Chodov

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Chodov
Wappen von Chodov
Chodov (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Sokolov
Fläche: 1426,0114[1] ha
Geographische Lage: 50° 14′ N, 12° 45′ OKoordinaten: 50° 14′ 29″ N, 12° 44′ 38″ O
Höhe: 418 m n.m.
Einwohner: 13.547 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 357 35
Kfz-Kennzeichen: K
Verkehr
Bahnanschluss: Chomutov–Cheb
Chodov–Nejdek
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Patrik Pizinger (Stand: 2018)
Adresse: Komenského 1077
357 35 Chodov u Karlových Varů 1
Gemeindenummer: 560383
Website: www.mestochodov.cz
Lage von Chodov im Bezirk Sokolov
Karte

Chodov (deutsch Chodau) ist eine Stadt im Okres Sokolov in Tschechien an der Grenze zum Okres Karlovy Vary.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Westböhmen am Chodaubach. Die Entfernung zu den Städten Sokolov (deutsch Falkenau an der Eger) und Karlovy Vary (deutsch Karlsbad) beträgt jeweils etwa 12 km.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Chodov besteht aus den Ortsteilen Chodov (Chodau) und Stará Chodovská (Stelzengrün).[3] Grundsiedlungseinheiten sind Chodov-nad stadionem, Chodovská, K Vintířovu-Nový Chranišov (Neugranesau), Průmyslový obvod-jih, Průmyslový obvod-sever, Sídliště-sever, Sídliště-střed, Sídliště-západ, Smolnická výsypka, Stará Chodovská, U nádraží, Za sídlištěm und Železný Dvůr.[4]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Dolní Chodov (Unter Chodau) und Stará Chodovská.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chodau gehört zu den Ortschaften mit den ältesten historischen Nachweisen in der Region von Sokolov. Zu Ende des 12. Jahrhunderts war es einer der Orte in der ausgedehnten Grundherrschaft des Klosters Waldsassen, die sich bis nach Westböhmen erstreckte.

Der Ort ist der namensgebende Stammsitz des böhmischen Uradelsgeschlechts der Hi(e)serle von Chodau (Hyserle z Chodow, Hysrle z Chodowa, Iserle z Choduw), gleichen Wappens mit den Rauschengrüner von Aich, den Winkler von Künsperg und den von Plickenstein und Tescheditz (z Tiesseticz),[6] aus welchem Maximiliane Hiserle von Chodau, die Geliebte des sächsischen Kurfürsten August des Starken stammt.

1810 gründete Franz Miessl, ehemals Direktor der Littmitzer Schwefel- und Vitriolwerke und Besitzer von Kohlengruben in Doglasgrün mit Bewilligung 1811 eine Porzellanfabrik in Unter-Chodau. 1830–1834 pachtete der Obermaler Franz Weiss aus Gießhübel bei Luditz die Fabrikation, 1834 verkaufte Miessl die Fabrik an die Besitzer der Kohlengrube von Einsiedl bei Marienbad, Johann Dietl, Johann Hüttner und Johann Schreyer. 1845 erfolgte der Verkauf an die Industriellen Moses Porges Edler von Portheim (1781–1870) und dessen Bruder Juda Leopold Porges Edler von Portheim (1785–1869),[7] welche die Fabrik an die Söhne des ersteren Ignaz und Gustav übergaben, bei welchen das Unternehmen zu großer wirtschaftlichen Blüte kam.[8] 1871 kaufte Georg Haas von Hasenfels aus dem benachbarten Schlaggenwald die Porzellanfabrik in Chodau. Die Produktion von Porzellan hat bis in die Gegenwart unter neuen Firmennamen überdauert.

Chodau wurde 1860 Marktflecken. Durch Erlass von Kaiser Franz Joseph I. vom 30. September 1894 wurde es zur Stadt erklärt und erhielt 1895 das Stadtwappen.

Das früher landwirtschaftlich geprägte Chodau änderte sein Aussehen wesentlich in der Zeit der Industrialisierung, wo reiche Bodenschätze, besonders Kohle und keramische Erden, in der Umgebung gefördert wurden. Seit Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Braunkohlenförderung und seit 1810 die Porzellanherstellung. Zur weiteren Entwicklung der Stadt Chodau trugen Maschinenbauwesen, Baufertigung und Glasbläserei bei. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wandelte sich Chodau in ein Wirtschaftszentrum des Industriegebietes zwischen Falkenau an der Eger und Karlsbad mit einem reichen Gesellschafts- und Kulturleben.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg 1914–1918, war die Tschechoslowakei. Sie beanspruchte die deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich, obwohl deren Bewohner für einen Verbleib bei Deutschösterreich (später Österreich) plädierten. Der Vertrag von Saint-Germain[9] entschied zugunsten der Tschechoslowakei. Damit fiel Chodau an den neuen Staat.

Nach dem Münchner Abkommen kam der Ort an das Deutsche Reich und gehörte bis 1945 zum Landkreis Elbogen, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die deutschsprachige Bevölkerung vertrieben. Ihr Vermögen durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholischen Kirchen in der kommunistische Ära 1948–1989 enteignet. Seitens der Tschechischen Republik erfolgte keine Abgeltung für das konfiszierte Vermögen.

1945/1946 brachten Änderungen der Zusammensetzung der Bewohner von Chodov. Die Stelle der vertriebenen Deutschen nahmen Tschechen, Slowaken und Angehörige anderer Nationalitäten ein.

Die Stadt Waldsassen in der Oberpfalz hat die Patenschaft für die Heimatvertriebenen aus Chodau übernommen. Seit 2004 gibt es außerdem eine Städtepartnerschaft mit Oelsnitz/Erzgeb., die mit vielfältigem kulturellen Austausch gelebt wird. Ein Beispiel dafür ist das Bleiglasfenster im Ratssaal des Rathauses Chodov, das der Grafiker Klaus Hirsch als Zeichen für die Städtepartnerschaften Chodov-Oelsnitz und Chodov-Waldsassen 2014 gestaltet hat. Außerdem wurde in Oelsnitz/Erzgeb. ein Replik der Marienfigur aus Chodov in Form einer neuen Mariensäule im Rahmen der Landesgartenschau 2015 eingeweiht.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Chodau überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1847 0699 in 99 Häusern, darunter eine protestantische und fünf israelitische Familien[10]
1900 5.383 deutsche Einwohner[11]
1921 5.328 davon 5.154 (95 %) Deutsche[12]
1930 5.961 davon 184 (3 %) Tschechen[13][14]
1939 5.480 [14]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[15]
Jahr 1970 1980 1991 2001 2003 2011 2017
Einwohner 11 798 14 704 14 929 14 687 14 454 14 247 13 671

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche Sankt Laurenzius
Marienstatue von 1675
Protestantische Kirche

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bedeutsamste Bauwerk ist die Sankt-Laurentius-Kirche. Sie wurde im 18. Jahrhundert nach Plänen von Kilian Ignaz Dientzenhofer errichtet. Auf dem Altar befindet sich ein Gemälde des Malers Peter Brandl. Vor der Kirche steht eine Statue des Heiligen Sebastian aus dem 17. Jahrhundert; in der Nähe befindet sich eine Mariensäule von 1675. In der Stadt gibt es auch eine protestantische Kirche der Böhmischen Brüder, die im Jugendstil gebaut ist. Vor der protestantischen Kirche befindet sich das Denkmal für die Kriegsopfer.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/560383/Chodov
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/560383/Obec-Chodov
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/560383/Obec-Chodov
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/560383/Obec-Chodov
  6. Roman von Procházka: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandsfamilien. Degener, Neustadt an der Aisch 1973, ISBN 3-7686-5002-2, S. 113 ff.
  7. Ferdinand Seibt, Hans Lemberg, Helmut Slapnicka (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Band 3: N – Sch. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum. Oldenbourg, München u. a. 2000, ISBN 3-486-55973-7, S. 285 f.
  8. Josef Weinmann: Egerländer Biografisches Lexikon. Mit ausgewählten Personen aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Eger. Band 1: A – M. Weinmann, Männedorf/ZH 1985, ISBN 3-922808-12-3, S. 352; Hans Meyer: Böhmisches Porzellan und Steingut. Hiersemann, Leipzig 1927.
  9. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  10. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 15: Elbogner Kreis, Prag 1847, S. 14–15, Ziffer 8).
  11. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 4, Leipzig und Wien 1906, S. 85.
  12. Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland.Helmut Preußler Verlag-Nürnberg.1987. Seite 80. ISBN 3-925362-47-9
  13. Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 101. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
  14. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Elbogen (tschech. Loket). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  15. Tschechische Bevölkerungsstatistik