurde Oudinot zum Generalmajor (fr:Général de division) befördert und kämpfte unter Andre Masséna in der Schlacht bei Feldkirch und in beiden Schlachten von Zürich. Nach seiner Beteiligung an der Verteidigung von Genua und Kämpfen am Mincio wurde er 1800 zum Chef des Stabes der Armee von Italien ernannt.

Im Feldzug von 1805, 1806 und 1809[Bearbeiten]

Im Feldzug von 1805 gegen die Österreicher führte Oudinot die Grenadier-Division am 8. Oktober bei Wertingen, zusammen mit Joachim Murat besetzte er die Taborbrücke bei Wien und kämpfte danach am 2. Dezember in der Schlacht bei Austerlitz. Im Feldzug von 1806 gegen Preußen führte er eine Division des V. Korps unter Jean Lannes, am 13./14. Oktober kämpfte er in der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Am 16. Februar 1807 schlug er ein russisches Korps unter Ivan Nikolajewitsch Essen bei Ostrolenka und kämpfte am 14. Juni erfolgreich gegen die russische Hauptmacht unter Bennigsen in der Schlacht bei Friedland. Nach dem Tilsiter Frieden wurde Oudinot im Juli 1807 von Napoleon zum Grafen ernannt. Im September 1808 wurde er während des Erfurter Fürstenkongresses zum Gouverneur von Erfurt bestellt.

1809 führte er im Feldzug gegen Österreich die Avantgarde, er übernahm am 22. Mai nach dem Tod von Marschall Lannes in der Schlacht bei Aspern das Kommando über das II. Korps an der Donau. In der folgenden Schlacht bei Wagram bewährte er sich am 5. Juli durch sein Vorgehen von Raasdorf auf Parbasdorf und wurde am folgenden Tag schwer verwundet. Oudinot wurde für seine Verdienste vom Kaiser am 8. Juli zum Marschall des Empire erhoben und am 12. Juli mit dem Titel eines Herzog von Reggio ausgezeichnet.

Nicolas-Charles Oudinot

Im Russlandfeldzug[Bearbeiten]

Ab Juni 1812 nahm Oudinot als Kommandant des II. Korps der Grande Armée am Feldzug in Russland teil. Nach einem Gefecht bei Kljastizy waren Oudinots Truppen Anfang August nach Polozk ausgewichen. Am frühen Morgen des 17. August 1812 griff das russische I. Korps unter General Wittgenstein die französischen Positionen in der Schlacht von Polozk an und zwang die Franzosen zum Rückzug. Mit Verstärkungen gelang es Oudinot , den Angriff abzuwehren. Oudinot war verwundet worden und war gezwungen, das Kommando an Laurent de Gouvion Saint-Cyr abzugeben. Ende November 1812 rückte er vom Westen her auf die Beresina zu, um die auf den Fluss zurückgehende Hauptmacht Napoleons gegen russische Angriffe zu decken; sein Eingreifen sicherte den Rückzug des restlichen Heeres auf Wilna.

In den Befreiungskriegen[Bearbeiten]

Im Feldzug von 1813 führte Oudinot das XII. Korps, er kämpfte am 21. Mai gegen Blücher bei Bautzen, am 4. Juni wurde er bei Luckau von Bülow geschlagen. Nach dem Waffenstillstand erhielt Oudinot das Kommando über das IV. Korps, mit dem er Berlin einnehmen sollte. In der Schlacht bei Großbeeren unterlag er am 23. August erneut Bülow und musste das Kommando an Marschall Ney abgeben, mit dem er aber anschließend die Niederlage bei Dennewitz (6. September) erlitt. In der Völkerschlacht bei Leipzig (16. Oktober) kämpfte Oudinot mit der Jungen-Garde-Division an der Südfront bei Wachau gegen Fürst von Schwarzenberg und befehligte dann die Nachhut.

Im Feldzug von 1814 war Oudinot Ende Januar mit der Infanterie-Division Rottembourg an der Schlacht bei Brienne beteiligt. Oudinot griff die Verbündeten Anfang Februar bei La Rothière an, wurde aber abgewiesen und bezog zwischen Guignes und Mormant eine neue Abwehrstellung. Am 10. Februar stand die Division bei Champaubert und am 13. Februar kämpfte sie mit den Bayern unter Wrede bei Cutrelles und wich nach Provins aus. Am 19. Februar 1814 ging Oudinot mit dem VII. Korps bei Bray auf das südliche Seine Ufer zurück und wurde MacDonald unterstellt. Am 27. Februar verteidigte Oudinot bei Bar-sur-Aube, wurde aber durch Wittgenstein und Wrede umfasst und musste den Rückzug nach Troyes antreten, das am 4. März geräumt werden musste. Am 22. März besetzte Oudinot das nördliche Ufer der Aube gegenüber von Arcis-sur-Aube. Oudinots ging danach auf der Straße nach Saint-Dizier vor, um den Ort zurückzuerobern; am 27. März nahm er noch Bar-le-Duc zurück, aber Napoleon war schon zur Abdankung bereit.

Unter den Bourbonen[Bearbeiten]

Nach der Abdankung Napoleons I. schloss sich Oudinot Ludwig XVIII. an, der ihm das Militärgouvernement der Festung Metz anvertraute. Während der Hundert Tage nach Napoleons Rückkehr von Elba zog sich Oudinot nach Montmorency zurück und nahm kein Kommando an.

Nach der erneuten Restauration der Bourbonen wurde Oudinot zum Befehlshaber der Pariser Nationalgarde ernannt und mit der Würde eines Pairs und Staatsministers ausgestattet. Am 14. August 1817 verlieh ihm König Friedrich Wilhelm III. von Preußen den Schwarzen Adlerorden.[1]

Im Feldzug in Spanien 1823 führte Oudinot das I. Korps, mit dem er in Madrid einzog. Nach der Julirevolution zog er sich ins Privatleben zurück. 1839 ernannte ihn Ludwig Philipp zum Großkanzler der Ehrenlegion und 1842 zum Gouverneur des Hôtel des Invalides.

Charles Nicolas Oudinot starb am 13. September 1847 in Paris. Sein Sohn Nicolas Charles Victor Oudinot (1791–1863) war ebenfalls General.

Sonstiges[Bearbeiten]

Oudinot wurde als schlichter, tapferer und lebenslustiger Offizier beschrieben, er soll in seiner aktiven Dienstzeit nicht weniger als 34 mal verwundet worden sein.[2] Von ihm wurde gesagt: Er war der typische Frontgeneral von äußerstem Mittelmaß, aber brav und treu und eigentlich nur durch seine überaus vielfachen Verwundungen bemerkenswert.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Sein Name ist am Triumphbogen in Paris in der 13. Spalte eingetragen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Désiré Lacroix: Die Marschälle Napoleons I. Übertragen von Oskar Marschall von Bieberstein; Verlag von Heinrich Schmidt & Carl Günther, 1898
  • Carl Bleibtreu: Marschälle, Generale, Soldaten Napoleons I. 2. Aufl., Verlag Alfred Schall, Berlin, vor 1911
  • Jürgen Sternberger: Die Marschälle Napoleons. Pro Business, Berlin 2008. ISBN 978-3-86805-172-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Louis Schneider: Das Buch vom Schwarzen Adler. Duncker, Berlin 1870, S. 207(31).
  2. Hillbrand : Die Gefechte bei Feldkirch 1799, Oudinot Biographie auf Seite 42, Öst. Bundesverlag Wien 1984 Militärhistorische Schriftenreihe Heft 52
  3. Rudolf von Kramer und Otto Freiherr von Waldenfels: VIRTUTI PRO PATRIA – Der königlich bayerische Militär-Max-Joseph-Orden Kriegstaten und Ehrenbuch 1914-1918, Selbstverlag des königlich bayerischen Militär-Max-Joseph-Ordens, München 1966, S.443