Chromecast

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Chromecast

Chromecast-AdapterVorlage:Infobox/Wartung/Bild

Hersteller Google
Kategorie Streaming-Box
Erschienen am 24. Juli 2013
Stromversorgung Micro-USB-Anschluss
Chipsatz Marvell DE3005-A1[1]
Abmessungen 72 mm × 35 mm × 12 mm
Gewicht 34 g
Vorgänger Nexus Q

Chromecast ist ein von Google produzierter Streaming-Media-Adapter in Form eines HDMI-Sticks.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Das Gerät wird per HDMI-Schnittstelle an ein Fernsehgerät angeschlossen und streamt Audio und Video über WLAN. Die Stromversorgung erfolgt entweder durch das mitgelieferte Netzteil oder per USB unmittelbar über das Fernsehgerät.

Der Benutzer kann Inhalte von unterstützten mobilen Apps sowie vom Desktop-Browser Google Chrome auf einen Fernseher übertragen. Chromecast wird von verschiedenen Desktop- und mobilen Betriebssystemen unterstützt. Er arbeitet auf zwei verschiedene Arten:

  • Das Gerät steuert die Selektion, das Abspielverhalten und die Lautstärke, die Inhalte selbst streamt der Stick direkt aus dem Internet. Während der Wiedergabe können andere Aufgaben erledigt, beispielsweise Telefongespräche entgegengenommen werden.
  • Im Gegensatz dazu steht die Übertragung von lokalen Medieninhalten, die direkt vom Computer oder Mobilgerät an den Stick übertragen werden. Z. B. ist das Spiegeln eines Tabs aus dem Chrome-Desktop-Browser, des gesamten Bildschirminhalts (eines PCs oder zukünftig auch eines mobilen Gerätes) oder das Anzeigen von Mediendateien mit entsprechenden Dritt-Apps möglich. Was bei letzterem gestreamt werden kann, ist den jeweiligen Apps überlassen. Beispielsweise können Bilder, Videos und Audiodateien gezeigt bzw. abgespielt werden, es gibt aber auch Applikationen, um z. B. ein Quiz mit vier Antwortmöglichkeiten anzuzeigen oder das Steuergerät als Leinwand zu nutzen, auf der der Nutzer mit dem Finger malen kann und dabei der Fernseher das Ergebnis ausgibt.

Wird gerade nichts abgespielt, erscheint der Homescreen, der neben Uhrzeit und Name des Chromecasts auch bildschirmfüllend verschiedene Bildschirmschoner-Bilder anzeigt, die sich im Minuten-Rhythmus abwechseln. Für die Zukunft wurde das Feature angekündigt, neben eigenen Bildern auch Kunstwerke, Orte sowie Wetter oder „Lifestyle“-Nachrichten anzuzeigen. Jede Kategorie, lässt sich dazu- und wieder abwählen. Dadurch entsteht ein Mix aus allen aktivierten Themenbereichen. [2]

Streaming-Architektur[Bearbeiten]

Die Streaming-Architektur Google Cast regelt bei Mobilgeräten die Kommunikation vom Sender zum Empfänger.[3] Vom Steuergerät, z. B. Tablet oder Smartphone, werden nur URLs und Steuerinformationen (z. B. Pausierung, Lautstärkenänderung), sogenannte Commands, an den Stick übertragen (außer bei Offline-Inhalten). Dieser holt die Quelle direkt über die WLAN-Verbindung aus dem Internet oder dem lokalen Netzwerk, die Übertragung eines beliebigen Bildschirminhaltes oder verschiedener Anwendungen gleichzeitig ist nicht möglich. Im strengeren Sinne handelt es sich somit nicht um ein Streaming-Protokoll und steht nicht direkt in Konkurrenz zu Streaming-Protokollen wie Miracast, oder Apple AirPlay.[3] Technisch ist das Protokoll am ehesten mit DLNA zu vergleichen. Google Cast basiert intern auf den Protokollen DIAL (Discover And Launch Protocol) und UPnP.[4]

Vorteile[Bearbeiten]

  • Der Energieverbrauch auf dem Steuergerät ist gegenüber Miracast oder Apple AirPlay geringer, da nur Steuerinformationen und nicht der komplette Bildschirminhalt übertragen wird. Dies gilt nur für Medieninhalte in der Cloud.
  • Eine Bildschirmübertragungs-Funktion (Screen Mirroring) wurde von Google im Rahmen der Entwicklerkonferenz Google I/O für bestimmte Android Geräte angekündigt.[5] Diese wurde in einigen Live-Demos bereits vorgeführt und lief im Gegensatz zum Tabcasten des Chrome-Desktop-Browser ohne große Latenz.[6]
  • Da die Steuerung durch das Mobilgerät oder den Computer geschieht, ist keine zusätzliche Fernbedienung notwendig. Wenn es der jeweilige Dienst unterstützt, können verschiedene Geräte nacheinander oder auch gleichzeitig das Streaming steuern. Zum Beispiel können verschiedene Familienmitglieder Lieder oder Videos zu einer Playlist hinzufügen.
  • Das Abspielen ist unabhängig vom Steuergerät, mit dem das Abspielen angestoßen wurde. Die Wiedergabe wird auch fortgesetzt, wenn beispielsweise die Batterie des Mobilgeräts entladen ist oder es sich außerhalb der WLAN-Reichweite befindet.
  • Gegenüber einer Übertragung nach dem Wi-Fi-Direct-Standard wird die Internetverbindung des Mobilgeräts nicht getrennt.

Nachteile bzw. Kritik[Bearbeiten]

  • Es war zunächst nicht möglich, Inhalte direkt vom Mobilgerät (z. B. Fotos) auf den Fernseher zu übertragen. Inhalte mussten immer zuerst in die Cloud geladen werden, z. B. über Google+. Seit Dezember 2013 gibt es Applikationen von Drittanbietern, mit denen dies möglich ist, z.B. Avia[7] oder Plex[8], und seit der Veröffentlichung des Chromecast-SDKs auch noch zahlreiche weitere Anwendungen.
  • Wenn die Stromversorgung über das mitgelieferte Netzteil erfolgt, verbraucht der Stick immer Strom, da er dauerhaft, auch bei Nichtnutzung, mit dem Netzanschluss verbunden ist. Es ist daher sinnvoller, die Stromversorgung über einen stromführenden USB-Anschluss des TV-Gerätes herzustellen.

Spiele[Bearbeiten]

Momentan existieren lediglich manche simple Anwendungen wie ein Mehrspieler-Quiz oder TicTacToe,[9] die die Fragen und Antworten bzw. das aktuelle Spielfeld auf den Fernseher streamen. Mithilfe von "Screen Mirroring" würden aber auch komplexere Oberflächen gespiegelt werden. Die Entwickler-Plattform Rolocule nutzt dies, sowie die Bewegungssensoren des Steuergeräts, um diesen als Controller zu benutzen. Diese Technik ähnelt stark Spielekonsolen wie Nintendo Wii oder Xbox Kinect. Als Demo-App fungiert eine Tennis-Applikation, weitere sollen jedoch folgen und auch andere Programmierer können solche Spiele entwickeln.[10]

Übertragung von Tabs aus dem Browser Google Chrome[Bearbeiten]

Zusätzlich zur Streaming-Architektur unterstützt Chromecast eine Übertragung von geöffneten Tabs aus Google Chrome auf ein anderes Gerät (Tab Cast). Dabei wird der Inhalt direkt vom Computer zu Chromecast übertragen (ähnlich Miracast oder Apple AirPlay) mit den dadurch verbundenen Einschränkung wie höherer Energieverbrauch und Geräte-Abhängigkeit der Wiedergabe. Über Tab Cast ist auch die Übertragung lokaler Inhalte möglich.[11] Die Funktionalität befindet sich momentan noch im Entwicklungsstadium, daher gibt es noch folgende Einschränkungen:

  • Bisher wird nur die Desktop-Version von Chrome unterstützt, eine Übertragung von Mobilgeräten ist nicht möglich.[12]
  • Das Spiegeln bestimmter Browser-Plugins wird nicht unterstützt, insbesondere bei Silverlight.[13] Die Nutzung einiger Streaming-Dienste wie Amazon Instant Video in Deutschland ist somit nicht möglich.
  • Die Übertragung besitzt eine niedrigere Qualität als direkt durch die Streaming-Architektur unterstützte Anwendungen und hängt von dem verwendeten Computer ab. Die maximal unterstützte Auflösung ist 720p.[14]

Im experimentellen Entwicklungsstatus befindet sich noch das Spiegeln des kompletten Bildschirminhalts eines Computers. Dies lässt sich im Chrome-Browser über das Chromecast-Menü mittels der Option „Gesamten Bildschirm übertragen (experimentell)“ aktivieren. Auch andere Programme und die gesamte System-Oberfläche werden dabei übertragen.

Apps[Bearbeiten]

Unterstützte Apps waren zuerst YouTube, Netflix, Google Play, sowie seit dem 10. Dezember 2013 Songza, Vevo, Plex, Red Bull.TV, Revision 3, PostTV, Viki, BeyondPod, RealPlayer Cloud, Avia [8]. Mit der Einführung in Deutschland am 19. März 2014 ist das Video-On-Demand-Portal Watchever als App verfügbar.[15]

Am 4. Februar 2014 veröffentlichte Google die Entwicklungsschnittstelle Chromecast-SDK[16], womit Chromecast-kompatible Apps entwickelt werden können. Voraussetzung dafür ist die Google Cast SDK Developer Console, die 5 Euro kostet. Seitdem gibt es auch kostenlose Anwendungen zur Übertragung von Offline-Inhalten. Die erste und auch bekannteste ist die App AllCast von Koushik Dutta, der vor allem für das alternative Custom-ROM CyanogenMod bekannt ist.

Die Cast Store App[17], die einen inoffiziellen Überblick über Android Apps mit Chromecast Unterstützung bietet, listet inzwischen mehrere Hundert entsprechende Apps auf.

Unterstützte Betriebssysteme[Bearbeiten]

Desktop-Systeme[Bearbeiten]

(zur Benutzung wird der Chrome-Browser benötigt)

Mobile Systeme[Bearbeiten]

Verfügbarkeit und Preis[Bearbeiten]

Das Gerät wurde am 24. Juli 2013 angekündigt und zunächst für 35 US-Dollar (ohne Steuern) in den Vereinigten Staaten, seit dem 19. März 2014 dann auch in 11 weiteren Ländern (darunter auch Deutschland) für 35 Euro (inkl. MwSt.) verkauft.[19]

Aufgrund der einfachen Bedienung und dem relativ günstigen Preis verkaufte sich der Chromecast anfänglich schnell. Innerhalb von zwei Tagen nach Deutschlandstart erreichte Chromecast den Bestseller-Platz 1 beim Online-Warenversand Amazon.de im Bereich „Computer und Zubehör“.[20] In England kam es in den ersten Tagen zu Lieferschwierigkeiten, das Online-Magazin Curved vergleicht den Hype mit dem von Apples iPad.[21]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Google Unveils $35 Chromecast HDMI TV Stick. Cnx-software.com. Abgerufen am 26. Juli 2013.
  2. Chris Davies: Chromecast Backdrop gives your TV a personalized screensaver. In: Slash Gear. 25. Juni 2014, abgerufen am 1. Juli 2014 (englisch).
  3. a b Google Entwicklerseite für Google Cast API, abgerufen am 29. August 2013
  4. admin74: How Chromecast Works, Chromecast Protocol Described. In: Computer Solution. Computer Solution. 28. Juli 2013. Abgerufen am 13. August 2013.
  5. Google I/O: Chromecast beherrscht jetzt auch Mirroring, abgerufen am 30. Juni 2014
  6. Chromecast Screen Mirroring Demo at Google I/O 2014. In: Android Authority. 26. Juni 2014, abgerufen am 5. Juli 2014 (englisch, Video-Beitrag auf dem sozialen Netzwerk YouTube).
  7. Google Play Store Seite zur Applikation Avia, abgerufen am 8. Januar 2014
  8. a b Moritz Stückler: 10 neue Apps mit Google-Chromecast-Unterstützung – inklusive Plex. In: T3n.de. 10. Dezember 2013, abgerufen am 11. Dezember 2013.
  9. Google Play Store Seite zur Applikation TicTacToe for Chromecast
  10. Stefan Kirchner: Rolocule: Googles Chromecast als Spielkonsole. In: androidtv. 4. Juli 2014, abgerufen am 5. Juli 2014.
  11. Ryan Whitwam: Chromecast tab casting: How to stream your desktop, browser, and local media to your TV (video). Englisch. Online auf extremetech.com vom 29. Juli 2013, abgerufen am 3. September 2013.
  12. Systemvorraussetzungen der Google Cast Extension, abgerufen am 30. August 2013
  13. engadget.com: Google Chromecast review: can you make your dumb TV a smart one for just $35?, Stand 29. Juli 2013, abgerufen am 4. Oktober 2013
  14. ChromeCast Optimized Playback vs. Casting a Tab. Englisch. Hilfe zu Tab Casting. Online auf support.google.com, abgerufen am 30. August 2013.
  15. Watchever.de: Unterstützte Geräte - Google Chromecast, aufgerufen am 19, März 2014
  16. http://www.zdnet.de/88183127/google-oeffnet-chromecast-sdk-fuer-alle-entwickler/
  17. Google Play Store Seite zur Applikation Cast Store
  18. a b Chromecast 101. Abgerufen am 10. April 2014.
  19. Henning Steier: 35-Dollar-Hintertür zum Fernseher. Online auf nzz.ch vom 24. Juli 2013.
  20. Tuan Le: Chromecast: Erklimmt Bestseller-Position bei Amazon binnen weniger Tage. In: AndroidNext.de. 22. März 2014, abgerufen am 22. März 2014.
  21. Google Chromecast: größter Verkaufshit seit Apples iPad. In: Curved. 20. März 2014, abgerufen am 22. März 2014.